Crippled Black Phoenix, Support Temple Fang am 06.05.2026 im Club Volta in Köln

Hypnotische Klangreisen und monumentale Schwere

Bands: Crippled Black Phoenix, Temple Fang

Ort: Club Volta, Schanzenstr. 6 – 20, Gebäude 2.10, 51063 Köln

Datum: 06.05.2026

Kosten: 30,00 € VVK

Genre: Dark Rock, Art Rock, Post Rock, Avantgarde Rock, Psychedelic Rock, Space Rock, Stoner Rock

Veranstalter: AllesGute.LiveSound of Liberation

Link: https://www.facebook.com/events/1189747126533918?active_tab=about

Der heutige Abend im Club Volta verspricht eine Reise zwischen psychedelischer Weite und düsterer Klanggewalt. Mit Temple Fang und Crippled Black Phoenix treffen zwei Bands aufeinander, die weniger auf klassische Songstrukturen setzen, sondern vielmehr auf Atmosphäre, Dynamik und intensive Klangwelten. Während Temple Fang für ausufernde Space- und Psychedelic-Rock-Jams bekannt sind, wächst die Erwartung auf den später folgenden dunklen, cineastischen Soundkosmos von Crippled Black Phoenix.

Kosmische Klangreisen: Temple Fang eröffnen den Abend

Temple Fang verwandeln den Abend schon früh in eine ausgedehnte psychedelische Reise. Die Band aus Amsterdam, gegründet 2018, erspielte sich in den vergangenen Jahren mit intensiven Festivalauftritten und ausufernden Liveshows einen exzellenten Ruf in der europäischen Psychedelic- und Space-Rock-Szene. Hinter Temple Fang stehen unter anderem die ehemaligen Death Alley-Musiker Dennis Duijnhouwer und Jevin De Groot, deren musikalische Herkunft auch heute noch deutlich durchscheint.

Schon nach den ersten Minuten wird klar, dass Temple Fang nicht auf klassische Songstrukturen setzen. Stattdessen entfalten sich die Stücke langsam, kreisend und hypnotisch. Die Band verbindet schweren Seventies Rock mit spacigen Klangflächen, langen instrumentalen Passagen und einer beinahe tranceartigen Dynamik. Vieles wirkt improvisiert, gleichzeitig aber erstaunlich kontrolliert.

Wer Temple Fang bereits bei Festivals wie Roadburn, Freak Valley oder dem Desertfest erlebt hat, erkennt sofort diese besondere Live-Energie wieder: Die Songs wachsen organisch, ziehen sich weit über die üblichen Laufzeiten hinaus und verlieren dabei nie ihre Spannung.

Temple Fang, Club Volta Köln 2026, Pic by Big Simonski

Im Mittelpunkt des Sets steht das aktuelle Album Lifted From The Wind, das 2025 über Stickman Records erschienen ist. Die Songs leben weniger von schnellen Hooks als von Atmosphäre, Geduld und stetiger Entwicklung. Immer wieder schichtet die Band Gitarrenflächen übereinander, lässt Basslinien kreisen und steigert die Intensität langsam bis in eruptive Ausbrüche hinein. Mit The River, Harvest Angel und Josephine integriert die Band mehrere zentrale Stücke des aktuellen Albums ins Set. Gerade Harvest Angel zeigt den ausgeprägten Jam-Charakter der Band in voller Breite: flirrende Gitarren, mehrstimmiger Gesang und sich langsam verdichtende Dynamik sorgen für einen hypnotischen Sog, der den Raum komplett einnimmt. Dabei pendelt die Musik ständig zwischen meditativer Ruhe und kontrollierter Ekstase. Mal wirken Temple Fang verträumt und beinahe schwerelos, im nächsten Moment drücken massive Riffs und ausufernde Jam-Passagen den Sound tief in psychedelische Schwere. Trotz aller Länge verlieren die Songs dabei nie ihren Fluss. Die Übergänge wirken fließend, fast nahtlos, als würden sich die Musiker permanent gegenseitig treiben und gleichzeitig auffangen. Genau dadurch entsteht diese intensive Sogwirkung, die das Publikum zunehmend tiefer in den Sound hineinzieht. Ihr Auftritt fühlt sich an wie ein eigenständiger Trip – hypnotisch, warm, kosmisch und voller kontrollierter Dynamik. Das kommt beim Publikum heute Abend sehr gut an und ist eine perfekte Einstimmung auf den später folgenden düsteren Klangkosmos von Crippled Black Phoenix.

