Band: Speak In Whispers
Herkunft: Larnaca, Zypern
Genre: Progressive Groove Metal, Metalcore
Link: https://www.speakinwhispers.co
Bandmitglieder:
Gesang – Andreas Spyrou
Gitarre – Antonis Koumpari
Gitarre – Andreas Hadjipandelis
Bassgitarre – Deniel Pavlovskiy
Schlagzeug – Steph
Zypern und Metal – für viele passt das auf den ersten Blick noch immer nicht ganz zusammen. Die Mittelmeerinsel wird meist mit Stränden, Tourismus oder ihrer geopolitischen Lage verbunden, kaum jedoch mit einer modernen Metalszene. Dabei existiert hier seit Jahrzehnten eine kleine, leidenschaftliche und bemerkenswert loyale Community, irgendwo zwischen klassischem 80er-Heavy-Metal-Ethos und einer jüngeren Generation von Bands, die zunehmend international denkt. Eine dieser Bands sind Speak In Whispers aus Larnaca. Die Gruppe gehört zu den spannendsten modernen Acts der Insel – nicht nur musikalisch, sondern auch wegen ihres Weges. Nach ihrem Auftritt beim Bloodstock Open Air im vergangenen Jahr gewann die Band nun auch die Wacken Metal Battle Greece und wird damit als erste zyprische Band überhaupt beim Wacken Open Air auftreten – ein historischer Moment für die lokale Szene.
Doch gerade interessant macht Speak In Whispers nicht nur dieser Erfolg. Die Band verbindet modernen Groove- und Progressive-Metal mit atmosphärischen Klangflächen, elektronischen Elementen und einer auffallend introspektiven Herangehensweise. Ihre Songs funktionieren weniger über bloße Härte als über Stimmung, Dynamik und emotionale Tiefe. Man hört schnell, dass hier keine Band versucht, einfach „modern“ zu klingen – sondern ihren eigenen Ausdruck sucht.
Auch auf Zypern selbst blieb der Aufstieg der Band nicht unbemerkt. Das zyprische Press and Information Office widmete Speak In Whispers und der lokalen Metalszene inzwischen sogar eine eigene Dokumentation rund um den Bloodstock-Auftritt – etwas, das man bei einer modernen Metalband aus Zypern wohl noch vor wenigen Jahren kaum erwartet hätte.
Getroffen habe ich die Band am Abend ihres letzten großen Residency-Konzerts im Savino Live in Larnaca. Nach acht Jahren endet dort ein wichtiges Kapitel für die Gruppe. Zwischen Soundcheck, Abschiedsstimmung und Vorfreude auf die nächsten Schritte entstand ein Gespräch über Herkunft, Musik, Emotionen, die zyprische Szene – und darüber, warum Wacken für die Band nicht das Ziel, sondern erst der Anfang ist.
Time For Metal / Marcel Parviz:
Wie hat eigentlich alles angefangen?
Speak In Whispers / Andreas Hadjipandelis:
Die Band entstand Anfang 2018 aus einem früheren Projekt. Drei von uns haben damals schon zusammen Musik gemacht, die Band ist aber irgendwann auseinandergebrochen. Wir hatten trotzdem das Gefühl, dass da musikalisch noch etwas drinsteckt, weil die Chemie zwischen uns einfach gestimmt hat. Also haben wir neue Leute dazugenommen und zunächst praktisch als Hausband hier im Savino angefangen. Wir haben monatliche Shows gespielt, Cover, viel Metal, einfach Musik, die wir selbst hören wollten. Irgendwann kam dann dieser Moment, an dem wir gemerkt haben: „Eigentlich funktionieren wir zusammen ziemlich gut – warum schreiben wir nicht eigenes Material?“ Daraus sind dann Schritt für Schritt Speak In Whispers entstanden und schließlich auch Crystalline Structures.
Time For Metal / Marcel Parviz:
Man hört bei euch Groove Metal, progressive Elemente, modernen Metalcore? Einflüsse, Atmosphäre, elektronische Sounds. Wie würdet ihr euren Stil selbst beschreiben?
