Left To Die am 12.08.2026 im Betty, Hamburg

Wir werden den Stecker nicht ziehen - Nie!

Event:  Left To Die Summer Tour 2026

Bands: Left To Die, Livløs

Ort: Betty, St. Pauli

Zuschauer: ca. 120 Hansebanger

Genre: Old School Death Metal, Death Metal, Death Thrash Metal

Links: Left To DieLivløs

Um die Augen zu schützen, sind fast überall in Hamburg die Sonnenschutzbrillen vergriffen. Da unlautere Geschäftemacher nicht unterstützenswert sind, ist das alternative, bodenständigere Happening an diesem Dienstag im Betty im hansestädtischen Vergnügungsviertel ebenso düster und wesentlich gehörzermürbender. Überraschend viele Metalheads haben sich auf dem Hamburger Berg eingefunden, um ein weiteres Mal, dem bereits dritten Death-Tributkonzert in diesem Jahr, beizuwohnen. Wieder ist es Matt Harvey, der seine Liebe zu den Urvätern mit seiner zweiten Band neben Gruesome Ausdruck verleiht. Left To Die ist aber mehr als eine schnöde Ehrerbietung, da mit Rick Rozz der Co-Gründer von Mantas bzw. Death die sechs Saiten zerrt. Dazu ist der ruhende Tieftöner Terry Butler – er hat Credits auf Leprosy und Spiritual Healing – mit von der Partie. Den Abend im wahrsten Sinne des Wortes anheizen tun Dänemarks Finest Death Thrasher Livløs.

Livløs am 12.08.2026 im Betty, Hamburg

Wie ein erwachsener Sturm legen Livløs ohne Vorwarnung fast pünktlich um 20:00 Uhr los. Mit ordentlich Schmackes haut der Fünfer gnadenlos Death-Thrash-Granate um Granate raus. Dagegen sind drei Minuten Dunkelheit, oder lassen wir es auch fünf sein, zwar selten, aber die Jungs aus Aarhus steuern Unmengen mehr Energie zur Partie bei, als rumsitzen mit einer überteuerten YPS-Brille. Besonders der rastlose Fronter Simon Olsen brüllt und schreit, was die Lungenflügel hergeben. Im Geschwindigkeitsrausch wie auch im Downtempo haben die Dänen ihre Stärken, dazwischen bleibt immer Raum und Zeit für den Weg an die Theke.

Leblos vor der Bühne – voller Leben auf der Bühne

Livløs am 12.08.2026 im Betty, Hamburg

Ungewöhnlich reserviert agiert das sonst so applauswütige Hamburger Metal-Volk. Sogar beim animierten Hinsetz-und-Aufspring-Spiel ist jede Stuhl-Gymnastik-Gruppe im Altersheim agiler. Jungs und Mädels, was ist hier los?! Dieses heftige Geballer und die wilde Performance können doch niemanden kaltlassen. Am leicht holprigen Ersatz-Schlagwerker kann es auch nicht liegen, da dieser für fünf Tage Training eine verdammt gute Leistung abliefert. Nach knackigen 40 Minuten bekommen Livløs, die sich als echt großartige Liveband teuer verkauft haben, doch noch ihren verdienten Zuspruch. Geht doch! Das haben sich Livløs auch redlich verdient.

Left To Die am 12.08.2026 im Betty, Hamburg

Wesentlich enthusiastischer werden hingegen die Altmeister abgefeiert, auch als diese noch einmal kurz von der Bühne gehen, um nur Sekunden später in voller Mannschaftsstärke das Set zu beginnen. Rituale, die niemand braucht. Aber egal, Left To Die lassen gleich zu Beginn der Todeszeremonie die Legion Of Doom von der Kette, bevor sie im direkten Anschluss sämtliche Särge in der Hansestadt auf brutale Weise aufbrechen. Und schon ist die Stimmung todesmutig genug, dass wildes Headbangen und Teufelshörner überall im Betty Zeugnisse der knisternden Zustimmung ablegen. Matt Harvey ist mit Sicherheit nicht der übermäßig charismatische Frontmann, doch seine grenzenlose Zuneigung zum Todesmetall kommt authentisch rüber, im Duell mit Rick Rozz sogar als versierter Saitenartist zu verorten. Gus Rios trommelt gewohnt brutal auf den Punkt, während Terry Butler unspektakulär, aber souverän dem dröhnenden Sound die letzte Wucht verleiht, wie er es auch bei den Florida-Deathern Obituary zu tun pflegt.

Der Tod steht uns allen gut

Bei Scream Bloody Gore gibt es sogar ungewöhnlich begeisterungswütige Chöre aus dem Publikum, fast wie Running Free oder Breaking The Law. Hossa! Nur eben nicht ganz in Stadionqualität. Trotzdem böse wie Chuck. Die ausgebuddelten Demo-Kracher kommen gut an, aber bei Leprosy geht das Betty steil, Head- und Fistbanging bis der Arzt kommt. Rick Roos muss sich vorkommen wie ein waschechter Rockstar, so überschwänglich sind die Zuspruchsbekundungen. Death By Metal und Zombie Ritual beenden das reguläre Set nach etwas über einer Stunde leider viel zu früh, denn die Stimmung ist kurz vor dem Überkochen, Hamburg-Style.

Der Tod überdauert uns alle

Left To Die am 12.08.2026 im Betty, Hamburg

 Was dann aber bei Pull The Plug abgeht, ist schon fast als ekstatisch zu bezeichnen. Der Chorus wird mit dermaßen großer Phonstärke der Band entgegengeschrien, dass der Sound beinahe in die Knie gezwungen wird und Tote zum Leben erweckt werden. Wow! Selbst der Ruhepol am Bass, Terry Butler, zeigt sich sichtlich entzückt. Die Jungs von Left To Die stachelt diese massive Rückmeldung dementsprechend an, dass sie mit Evil Dead noch einen weiteren Haufen Leichen ins Feuer werfen. Einen Wehmutstropfen gibt es trotzdem: Keine Version des Leichenschänder-Opus’ Initium Mortis ist am Ende der Tour noch am Merch-Stand zu ergattern.