Zwischen Dunkelheit und Ekstase: Crippled Black Phoenix

Crippled Black Phoenix stehen nach den Umbauarbeiten nun hier im Club Volta auf der Bühne. Schon nach wenigen Minuten verdichtet sich der Eindruck, dass dieser Abend weit über ein klassisches Rockkonzert hinausgeht. Crippled Black Phoenix sind eine englische Dark-Rock-Band, die 2004 von Justin Greaves gegründet wurde. Mittlerweile hat die Band zig Studioalben herausgebracht. Neben Justin Greaves haben zahlreiche weitere Musiker zur Diskografie von Crippled Black Phoenix beigetragen und bei ihren Live-Auftritten mit der Band gespielt. Diese stetig wandelnde Struktur prägt das Projekt bis heute und ist auch in der aktuellen Besetzung deutlich spürbar.

Heute stehen sieben Musiker/innen auf der Bühne. Die Vocals teilen sich Belinda Kordic und Justin Storms, wodurch sich immer wieder unterschiedliche emotionale Perspektiven auftun – mal zerbrechlich, mal drängend, mal erzählerisch entrückt. Im Zentrum der aktuellen Tour steht natürlich das neue Material rund um das Album Sceaduhelm, das im April 2026 über Season Of Mist erschienen ist und die Band in einer besonders dichten, atmosphärischen Phase zeigt.

Crippled Black Phoenix, Club Volta Köln 2026, Pic by Big Simonski

Der heutige Abend wirkt wie ein einziger zusammenhängender Spannungsbogen, der sich langsam entfaltet und immer wieder in neue Formen kippt. Der stete Wechsel zwischen postrockigen Longtracks, ambientlastigen Zwischenräumen und kürzeren, fast popnah strukturierten Momenten prägt die Dynamik der Songs. Alles wirkt dabei weniger wie eine klassische Setlist, sondern eher wie ein fortlaufender Fluss aus Zuständen, der zum Verweilen, aber auch zum inneren Abgleiten einlädt. Die Musik entfaltet eine Intensität, die gleichermaßen trägt und herausfordert, ein Gefühl zwischen Festhalten und Sich-Verlieren.

Das Konzert beginnt mit 444 und Wyches And Basterdz und setzt sofort eine dunkle, schwere Grundspannung. Ravenettes und Things Start Falling Apart vertiefen diese Atmosphäre, während sich die Stücke langsam aufbauen, ohne Eile, ohne offensichtliche Zielpunkte. Mit Hollows End entsteht ein intensiver Sog, der sich in Vampire Grave und Colder And Colder weiter verdichtet. Die Kälte der Musik wirkt im Club Volta beinahe greifbar, während sich die Soundschichten übereinanderlegen und wieder auflösen. The Reckoning und Spider Island bringen kurzzeitig mehr Bewegung in den Abend, bevor die Band wieder in ihre typische Schwebe zwischen Struktur und Auflösung zurückkehrt. Diese ständige Bewegung im Klangbild wirkt wie ein kontrolliertes Zerfallen und Wiederaufbauen.

Crippled Black Phoenix, Club Volta Köln 2026, Pic by Big Simonski

Im letzten Abschnitt verdichtet sich die emotionale Schwere noch einmal deutlich. Dead Is Dead wirkt kompromisslos und hart, während We Forgotten Who We Are nach innen kippt, beinahe fragil und nachhallend. Hold On (So Goodbye To All Of That) zeigt sich in einer leisen, aber intensiven Spannung. Der Gig von Crippled Black Phoenix lässt sich kaum in klassische Konzertbegriffe fassen, denn er ist ein monumentales, cineastisches Erlebnis, das sich zwischen Dunkelheit und Schönheit bewegt.

Fazit:

Am Ende bleibt ein Konzertabend, der sich weniger über einzelne Songs als über Stimmungen, Spannungsbögen und Atmosphäre definiert. Temple Fang eröffnen den Abend mit hypnotischen Klangreisen und schaffen damit die perfekte Grundlage für die monumentale Schwere von Crippled Black Phoenix. Beide Bands ziehen das Publikum vollständig in ihre jeweiligen Klangwelten hinein und machen den Abend im Club Volta zu einem intensiven und lange nachwirkenden Erlebnis.

Weitere Bildergalerien:
Crippled Black Phoenix
Temple Fang