Steel Panther und Luzie Sue am 29.06.2026 im Braunschweiger Schön & Fröhlich

Event: Europe Twenty Twenty S€X Tour – Party Like Tomorrow Is The End Of The World

Bands: Steel Panther, Lucie Sue

Datum: 29.06.2026

Genres: Hard Rock, Heavy Metal

Besucher: ca. 1.200

Ort: Schön & Fröhlich, Braunschweig

Kosten: VVK 59,80 €, AK 68,90 €

Veranstalter: Mewes Entertainment Group

Link: https://steelpanther.com

Setlist Steel Panther:

  1. Eyes Of A Panther
  2. Tomorrow Night
  3. Asian Hooker
  4. Just Like Tiger Woods
  5. Friends With Benefits
  6. Guitar Solo
  7. Death To All But Metal
  8. The Mother’s Day Song
  9. 1987
  10. Impromptu Song For A Girl
  11. Girl From Oklahoma
  12. 17 Girls In A Row
  13. Party Like Tomorrow Is The End Of The World
  14. Community Property
  15. Gloryhole

Dass es ein denkwürdiger Tag werden würde, ahnt der Autor nicht, als er vor allen anderen am Schön & Fröhlich in einem Braunschweiger Gewerbegebiet ankommt. Einlass um 17:00 Uhr ist schon ungewöhnlich – der Beginn des Konzerts wurde zugunsten des Sechzehntelfinales Deutschland gegen Paraguay um eine Stunde nach vorne vorverlegt. Nicht jede/r hat das offensichtlich mitbekommen, doch nach und nach füllt sich die Schlange vor der Location.

Lucie Sue – Braunschweig – 2026

Pünktlich um 19:00 Uhr da zu sein, lohnt sich, denn mit Lucie Sue eröffnet eine Künstlerin den Abend, die sich bewusst abseits ausgetretener Pfade bewegt. Statt Glam oder Hair Metal gibt es als Vorspeise modernen Alternative Rock mit Grunge-Attitüde, druckvollen Gitarren und einer Frontfrau, die vom ersten Ton an die Bühne für sich beansprucht. Passend zum Konzertabend trägt Bandboss und Gitarristin Lucie Sue ein Deutschland-Trikot. Es soll wohl als gutes Omen dienen. Für ihre Show trifft das auch zu – für das spätere Spiel der deutschen Nationalmannschaft bekanntlich eher nicht. Auch musikalisch zeigt die Französin ihre Verbundenheit zum Gastgeberland. Im lautstarken, alles andere als einschläfernden „Schlaflied“ Hush heißt es augenzwinkernd: „Hush little baby, was hat die Mama gesagt.“ Die eingestreute deutsche Textzeile sorgt für überraschte und schmunzelnde Gesichter im Publikum. Bereits der Opener Battlestation gibt die Richtung vor: kraftvoll, direkt und ohne Umwege. Es folgen Bachat Bouloud und das bereits erwähnte Hush, die eindrucksvoll zeigen, wie mühelos Lucie Sue zwischen melodischen Passagen und kompromissloser Härte wechselt. Mit dem provokant betitelten I Will Shit Where You Sleep beweist sie nicht nur Humor, sondern auch den Mut, musikalisch und textlich anzuecken. Spätestens jetzt hat die Band das Publikum auf ihrer Seite. Die eingängigen Refrains treffen auf schwere Riffs und eine bestens eingespielte Rhythmusgruppe. Knud und das atmosphärische City Of Ghosts unterstreichen die stilistische Bandbreite des Quartetts, ohne den roten Faden zu verlieren. Ein besonderes Highlight ist Ride The Wired Wild Tiger, dessen Gitarrensolo im Original von SteelPanther-Gitarrist Satchel stammt. Live entfaltet der Song seine ganze Dynamik und leitet mit Reckless das Finale ein. Lucie Sue überzeugt in der Löwenstadt mit einer markanten Stimme, enormer Bühnenpräsenz und einem modernen Rocksound, der Alternative Rock, Grunge und Metal gekonnt miteinander verbindet. Trotz der stilistischen Unterschiede zum folgenden Glam-Spektakel von Steel Panther gewinnt die Band schnell die Aufmerksamkeit des Publikums und empfiehlt sich nachhaltig für größere Bühnen.

Steel Panther – Braunschweig 2026

Steel Panther schaffen etwas, woran viele Bands seit Jahren scheitern: Sie bleiben sich treu, ohne zur eigenen Karikatur zu werden. Auch auf ihrer aktuellen Twenty Twenty S€X Tour liefern die Kalifornier im ausverkauften Schön & Fröhlich genau das, was ihre Fans erwarten – und das auf einem musikalischen Niveau, das hinter der augenzwinkernden Fassade gerne übersehen wird. Bereits mit Eyes Of A Panther springt der Funke über. Die bunte Truppe präsentiert sich bestens aufgelegt und zeigt vom ersten Ton an, dass hinter sämtlichen Klischees über Haarspray, Spandex und schlüpfrige Texte vor allem eine hervorragend eingespielte Liveband steckt. Tomorrow Night und Asian Hooker treiben die Stimmung sofort nach oben, während Michael Starr mit seiner starken Präsenz, seinem trockenen Humor und spontanen Sprüchen das Publikum mühelos in seinen Bann zieht.

