Gloindfest 2026 am 04.07.2026 im Odonien mit ¡Pendejo!, Splinter und weiteren Bands

Festival mit außergewöhnlichem Ambiente - Klanggewalt zwischen Postrock, Heavy Rock und Punk-Attitüde

Bands: Von Mises, 3Speed Automatik, Slinter, Snippet Upper Laser, ¡Pendejo!

Ort: Odonien, Hornstraße 85, 50823 Köln

Datum: 04.07.2026

Kosten: 30 Euro

Genre: Stoner Rock, Psychedelic Rock, Dom, Psychedelic Doom, Instrumental Rock, Post Rock

Veranstalter: Odonien, Die Bands

Link: https://www.facebook.com/events/1515913386713114

Das Gloindfest hat sich für seine Premiere keinen gewöhnlichen Veranstaltungsort ausgesucht. Zwischen rostigen Stahlskulpturen, ausrangierten Industrieobjekten und verwinkelten Wegen entfaltet das Kölner Kulturgelände seinen ganz eigenen Charme. Wo Kunstinstallation auf Clubkultur trifft, entsteht eine Atmosphäre, die perfekt zum musikalischen Konzept des Festivals passt – roh, kreativ und fernab des Mainstreams.

Impressionen, Gloindfest Köln 2026, Pic by Big Simonski

Am frühen Nachmittag fällt das Sonnenlicht durch die metallenen Konstruktionen und taucht das Gelände in warme Farben. Besucher schlendern mit kühlen Getränken über das weitläufige Areal, entdecken immer neue Details zwischen Schrottkunst und urbanem Design oder suchen sich ein schattiges Plätzchen, bevor die ersten Klänge über das Gelände hallen. Die entspannte Stimmung erinnert eher an ein großes Treffen unter Freunden als an ein klassisches Rockfestival.

Das Odonien liefert für das Gloindfest die ideale Kulisse: einen Ort, an dem Kultur, Kunst und Live-Musik auf einzigartige Weise miteinander verschmelzen.

Nadir eröffnen das Gloindfest

Den musikalischen Auftakt übernimmt zunächst die Nebenbühne. Dort eröffnet das Kölner Psychedelic-Dark-Folk-Duo Nadir den Festivaltag und setzt dabei auf leise Töne. Mit einer eindringlichen Mischung aus Folk, Psychedelic und melancholischen Klanglandschaften schaffen die beiden eine ruhige, beinahe hypnotische Atmosphäre. Ihr bittersüßer Sound passt hervorragend in die noch entspannte Stimmung des frühen Nachmittags und lädt das Publikum eher zum Innehalten als zum ausgelassenen Feiern ein.

Für das Duo bleibt es heute nicht bei diesem einen Auftritt: Am Abend werden sie mit einem zweiten Set auf die Nebenbühne zurückkehren.

3Speed Automatic bringen die Hauptbühne in Fahrt

Auf der Hauptbühne übernehmen anschließend 3Speed Automatic (3SA) aus Rotterdam das Kommando. Das niederländische Trio um Schlagzeuger Willem Stevense, Gitarrist Guido Debrichy und Bassist sowie Sänger Stefan Persaud steht für riffbetonten Heavy Rock mit Psychedelic-Einflüssen und einer gehörigen Portion Soul. Nach längerer Pause bringen die drei den Spirit der 70er-Jahre mit druckvollen Gitarrenriffs, sattem Groove und jeder Menge Vintage-Feeling zurück auf die Bühne.

3Speed Automatic, Gloindfest Köln 2026, Pic by Big Simonski

Dass 3Speed Automatic genau wissen, wie ein Festivalpublikum funktioniert, merkt man vom ersten Song an. Bereits beim Freak Valley Festival hinterließen sie vor einigen Jahren einen bleibenden Eindruck, so sehr, dass sie ihren damaligen Auftritt sogar als Live-Album veröffentlichten. Auch im Odonien zündet ihre Mischung aus klassischem Heavy Rock und psychedelischen Jam-Passagen sofort. Vor der Bühne beginnen die ersten Fans, ausgelassen zu tanzen, und nicken im Takt zu den schweren Riffs. Der entspannte Festivalauftakt weicht langsam einer energiegeladenen Rockparty und das Gloindfest nimmt endgültig Fahrt auf.

