Cemetery Skyline am 15.05.2026 im Bahnhof Pauli In Hamburg

Cemetery Skyline überzeugen auch live in jeglicher Hinsicht

Event: Cemetery Skyline – Tour 2026

Support: Royal Sorrow

Datum: 15.05.2026

Ort: Bahnhof Pauli, Hamburg

Genre: Dark Rock, Gothic Metal,

Besucher: 350

Kosten: 49 € VVK,  Sold Out

Setlisten:

  1. Let Go
  2. Samsara
  3. Evergreen
  4. Bloodflower
  5. Looking Glass
  6. Give In
  7. Metrograve
  8. Innerdeeps

  1. Behind The Lie
  2. Torn Away
  3. The Darkest Night
  4. Never Look Back
  5. Dream Delusion
  6. Anomalie
  7. When Silence Speaks
  8. Nothing From This World
  9. The Coldest Heart
  10. I Drove All Night (Ray Orbison Cover)
  11. In Darkness
  12. Alone Together

Encore:

  1. Violent Storm

Auf diesen Abend haben wir uns schon lange gefreut. Nach zwei Jahren und eigentlich keiner vorgesehenen Tour von Cemetery Skyline haben diese sich entschieden, doch eine Tour zu spielen. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen, und so geht es nach Hamburg. Der Auftritt findet im Bahnhof Pauli statt, einer Location, die auf derReeperbahn liegt und nicht zu unseren bevorzugten gehört. Egal. Wir sind bereits eine Stunde früher da, und eine kleine Schlange steht bereits vor dem Eingang. Somit verwerfen wir unsere Absicht, vorher noch etwas essen zu gehen, sondern ein schneller Imbiss auf dem Food Festival auf dem Spielbudenplatz direkt vor dem Eingang reicht aus. Wir treffen, wie eigentlich immer, gute Bekannte, und so haben wir relativ weit vorn einen Platz in der Schlange. Der Einlass klappt problemlos. Die wenigen Leute vor der Bühne haben durch ihren kostenpflichtigen Meet-and-Greet Zugang natürlich gute Plätze. Ich habe erst überlegt die Band auch vorher zu treffen, dann aber bewusst darauf verzichtet, die 65 Euro auszugeben. Ich bin da sehr zwiegespalten, ob man das unterstützen soll, auch wenn ich das bereits bei Amorphis gemacht habe. Nun aber zum Konzert.

Der finnische Support gibt seinen ersten Gig im Deutschland

Royal Sorrow,15.05.2026, Bahnhof Pauli, Bild: Michelle Rosales

Als Support sind Royal Sorrow dabei und beginnen pünktlich um 20:00 Uhr. Die vier Jungs aus Finnland sollen progressiven Metal spielen, der sich derzeit noch nicht so darstellt. Sänger Marcus Hentunen erinnert erstmal eher an den Frontmann einer Popband. Die Kurzhaarfrisur passt so gar nicht zum musikalischen Stil, aber Äußerlichkeiten sind nicht ausschlaggebend. Der Gesang ist erstmal gewöhnungsbedürftig. Erst wenn es in tiefere Lagen geht, kann er überzeugen. Dafür sind seine Begleiter, Bassist Eero Maijala, Gitarrist Juha Rapanen und Drummer Janne Mieskonen, souverän unterwegs. Die Truppe hat letztes Jahr ihr erstes Album Innerdeeps veröffentlicht und damit bereits für Aufsehen gesorgt. Im Verlauf des Sets stehen sich dann oftmals Bassist und Gitarrist oder auch Sänger mit Gitarre und Bassist gegenüber oder nebeneinander, um gemeinsam zu rocken. Musikalisch passt das zusammen, und auch soundtechnisch kann nicht gemeckert werden. Mit Looking Glass, Samsara und dem überragenden letzten Song Alone Together haben sie sicherlich neue Fans gewonnen. Darf man den Kollegen der schreibenden Zunft glauben, wird dem Vierer großes Potenzial bescheinigt. Ich für meinen Teil fand es okay, aber nun nicht gänzlich überzeugend. Sicherlich technisch versiert und musikalisch gut, aber gesanglich gibt es noch Luft nach oben. Nach 45 Minuten verabschieden sich die Finnen.