Die große Stärke von Steel Panther bleibt jedoch ihre Musikalität. Satchel gehört sicher zu den unterschätztesten Gitarristen des Genres. Seine Riffs sitzen messerscharf, er verbindet Virtuosität mit Spielfreude und selbst das ausgedehnte Gitarrensolo wirkt nie wie eine Pflichtübung, sondern entwickelt sich zu einem echten Höhepunkt des Abends. Gleichzeitig zeigt Spyder, dass er längst mehr als nur der Nachfolger seines Vorgängers Lexxi Foxx ist. Gemeinsam mit Stix Zadinia bildet er ein druckvolles Rhythmusfundament, das den Songs jederzeit die nötige Wucht verleiht. Mit Just Like Tiger Woods, Friends With Benefits und dem unumgänglichen Death To All But Metal reiht sich ein Publikumsliebling an den nächsten. Dabei verschwimmen Konzert und Comedy-Show immer wieder miteinander. Diese Kritik muss sich die Band gefallen lassen: Die Nettospieldauer könnte deutlich höher sein, wenn das Geflachse (und manchmal Gequatsche) weniger wäre. Aber das gehört eben zum Konzept. Und zugegeben: Die Dialoge und sketchigen Einlagen kommen mehrheitlich wirklich spontan rüber und wenig einstudiert.

Steel Panther – Braunschweig 2026

Zu den festen Bestandteilen einer Steel-Panther-Show gehört mittlerweile auch der improvisierte Impromptu-Song For A Girl. Eine Besucherin aus den ersten Reihen wird auf die Bühne geholt und darf dort mit der Band performen. Diesmal heißt die Glückliche Letitia und überrascht Band und Fans mit einer grandiosen Stimme. Als Belohnung darf auch ihr Partner Matthias mit einsteigen und es entsteht ein herrlich schräger Moment voller Situationskomik, der zeigt, weshalb kaum ein Konzert der Band dem anderen gleicht. Nach The Mother’s Day Song, 1987 und Girl From Oklahoma erreicht die Party bei 17 Girls In A Row ihren traditionellen Höhepunkt. Wie bei nahezu jeder SteelPanther-Show holt Michael Starr zahlreiche Frauen aus dem Publikum auf die Bühne, die während des Songs als Background-Tänzerinnen für zusätzliche Glam-Metal-Atmosphäre sorgen. Ganz reicht es diesmal allerdings nicht für den Songtitel – statt 17 finden sich lediglich 13 Frauen auf der Bühne ein. Dem Spaß tut das keinen Abbruch, denn die „Girls“ geben alles und werden vom Publikum entsprechend gefeiert.

Den Lacher des Abends liefert jedoch eine Zuschauerin in der ersten Reihe. Vom Sänger persönlich aufgefordert, ebenfalls auf die Bühne zu kommen, lehnt sie charmant mit den Worten „I am a teacher, I can’t do this.“ ab. Die spontane Antwort sorgt für schallendes Gelächter – bei Band und Publikum gleichermaßen – und entwickelt sich zu einem der denkwürdigsten Momente des gesamten Konzerts, ohne dass sie dafür jemals einen Fuß auf die Bühne setzen muss. Danach ist wieder das Publikum dran und verwandelt das Schön & Fröhlich bei Party Like Tomorrow Is The End Of The World endgültig in eine ausgelassene Panther-Party. Natürlich fordert das Publikum lautstark eine Zugabe. Mit Community Property beweisen Steel Panther, dass selbst ihre Balladen nie ganz ernst gemeint sind, bevor Gloryhole den Abend standesgemäß beendet. Das Publikum singt jede Zeile mit und feiert die Band bis zum letzten Akkord.

Steel Panther – Braunschweig 2026

Steel Panther beweisen in Braunschweig eindrucksvoll, warum sie seit Jahren zu den unterhaltsamsten Livebands des Hard Rock zählen. Hinter der bewusst überzeichneten Comedy-Fassade steckt eine technisch herausragende Band, die ihre Songs mit sichtbarer Spielfreude und beeindruckender Präzision auf die Bühne bringt. Wer sich auf den Humor einlässt, erlebt einen Konzertabend, der weit mehr bietet als schlüpfrige Witze: erstklassige Musiker, toll arrangierte Songs und eine Show, die von der ersten bis zur letzten Minute bestens unterhält. Vielleicht keine Band, die man jedes Jahr sehen muss, die aber wie keine andere für den Begriff Fun Metal steht. Nach Abschluss der Show wird das Schön & Fröhlich für das Public Viewing umgestaltet. Das beschämende WM-Aus der deutschen Mannschaft erleben auch etliche Konzertbesucher und Teile der Bands live mit. Angesichts des bis dahin so fröhlichen Abends dürften sie damit aber deutlich besser klarkommen als die meisten neu Hinzugekommenen. Es bleibt dabei: Metal Rules!