Eventname: Andernacher Metal Days
Bands: Stone Mountain Manorz, Godsnake, Frank Blackfire, Sanctuary, Ronnie Romero, April Art, Soen
Ort: Juz Live Club, Stadionstr. 88, 56626 Andernach
Datum: 01. – 02.05.2026 (Einlass: ab 14:00 Uhr)
Kosten: Festivalticket 83,00 €, Festivalticket und Camping 105,00 € ( zzgl. Gebühren und Versandkosten)
Genre: Hard Rock, Trash Metal, Dark Metal, Heavy Metal, Progressive Metal, Power Metal
Veranstalter: Juz Live Club Andernach (https://www.juzliveclub.de/)
Link: https://www.juzliveclub.de/programm/andernach-metal-days/
Die liebe Judith war mal wieder für uns in Andernach unterwegs. Lest hier, was sie bei den Andernacher Metaldays am zweiten Tag erlebte (hier kommt ihr zum Bericht des ersten Tages):
Noch ganz beseelt von dem grandiosen 1. Tag der Andernacher Metal Days tauche ich am Samstag pünktlich zur Einlasszeit auf. Das schöne Wetter lädt schließlich dazu ein, sich mit Bekannten im Biergarten vor der Halle über die Bands vom Vortag auszutauschen. Außerdem studiere ich noch mal die Speisekarte des Food-Store-Imbisses. Einen Chili-Cheese-Burger werde ich mir heute sicher noch gönnen.

Stone Mountain Manorz
Den musikalischen Reigen eröffnen heute die Quasi-Lokalmatadoren von Stone Mountain Manorz, die mit knapp 20 km die kürzeste Anreise, vom Proberaum auf der Goldenen Meile zwischen Bad Breisig und Sinzig, aller Akteure haben. Auf die Bühne bringen sie Geschichten, die das Leben schreibt, im rockigen Gewand und mit deutschen Texten. Neben Sänger Anton, der den eindringlichen Songs die nötigen Emotionen verleiht, fällt besonders Schlagzeuger Leander auf, der mit seinen 16 Jahren mit Abstand der jüngste Musiker auf der Bühne an diesem Wochenende ist und einen beachtlichen Job abliefert. Insgesamt können die Vier hier heute einen Achtungserfolg verbuchen, was der verdiente Applaus am Ende beweist.
Godsnake

Als Nächstes freue ich mich auf die Hamburger Godsnake, deren neuester Silberling Inhale The Noise nicht nur von Time For Metal im Vorfeld gute Bewertungen einfahren konnte. Für eine Trash-Metal-Band packen sie eine gehörige Portion Melodie in ihre Songs, was auch live echt gut funktioniert und besonders bei den Refrains zum spontanen Mitsummen einlädt. Den Auftakt machen sie heute mit Urge To Kill von ihrem gleichnamigen Debüt-Album, was direkt mit den typischen Trash-Riffs und dem satten Drumsound für die richtige Stimmung sorgt. Natürlich dürfen aktuelle Kostproben nicht fehlen, und Lost And Forgotten, Scream For A Bullet sowie Inhale The Noise beweisen genau, wofür Godsnake stehen: straighter und rifflastiger Melodic-Trash-Metal. Torger am Mikro merkt man den Spaß an, den er und seine Kollegen haben, den neuen Stoff unters Volk zu bringen, und so entsteht zwischendurch das ein oder andere Geplänkel mit dem Publikum. Stone The Crow beendet schließlich einen kurzweiligen Auftritt, der die Live-Qualitäten der Band eindrucksvoll bewiesen hat.
Frank Blackfire

