Glatte vier Jahre sind ins Land gezogen, bis Lacrimas Profundere mit Lay Me Down O Silent Fear ein neues Album auf den Markt bringen. Viele Konzerte haben Oliver Nicolas Schmid, Julian Larre, Dominik Scholz und, zumindest bis Anfang des Jahres, Ilker Ersin (gute Besserung an dieser Stelle) gespielt. Trotzdem blieb genug Zeit, eine neue Platte einzuspielen. Sollte bis zum letzten Album noch eine Mischung aus Dark Rock und Dark Metal gelten, haben sie auf dem neuen Album eine Mischung aus Gothic und Core kreiert. Der Gothcore zieht sich durch die Scheibe und lässt aufhorchen. Ähnlich, als wenn Bring Me The Horizon Queen covern würden.
Bereits der Opener lässt aufhorchen
Days Of Doom kommt ziemlich brachial um die Ecke. Ein fetter Opener, der von Julian Larre dominiert wird. Dazu gesellen sich fette Riffs und, man höre und staune, Keyboard-Arrangements, die dem Track eine bombastische Note verleihen. Das lässt sich schon mal gut an und zeigt die neue Richtung. Larre war schon immer ein starker Sänger, hier gibt es noch etwas obendrauf. Es folgt Nevermore, der ja bereits als Single ausgekoppelt wurde. Schöne Nummer mit reichlich Mitmachpotenzial, was Lacrimas Profundere auf der noch andauernden Tour beweisen (hier der Bericht zum Konzert im Hamburger Logo). Das Publikum konnte den Refrain, also „Nevermore“, mitsingen, und das blieb auch irgendwie im Ohr hängen. Das ist eine nicht ganz so corelastige Nummer, sondern hat eher das, was man von der Band erwartet. Etwas düster im Beginn, um dann mit einer feinen Melodie den Ohrwurmcharakter zu formen. Das ist genau der richtige Track, um als Single Lust auf das Album zu machen, obwohl es dort dann etwas anders zugeht. Allerdings hat Heart, I Will Break You Before You Break Me erneut einen düsteren Track am Start. Das schon fast Gegrowlte von Julian passt gut zu den Weisen, die auch wieder durch den geschickten Einsatz von Keyboardanteilen für das Weg-vom-reinen-Gothrock sorgen. Übrigens heißt der „fünfte“ Mann an den Tasten Benny Richter und dürfte von Caliban oder Emil Bulls bekannt sein.
Das Zusammenspiel von Gothic und Metalcore scheint zu funktionieren
O Silent Fear hat doch tatsächlich HIM-Anleihen an Bord, die sich mit Strukturen von Heaven Shall Burn oder Arch Enemy vermischen. Eingängiger Track, der sicherlich auch live einiges hergibt, wie bereits bewiesen. Gefällt mir persönlich sehr gut. Auch im folgenden Agony zeigt Julian, was er inzwischen so stimmlich kann, und das macht er super. Den Wechsel zwischen klaren, hohen und tiefen Passagen sowie Growls beherrscht er, und nicht selten hört man einen Ville Valo oder Corey Taylor heraus. Interessante Herangehensweise. Natürlich darf an dieser Stelle der Gitarreneinsatz von Oliver nicht unter den Tisch gekehrt werden. Sicherlich ist er mitverantwortlich für das Songwriting, auch wenn die Texte von Julian und Christopher Schmid stammen. Faceless setzt sich nicht ganz so durch. Mir persönlich ist das zu corelastig. Auch wenn sich eine angenehm anzuhörende Sequenz anschließt, erreicht mich der Track nicht wirklich, ist damit aber die einzige Ausnahme.
Es geht munter weiter im Gothcore
Arcane Promises ist ein guter Rocker, der aber nicht ganz so viel vom Goth abbekommen hat. Dafür ist der Gitarreneinsatz höher und verleiht dem Track mehr Härte, mit einem guten Rhythmus, der von Ilker am Bass und Christopher an den Drums sicherlich mitgeprägt wird. Spannende Wendung, die erneut dafür sorgt, dass sich das Ganze in keine Schublade stecken lässt. Produziert wurde das Album von Oliver himself, aufgenommen wurde im Kohlekeller Studio und letztendlich in Finnland alles gemastert. In Finnland, dem Land mit den hunderten von Black-, Doom-, Progressive- oder sonstigen geilen Bands, hat Julian auch seine Gesangsparts aufgenommen, was sicherlich seinen Einfluss hinterlassen hat, denn auch der eine oder andere finnische Einfluss ist nicht abzuleugnen. Auf der neuen Scheibe, die es auch in unterschiedlichen Versionen geben wird, folgt mit A Sinful Desire ein weiterer Beweis, dass eine ursprünglich dem Gothrock oder Gothic Metal zuzuordnende Band auch anders kann. Erneut wird der Core-Anteil eingebaut und passt zum Song. Mehrstimmiger Gesang und fette Riffs dominieren und lassen es krachen.
Inhaltlich bewegen sich die Songs irgendwo zwischen der Angst vor Einsamkeit und dem „mentalen Labyrinth, in dem Liebe, Sünde und Zerstörung ineinandergreifen“, so Julian Larre. Nun gibt es noch etwas für den Herzschmerz. Die Ballade Veil XV schreit geradezu nach Feuerzeug und ganz langsamem Nicken. Einfühlsam kann der Julian also auch, und Oliver steuert gekonnte Riffs dazu. Der Track ist nicht wirklich langsam, aber durch den Gesang und die Arrangements einfach eine Ballade, mit schönem Klavierspiel zum Ende hin. Zu guter Letzt kommt noch ein Song mit dem ellenlangen Titel At The End Of A Dream Lies The Hope You Once Killed. Noch einmal Melancholie, eingebettet in Core-Sequenzen und gespickt mit Synthie-Tupfern.
Hier geht es zu weiteren Informationen zu Lacrimas Profundere – Lay Me Down O Silent Fear in unserem Time For Metal Release Kalender.