Speak In Whispers / Andreas Hadjipandelis:
Unser Sound entwickelt sich ehrlich gesagt immer noch weiter. Viele Bands finden ihren endgültigen Stil erst nach ein oder zwei Alben. Die Basis bei uns ist definitiv riff- und grooveorientierter Metal. Die progressiven Elemente sind eher etwas, das wir darüberstreuen – nicht Selbstzweck.
Uns geht es nie darum, kompliziert zu sein, nur weil wir es können. Wenn ein Part progressiv wird, dann, weil es emotional oder rhythmisch Sinn ergibt. Wir wollen Songs schreiben, die Spannung haben, die dich mitnehmen, die nicht einfach von Anfang bis Ende nur „heavy“ sind. Dafür brauchst du Dynamik, Kontraste, ruhige Momente und dann wieder Ausbrüche.
Speak In Whispers / Andreas Spyrou:
Und am Ende geht es vor allem darum, dass Menschen beim Hören etwas fühlen. Wenn ein Song emotional nichts auslöst, hört man ihn sich wahrscheinlich kein zweites Mal an. Genau das versuchen wir zu vermeiden. Wir wollen keine schweren Songs schreiben, nur um schwer zu sein.
Time For Metal / Marcel Parviz:
Eure Musik wirkt sehr detailreich. Gerade über Kopfhörer entdeckt man ständig kleine Nuancen und Klangschichten.
Speak In Whispers / Andreas Hadjipandelis:
Das freut mich extrem zu hören, weil genau das unser Ansatz ist. Wir denken Songs eher wie kleine Geschichten. Nicht einfach nur „Verse, Chorus, fertig“. Gerade bei einem Song wie Hollow musste der Chorus diese bedrückende, fast geisterhafte Atmosphäre haben, weil der Song eben von Verzweiflung und Depression handelt. Ein riesiger „Happy Chorus“ hätte emotional überhaupt nicht funktioniert.
Ich glaube, Musik wächst oft erst mit der Zeit. Manche Details nimmt man erst nach mehreren Durchläufen wahr. Genau das mögen wir selbst auch an Alben anderer Bands. Die elektronischen und atmosphärischen Elemente spielen dabei eine große Rolle.
Speak In Whispers / Andreas Spyrou:
Ja, absolut. Ich komme selbst teilweise aus elektronischer Musik und wollte diese Elemente immer in die Band bringen. Unser anderer Gitarrist Antonis hat sich dann immer tiefer mit Sounddesign beschäftigt und unglaublich viele dieser Sounds selbst entwickelt. Diese Synths und Texturen sind bei uns aber nie der Hauptfokus. Sie sollen eher zusätzliche Emotionen und Tiefe erzeugen. Sie machen den Sound größer und moderner, ohne dass die Songs ihre Härte verlieren. Live laufen diese Sachen als Playback mit – sonst bräuchten wir wahrscheinlich 25 Bandmitglieder auf der Bühne. (lacht)
Time For Metal / Marcel Parviz:
Andreas, deine Texte wirken oft introspektiv, teilweise fast esoterisch oder spirituell.
Speak In Whispers / Andreas Spyrou:
Ja, das stimmt wahrscheinlich. Bands wie Tool oder A Perfect Circle haben mich da sicher geprägt. Ich mag Texte, die nicht alles komplett ausformulieren, sondern Raum für eigene Interpretationen lassen. Gleichzeitig versuche ich aber trotzdem, eine gewisse Richtung vorzugeben. Ein Song wie Asteroid kann zum Beispiel als Thema Wiedergeburt oder Reinkarnation verstanden werden – für jemand anderen geht es vielleicht einfach um zweite Chancen im Leben. Beides ist legitim. Viele Texte beschäftigen sich auch mit Religion, gesellschaftlichen Konstrukten oder dem Gefühl, dass Menschen ständig eingeredet wird, sie müssten „repariert“ werden oder sich für irgendetwas schuldig fühlen. Gerade auf Zypern wächst man sehr stark mit Traditionen und Religion auf – das beeinflusst einen natürlich.
