Die Franzosen von Viande verdunkeln den musikalischen Himmel mit ihrer Art der Kommunikation seit dem Jahre 2013. Eilig hatten die Burschen es aber noch nie. 2015 und 2017 wurden erst einmal EPs rausgehauen, bevor dann im Jahre 2022 das Erstwerk namens L’abime Dévore Les Ames veröffentlicht wurde. Die vier Protagonisten J, B, O und I sind alle noch in anderen Kapellen wie Nahar, Swarm Of Darkness oder Ancient Moon unterwegs. Dieses nimmt natürlich viel Zeit in Anspruch, aber nun hat man es geschafft, ein zweites Album aufzunehmen. Monuments Aux Morts erscheint via Transcending Obscurity Records.
Wir haben Ende August, der alte Mann kann nicht schlafen, denn das Knie schmerzt und dieses frustriert ihn. Also früh um sechs Uhr hoch. Frühstück gemacht. Draußen verlässt die Nacht so langsam ihren Pfad, aber hell wird es nicht. Es regnet und es stürmt. Willkommen in Ostfriesland und willkommen bei dem Opener Linceul Immense. Stürmische Klänge gibt es da zu Beginn und ich merke schon, dass dieses Review genau zur rechten Zeit kommt. Die Burschen zocken dann eine Art von Death Metal, der einem schon übel mitspielen kann. Hoffnung und Fröhlichkeit sind bestimmt keine Themen, die bei der Band im Vordergrund stehen, zumindest nicht aus musikalischer Sicht. Hier ist alles dunkel und auch ein wenig morbide. Viande ist das französische Wort für Fleisch, und das eigene wird hier sicherlich sehr verletzt. Das Ganze ist schon natürlich noch Death Metal und die Passagen, in denen sie den Knüppel schwingen, sind natürlich genau meine Baustelle, aber dann verlassen sie den Pfad der Glückseligkeit und steigen tief hinab in den Schlund deiner Seele. Puh. Das ist an einigen Stellen nicht nur langsam, sondern eben auch morbide, melancholisch, zermürbend und zerstörerisch. Mit offenen Armen empfängt man die Dunkelheit und mit einem schmutzigen Lächeln lässt man sie nicht mehr los. Der Song geht über sechs Minuten und zieht dich am Ende komplett nach unten. Und da fühlt man sich ja anscheinend am wohlsten. Welch ein passender Song an einem düsteren Sonntagmorgen. Hellulujah! Am Ende wird man noch einmal schneller und verbreitet noch ein wenig Chaos und somit ist die Welt wieder in Ordnung? Natürlich nicht. Der Song geht fast sieben Minuten.
Auch Sacrifice Ardent lässt zu Beginn dem gedrosselten Knüppel freien Lauf. Der höhlenartige Sound, die tiefen Vocals und die fiesen Screams im Hintergrund klingen echt fett und Morbid-Angel-artige Riffs erfreuen den Zuhörer. Aber dann fängt man eben an, das Tempo erneut zu verschleppen. Erst Midtempo, dann richtig langsam. Aber kurze Zeit später wird es wieder schnell, um dann einen richtig chaotischen Part mit Tempowechsel hervorzuholen. Hier muss man schon ein wenig aufpassen, was passiert, und so genau kann ich es auch gar nicht nachvollziehen. Es geht hin und her und der kleine Old School Death Metaller in mir ist sehr verwirrt. Also noch mehr als sonst, möchte ich damit sagen. Dann aber komplette Tempoherausnahme und ab in die Gruft oder in den Keller, je nachdem, was näher ist. Puh, hier wird man wieder absolut düster und morbide. Übel, ganz schön übel. Diese heiseren, screamigen Vocals und die Geschwindigkeitsaufnahme haben es in sich, und höre ich da auch eine kleine Melodie heraus? Ich glaube schon! Alles total verwirrend und für mich auch teilweise anstrengend, aber das haben die Burschen sicherlich nicht anders gewollt. Der Song geht auch über sieben Minuten. Lange Songs sind für mich sowieso immer etwas anstrengend. In neun Minuten haut manche Grindcore-Band eine EP heraus. Okay, andere Baustelle.
Viande machen Mucke, die man einfach auf sich wirken lassen muss, absolut. Keinen Song dieses Albums kann man eben so nebenbei hören. Kein Song der Band geht unter sechs Minuten, sieht man mal von dem 150-Sekunden-Song namens Austérité Maximum ab. Dieses ist auch mehr ein instrumentales Zwischenstück bzw. ein Outro, denn danach folgt nur noch ein Bonustrack.
Lediglich Monolithe De Chagrin geht knappe vier Minuten, verfolgt aber natürlich dieselbe Marschrichtung, kommt einem aber aufgrund der kürzeren Spielzeit etwas härter vor. Aber auch hier schwebt diese höhlenartige Dunkelheit mit und auch doomige Passagen erreichen das Ohr des geneigten Zuhörers.
Schon starker Tobak, was uns die Franzosen da anbieten. Ob das unbedingt Musik ist, die ich mir live ansehen oder anhören muss, weiß ich nicht, aber auf Album ist das Ganze absolut interessant. Kann man nicht anders sagen.
Hier geht es für weitere Informationen zu Viande – Monument Aux Morts in unserem Time For Metal Release-Kalender.