Wir bleiben beim Genre und erwarten nun mit Frank Blackfire ein wahres Urgestein der deutschen Trash-Metal-Szene, denn wer kennt den Mann am Sechssaiter nicht aus seiner Zeit bei Sodom und Kreator? Da Sodom, bei denen er seit 2018 wieder mit im Boot ist, momentan pausieren, bleibt Zeit, sich verstärkt seinem Soloprojekt zu widmen und auf Tour zu gehen. Zu den Klängen von Peter Gunn aus dem Blues-Brothers-Soundtrack geht’s für das Trio auf die Bühne, um direkt einige Eigenkompositionen zum Besten zu geben. Die zünden vielleicht noch nicht so ganz, doch als mit Renewal und People Of The Lie zuerst die Kreator-Phase, und im Anschluss auch seine Zeit bei Sodom gewürdigt wird, kennt die Partystimmung keine Grenzen mehr. Zum Anti-Kriegs-Song Remember The Fallen kommt dann auch die passende Ansage zum derzeitigen Wahnsinn in der Welt: „Führt keine Kriege, trinkt lieber Bier und hört Metal„, bevor dann Bombenhagel den etwas kurzen, aber leidenschaftlichen Auftritt beendet.
Sanctuary

Die US-amerikanische Power-Metal-Band Sanctuary aus Seattle kann ja auf eine bewegte Historie, von Gründung im Jahr 1985, mehreren Wechseln im Line-Up über Auflösung, Weiterführung der Band als Nevermore und schließlich der Wiedervereinigung 2010 zurückblicken. Prägende Gestalten waren dabei mit Sicherheit der, leider 2017 viel zu früh verstorbene, Ausnahmesänger Warrel Dane, sowie wahrscheinlich Gitarrist Lenny Rutledge, der heute als einziges Gründungsmitglied noch dabei ist. Mit dem ersten Song Die For My Sins von 1987 geht’s direkt mal in die Anfangszeit, Battle Angels und Future Tense folgen und machen deutlich, wofür Sanctuary stehen: anspruchsvoller Power Metal mit progressiven und düsteren Anleihen, geprägt von facettenreichem Gesang. Mit dem auch von Witherfall bekannten Joseph Michael steht dabei ein Mann am Mikro, den man getrost zu den besten Screamern der Szene rechnen darf. Kommunikation mit dem Publikum zählt vielleicht nicht zu seinen Stärken, aber ein Anfeuern der Menge ist heute auch gar nicht nötig, ein begeistertes Publikum feiert Klassiker wie Into The Mirror Black, Seasons Of Destruction und One More Murder lauthals mit, bevor ein intensiver und emotionaler Gig mit Taste Revenge sein Ende findet.
Ronnie Romero

Ronnie Romero ist vielen bestimmt von seiner Zeit als Sänger bei den legendären Rainbow bekannt, bei denen er das Erbe seines Namensvetters Ronnie James Dio angetreten hatte. Daneben war der gebürtige Chilene, der mittlerweile in Bukarest lebt, aber bei vielen anderen Bands ein gern gesehener Mann am Mikro, so z.B. bei den Schweizern CoreLeoni und der Michael Schenker Group, bevor er tatsächlich erst 2023 mit Too Many Lies, Too Many Masters das erste Soloalbum mit Eigenkompositionen herausbrachte, von dem es mit dem Auftakt Castaway On The Moon, sowie dem später folgenden Chased By Shadows auch zwei Titel auf die Setlist schafften. Auch sein letztes Werk Backbone findet mit einigen Songs Beachtung, die sich stilistisch sehr am Hard- und Heavy-Rock orientieren. Doch natürlich warten die Headbanger alle auf seine Coverversionen großartiger Metalhymnen und feiern mit Stand Up And Shout den ersten D.I.O-Klassiker. Was hat der Mann doch für eine fantastische Stimme, auch bei Stargazer und Deep Purples The Battle Rages On muss er sich auf keinen Fall vor den Originalinterpreten verstecken und wird dafür frenetisch abgefeiert. Nach dem ebenfalls grandiosen Kill The King findet dieser emotionale Auftritt mit dem etwas abfallenden Turbo Lover leider schon ein Ende.
April Art

