Denkt man an Death Metal und an Ägypten, fällt einem natürlich sofort die Band Nile ein, welche aber ja aus den USA stammt. Crescent stammen ursprünglich aus Ägypten, treiben sich aber schon länger in Deutschland herum, und in der Tat, fallen mir nicht wirklich viele Formationen aus dem Land der Pharaonen ein, die dem Death Metal frönen. Zajal, Catharsis und eben die Band, um die es heute geht. Scarab wurden 2001 gegründet. Fünf Jahre war man unter dem Namen Hate Suffocation unterwegs (zwei Demos), bis man sich dann im Jahre 2006 umbenannte. Immerhin sind noch drei Gründungsmitglieder am Start. Das Sextett hat bereits drei Alben und eine EP draußen. Das letzte Lebenszeichen hörte man im Jahre 2020 von ihnen. Nun ist man wieder aus den Pyramiden gekrochen, und hat die EP Transmutation Of Hate aufgenommen. Brutal Records hat diese dann veröffentlicht.
Tauchen wir mal ab in den Nil und fangen an mit dem Opener Vow Of The Sphinx (Abou El-Hou). Man fühlt sich sofort in die Zeiten der Pharaonen versetzt. Dramatische Beschwörungsklänge alter Zeiten kommen kurz auf einen zugeflogen. Die Gitarre gesellt sich langsam dazu, während im Hintergrund orientalische Klänge laufen. Die Growls setzen ein. Es bleibt langsam und nun wird es richtig orientalisch mit entsprechendem Gesang, bevor man dem Death Metal freien Lauf lässt. Es bleibt langsam, aber druckvoll, und man nimmt diesen vorherigen Part mit Gesang wieder auf. Ein Hauch von Tausendundeiner Nacht ist spürbar. Die Einflüsse der Herkunft sind klar hör- und spürbar und sind mindestens gleichwertig. Klingt alles interessant. Nun nimmt man auch Fahrt auf und knüppelt sich durch die Wüste, um dann diesen heimischen Part wieder ans Tageslicht zu befördern. Diesen baut man noch sehr dramatisch aus. Hier wird klar Wert auf Atmosphäre und Dramatik gelegt. Der doppelte Gesang, der eingesetzt wird, klingt ziemlich fett. Ein langer Scream und eine Ballerattacke lockern das Ganze wieder auf und es ist eben eine echt coole Kombination aus beiden Welten. Sicherlich kein Material, welches man eben so nebenbei hören sollte. Der Einsatz dieser orientalischen Instrumente ist nicht nur begleitend, sondern steht dem Death Metal mindestens gleichberechtigt zur Seite. Das wird der Sphinx sicherlich ein Lächeln ins Gesicht zaubern und sie beglücken.
Transmutation Of Fate beschäftigt sich mit der Alchemie und mit der Philosophie des Magnum Opus, dem Prozess der Verwandlung von Materie in etwas Höheres.
Auffallend ist eben die Orchestrierung, welche die Band innehat und welche innerhalb von zwei Jahrzehnten entwickelt wurde. Diese ist auch beim nachfolgenden Song Hands From The Sun (Amon) zu finden. Dieser bedrohliche Anfang mit einer cleanen Gitarre und den choralen Klängen und dann der Übergang zu einer bösartigen Death-Metal-Geschichte haben absolut was. Eine filmische Orchestrierung wird hier mit progressivem Death Metal kombiniert. Das Interessante ist, dass alles irgendwie passt. Gegensätze ziehen sich an, heißt es, und das ist hier gut vernehmbar. Man blastet sich hier ordentlich durch das Universum und baut dann eben immer diese Metal-untypischen Elemente mit ein. Ein geiles, melodisches Solo mit cleanem Chorgesang erzeugt einen Gänsehautmoment. Dieser Gesangseinsatz wird am Ende noch einmal wiederholt. Der Song ist schön schnell und erinnert mich dann tatsächlich an Nile. Dabei klingt man eben brutal und atmosphärisch zugleich.
Diese Verbindung halten sie auch bei dem Song Epistle Of Secrets (Creators Of III) bei. Hier ist man, wie bei allen Songs, ganz schön vertrackt und progressiv unterwegs, überzeugt aber durchaus durch die Gitarrenarbeit, und man kommt dann doch irgendwie immer auf den Punkt. Klingt aber an einigen Stellen sehr wild und durcheinander. Tempowechsel sind an der Tagesordnung und auch hier liefert man wieder eine gelungene Atmosphäre ab, besonders zum Ende hin. Besonders da erzeugt man einen epischen Moment, der aber kurze Zeit später einer dramatischen Änderung weichen muss. Ein Song, welchen man definitiv öfter hören muss.
Am Ende haut man mit Monarch Of Violence (Oriasirius) wieder eine dämonische Einleitung raus und zeigt, welche musikalischen und dramatischen Fähigkeiten die Musiker besitzen. Mir ist das, wie auf der ganzen EP, an einigen Stellen zu viel. Progressivität ist ja immer gut und Wendungen sollte man auch gerne mal überraschend einbauen, aber eben auch eine gewisse Geradlinigkeit. Diese haben sie natürlich am Start, besonders hier bei den Blastbeat-Passagen. Die Riffs sind auch ziemlich fett, da gibt es nichts zu meckern, und auch die orientalische Orchestrierung passt. Wie gesagt, manchmal fällt es mir schwer, zu folgen, aber nach dreimal hören wird es leichter, denn dann ist man in die ägyptische Welt so richtig eingetaucht. Gutes Zeug, nicht nur für Fans von Nile.
Hier geht es für weitere Informationen zu Scarab – Transmutation Of Fate in unserem Time For Metal Release-Kalender.