Bela sorgt für ruhige Momente

Parallel dazu kehrt auf der Nebenbühne wieder etwas Ruhe ein. Bela (Wrona) schlägt gemeinsam mit einem musikalischen Begleiter leisere Töne an und sorgt für einen Kontrast zum kraftvollen Sound der Hauptbühne. Der heute in Köln beheimatete Singer-Songwriter begann einst mit Freunden in einem Vorort von Regensburg Musik zu machen. Schon früh entschied er sich, eigene Songs mit eingängigen Melodien zu schreiben, statt ausschließlich Stücke anderer Künstler zu interpretieren. Diese Handschrift ist beim Gloindfest deutlich zu hören. Einflüsse aus 80er- und 90er-Jahre-Rock und -Pop treffen auf Americana, akustischen R&B und klassischen Singer-Songwriter-Sound.

Von Mises begeistern mit instrumentalem Post-Rock

Zurück auf der Hauptbühne wird es anschließend atmosphärisch. Mit Von Mises betritt ein weiteres Trio aus Köln die Bühne und entführt das Publikum auf eine instrumentale Reise zwischen Post-Rock, elektronischen Klanglandschaften und treibenden Rhythmen. Seit 2018 arbeiten Jens, Gunther und Mike an einem Sound, der von dichten Gitarrentexturen, Synthesizerflächen und dynamischen Spannungsbögen lebt.

Von Mises, Gloindfest Köln 2026, Pic by Big Simonski

Wer Gesang vermisst, merkt schnell, dass Von Mises ihre Geschichten allein mit ihren Instrumenten erzählen. Gitarre, Bass, Schlagzeug und Synthesizer greifen nahtlos ineinander und schaffen eine Klangwelt, die gleichermaßen zum Eintauchen und Mitgehen einlädt. Mit ihrem intensiven Auftritt beweisen Von Mises eindrucksvoll, dass instrumentale Musik keineswegs nur Hintergrundbeschallung sein muss.

Yoga Judith lockert die Festivalbesucher auf

Bevor es musikalisch weitergeht, übernimmt Yoga Judith die Bühne und sorgt für einen Programmpunkt der etwas anderen Art. Mit ihrer sympathischen Art gelingt es ihr mühelos, zahlreiche Festivalbesucher zu einer gemeinsamen Yoga-Session zu bewegen. Wer bereits das Freak Valley Festival oder das Hoflärm Festival besucht hat, dürfte Judith längst kennen. Auch beim Gloindfest zeigt sie einmal mehr, dass sich Yoga und Rockfestival keineswegs ausschließen.

Snippet Upper Laser – die Überraschung des Tages

Auf der Hauptbühne folgen nun Snippet Upper Laser – für mich die bislang größte Überraschung des Tages. Das Kölner Duo um Gitarrist Christian Dissel und Schlagzeuger beziehungsweise Sequencer-Spieler Niklas Köhn zeigt eindrucksvoll, wie viel Klanggewalt in nur zwei Musikern stecken kann. Komplexe Gitarrenriffs, treibende Rhythmen und sphärische Synthesizer verbinden sich zu einem modernen Progressive-Rock-Sound, der gleichermaßen atmosphärisch wie mitreißend ist.

Snippet Upper Laser, Gloindfest Köln 2026, Pic by Big Simonski

Trotz aller musikalischen Raffinesse wirkt der Auftritt nie verkopft. Die instrumentalen Stücke entwickeln einen enormen Drive und sorgen vor der Bühne für begeisterte Reaktionen. Eine besondere Verbindung zum Gloindfest hat die Band ohnehin: Schlagzeuger Niklas Köhn hat das Festival gemeinsam mit Jerome Crutsen ins Leben gerufen. Entsprechend groß ist der Applaus für den umjubelten Heimauftritt des Kölner Duos.

Tobey Trueblood schafft eine intime Atmosphäre

Auf der Nebenbühne wird es anschließend traditionell wieder etwas ruhiger. Der Kölner Songschreiber Tobey Trueblood übernimmt gemeinsam mit einem musikalischen Begleiter die kleine Bühne und sorgt für einen entspannten Kontrast zum druckvollen Sound der Hauptbühne. Mit seinen persönlichen Songs und der reduzierten Besetzung schafft er eine intime Atmosphäre, die viele Besucher wieder zum Verweilen einlädt.