Time For Metal / Marcel Parviz:
Auch optisch wirkt die Band sehr durchdacht. Deine Bühnenfigur mit schwarzer Körperfarbe und fast samuraiartiger Ausstrahlung fällt sofort auf.
Speak In Whispers / Andreas Spyrou:
Das hat sich irgendwie organisch entwickelt. Auf der Bühne fühlt es sich fast wie eine andere Persönlichkeit an. Wie eine Art Rüstung. Wenn ich komplett geschminkt bin und auf die Bühne gehe, passiert mental irgendetwas – als würde jemand anderes übernehmen. Schwer zu erklären. Und natürlich spielt die visuelle Ebene heute auch eine große Rolle. Aufmerksamkeitsspannen sind kurz geworden. Du musst Menschen heute sowohl musikalisch als auch visuell packen. Aber es geht nicht um reinen Schockeffekt. Ich möchte, dass Leute nach einem Konzert das Gefühl haben, wirklich etwas erlebt zu haben.
Time For Metal / Marcel Parviz:
Steph, dein musikalischer Hintergrund ist für eine moderne Metalband eher ungewöhnlich.
Speak In Whispers / Steph:
(lacht) Ja, wahrscheinlich. Ich habe ursprünglich Jazz in Los Angeles studiert und später klassische Percussion gemacht – und bin dann plötzlich in einer Metalband gelandet. Aber ehrlich gesagt hängt musikalisch alles irgendwie zusammen. Unterschiedliche Genres bringen unterschiedliche Denkweisen mit rein.
Speak In Whispers / Andreas Hadjipandelis:
Und genau das ist das Spannende daran. Wir hatten vorher immer klassische Metaldrummer. Steph bringt rhythmische Ideen rein, auf die wir selbst niemals gekommen wären. Dadurch klingt vieles frischer und eigenständiger.

Time For Metal / Marcel Parviz:
Wie stark beeinflusst euch eigentlich die Tatsache, aus Zypern zu kommen?
Speak In Whispers / Andreas Hadjipandelis:
Musikalisch vielleicht weniger direkt – aber praktisch extrem. Als Band auf einer Insel hast du automatisch andere Voraussetzungen. Europäische Bands steigen in einen Van und fahren einfach los. Für uns bedeutet jede Tour Flugtickets, Equipment-Transport, viel höhere Kosten. Das zwingt uns aber auch dazu, härter zu arbeiten. Unser Fokus kann gar nicht nur auf Zypern liegen, dafür ist die Szene zu klein. Deshalb schreiben wir auf Englisch, deshalb versuchen wir international zu denken. Wir wollen irgendwann touren, verschiedene Städte sehen und mit dieser Musik wirklich raus in die Welt.
Time For Metal / Marcel Parviz:
Gleichzeitig wirkt die Metalszene hier unglaublich familiär.
Speak In Whispers / Andreas Hadjipandelis:
Das ist sie auch. Jeder kennt jeden. Viele von uns haben irgendwann schon mal zusammen in anderen Bands gespielt. Selbst bei Wettbewerben supporten sich die Bands gegenseitig. Bei Metal2TheMasses (Bloodstock Competition) bist du von der Bühne gegangen und hast direkt danach die nächste Band angefeuert, obwohl ihr um denselben Slot gespielt habt. Wenn wir uns hier nicht gegenseitig unterstützen würden – wer dann?
Time For Metal / Marcel Parviz:
Letztes Jahr Bloodstock, jetzt Wacken. Wie fühlt sich dieser Schritt an?
Speak In Whispers / Andreas Hadjipandelis:
Surreal, ehrlich gesagt. Beim größten Metalfestival der Welt zu spielen, passiert wahrscheinlich nur einmal im Leben. Für uns ist das natürlich historisch – nicht nur für die Band, sondern auch für die Szene hier. Aber wir sehen Wacken nicht als Ziel, sondern eher als nächsten Schritt. Es garantiert dir nichts. Du musst trotzdem weiterarbeiten, bessere Songs schreiben, bessere Shows spielen und versuchen, den Schwung mitzunehmen.
