Gaerea am 23.06.2026 im Club Volta, Köln

Support Detartrated

Bands: Gaerea, Detartrated

Ort: Club Volta, Schanzenstr. 6 – 20, Gebäude 2.10, 51063 Köln

Datum: 23.06.2026

Kosten: 28,00 € VVK (ausverkauft)

Genre: Black Metal, Post Black Metal, Blackgaze, Deathcore

Veranstalter:  Shogun KonzerteClub Volta und Live-embassy

Link:  https://www.facebook.com/events/club-volta

Schon vor Konzertbeginn ist klar, dass der Club Volta in Köln an diesem hochsommerlichen Abend bestens gefüllt sein wird. Recht früh kommt dann auch das „Sold Out“ für das Konzert der portugiesischen Post-Black-Metal-Durchstarter Gaerea im Rahmen ihrer aktuellen Tour. Im Vorfeld war allerdings nicht  klar, ob es überhaupt einen Support-Act geben würde – offiziell war keiner angekündigt. Direkt vor Ort erfahren wir dann, dass Detartrated den Konzertabend eröffnen und das Publikum auf den intensiven Auftritt des Headliners einstimmen wird.

Detartrated – kraftvoller Deathcore als Auftakt

Detartrated, eine noch junge Deathcore-Band aus der Umgebung von Castrop-Rauxel in Nordrhein-Westfalen. Erst im April 2025 veröffentlichte die Formation mit Abyss Of Oblivion ihre Debütsingle. Ein komplettes Album gibt es (meines Wissens nach) bislang noch nicht, sodass die rund halbstündige Supportzeit für den heutigen Abend genau den richtigen Rahmen bietet, um sich einem größeren Publikum zu präsentieren.

Bereits vor Konzertbeginn fällt auf, dass das Schlagzeug von Gaereas XI schon im Hintergrund der Bühne aufgebaut ist. Um Platz zu schaffen, haben Detartrated ihren eigenen Drummer ungewöhnlich weit links außen (aus Sicht des Publikums) positioniert – ein etwas ungewohntes Bühnenbild, das der Performance jedoch keinen Abbruch tut.

Im Club Volta herrschen an diesem Abend hochsommerliche Temperaturen. Schon zum Auftakt steht die Luft nahezu still, was sowohl dem Publikum als auch den Musikern einiges abverlangt. Davon lassen sich Detartrated allerdings kaum beeindrucken und legen vom ersten Song an mit viel Energie los. Während die komplette Combo auf der Bühne fast wie angenagelt steht (es ist ja auch wenig Platz), versucht sich ihr Frontmann und Sänger mit etwas Performance.

Detartrated, Club Volta Köln 2026, Pic by Big Simonski

Musikalisch setzt die Band auf eine Mischung aus modernem Deathcore und opulenten, orchestralen Arrangements. Mächtige Breakdowns treffen auf symphonische Klangflächen, Chöre und cineastische Soundeffekte, die den Songs zusätzliche Größe verleihen. Allerdings stammen diese orchestralen Elemente vom Band. Das ist bei diesem Genre zwar keine Seltenheit, wirkt an diesem Abend stellenweise jedoch etwas überpräsent. Manchmal entsteht der Eindruck, dass die eingespielten Klangteppiche den eigentlichen Livesound fast ein wenig überdecken. Daran muss man sich zunächst gewöhnen.

Unabhängig davon überzeugt das Quintett mit einer druckvollen Performance. Die Gitarren liefern schwere Riffs und präzise Breakdowns, während der Gesang zwischen tiefen Growls und aggressiven Screams pendelt. Trotz der räumlich etwas ungewöhnlichen Positionierung sorgt auch der Schlagzeuger für das nötige Fundament und treibt die Songs mit viel Präzision voran.

Auch wenn die orchestralen Einspieler Geschmackssache bleiben und live etwas sparsamer dosiert vielleicht noch wirkungsvoller wären, gelingt es Detartrated, das Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Mit ihrer Mischung aus brutaler Härte und symphonischer Opulenz schaffen sie es, das Publikum trotz tropischer Temperaturen bestens auf den späteren Auftritt von Gaerea einzustimmen.

Gaerea – zwischen Dunkelheit und Transzendenz

Viele ergreifen in der Pause die Flucht nach draußen in den Innenhof, um dann aber wieder pünktlich bei Beginn von Gaerea wieder vor der Bühne zu sein. Es dauert nicht lange, bis die Bühne in nahezu völlige Dunkelheit getaucht wird und die ersten Klänge von LBRNTH erklingen. Der Opener bildet den perfekten Einstieg in eine intensive, düstere Reise durch die Klangwelten der portugiesischen Post-Black-Metal-Band Gaerea.

