Nachdem ich euch im ersten Teil meines Berichts über den Aufbau, die Zielsetzung und die Arbeitsschritte der Reihe und ihre begeisternde Durchführung durch die Schülerinnen und Schüler berichtet habe, möchte ich euch in diesem Teil mitnehmen zum Höhepunkt der Unterrichtsreihe über Heavy Metal – dem Besuch des Meet ’Em All Vol. 4 und der Begegnung meiner Schüler mit der Welt der Metalheads – den Musikern und den Fans.
(Wie landet man eigentlich als begeisterter Metal-Hörer im Beruf des Musiklehrers – und bringt dann sogar Heavy Metal mit in den Unterricht?
Thomas – Wie der Heavy Metal in meinen Musikunterricht kam – Metal an der Realschule Hausberge Teil 1)
Kurz zur Erinnerung:
Zu diesem Festival war „mein“ Kunst-Musikkurs durch die Veranstalter, die Metal Society Weserbergland, eingeladen worden, um seine Arbeitsergebnisse einem interessierten Publikum vorzustellen.
Das war ja klar. Das war ja so was von klar wie nur irgendwas. 364 Tage im Jahr geht es einem gut. Und pünktlich heute, zum Festival-Tag am Samstag, dem 25.04.206, kotzte ich mir zwischen sechs und acht Uhr morgens die Seele aus dem Leib. Wann auch sonst. Nachdem am Tag vorher schon meine Frau extrem an Magen und Darm laboriert hatte, durfte ich am Festival-Tag ran. Es ging uns mies, mieser, am miesesten. Durchfall, Erbrechen, Fieber, Schüttelfrost, Kreislauf. Ohne Vorwarnung.
Von jetzt auf gleich alles Schei..e. Im wahrsten Sinne des Wortes. Dabei wollten wir rechtzeitig los und den Stand für die Schule aufbauen, die Plakate anbringen, die Schülerinnen empfangen, die zu siebt das Festival besuchen wollten usw. In so einer Situation bist du verloren, wenn du keine Freunde um dich hast. In so einer Situation bist du verloren und kriegst den Blues, wenn du alleine bist.
Aber:
Unsere Metal Society Weserbergland lässt niemanden alleine, und im Stich schon mal gar nicht. Ein Anruf genügte. Kalle baute für uns den Stand auf, Inga hatte schon mal in mühevoller Arbeit die Pappen zurechtgeschnitten, an denen dann die Plakate und Liedtexte der Schülerinnen und Schüler angeheftet und angeklebt werden konnten. Christian kam und half mit doppelseitigem Klebeband aus, als die Wäscheklammern zu wenige waren. Und von allen Seiten kam „Wenn ich was helfen kann“, „Kommt ihr klar?“, „Braucht ihr noch was?“ und so weiter. Danke an dieser Stelle – auch von meiner Frau – an Kalle. An Inga. Und an Christian. Und ich weiß, dass, wenn sie das hier lesen, alle drei sagen werden: „Das ist doch nicht nötig!“ Doch meine Lieben. Gerade darum. Danke aber auch an ALLE aus der Society!
Ich darf sagen, ich fühle mich sehr wohl bei euch. Und ich bin stolz darauf, unser T-Shirt zu tragen und zu euch zu gehören.
Ohne euch hätten wir den Aufbau und die Vorbereitung NIEMALS geschafft – der Wind hatte ja schon genug Probleme beim Aufhängen der Schülerarbeiten gemacht. So aber, dank eurer Hilfe, konnten wir dann endlich das Kommen der Schülerinnen erwarten. Ja, ich schweife ab – aber das musste jetzt einfach mal gesagt bzw. geschrieben werden.
Um 14:00 Uhr war es dann so weit – das Festival ging los und die Schülerinnen tauchten auf. Ein wenig seltsam wurde den jungen Damen schon zumute, als sie sich von hunderten Heavy-Metal-Fans in ihren klassischen Leder-Outfits und mit ihren Kutten umringt sahen. Schließlich war für sie – bis auf eine Ausnahme – dies ihr erstes Heavy-Metal-Festival, an dem sie teilnahmen. Wie würde man auf sie und ihre Ausstellung reagieren?
Waren die Metaller, um es mal mit zwei Beiträgen aus der Eröffnungsstunde der Reihe über Heavy Metal auszudrücken, die „bösen alten Männer“ oder waren sie „besser als ihr Ruf“?
Nun, schon bald sollten sich die jungen Damen, die sich am Anfang noch brav an den Händen hielten, wenn sie das Gelände erkundeten, sichtlich entspannen. Denn gerade zu Beginn des Festivals war ab 14.00 Uhr mit dem Kinderfest mit Entchen-Angeln, Waffel-Backen, „Tätowieren“ und anderen Vergnügungen für die ganz, ganz kleinen Besucher:innen der Tag zunächst einmal ein Familienfest – dieser Eindruck wurde auch durch die Teilnahme des Fanfarenzugs Blau-Weiß Kalletal e.V. noch unterstrichen. Ganz klar: Wacken hat mit den Firefighters seinen Musikzug der Freiwilligen Feuerwehr, Kalletal hat seinen Fanfarenzug!.
Beeindruckt waren die Schülerinnen auch schon sehr früh von der großen Freundlichkeit, mit der sie von allen Helferinnen und Helfern der Veranstaltung begrüßt wurden, und der Hilfsbereitschaft, die ihnen von allen Mitgliedern des Metal-Society-Vereins entgegengebracht wurde – und von der Herzlichkeit, mit der sie als mitwirkende Teilnehmerinnen akzeptiert wurden und ihre extra für sie entworfenen „Area-Pässe“ bekamen. Und so legte sich schon bald ihre anfängliche Nervosität.
