Headliner: Future Palace
Vorbands: Luna Kills, As Everything Unfolds
Ort: Wizemann, Stuttgart
Datum: 13.10.2026
Genre: Modern Metal, Nu-Metal, Alternative Metal
Besucher: ca. 800 Besucher
Veranstalter: Music Circus Concertbüro
Schon vorab ist die Vorfreude auf den heutigen Abend vor dem Im Wizemann deutlich zu spüren. Mindestens eine Stunde vor Einlass hat sich bereits eine lange Schlange von Fans unterschiedlichster Art vor dem Halleneingang gebildet. Darunter sind viele, die Future Palace offensichtlich nicht zum ersten Mal sehen. Bandshirts und Pullis lassen darauf schließen, dass hier einige treue Fans unterwegs sind. Gleichzeitig fallen mir Kuttenträger, Kreator-Shirts und Vertreter einer etwas älteren Metal-Generation auf, die sich zwischen die überwiegend jüngeren Besucher mischen. Ein bunt gemischtes Publikum also, das für mich schon immer ein gutes Zeichen ist und durchaus auf die Qualität der Bands schließen lässt.

Um 19 Uhr ist Einlass, und pünktlich um 19:45 Uhr legen Luna Kills in der ausverkauften großen Halle des Wizemanns los. Damit legt das finnische Quartett auch gleich den Grundstein für den gesamten Abend. Frontfrau Lotta Ruutiainen weiß von Anfang an zu überzeugen und reißt das ohnehin sehr gut gelaunte Publikum mühelos mit. Aber auch der Rest der Band steht ihr in nichts nach. Alle sind voll bei der Sache und liefern deutlich mehr ab, als man es von manch anderer Vorband kennt. Wobei ich Luna Kills in diesem Fall gar nicht als klassische Vorband kategorisieren würde, sondern vielmehr als vollwertigen Bestandteil eines Modern-Metal Pakets, bei dem jede Band ihren eigenen Platz hat. Besonders die Präsenz von Lotta gefällt mir persönlich sehr gut. Sie verkörpert den Sound der Band mit ihrer Ausstrahlung und ihrer Performance auf ganzer Linie. Den harten Passagen verleiht sie die nötige Wucht, während sie sich in den ruhigeren Momenten auf eine ganz andere Weise in die Musik fallen lässt. Genau diese Gegensätze machen ihren Auftritt für mich so spannend. Generell wirkt die Band wie ein kompaktes Ensemble, das seine Musik nicht einfach nur spielt, sondern regelrecht verkörpert.

Kurz darauf übernehmen As Everything Unfolds. Die Band aus England wirkt auf mich bereits durch das größere Backdrop etwas etablierter, auch wenn das natürlich nur ein äußerer Eindruck ist. Im Vergleich zu Luna Kills ist ihr Auftreten insgesamt etwas lockerer, was für mich auch gut zum etwas melodischeren und zugänglicheren Sound passt. Das schmälert die Qualität des Auftritts allerdings keineswegs. Im Gegenteil: Die entspanntere Art unterstreicht den eigenen Charakter der Band und überträgt sich auch auf das Publikum. Die Briten schaffen es, die Stimmung aufrechtzuerhalten und die Fans weiter mitzunehmen. Persönlich fehlt mir zwar ein wenig die Dynamik, die Luna Kills zuvor versprüht haben, aber das ist letztlich Geschmackssache. As Everything Unfolds wissen ebenfalls auf ganzer Linie zu überzeugen und zeigen, dass sie ihren eigenen Platz in diesem Line-Up mehr als verdient haben. Statt bloß die Zeit bis zum Headliner zu überbrücken, liefern auch sie einen eigenständigen und überzeugenden Auftritt ab.

Danach folgt eine etwas längere Pause, während alle auf den Headliner warten. Die Geduld des Publikums scheint dabei kaum auf die Probe gestellt zu werden. Generell wirkt die Stimmung an diesem Abend angenehm aufgeräumt. Damit meine ich: Die Leute sind entspannt, freundlich und positiv gestimmt. Keine überbordende Partystimmung, kein Alkohol, der in Strömen fließt, sondern ein Publikum, das sich offensichtlich auf die Musik konzentriert und den Abend genießen möchte. Bei den Metal-Konzerten, die ich sonst besuche, ist das für mich fast schon ungewohnt – aber ausgesprochen angenehm. Auch die längere Wartezeit tut der Stimmung keinen Abbruch. Sobald das Intro einsetzt, sind die Fans voll dabei. Future Palace starten zunächst etwas bedächtiger mit Songs aus ihrem Repertoire, doch nach drei oder vier Stücken nimmt der Auftritt spürbar an Fahrt auf. Die Dynamik steigt, die Bewegungen auf und vor der Bühne werden intensiver, und die Band findet immer stärker in ihren eigenen Rhythmus. Auch hier gibt es wenig zu beanstanden. Future Palace liefern ab und schaffen es, die Energie über das gesamte Set hinweg aufrechtzuerhalten. Sängerin Maria Lessing steht dabei natürlich im Mittelpunkt, ohne dass die Leistung der beiden Mitmusiker Manuel Kohlert an der Gitarre und Johannes Früchtenicht am Schlagzeug in den Hintergrund gerät. Zusammen bilden sie das musikalische Fundament, auf dem Lessing ihre Stimme und ihre Bühnenpräsenz entfalten kann.

