The Butcher Sisters am 23.10.2026 im Maimarktclub in Mannheim

Heimspiel IV mit Mambo Kurt und The Browning

Eventname: Heimspiel IV

Headliner: The Butcher Sisters

Vorbands: The Browning, Mambo Kurt

Ort: Maimarktclub, Xaver-Fuhr-Straße 101, 68163 Mannheim

Datum: 23.10.2026

Kosten: 41,70 € (ausverkauft)

Genre: Mallorcore, Trancecore, Deathcore, Hammond-Sound, Comedy

Besucher: ~3000

Veranstalter: Cafe Central/TocopillA Events

Heimspiel 4

Gleich an zwei Tagen hintereinander gastieren The Butcher Sisters Ende Oktober im Mannheimer Maimarktclub, um dort ihr viertes Heimspiel zu zelebrieren. Wir haben uns für den Termin am Freitag – der Tag, nach dem ich frei hab‘, whoooaa – entschieden.

Beide Konzerte waren vor Veranstaltungsbeginn ausverkauft. Wenn das kein Beweis dafür ist, wie angesagt The Butcher Sisters aka TBS gerade sind, untermauert das rege Treiben an den beiden (!) Merchständen – einer vor, einer in der Konzerthalle – die Nachfrage nach der Great Music Band. Angeblich soll der Umsatz schon vor Konzertbeginn fünfstellig gewesen sein.

 Zum Auftakt des Abends orgelt Mambo Kurt der Menge schön einen rein. Der selbsternannte „King of Heimorgel“ hat leichtes Spiel, denn um 19 Uhr ist das Publikum bereits zahlreich, feierwütig und trinkbegeistert. Wer ernsthaft noch nie von Mambo Kurt gehört hat: Der promovierte Mediziner interpretiert als Alleinunterhalter musikalische Welthits sämtlicher Genres auf einer Heimorgel. Das Ergebnis sind dekonstruierte Versionen der Originale, die auf maximale Partytauglichkeit getrimmt sind. Ob das bei einem Publikum funktioniert, das in wenigen Stunden „Ich habe Bierdurst seit meiner Geburt“ grölen wird? Ohjaaaaaaa. So unterschiedliche Tracks wie Just Can’t Get Enough (Depeche Mode), Don’t Stop Believin‘ (Journey), Remmidemmi (Deichkind), Urlaub Fürs Gehirn (K.I.Z.) oder Killing In The Name (Rage Against The Machine) lassen vor der Bühne die ersten Fans sofort eskalieren und es herrscht Bierzeltatmosphäre. Wie viele Leute sämtliche Lieder mitsingen können – vor allem Urlaub Fürs Gehirn geht allen gut über die Lippen –, zeigt bereits jetzt, wie divers das Publikum des Abends ist. Einspieler von einem original Game Boy sorgen für Spontanapplaus, neckische Anheizparolen („Das ist die langsamste Wall of Death“) und Publikumsinteraktionen schaffen konstant gute Laune. Mambo Kurt holt etwa einige Zuschauer:innen zum Pogotanzen auf die Bühne und zettelt eine Polonaise an („Bei ner Mambo-Kurt-Show kann man auch mal Fünfe gerade sein lassen.“), die sich bis in die hintere Ecke der Halle schunkelt und Metaller, kostümierte Närrinnen, Schlageratzes und Punks vereint. „Mannheim ist die Partyhauptstadt“, stellt Mambo Kurt gegen Ende des Sets fest, und niemand dürfte ihm in diesem Moment widersprechen. Es fällt jedoch auch auf, dass viele Menschen seinen Auftritt auch schlicht zur Kenntnis genommen haben und auf härtere Musik warten.

