Die Diskussion, welche die erste Death-Metal-Band war, Master, Slaughter, Possessed oder Mantas bzw. Death, ist so öde wie überflüssig, sind wir doch alle froh, dass es ein Metal-Vehikel gibt, um über Horror, Splatter und den Tod lautstark zu sinnieren. Das Demo von Mantas 1984 und im selben Jahr das Death-Rehearsal-Tape haben mit großer Sicherheit einen ganz großen Teil dazu beigetragen, dass Death Metal ist, so wie er ist: rasend schnelle Riffs, gutturale Vocals, unnachgiebiges Drumming und Texte voller Blut, Gedärme und ganz viele Leichen.
Matt Harvey ist bekennender Death-Hool. Mit Gruesome zelebriert er die Phase, in der Chuck Schuldiner einen mutigen Schritt weg ging vom stumpfen Geholze und von Todeslyrik. Aber auch die rudimentär-brutale Frühphase der legendären Band aus Florida hat es ihm angetan. Seit ein paar Jahren tourt er mit Original-Gitarrist Rick Rozz, dem Tieftöner der Aufbruchphase Terry Butler sowie seinem persönlichen Schlagwerker Gus Rios als Left To Die, die „alten“ Sachen spielend durch die Lande. Ein Album stand bis jetzt außer Frage. Initium Mortis ist nun die Wiederbelebung der Demo-Tage, mit zehn Songs, denen Left To Die wieder Leben eingehaucht.
Als Kajal noch gefährlich und antisozial war
Wer Rumpel-Metal oder ein simples Wiederkäuen der alten Demos erwartet, wird überrascht sein, was Left To Die aus den Ur-Songs gemacht, und aus ihnen herausgeholt haben. Mit unglaublich viel Hingabe hat sich der Vierer der Relikte angenommen und sie mit viel Respekt modernisiert, ohne ihnen ihren rauen Charme zu rauben. Viele Death-Thrash-Nachwuchsbands wären überglücklich, solch einen Kracher ihr Eigen nennen zu können. Die mehr als 40 Jahre sind den Kompositionen so rein gar nicht anzumerken. Sie lassen das Gebälk selbst der massivsten Grabstätte erschüttern. Kein Staub, keine Spinnweben, keine ausgetrockneten Gerippe dekorieren das Sound-Bild, es werden eher wildgewordene Zombies von der Kette gelassen.
Wiederverwendung unsterblicher Rohstoffe
Zwar bleiben Left To Die nah an den Originalen mit übernatürlichem Hall und weiteren Grusel-Effekten in den Vocals, Double-Bass-Geballer auf Niveau des Oregon Projects von Nike, fauchendem Gebrüll in Schuldiner-Manier, Riffs an der Grenze zum Wahnsinn und einem dumpfen, doch tödlichen Sound. Supermelodische Soli à la Maiden und Thin-Lizzy’sche Harmonien integrieren Left To Die manchmal etwas zu überschwänglich in Klassiker wie Death By Metal oder Legion Of Doom. Auch glätten sie hier und da einige der holprigen Übergänge. Die Teenager von damals wussten es nicht besser, Matt Harvey weiß dafür genau, wie er Hand anlegen muss, ohne die Wucht eines Nackenbrechers wie Rise Of Satan zu mindern. Obendrein lässt sich das Artwork von Dan Goldsworthy durchaus als Reminiszenz an die Illustrations-Koryphäe der 80er Ed Repka verstehen.
Hier geht es lang für weitere Informationen zu Left To Die – Initium Mortis in unserem Time For Metal Release-Kalender.