Cemetery Skyline beweisen ihre Live-Qualitäten, wenn auch nur 75 Minuten lang

Cemetery Skyline,15.05.2026, Bahnhof Pauli, Bild: Michelle Rosales

Nach gut einer halben Stunde wird es dunkel auf der Bühne, und nacheinander kommen die Musiker heraus. Vesa Ranta (The Man-Eating Tree) nimmt als Erster an den Drums Platz, bevor Santeri Kallio (Amorphis), Markus Vanhala (Insomnium, Omnium Gatherum), Victor Brandt (Dimmu Borgir) und letztendlich Tausendsassa Mikael Stanne (Dark Tranquillity, The Halo Effect) unter lautem Jubel die Bühne betreten. Stanne freut sich sichtlich über den Beifall, den er mit seinen anderen Bands ja durchaus gewohnt ist. Cemetery Skyline wurde 2020 von Santeri und Markus aus Spaß an der Freude gegründet. Als sich jedoch für die Demos alle angeschriebenen Labels interessierten, wurde aus dem Projekt schnell Ernst, und Mikael, Victor sowie Vesa kamen dazu. Die erste Platte Nordic Gothic wurde ein gefeierter Erfolg. Durch die vielen Verpflichtungen bei den Stammbands glaubte zunächst kaum jemand an eine Tour. Nach einem Auftritt in Finnland und einem weiteren in Atlanta, USA, haben sich dann aber alle entschieden, 2026 doch eine Tour zu machen. Der Zeitraum ist gut gewählt, gehen doch im Sommer diverse Festivals mit Beteiligung von Amorphis, The Halo Effect und auch Dark Tranquillity über die Bühne. Heute fangen sie mit Behind The Lie an, und wie schon auf Platte, verzichtet Mikael vollkommen auf Growls. Der Klargesang gehört hier einfach zum guten Ton und passt perfekt zu den Cemetery Skyline-Songs. Viel Beifall gibt es immer wieder für Markus, der mit Hut am linken Bühnenrand steht und mit starken Soli überzeugt. Insgesamt ist der Sound, wie eigentlich oft bei Liveauftritten, etwas rauer, und die Songs wirken nicht weichgebügelt, sondern haben genau die Ecken und Kanten, die für ein gutes Feeling sorgen. Das Licht ist allerdings, nun ja, schwierig und sorgt im nicht vorhandenen Fotograben somit auch nicht gerade für Begeisterungsstürme. Viel Rauch aus der Nebelmaschine sowie atmosphärisches Rot, Blau und Grün sorgen für leichten, aber erwartbaren Frust hinter der Kameralinse. Trotzdem schafft es die Kollegin Michelle eindrucksvoll, das Geschehen auf Speicherkarte zu bannen.

Cemetery Skyline,15.05.2026, Bahnhof Pauli, Bild: Michelle Rosales

Nach Torn Away und The Darkest Night kann Mikael den Beifall kaum fassen und bedankt sich auf seine unnachahmliche Art beim Publikum. Er vermittelt einem immer das Gefühl, als sei das Publikum einzigartig für ihn und als hätte er ganz besondere Freude an diesem Abend. Sein Grinsen verbreitet gute Laune, und er wirkt einfach authentisch. Diese Atmosphäre vermag er auch bei seinen anderen Bands zu transportieren, und genau das macht ihn zu einem besonderen Frontmann. Sichtlich Spaß hat aber auch Langhaar-Bassist Victor, der mit einigen ausdrucksstarken Mimiken seine Freude zeigt. Einzig Drummer Vesa ist hinter seinem Arbeitsplatz kaum auszumachen, denn die Bühne ist klein und eng. Auch Santeri hat sich auf ein Keyboard beschränkt. Trotzdem haben alle Spaß, und die Songs des aktuellen Albums gehen ins Bein, in den Kopf und ins Herz. Einen nicht unerheblichen Anteil daran hat Mikael Stanne, der unterhaltsam die Bandmitglieder vorstellt und auch auf die eigentlich schwierige Freistellung bei den Stammbands eingeht. Mit einem Augenzwinkern geht es durch die Setlist, die aufgrund des bisher einzigen Albums natürlich noch recht übersichtlich ist. Alle Songs werden gespielt, und müsste ich die besten benennen, würde mir das schwerfallen. Sicherlich sorgen When Silence Speaks, das auch live für Gänsehaut sorgt, oder The Coldest Heart für besondere Momente. Mit Nothing From This World kommt ein neuer Song hinzu, der auf der Deluxe-Version von Nordic Gothic enthalten ist und am Merchstand sogar unterschrieben zu bekommen ist. Als drittvorletzten Song gibt es dann kein Céline Dion-Cover, sondern das ursprünglich von Roy Orbison stammende I Drove All Night. Danach folgt noch In Darkness, bevor sich die Band zunächst verabschiedet. Eine Zugabe wird natürlich noch gewährt, und mit Violent Storm endet der Auftritt. Der anschließende Beifall will nicht enden, und man merkt den Musikern deutlich die Freude über ihren gelungenen Auftritt an. Vor allem Mikael kann kaum glauben, wie sehr Cemetery Skyline einschlägt. Langsam leert sich der Bahnhof Pauli, und das ein oder andere Shirt wechselt noch den Besitzer. Royal Sorrow sind noch am Merchstand anzutreffen, die Jungs von Cemetery Skyline dagegen nicht. Dafür gab es ja bereits das Meet & Greet im Vorfeld. Wer allerdings noch ins Night Light gegangen ist, hätte dort Mikael Stanne und einige andere Musiker bei einem Aftershow-Getränk treffen können.

Fazit

Gelungener erster Auftritt von Cemetery Skyline in Deutschland, nachdem sie bereits in Stockholm, Göteborg und Kopenhagen aufgetreten sind. Die Location war von der Größe her passend. Vielleicht hätten noch mehr Karten den Besitzer gewechselt, wenn das Konzert in der Markthalle stattgefunden hätte. Dennoch war der Abend absolut lohnenswert und hoffentlich nicht das letzte Gastspiel der Band hierzulande. Weitere 6 Termine werden in Deutschland noch absolviert, und dann heißt es erst einmal, auf die neue Scheibe und gegebenenfalls die nächste Tour zu warten. Bis dahin darf man sich die Zeit mit Dark Tranquillity, The Halo Effect, Amorphis, Insomnium, Omnium Gatherum oder Dimmu Borgir vertreiben, einige davon sogar gemeinsam auf Tour im Jahr 2027.