Und: Die freundliche, ja fröhliche, lockere und völlig gewaltfreie Atmosphäre des Festivals sorgte schnell dafür, dass sich die Schülerinnen immer wohler fühlten und bald jede für sich auf eigene Faust erkundete, was es da noch so zu sehen gab – und zu hören, denn mit fünf Bands aus der Region zeigte sich die ganze Vielfalt der Metal-Musik von ihrer beeindruckendsten Seite:
Von mittelalterlichen Klängen (Fjordvind) über düstere Power (Obscurity, Belialed, Slave To Misery) bis hin zu bestens präsentierten Klassikern der harten Rockmusik (Klabusterberries) war alles dabei, was Metaller-Herzen erwärmt und Metalheads zum Bangen bringt …
Wie aber würden die ausgestellten Exponate der Schülerinnen bei einem so fachkundigen und interessierten Publikum aufgenommen werden? Würden ihre Arbeiten überhaupt beachtet werden – und wie würden sie beurteilt werden – als ehrliche Versuche, sich die über 50-jährige Kultur und Geschichte des Heavy Metal bewusst zu machen und darzustellen? Als gelungener Versuch, in dem Streben, dem Spirit dieser faszinierenden Musik und ihrer thematischen Inhalte nachzuspüren? Oder würde das alles als „Kinderkram“ verrissen werden?

Und es gab viele (begeisterte) Gespräche! Es gab sogar eine E-Mail, aus der ich hier gerne wörtlich zitiere:
„Hallo lieber Thomas,
liebe Grüße an den Kurs der Realschule.
Wir haben uns mit großer Freude eure Songtexte angeschaut und viel darüber gesprochen. Ich spreche heute nicht nur für mich, sondern für mehrere Musikerkollegen aus den verschiedensten Bands und Genres. Ich habe versucht, alles in eine E-Mail zu schreiben, um euch ein gutes Feedback zu geben. Seid stolz auf euch, denn ihr habt uns sehr beeindruckt und Inspiration für vielleicht andere Texte unserer Band in der Zukunft gegeben.
Denn, wenn wir über Musik reden, denken viele zuerst an Notenblätter, Instrumente oder einfach nur Töne, die aus einem Lautsprecher kommen. Aber Musik ist eigentlich viel mehr als das. Stellt euch Musik wie eine Sprache vor, für die man keine Wörter braucht. Ein Song ist nicht bloß eine Aneinanderreihung von Takten. Er ist ein Gefäß für alles, was uns bewegt:
Leidenschaft (…), Gefühle (…), Erfahrungen.
Wenn ihr das nächste Mal einen eurer Lieblingssongs hört, achtet mal darauf: Ihr hört nicht nur Töne. Ihr hört die Geschichte von jemandem, sein Herzblut und seine Gefühle. Musik ist das, was passiert, wenn das Leben zu Tönen wird.
Ich und andere freuen uns auch schon, euch (wieder) zu treffen und mehr auf eure Texte einzugehen.
Bis dahin sende ich euch fette Grüße.
Ludwig Jüngling (Sänger Paranoiac und Veranstalter verschiedener Musikfestivals).“
Besser kann man die Arbeit, die die Schüler:innen sich in der Unterrichtsreihe machten, nicht würdigen.
Und besser kann man das, was Heavy Metal in seinem tiefsten Wesen ausmacht, ja, das Wesen von Musik allgemein, nicht beschreiben.
LUDWIG, DEINE BESCHREIBUNG ÜBER DIE SEELE DER MUSIK GEHÖRT IN JEDES LEXIKON! DAS IST MEIN VOLLER ERNST!
Und ich danke dir an dieser Stelle für die Würdigung der Arbeit meiner Schülerinnen – ganz sicher auch in ihrem Namen!
Ach, apropos Würdigung:
Nach dem vorherigen ersten Teil des Artikels hatte Kai aus der Metal Society Weserbergland Mr. Keith Fay, der Stimme von Cruachan, geschrieben, was für ein Artikel das ist, um was es darin geht und wie es kommt, dass der Mann vor dem E-Board ein Cruachan-Shirt trägt (vgl. Bild aus der vorherigen Ausgabe).
Zehn Minuten später hatte Keith Fay den Artikel auf der Bandseite geteilt und als Kommentar dazu geschrieben:
„Here’s a great article about teacher Thomas Walter bringing heavy metal into the classroom and treating it with respect, not as a gimmick, as a serious form of music and culture.
And yes … he’s standing there in a Cruachan shirt. Legend!
For years, metal has been dismissed by people who never bothered to look beyond the surface. Meanwhile, you’ve got teachers like Thomas introducing it in an educational setting, showing students the depth, history, and meaning behind it.“
Erst Keith, dann Ludwig. Zwei Ritterschläge auf einmal. Bombe!
Ach!
Abschließend ein Wort noch zu den Schülerinnen:
Die fühlten sich auf dem Festival mittlerweile ganz zu Hause – und dass ihnen teilweise sogar Selfies mit den Bandmusikern gelangen, machte für sie diesen Tag zu dem, was es auch für mich war:
Zu etwas ganz Besonderem.
Bleibt nur noch die Frage, was ich selber von unserer Arbeit halte, wie die Schüler*innen sich selber und ihre Arbeit im Unterrichtsprozess wahrgenommen haben, was man beim nächsten Mal, wenn es eines gibt, anders, ja, besser machen kann usw.

Bis dahin alles Gute, metallische Grüße und – wie immer – keep on rockin´!
Thomas