 Da trifft es sich gut, dass The Browning der zweite Supportact des Abends sind und beim TBS-Heimspiel ihre Europatournee starten. Die US-Amerikaner aus Kansas City, Missouri, um Bandkopf Jonny McBee, spielen einen Mix aus Trance- und Deathcore und etablierten schon vor Jahren einen Sound aus harten elektronischen Beats, drückenden Riffs und heftigen Growls. Auch Hardstyle-Elemente gehörten bei The Browning, die live auf Bassgitarre verzichten, schon lange zum Repertoire, bevor etwa Electric Callboy damit experimentierten. Auf den ersten Blick mögen The Browning zwischen Ulkformaten wie Mambo Kurt und TBS überraschen, doch einerseits ist der „Rave Metal“ der Band durchaus Partymetal, andererseits verraten viele The Browning-Shirts im Publikum, dass die Band hier viele Fans hat. Die Beats vom Backtrack ballern alle Anwesenden direkt endgültig wach und es dauert nicht lange, bis das Publikum vor der Bühne kollektiv springt und ein erster Crowdsurfer gen Bühne wackelt. Dann plötzlich abruptes Ende. Frontmann McBee stoppt das Set, das Licht geht an, Unfall im Pit. Zwei Besucher schleppen ihren Buddy zu den Sanis. Gute Reaktion von Band, Publikum und Security. Das Set donnert weiter und nimmt wieder an Fahrt auf, im Pit herrscht wieder Eskalationsmodus und in den hinteren Reihen zucken Oberkörper und Köpfe durchs Laserlicht. Was ein ekstatisches Gebolze. Dazwischen stehen aber auch einige Leute, die mit der rifflastigen „Technoparty“ offenbar nichts anfangen können und gelangweilt am Smartphone herumtippen. Derweil geben sich The Browning ordentlich Mühe, das Publikum aktiv zu halten. McBee will einen Circlepit und eine Wall of Death sehen und bekommt beides reichlich. Dazwischen animiert er zum Mitgrölen und wenn irgendjemand ein „Döp Döp Döp“ wie aus dem Eff Eff Eff beherrscht, dann ein TBS‑Publikum. Und natürlich haben The Browning auch ihr cheesy Eiffel 65-Cover Blue (Da Ba Dee) im Gepäck, bei dem dann doch fast die ganze Halle lächelnd mitsingt. Womöglich auch, weil McBees Tochter knuffelgoldig auf der Bühne herumtanzt. The Browning bedanken sich herzlich bei TBS und Publikum und nehmen aus Mannheim definitiv neue Fans mit nach Hause.

Setlist The Browning:
1. Wake Up
2. Bloodlust
3. Poison
4. Not Alone
5. Deceiver
6. Hivemind
7. Blue (Da Ba Dee) (Eiffel 65 Cover)
8. Carnage
9. Obsolete. Delete. Repeat.

Und Gott sprach „Bier“ und es ward The Butcher Sisters. Um 21:30 Uhr betritt Shouter Stroppo unter ohrenbetäubendem Jubel mit Akustikklampfe die Bühne und in den hinteren Reihen muss man vermutlich einfach Glück haben, um überhaupt die von den Buchstaben T – B – S eingerahmte Bühne zu sehen. Denn: Alle Hände sind oben. Einen Kalauer später hat Rapper Alex die Gitarre auf Stroppos Kopf zertrümmert und es geht los mit Bierosaufus Ex. Darauf ein Bier und eine fette Wall of Death.

Nette Geste: Auf einer ansehnlichen Videoleinwand zeigen TBS die Videoclips zu den einzelnen Songs und blenden mitunter auch Lyrics ein. Es ist unwahrscheinlich, dass hier jemand die ausgetüftelten Gedanken- und Wortspiele der Mannheimer Poeten nicht auswendig mitbrüllen kann, doch nach so ein paar Bierchen kann ein wenig Nachhilfe zu UGA UGA BAM BAM nicht schaden. Alle rasten aus und vor der Bühne wimmelt es wie in einem Ameisenhaufen. Drumherum steht das Publikum dicht gedrängt und nicht jeder hat Platz, um sich ordentlich zu bewegen. Da sich oft Menschen nach vorne (Moshpit) oder nach hinten zur Bar (Klingelingeling, ich saufe Bier, bis ich kotz‘) durch die Menge drängeln, sorgt das mitunter für Unmut und bei einigen Anwesenden macht Alkohol nicht locker, sondern leicht aggressiv. Doch dann ertönt schon der nächste Schlager und alle singen selig miteinander.