Mit ihrem fünften Studioalbum Loss, welches am 20. März 2026 über Century Media Records erschienen ist, haben Gaerea ihr ohnehin beeindruckendes Klangspektrum noch einmal erweitert, ohne dabei ihre Wurzeln zu verleugnen. Die Mischung aus brachialem Black Metal, atmosphärischem Post Metal und überraschend eingängigen Melodien sorgt für ein intensives und vielschichtiges Hörerlebnis. Die Portugiesen beweisen einmal mehr, dass Extreme Metal nicht nur brutal, sondern zugleich emotional und atmosphärisch tiefgehend sein kann – ein Album zwischen Dunkelheit und Transzendenz. Genau diese Qualitäten übertragen sie an diesem Abend nahezu eins zu eins auf die Bühne.

Da ich Gaerea bereits auf ihren Tourneen 2022 und 2023 live erleben durfte, ist für mich klar, dass auch diesmal eine äußerst energiegeladene Performance zu erwarten sein würde. Und die Band liefert vom ersten Moment an genau das ab. Wie gewohnt sind die Gesichter der Musiker unter schwarzen Tüchern verborgen – längst zum unverwechselbaren Markenzeichen der Portugiesen geworden. Angesichts der sommerlichen Temperaturen im Club muss diese Maskierung eine zusätzliche Belastung sein. Davon ist auf der Bühne allerdings nicht das Geringste zu erkennen, wobei man gegen Ende des Konzertes hin den Schweiß von den Tüchern der Musiker förmlich tropfen sehen kann.

Vor allem Sänger und Frontmann Alpha (Guilherme Henriques) zieht das Publikum mit seiner intensiven Bühnenpräsenz in den Bann. Rastlos bewegt er sich über die Bühne, schreit, gestikuliert und verleiht jedem Song eine fast schon theatralische Ausdruckskraft. Doch auch die übrigen Musiker überzeugen mit ihrer Präsenz. Zu erwähnen ist noch, dass Delta (Sonja Schuringa), die zunächst als Live-Musikerin zur Band stieß, inzwischen festes Mitglied von Gaerea ist. Im Studio als Quartett aktiv, präsentieren sich die Portugiesen live als Quintett, das perfekt harmoniert.

Gaerea, Club Volta Köln 2026, Pic by Big Simonski

Die Setlist konzentriert sich erwartungsgemäß auf das aktuelle Album Loss sowie dessen Vorgänger Coma (2024, Season Of Mist). Mit Nomad und Phoenix zeigt die Band früh, wie mühelos sie wuchtige Blastbeats mit melancholischen Melodiebögen verbindet. Besonders World Ablaze entfaltet live eine enorme Wucht, während Submerged eindrucksvoll demonstriert, wie geschickt Gaerea aggressive Black-Metal-Passagen mit spannungsgeladenen Post-Metal-Elementen verweben.

Visuell bleibt die Inszenierung dabei minimalistisch. Die Bühne versinkt fast permanent in Dunkelheit, nur wenige gezielt gesetzte Lichtakzente durchbrechen das Schwarz. Gerade dieser bewusste Verzicht verstärkt die beklemmende Atmosphäre und passt hervorragend zur Musik. Verschiedene Tempi und die ständigen Wechsel zwischen brachialer Härte und ruhigen, fast hypnotischen Momenten sorgen dafür, dass während der gesamten Show eine greifbare Spannung erhalten bleibt.

Mit Hellbound und dem treibenden Cyclone erreicht die Energie im Publikum ihren Höhepunkt. Vor der Bühne wird intensiv mitgegangen, ohne dass die konzentrierte Atmosphäre verloren geht. Im späteren Verlauf sorgen Luminary und das emotionale Hope Shatters für besonders eindrucksvolle Momente, bevor Unknown die Stimmung noch einmal verdichtet.

Den Abschluss bildet schließlich Wilted Flowers, das die Essenz von Gaerea noch einmal eindrucksvoll zusammenfasst: monumentale Klangwände, beklemmende Dunkelheit und gleichzeitig eine erstaunliche emotionale Tiefe. Mit den letzten Tönen verschwindet die Band von der Bühne – ganz so geheimnisvoll, wie sie erschienen ist.

Fazit:

Nach dem im Vorfeld nicht angekündigten Support Detartrated mit ihrem „Orchestral“ Death Core, gelingt es Gaerea mühelos, schwere, bleierne Black-Metal-Vibes mit melodischer Eleganz und atmosphärischer Dichte zu verbinden. Ihre Musik lebt von Kontrasten, von Licht und Schatten, von Aggression und Verletzlichkeit. Im Club Volta beweisen die Portugiesen eindrucksvoll, warum sie längst zu den spannendsten Vertretern des modernen Post Black Metal gehören. Eine intensive, emotional aufgeladene und visuell stimmige Performance, die noch lange nachhallt.

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