Bezüglich progressiver Musik haben sich in den vergangenen Jahren Soen um den ehemaligen Opeth-Drummer Martin Lopez immer mehr ins Blickfeld geschoben. Waren die Anfänge noch von Progressivität dominiert, änderte sich der musikalische Ansatz immer mehr zum melodischen, aber technisch anspruchsvollen, Rock und Metal. Die Struktur der Stücke wird mit jedem Album griffiger. Waren auf der Lotus 2019 noch Tracks mit Laufzeiten jenseits der fünf Minuten bis zu acht Minuten der Standard, änderte sich das spätestens auf dem Vorgänger Memorial. Wohin geht die Reise 2026 mit Reliance, der wie die vorherigen LPs via Silver Lining Music veröffentlicht wird?
Reliance: technisch anspruchsvoll, aber songdienlich
Wer den Vorgänger kennt und mit dem Material zufrieden ist, der wird auch an Reliance wenig auszusetzen haben. Die Melodie ist an der einen oder anderen Stelle zugunsten von Melancholie in den Hintergrund gerückt. Das neue Album kommt aber trotzdem rund und zugänglich daher, verzichtet auf ausufernde Ansätze und ist mehr Alternative Rock als eine progressive LP.
Primal nennt sich der Start und macht im Prinzip dort weiter, wo Memorial aufgehört hat. Klingen die ersten Töne noch nach kräftiger Saitenarbeit, unterbrechen ruhige Einschübe den pumpenden Bass und bilden die Brücke zum runden und eingängigen, aber melancholisch klingenden Refrain. Soen setzen auf die Wechselwirkung und kreieren gleich am Anfang der Platte ein klares Statement. Der Nachfolger Mercenary wirkt in Teilen wie ein Abziehbild von Primal, wobei Melancholie und Ausbruch eine Schippe mehr auflegen, ohne an Eingängigkeit einzubüßen.
Spätestens Discordia dreht den Spieß in Richtung Melancholie und Traurigkeit. Die ruhigen und nachdenklichen Passagen nehmen zu, die Ausbrüche sind wütender und vor allem der Bass tobt sich gelegentlich aus. Das Gegenstück nennt sich Axis, der sich zwischen Alternative Metal und Progressive Metal tummelt und als bisher härteste Nummer auftrumpft.
Technisch geprägter Alternative Rock (Huntress), Musik zwischen Alternative Rock, Alternative Metal und progressiven Elementen (Unbound, Drifter, Draconian) und sogar eine Ballade (Indifferent) haben Soen auf Reliance gebrannt. Oft melancholisch, aber jederzeit zugänglich und niemals verkopft, klingt die multinationale Truppe anno 2026. Der Schlusspunkt nennt sich Vellichor, wo sich schon fast Parallelen zum Art Rock von zum Beispiel Leprous ableiten lassen. Zerbrechlich und nachdenklich dreht sich Reliance seinem Ende entgegen.
Hier geht es für weitere Informationen zu Soen – Reliance in unserem Time For Metal Release-Kalender.