Time For Metal / Marcel Parviz:
Fühlt es sich an, als würdet ihr dort auch Zypern repräsentieren?
Speak In Whispers / Andreas Hadjipandelis:
Ja, definitiv. Man hat schon das Gefühl, etwas Größeres zu repräsentieren als nur sich selbst.
Time For Metal / Marcel Parviz:
Gibt es Nervosität vor so einem Festival?
Speak In Whispers / Andreas Hadjipandelis:
Nicht wegen des Auftritts selbst. Eher wegen der ganzen Logistik. (lacht) Dass das Equipment rechtzeitig ankommt, alles funktioniert, und keine technischen Probleme auftreten. Sobald wir auf der Bühne stehen, denken wir meistens sowieso nicht mehr viel nach – dann übernimmt einfach die Musik.
Time For Metal / Marcel Parviz:
Nach acht Jahren endet jetzt eure Residency im Savino Live. Wie fühlt sich das an?
Speak In Whispers / Andreas Hadjipandelis:
Es ist definitiv das Ende einer Ära. Diese acht Jahre haben uns live unglaublich stark gemacht. Monat für Monat zwei- bis zweieinhalbstündige Sets zu spielen, schweißt eine Band zusammen. Aber irgendwann merkst du auch, dass zu viel Energie in diese regelmäßigen Shows fließt – Energie, die du eigentlich für neue Musik, Visuals, Videos oder Touring brauchst. Deshalb fühlt sich das Ende zwar traurig an, gleichzeitig aber auch wie ein notwendiger Schritt nach vorne.
Time For Metal / Marcel Parviz:
Und wohin geht die Reise musikalisch als Nächstes?
Speak In Whispers / Andreas Hadjipandelis:
Das zweite Album ist im Grunde schon geschrieben. Im Sommer wollen wir aufnehmen. Der Sound bleibt unserer Basis treu – Groove, Atmosphäre, progressive Elemente –, aber alles wirkt insgesamt reifer und fokussierter. Diesmal arbeiten wir außerdem mit einem größeren Produzenten zusammen. Nicht, weil wir mit dem Debüt unzufrieden wären, sondern weil wir glauben, dass diese Songs noch größer klingen können. Wenn du dein eigenes Material produzierst, bist du manchmal einfach zu nah dran. Ein externer Blick kann unglaublich wertvoll sein.
Time For Metal / Marcel Parviz:
Was ist langfristig das Ziel von Speak In Whispers?
Speak In Whispers / Andreas Hadjipandelis:
Dass die Band sich irgendwann selbst tragen kann. Nicht im Rockstar-Sinn. Niemand von uns erwartet Millionen oder Grammys. Wir wollen einfach touren, neue Städte sehen und erleben, dass irgendwo Menschen unsere Texte mitsingen. Dieses Gefühl, wenn du in einer fremden Stadt plötzlich jemanden vor dir hast, der deine Songs kennt – das ist schwer zu beschreiben. Genau darum geht es uns eigentlich. Genau deshalb wirkt Wacken für Speak In Whispers auch wie das Öffnen einer Tür.
Neue Städte. Neue Bühnen. Neue Menschen. Nach Bloodstock und dem historischen Schritt Richtung Wacken scheint für die Band gerade erst ein neues Kapitel zu beginnen. Und vielleicht wird genau dort aus einer kleinen Metalband von einer Mittelmeerinsel plötzlich etwas deutlich Größeres. Etwas, von dem inzwischen nicht mehr nur die Band selbst träumt – sondern eine ganze zyprische Metalszene.
Die Dokumentation des zyprischen Press and Information Office über Speak In Whispers und ihren Weg zum Bloodstock Open Air findet ihr hier:
Grundlage dieses Interviews und Features waren Gespräche mit der Band beim letzten Residency Konzert im Savino Live in Larnaca (28.03.2026) sowie zusätzliche Aussagen rund um den Wacken-Auftritt.



