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Erdve – Epigrama
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Avatar-FotoJuergen S.·
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·1. Juni 2026·2 Minuten Lesedauer

Erdve – Epigrama

29.05.2026 – Post Metal, Post Hardcore, Sludge, Extrem Metal – Season Of Mist – 42:48 Minuten

Am 29. Mai 2026 veröffentlichten die litauischen Extrem-Metaller Erdve ihr drittes Studioalbum Epigrama über Season Of Mist. Erhältlich ist die Platte sowohl als CD als auch auf Vinyl, wobei neben der klassischen schwarzen Variante auch eine silber-schwarz marmorierte Pressung angeboten wird.

Geografische und musikalische Herkunft

Die 2016 in Vilnius gegründete Band hat sich in den vergangenen Jahren einen hervorragenden Ruf innerhalb der europäischen Post-Metal- und Sludge-Szene erarbeitet. Nach dem Debüt Vaitojimas und dem Nachfolger Savigaila markiert Epigrama nun den dritten Langspieler des Quartetts.

Mit Epigrama legen Erdve ein geschlossenes und zugleich kompromissloses Album vor. Die Formation um Sänger und Gitarrist Vaidotas Darulis, Gitarrist Adomas Varnelis, Schlagzeuger Valdas Voveraitis und Bassist Karolis Urbanavičius bewegt sich weiterhin an den Schnittstellen von Sludge, Post Metal, Post Hardcore und modernen Extreme-Metal-Spielarten, verdichtet diese Einflüsse jedoch zu einem Werk, das weniger auf einzelne Songs als auf seine Gesamtwirkung setzt.

Monolithische Klanggewalt

Bereits der eröffnende Titeltrack macht deutlich, wohin die Reise führt. Schwerfällige, dissonante Gitarren türmen sich zu massiven Klangblöcken auf, während der tief grollende Bass von Karolis Urbanavičius und das kraftvolle Schlagzeugspiel von Valdas Voveraitis eine beklemmende Schwere erzeugen. Die Vocals von Vaidotas Darulis wirken dabei nicht wie ein klassischer Gegenpol zur Instrumentierung, sondern verschmelzen mit ihr zu einem Ausdruck von Verzweiflung, Wut und innerer Zerrissenheit.

Gemeinsam mit den Gitarrenarbeiten von Darulis und Varnelis entsteht eine Klangwand, die sich eher als Atmosphäre denn als klassische Songstruktur begreifen lässt. Melodien sind vorhanden, bleiben jedoch meist verborgen und erscheinen eher als flüchtige Schatten innerhalb der überwältigenden Klanglandschaften.

Besonders beeindruckend ist die Konsequenz, mit der Erdve Spannung aufbauen und gleichzeitig jede Form von Erlösung verweigern. Viele Stücke scheinen auf einen befreienden Ausbruch zuzusteuern, nur um kurz davor wieder in sich zusammenzufallen. Diese permanente Erwartungshaltung verleiht dem Album eine fast klaustrophobische Intensität.

Zwischen Dissonanz und Dynamik

Trotz seiner Monolithik bietet Epigrama einige bemerkenswerte Kontraste. Die Gitarren wirken oftmals wie gegeneinander verschoben, verkeilen sich in kantigen Dissonanzen und schaffen eine Atmosphäre ständiger Unruhe. Gleichzeitig sorgt das druckvolle Schlagzeug für Vorwärtsbewegung, ohne dem Hörer jemals wirkliche Entlastung zu gewähren. Trukmė öffnet den Sound kurzzeitig für elektronische Texturen und ungewöhnliche rhythmische Ideen, bevor die Band die Zuhörer wieder in ihren Strudel aus Schwere und Dissonanz zieht. Auch Raukšlės setzt stärkere emotionale Akzente und deutet Momente von Verletzlichkeit an, ohne die Grundstimmung des Albums zu verlassen. Dagegen stehen Stücke wie Nyra oder Skepsis, die mit ihrer unerbittlichen Wucht und bedrückenden Atmosphäre zu den intensivsten Momenten der Platte zählen.

Ein Album als Gesamterlebnis

Was Epigrama besonders macht, ist die Geschlossenheit seines Gesamtkonzepts. Produktion, Komposition und Stimmung greifen nahtlos ineinander. Die Songs wirken wie unterschiedliche Kapitel einer einzigen düsteren Erzählung über Zerfall, Orientierungslosigkeit und die Suche nach Bedeutung in einer zunehmend fragilen Welt. Selbst die ganz wenigen experimentellen Einschübe erscheinen nie wie Fremdkörper, sondern fügen sich organisch in das Gesamtbild ein.

Wer eingängige Strukturen oder zugängliche Hooks erwartet, wird hier kaum fündig. Wer sich jedoch auf die dichte Atmosphäre und die enorme emotionale Wucht einlässt, entdeckt ein beeindruckend konsequentes Werk.

Hier! geht es für weitere Informationen zu Erdve – Epigrama in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Erdve – Epigrama
Fazit zu Epigrama
Mit Epigrama liefern Erdve so etwas wie einen Soundtrack für eine Welt im Ausnahmezustand. Das Album ist schwer, unbequem und emotional aufreibend, entfaltet seine Stärken jedoch gerade durch seine Kompromisslosigkeit. Die Litauer verbinden Sludge, Post Metal, Hardcore und experimentelle Elemente zu einem dichten, beklemmenden Klangkosmos, der lange nachwirkt. Kein Album für den (schnellen) Konsum.

Anspieltipps: Epigrama. Skepsis und Svertas
Juergen S.
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