Splinter liefern eines der Highlights des Festivals

Auf der Hauptbühne übernehmen anschließend Splinter – für viele eines der Highlights des Tages. Die niederländische Band ist so etwas wie eine Supergroup und vereint Musiker von Death Alley, Birth Of Joy und Vanderbuyst.

Splinter, Gloindfest Köln 2026, Pic by Big Simonski

Für mich war der Auftritt beim Hoflärm Festival 2021 die erste Begegnung mit Splinter, und schon damals hat mich die Band sofort gepackt. Auch heute gelingt ihnen das mühelos. Heavy Rock trifft auf Punk, New Wave, Metal, Alternative und sogar eine Prise Pop. Vor der Bühne wird ausgelassen gefeiert, während Sänger Douwe Truijens mit seiner charismatischen Art über die enge Bühne tänzelt und das Publikum mitreißt.

Nadir rahmen den Tag musikalisch ein

Zum späteren Abend schließen Nadir erneut den Kreis. Nachdem sie bereits das Festival eröffnet haben, stehen sie nun ein zweites Mal auf der Nebenbühne. Ihr ruhiger, melancholischer Psychedelic-Dark-Folk bildet den bewussten Gegenpol zum energiegeladenen Programm auf der Hauptbühne und schenkt dem Publikum noch einmal einen Moment des Innehaltens.

¡Pendejo! setzen den fulminanten Schlusspunkt

Den Schlusspunkt auf der Hauptbühne setzen schließlich ¡Pendejo! – und was für einen. Frontmann El Pastuso (mit dem ich vor Jahren mal ein Interview gemacht habe) war mir bereits am Nachmittag über den Weg gelaufen und hatte mich auf eine Neuerung hingewiesen: Am Bass steht inzwischen Jaap Melman, der Stef Gubbels ersetzt. Wer die Band kennt, weiß, dass nun Blasinstrumente eine große Rolle spielen. Dass eine Stoner-Rock-Band mit Posaune und Trompete auftritt, ist schließlich alles andere als alltäglich.

¡Pendejo!, Gloindfest Köln 2026, Pic by Big Simonski

Doch genau diese Bläser machen den unverwechselbaren Sound der Niederländer aus. Während Menno mit seiner Posaune immer wieder markante Akzente setzt, wechselt El Pastuso mühelos zwischen Gesang und Trompete und nutzt dafür gleich zwei Mikrofone. Das Zusammenspiel der beiden Bläser verleiht dem ohnehin druckvollen Stoner Rock eine ganz eigene Note.

Mit ihren spanischen Texten, schweren Riffs und einer mitreißenden Bühnenpräsenz bringen ¡Pendejo! ein staubiges Latin-Stoner-Feeling nach Köln. Vor der Bühne wird noch einmal ausgelassen getanzt und gefeiert. Die Niederländer liefern einen grandiosen Abschluss für die erste Ausgabe des Gloindfests. Gerne hätte das Publikum noch Zugaben gehört, doch pünktlich muss Schluss sein, denn im Anschluss übernimmt eine Techno-Party das Odonien-Gelände.

Zum offiziellen Abschluss treten schließlich Jeroen und Niklas noch einmal auf die Bühne. Sie bedanken sich herzlich bei allen Bands, den zahlreichen Helferinnen und Helfern sowie dem Publikum für diese gelungene Premiere, welche eine größere Fan-Schar verdient hätte. Lieben Dank für die Einladung!

Jerome & Niklas, Gloindfest Köln 2026, Pic by Big Simonski

Wir verabschieden uns noch von zahlreichen lieben Menschen. El Pastuso fragt mich, ob wir uns nächste Woche auf dem Stoned From The Underground sehen. Leider nein, entgegne ich. Aber bei der nächsten Tour der Band werden wir uns auf jeden Fall wiedersehen!

Fazit

Die Premiere des Gloindfests überzeugt auf ganzer Linie. Das Odonien erweist sich als idealer Ort für ein Festival zwischen Heavy Rock, Psychedelic, Prog und ungewöhnlichen musikalischen Akzenten. Die Mischung aus internationalen Acts, lokalen Bands und besonderen Programmpunkten wie Yoga macht den Charakter der Veranstaltung aus. Wenn dieses Konzept fortgeführt wird und einer größeren Fanschar publik wird, hat das Gloindfest das Potenzial, sich fest in der Kölner Festivallandschaft zu etablieren.

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