Ansagen und Interaktionen mit dem Publikum fallen in der ersten Hälfte des Sets noch vergleichsweise kurz aus. Das ändert sich im weiteren Verlauf, als Maria auf die persönlichen Hintergründe ihrer Musik eingeht. Gerade diese Momente geben dem Konzert eine zusätzliche Ebene. Es geht nicht mehr ausschließlich um Sound, Druck und Performance, sondern auch um die Geschichten und Erfahrungen, die hinter den Songs stehen. Maria spricht offen über ihre Depressionen und ADHS, ermutigt dazu, sich Hilfe zu suchen und eine Therapie in Anspruch zu nehmen. Das sind wichtige Worte, die in einem solchen Rahmen nicht selbstverständlich sind. Gerade bei Musik, die sich intensiv mit persönlichen Krisen und emotionalen Extremsituationen auseinandersetzt, bekommt diese Offenheit eine besondere Bedeutung. Die Ballade (wie von Maria auch so präsentiert) lässt die Halle für einen Moment durchatmen. Die Stimmung fällt dabei keineswegs ab. Vielmehr fügt sich dieser ruhigere Abschnitt harmonisch in das Set ein und schafft einen Kontrast, bevor es anschließend wieder kraftvoller weitergeht.

Spannend wird es noch einmal, als Charlie Rolfe, die Sängerin von As Everything Unfolds, auf die Bühne kommt und Future Palace bei The Echoes Of Disparity unterstützt. Der Song thematisiert die Ungleichheit, mit der Frauen auch 2026 noch konfrontiert sind, die Angst vor Übergriffen und die Wut darüber, sich im Alltag nicht selbstverständlich sicher fühlen zu können. Ein eindringlicher Moment, der nicht nur die Verbindung zwischen den Bands unterstreicht, sondern auch dieses Line-Up noch einmal als zusammengehöriges Paket erscheinen lässt. Das letzte Drittel des Konzerts gefällt mir persönlich besonders gut. Die bekannten Songs kommen, Maria spricht häufiger mit dem Publikum und wirkt zunehmend gelöst. Dabei entstehen auch kleine, ungeplante Momente, die einen Auftritt oft sympathischer machen als jede perfekt einstudierte Ansage. So wird sie beispielsweise immer wieder von einem Stofftier abgelenkt, das ein Fan in die Höhe hält. Maria versucht herauszufinden, was da eigentlich vor ihr schwebt. Die vermeintliche Stoffkuh entpuppt sich als Stier – was für einige Lacher sorgt und die ohnehin gute Stimmung noch einmal auflockert. Eine kleine Episode, die zeigt, dass auch bei einem emotionalen und musikalisch anspruchsvollen Konzert Platz für Humor bleibt. Mit Paradise folgt schließlich der sogenannte Future Palace Themesong, welcher auch die für viele Fans besonders eng mit dem Trio verbunden sein dürften. Die Reaktion in der Halle zeigt jedenfalls, wie sehr die Band ihre Zuhörer erreicht hat. Maria kündigt bereits an, dass nur noch wenige Songs folgen werden. Die Stimmung bleibt bis zum Ende hoch, und das Publikum begleitet die Band durch die letzten Momente des Sets. Eine Zugabe gibt es nicht. Das finde ich zunächst etwas ungewöhnlich, aber es schien irgendwie schon absehbar. Wirklich stören tut es mich allerdings nicht. Der Auftritt wirkt rund und auch seitens der Fans gibt es keine Einwände oder Zugabenrufe. Und am Ende bleibt vor allem das Gefühl, einen rundum gelungenen Konzertabend erlebt zu haben. Wenn ich an diesem Abend auch wieder einmal feststelle, dass moderner Metal und Nu Metal musikalisch nicht unbedingt meine bevorzugten Spielarten sind, muss ich trotzdem sagen: Das war ein rundum gelungenes Konzert. Drei eigenständige Acts, die sich hervorragend ergänzen. Jede Band liefert ihre eigene Interpretation moderner, harter Musik, und keine kommt zu kurz. Keine der drei Bands wirkt wie eine bloße Kopie irgendeines erfolgreichen Acts. Alle bringen ihre eigene musikalische Identität und ihre eigene Bühnenpräsenz mit. Auch menschlich entsteht ein stimmiges Gesamtbild, das sich nicht zuletzt in der Unterstützung auf der Bühne und im Umgang mit dem Publikum zeigt.
Für Fans von Future Palace, Luna Kills und As Everything Unfolds sowie für alle, die sich im modernen Metal zu Hause fühlen, kann ich einen Live-Abend mit diesen drei Bands nur wärmstens empfehlen. Und auch selbst wenn das Genre nicht unbedingt die eigene musikalische Heimat ist, bekommt man hier ein abwechslungsreiches, überzeugendes Gesamtpaket geboten.



































