Endseeker – Coffin Born (EP)

19.06.2026 - Death Metal - Metal Blade Records - 22:56 Minuten

Die Hamburger Sickos und Schweden-Liebhaber von Endseeker haben sich nach ihrer Gründung im Jahre 2014 eine gute Fanbasis erspielt. Das absolut zu Recht, denn die EP und die vier Alben, die bis zum Jahre 2023 erschienen sind, machen wirklich Spaß und sind ziemlich geil. So kann es weitergehen, würde man sagen, aber da hat man die Rechnung nicht mit dem norddeutschen Quartett gemacht. Aus Gründen muss man die Band aufs Eis legen, aber natürlich kann man nicht so einfach von der Bühne gehen, da muss noch einmal ein Lebenszeichen her. Dieses erfolgt in Form einer EP namens Coffin Born. Ein Abschiedskonzert soll es auch noch geben. Logischerweise bin ich da mit von der Partie.

Mit einem recht vertrackten, HM2-geschwängerten Part und einer aufheulenden Gitarre startet man das letzte Kapitel. Der Opener hört auf den Namen Enemies Of Peace und entwickelt sich dann zu einem in Richtung Schweden schauenden Galopper. Fette Riffs. Diese aufheulende Gitarre wird weiterverwendet, ansonsten ist es Death Metal, wie wir ihn mögen. Der groovende Part ist einfach nur geil, nachdem man vorher schon im Uptempo geritten ist. Das Tempo wird dann ganz herausgenommen und langsam geht man weiter zu Werke. Eine atmosphärische Note wird dabei mit eingebaut. Geil. Sitzt. Dieser Part mit aufheulender Gitarre, wie ich es mal nennen würde, wird wiederverwendet. Klingt ein wenig nach Entombed zu Wolverine-Blues-Zeiten, nur Death-Metal-lastiger. Definitiv stark.

Klar, auch auf ihrer Abschieds-EP erfinden die Jungs von Endseeker den Death Metal nicht neu und bleiben bei ihren Trademarks, welche aber eben gekonnt in Szene gesetzt werden. Diese Mischung aus Brutalität und atmosphärischen und melodischen Momenten wird besonders bei No After. No Before. hör- und spürbar. Auch hier klingt man etwas rockig. Lenny kann seine Stimme geschickt und gekonnt anpassen, aber das war ja schon immer so. Den Namen des Songs kann man in diesen Part dann ordentlich mitschreien. Besonders ja live interessant, sofern sie noch auftreten werden. Beim letzten Gig in Hamburg bin ich auf jeden Fall mit dabei. Egal. Nach knapp drei Minuten kommt ein Break und man klingt recht wild, ein wenig verzwickt und verspielt. Moderne Einflüsse werden hörbar, werden aber fachgerecht in die Old-School-Suppe untergemischt. Inklusive Flüstergesang und Triller-Gitarre, und dann ist der Spaß auch schon vorbei.

Mit Coffin Born hat man auch zu Beginn ungewohnte Klänge, welche sich durch den ganzen Song ziehen. Man klingt dann experimentell, übertreibt es aber zum Glück auch nicht. Das Grundgerüst ist natürlich überwiegend Old School Death Metal der schwedischen Art, auch wenn man diesen ein wenig ausweitet und eben die Gene, die damals Entombed auch zur Veränderung gebracht haben, anscheinend auch in ihrer DNA entdeckt hat. Das Ganze bleibt aber natürlich druckvoll und aggressiv. Man kann den Kopf mehr als gut dazu bewegen, obwohl Coffin Born mich nicht so abholt.

Life Breeds Death kommt dann auch mit ungewohntem Gitarrensound zu Beginn, klingt aber ziemlich geil. Eine Carcass-Melodie wird kurz angespielt, bevor man dann in einen kongenialen Midtempo-Part abdriftet. Ja, das hat was, das macht Laune. Der Song geht absolut fett ins Ohr. Der ungewohnte Gitarrensound wird noch einmal mit eingebaut, aber drückt und zwickt an allen Ecken. Erneut eine kurze Carcass-Melodie und zurück zum fetten Groove. Yes, Sir, da bin ich mit dabei. Der Song wird nicht wirklich schnell, hat aber eine enorme Energie und eine absolute Intensität. Dieser schleppende und atmosphärische Part am Ende klingt absolut vernichtend und kommt geil.

Am Ende ist es am schönsten? Mitnichten, meine Damen und Herren, mitnichten. Wieder einmal hat man ein Cover am Start und ein ganz schön krasses. Hier ehrt man einen Mann, der nach seinen eigenen Angaben wesentlich zum Mauerfall beigetragen hat – David Hasselhoff. True Survivor ist der Name des Songs. Zur Verstärkung hat man sich den Frontmann von Lord Of The Lost dazugeholt, welcher den normalen Gesangspart übernommen hat. Mit diesem Song lösen sie sich von eingeschlagenen Wegen und sprengen die Death-Metal-Ketten – und warum auch nicht? Lenny übernimmt dann die zweiten Vocals im Hintergrund und baut dadurch sehr viel Druck auf. Krasses Cover, klingt tatsächlich nach Achtziger-Metal, nur etwas härter. Absolut tanzbar. Für engstirnige Death-Metal-Fans ist das natürlich nichts. Ich finde es als Cover ganz geil. Könnte ich mir echt irgendwie als einen Soundtrack bei einer Serie vorstellen oder natürlich im Party.San-Partyzelt, kurz vor Abba. Echt gelungen. Ich bin mal gespannt, ob sie  den Song auch in dieser Besetzung in Hamburg vortragen werden.

Hier geht es für weitere Informationen zu Endseeker – Coffin Born (EP) in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Endseeker – Coffin Born (EP)
Fazit zu Coffin Born
Schon schade, dass die Burschen von Endseeker sich dazu entschieden haben, nicht mehr weiterzumachen. Nach 12 Jahren sagen sie aber nicht leise Servus, sondern verabschieden sich mit einer amtlichen EP, die ihre Art der Auslegung des schwedischen Death Metal widerspiegelt. Man zeigt sich ein wenig experimentell bzw. ein wenig progressiv, aber natürlich ist das alles hier noch absolut alte Schule, welche totalen Spaß macht. Nicht alles geht aber direkt in mein Ohr. Dafür hat man ein Cover am Start, welches mal ganz anders ist, aber absolut geil ist. Selber anhören. Fans der Band können bedenkenlos zuschlagen und eine Träne verdrücken.

Anspieltipps: Enemies Of Peace und Coffin Born
Michael E.
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