Wie schon beim Summer Breeze legen The Butcher Sisters rickrollige Breakdown-Fallen aus und erwischen überraschend viele Fans damit. Für Gelächter sorgen auch die wechselnden Outfits von Stroppo, der sich zwischen den Liedern seiner mehrlagigen T-Shirts entledigt und am Ende bauchfrei durchdrehen wird.

Meine Güte, der Nachwuchs von Reiner ist echt groß geworden. TBS werfen ein riesiges aufblasbares Baby in die Menge, das rechtzeitig vor der ersten großen Surfer:innenschwemme wieder hinter der Bühne verschwindet. Apropos Crowdsurfen: Warum auch immer, doch dass Körperspannung relevant ist, weiß wohl kaum jemand.

Unter ekstatischem Gegröle aller Aperoliker mischen Alex und Stroppo zu Aperol-rol-rol einen überdimensionierten Vertreter des rotglühenden Lebenselixiers, der rasch im Publikum verschwindet. Und was kaum zu glauben war: Der Pit wird noch wilder.

Sportlich anzusehen ist auch das Schlauchbootwettrennen der beiden Frontmänner, die sich über das Publikum tragen lassen. Alex hat klar die Nase vorn, sieht aber nicht sonderlich glücklich aus. Vielleicht, weil er Fans abwimmeln muss, die auf sein Gummigefährt klettern wollen und ihn ziemlich sicher zum Kentern bringen würden. Auf jeden Fall finden sich Alex und Stroppo am Front of House ein, um dort erst ein gewollt trashiges Cover von Christina Aguileras Genie In A Bottle zu krächzen, bevor sie die Hymne Klettergerüst zum Besten geben. Stroppo rundet die Darbietung romantisch ab und erläutert, dass sie aufgrund von Blumenkohlverzehr herzhaft scheißen und schnell zur Bühne zurückmüssen – mit dem Cityroller durch eine Allee aus Fans. Fäkalfantastischer ist eigentlich nur, dass The Butcher Sisters die Zeile „Wer hat gepisst“ von Baggersee mit goldgelben Glitzerschnipseln veredeln.

Der Boden des Maimarktclubs hat sich zum Ende des regulären Sets in ein Meer aus Bier, Schweiß und Pi….nee, lass mal. Die Fans haben sichtlich alles gegeben, um diesen herrlich albernen Abriss zu feiern. Und auch die Sanitäter sollen Augenzeugen nach alle Hände voll zu tun gehabt haben. Einigen Party Animals hat wohl der Kreislauf übel mitgespielt – ich habe Bierdurst seit meiner Geburt.

Zugabe. Auch wenn sich heute alles um das Heimspiel dreht, bleibt auch noch Zeit für eine Zaubershow. Warum nur einfach zwei weitere Lieder spielen, wenn man Stroppo auf der Bühne zersägen kann? Wirklich gewartet haben die Fans aber auf Bauchtasche und Drachentöter. Dem Maimarktclub fliegt fast die Decke weg.

Als sich The Butcher Sisters kurz nach 23 Uhr verabschieden, ist der Jubel lauter als jedes Drachenfauchen. Angesichts ihres Durchbruchs müsste die Band solche Reaktionen mittlerweile gewöhnt sein. Doch ihnen ist die Freude über den hart erspielten Zuspruch anzusehen. Während bereits die Aufräumarbeiten starten, bleibt Stroppo noch knapp eine halbe Stunde auf der Bühne und verteilt Setlists und Gimmicks an die Fans.

The Butcher Sisters gewinnen auch das vierte Heimspiel verdient und überragend. Wermutstropfen: kein Detlef D Soost oder sonstige Überraschungsgäste.

Setlist The Butcher Sisters:

  1. Bierosaufus Ex
  2. UGA UGA BAM BAM
  3. Crazy Frog (Axel F cover)
  4. White Monster
  5. Reiner
  6. Der Nudelsong
  7. Herr Dokter
  8. Bierdurst
  9. Aperol
  10. Freitag
  11. Genie In A Bottle (Christina Aguilera Trash Version)
  12. Klettergerüst
  13. Cityroller
  14. Detlef D Soost
  15. Baggersee
  16. Sonnenbrille
  17. Drei Streifen
  18. Bauchtasche (Zugabe)
  19. Drachentöter (Zugabe)

Fotos: Oliver Janka