Jetzt ist auf jeden Fall der richtige Zeitpunkt für eine Stärkung, denn die nun folgenden Sport-Rocker von April Art geben nicht nur selber alles auf der Bühne, dasselbe fordern sie auch von ihrem Publikum. Hier herrscht vom ersten Ton an Action und gute Laune auf der Bühne, Break Out und Rising High bringen die Menge schon mal direkt gut in Bewegung. Ich liebe diese Truppe, seit ich sie durch Zufall mal mitten in der Nacht beim Zappen in einer Rockpalast-Aufzeichnung entdeckt habe, und Sängerin Lisa-Marie Watz und ihre rot gewandeten Kollegen enttäuschen auch heute nicht. Immer sympathisch in Interaktion mit den Fans, unterstützt durch Chris Bunnel (Gitarre) und Julian Schuetze (Bass), die jeden Zentimeter der Bühne zum Posen und Bangen ausnutzten, angefeuert von Ben Juelg am Schlagzeug. Es ist unglaublich, welche Energie diese Band entfacht. Rodeo, die neue Singleauskopplung Panic Station und Karma Is A Beach lassen die Juz-Halle beben. Und dann dieser unglaubliche Moment, als Lisa-Marie den Rollstuhlfahrer in der Menge bemerkt und direkt mal einen Circle-Pit um ihn herum organisiert. Viel zu schnell geht die rot-schwarze Party zu Ende, Jackhammer und Not Sorry setzen heute die Schlusspunkte, mir bleibt nur die Freude auf ein baldiges Wiedersehen.
Soen

Es ist mittlerweile schon spät geworden, doch das Highlight für heute fehlt ja noch. Zu atmosphärischen Introklängen betreten dann endlich Joel Ekelöf und seine Mitstreiter die Bühne, um die Anwesenden mit Mercenary, vom in diesem Jahr erschienenen Album Reliance, in die ganz eigene Soen-Welt zu entführen. Mit dem zweiten Song Antagonist, zu dem Joel Ekelöf in russischer Uniform auftritt, wird deutlich, wie die Band zu den oft ungerechten und korrupten Herrschaftsstrukturen auf dieser Welt steht. Leider kann wohl aus technischen Gründen das sehr eindringliche Video dazu nicht abgespielt werden. Fraccions und Memorial werden begeistert mitgesungen, bevor es mit einem weiteren neuen Titel, Indifferent, wieder ruhiger wird. Joel Ekelöf, der Magier am Mikro, beherrscht sein Publikum ein ums andere Mal, mystisch die Gesten, geheimnisvoll die Stimme. Dazu eine bestens aufeinander abgestimmte Band mit Stefan Stenberg (Bass), Cody Lee Ford (Gitarre), Multiinstrumentalist Lars Ahlund (Gitarre, Keyboard, Percussions) sowie dem ehemaligen Opeth Schlagzeuger Martin Lopez, die heute wieder einmal unter Beweis stellen, warum sie momentan zu einer der besten Progressive-Metal-Bands weltweit zählen. Alle Lieder von Soen haben ihre eigene Dynamik, und wer sich auf diese Welt einlässt, erlebt ein emotionales Feuerwerk. Kraftvolle Passagen wechseln sich mit sphärischen Klängen ab, die Stimmung oft schwer und melancholisch, wie die weiteren Werke wie Lascivious, Discordia und besonders das eindringliche Lotus beweisen. Gegen Ende wird das Tempo wieder etwas angezogen, und mit Illusion und Unbreakable, die beide noch einmal inbrünstig mitgesungen werden, findet ein fantastisches Festivalwochenende einen denkwürdigen Abschluss.
Mein Fazit des zweiten Tages der Andernacher Metal Days: Musikalisch dürfte eigentlich für jeden etwas dabei gewesen sein. Was aber vielleicht noch mehr zählt, sind diese Möglichkeiten, gleichgesinnte Freunde der härteren Musik aus allen Ecken der Republik zu treffen und sich auszutauschen. Meine Grüße gehen in den Schwarzwald, das Siebengebirge, den Westerwald und ins Siegerland, und wer nicht dabei war, hat definitiv etwas verpasst.








































