Am 25.09.2026 erscheint Bits And Pieces, Poorly Explained offiziell über das kultige Berliner Label Noisolution. Ein paar besonders glückliche Fans mussten allerdings nicht ganz so lange warten: Exakt 100 Exemplare waren bereits am 13.09.2026 als limitierte CLUB100-Edition direkt bei Noisolution erhältlich. Nun folgt die reguläre Veröffentlichung auf CD sowie als Vinyl in den Varianten Black und Coloured.
Keine Lust auf Genre-Schubladen
Rund zwei Jahre nach ihrem Debüt Gods, Used, In Great Condition steht damit der zweite Langspieler von Tommy And The Teleboys in den Startlöchern. Und eines wird ziemlich schnell klar: Das Quartett aus Berlin, Halle und Mainz denkt gar nicht daran, sich musikalisch plötzlich brav zu benehmen. Elf Songs lang wird munter zwischen Garage Rock, Psychedelia, Post-Punk, Krautrock, Fuzz und Electronica herumgetobt. Genregrenzen? Eher lästige Verkehrsschilder als verbindliche Regeln.
Der Wahnsinn funktioniert auch live
Dass dieser wüste Mix nicht nur auf Platte funktioniert, konnte ich bereits im März 2026 selbst erleben. In der Kreativfabrik in Wiesbaden durfte ich Tommy And The Teleboys live sehen und mich davon überzeugen, dass die wilde Mischung aus rotzigen Gitarren, treibenden Grooves, psychedelischen Momenten und elektronischen Spielereien auch auf der Bühne erstaunlich gut aufgeht. Was auf dem neuen Album teilweise wie ein kontrollierter musikalischer Ausnahmezustand wirkt, bekommt live noch einmal ordentlich Schub.

Bob Ross malt den ersten Klangteppich
Schon der Opener Bob Ross macht deutlich, dass hier nicht nach einem klassischen Rockrezept gekocht wird. Zunächst wirkt der Einstieg fast harmlos und zurückhaltend, bevor sich der Song immer weiter in einen flirrenden und hypnotischen Strudel hineinsteigert. Damit ist die Marschrichtung eigentlich bereits vorgegeben: Erwartbare Songstrukturen sind bei Tommy And The Teleboys eher eine grobe Empfehlung als eine feste Vorgabe.
Zwischen Garage, Psych und Elektronik
Und genau diese Energie findet sich auch auf Bits And Pieces, Poorly Explained. Tommy And The Teleboys lassen ihre Songs einfach machen. Mal rumpelt es dreckig aus den Boxen, dann wird es plötzlich verspielt, hypnotisch oder beinahe verträumt. Die Gitarren dürfen ordentlich sägen, während die Rhythmusfraktion für den nötigen Vortrieb sorgt. Dazwischen tauchen elektronische Elemente auf, die dem Ganzen eine zusätzliche Portion Wahnsinn verpassen.
Überraschungen an jeder Ecke
Besonders schön zeigt sich diese Arbeitsweise bei OK Hole. Der Track entwickelt sich zu einer herrlich eigenwilligen Mischung aus Folk-Anleihen, Garage und psychedelischen Momenten. Auch Everyday spielt geschickt mit Erwartungen und zeigt, dass hinter der zunächst lässigen Oberfläche ordentlich Energie steckt. Bei Atmen wird es dagegen deutlich düsterer. Der deutschsprachige Titel bringt eine ganz andere Farbe ins Album und sorgt für einen markanten Kontrast.
Überhaupt ist Abwechslung Trumpf. Deceiver besitzt eine angenehm melodische Seite, während Trypophobia überraschend tanzbar aus den Lautsprechern hüpft. Und wer nach einem klassischen Albumabschluss sucht, bekommt mit Pretty Nice To Meet You noch einmal einen kleinen musikalischen Kontrollverlust serviert. Hier darf es schräg, atmosphärisch und leicht entrückt werden.
Bachratten sorgen für zusätzlichen Druck
Eine interessante Verbindung gibt es bei Date. Für den Song haben sich Tommy And The Teleboys mit der Kasseler Indie-Band Bachratten zusammengetan. Das Ergebnis passt hervorragend zum unberechenbaren Charakter des Albums: Temperamentvoller Post-Punk trifft auf psychedelische Versatzstücke und bekommt durch die Zusammenarbeit noch einmal eine eigene Dynamik. Zu den Bachratten scheint eine besondere Beziehung zu bestehen. Beim Live-Event in der Kreativfabrik kündigten Tommy And The Teleboys als Zugabe ein Cover „der besten Band, die Kassel je hervorgebracht hat“ an. Es folgte Flaschenpfand von den Bachratten!
Spielfreude statt Sicherheitsnetz
Was dabei besonders positiv auffällt, ist die ungezügelte Spielfreude. Tommy And The Teleboys klingen nicht nach einer Band, die sich vorher überlegt, wie ein Song gefällig funktionieren muss. Vielmehr entsteht der Eindruck, dass jede Idee zunächst einmal ausprobiert werden darf. Riffs treffen auf Grooves, Stimmungen werden kurzerhand umgekrempelt und gelegentlich dürfte selbst die Band nicht ganz genau wissen, wo der nächste musikalische Haken lauert.
Hier! geht es für weitere Informationen zu Tommy And The Teleboys – Bits And Pieces, Poorly Explained in unserem Time For Metal Release-Kalender.



