Bloodbound, Dynazty und Manimal am 30.03.2019 im Z7 in Pratteln

Bloodbound, Dynazty und Manimal am 30.03.2019 im Z7 in Pratteln

Der Schweden-Drache kehrt zurück ins Z7

Event: Tour Of The Dragon Empire 2019

Headliner: Bloodbound

Vorgruppen: Dynazty, Manimal

Ort: Konzertfabrik Z7, Kraftwerkstr. 7, 4133 Pratteln, Switzerland

Datum: 30.03.2019

Kosten: 40,00 CHF AK

Genre: Heavy Metal, Power Metal, Hard Rock

Besucher: ca. 600

Veranstalter: RTN Touring http://www.rtn-touring.eu Konzertfabrik Z7 http://www.z-7.ch

Link: https://www.facebook.com/events/734857766885135/

Setlisten:


01. Black Plague
02. The Dark
03. Trapped In The Shadows
04. Purgatorio
05. The Darkest Room
06. Psychopomp
07. Manimalized
08. Irresistable


    01. Breathe With Me
    02. The Northern End
    03. Follow Me
    04. Firesign
    05. The Grey
    06. Ascension
    07. Drum Solo
    08. In The Arms Of A Devil
    09. The Smoking Gun
    10. The Human Paradox
    11. Titanic Mass
    12. Starlight


      01. Battle In The Sky
      02. Satanic Panic
      03. Stand And Fight
      04. In The Name Of Metal
      05. Slayer Of Kings
      06. War Of Dragons
      07. Skyriders And Stormbringers
      08. On The Battlefield
      09. Stormborn
      10. Silver Wings
      11. Fallen Heroes
      12. Moria
      13. Metalheads Unite
      14. Dragons Are Forever
      15. Rise Of The Dragon Empire (Zugabe)
      16. Nosferatu (Zugabe)

      Schwedischer Power Metal im Dreierpack steht heute mit Bloodbound, Dynazty und Manimal im Z7 im schweizerischen Pratteln auf dem Programm. Die Anreise klappt problemlos, doch schon vor den Toren der Konzertfabrik zeichnet sich ab, dass der Abend wohl nicht ausverkauft sein wird. An einem Samstagabend hätte ich schon ein größeres Interesse erwartet, denn die 2004 gegründeten Bloodbound hauen seit Jahren ein gutes Album nach dem anderen heraus. Die beiden Supportbands sind mir zwar ein Begriff, jedoch habe ich beide noch nicht live gesehen, sodass ich mich auf diesen Abend freue. Bis zum Einlass um 19:00 Uhr kommen dann aber doch noch ein paar Headbanger, die Bock auf eine Power Metal Breitseite haben, und es bildet sich doch noch eine kleine Schlange.

      Punkt 20:00 Uhr geht es dann auch los mit den 2001 gegründeten Göteborger Heavy- /  Power Metallern Manimal, die mit dem episch angehauchten Black Plague vom 2018er Album Purgatorio in ihr Set einsteigen. Die Jungs um Sänger und Frontmann Samuel Nyman geben direkt Vollgas und haben sich offenbar vorgenommen, den Laden zu zerlegen. Die Spielfreude der Schweden-Truppe springt direkt auf das Publikum über, das mit der Band offenbar bestens vertraut ist. Auch wenn sich nur etwa 200 Leute vor der Bühne versammelt haben, man ist definitiv in Feierlaune. Im Verlauf des Auftritts gibt es einen Querschnitt ihrer bisherigen drei Alben auf die Ohren. Spätestens mit Trapped In The Shadows hat man das Z7 im Griff und der Song macht auch klar, dass man nicht einfach nur einem Mix aus Judas Priest und Queensrÿche abspult, sondern das man auch eine ganz eigene, fast schon melancholische Note hat. Dazu passend ist auch das Outfit der Schweden mit den dick schwarz umrandeten Augen. Trotz dunkler Thematik sprühen die reinen Metalsongs vor Lebensfreude und machen Spaß. Für einen Supportact haben Manimal einen guten Sound, einzig das Licht lässt zu wünschen übrig, doch die etwas düstere Bühne passt gut zu den Songs. Samuel Nyman erweist sich als echte Rampensau und kann kaum mal einen Moment stillstehen, doch auch die Saitenfraktion in Form von Bassist Kenny Boufadene und Gitarrist Henrik Stenroos zeigen sich ziemlich aktiv und agieren laufend am Bühnenrand mit den Fans. Purgatorio stammt wieder vom aktuellen Output und knallt ordentlich aus den Boxen, jedoch fehlt der Nummer irgendwie der Wiedererkennungswert und zündet nicht so richtig. Das Highlight folgt dann aber mit Psychopomp, zu dem Nyman von der Bühne verschwindet, um kurz darauf in Zwangsjacke zurückzukehren. In seinem feinen weißen Zwirn und mit den schwarz umrandeten Augen sieht der Frontmann wirklich ein wenig wie ein entlaufener Psycho aus und es ist herrlich anzusehen, wie er so am Mikroständer rumturnt und sich dann der Zwangsjacke entledigt. Manimalized überzeugt mit Härte und eigenen Trademarks und kann einen super Spannungsbogen aufbauen. Das abschließende Irresistable fordert den Fans dann noch einmal alles ab und hier drängt sich der Vergleich zu Rob Halford zu besten Painkiller-Zeiten wieder auf. Allerdings zeigt sich auch, dass Nyman in den hohen Gesangslagen arg an seine Grenzen stößt. Auch Gitarrist Stenroos zeigt hier seine wahre Größe und tobt sich neben Nyman auf dem Rhythmusteppich von Bassist Boufadene und Schlagwerker Andre Holmqvist richtig aus; ein völlig überzeugender Gig, der rundum zufriedene Fans zurücklässt. Als Power Metalfan sollte man diese Band im Auge behalten!

      Nach nur kurzer Umbaubaupause geht es dann mit den schwedischen Kollegen von Dynazty weiter, die sich 2007 in Stockholm gründeten. Auch wenn man, so wie ich, die Band noch nie live gesehen hat, so kennt man doch zumindest den Sänger Nils Molin von Amaranthe her. Der Opener Breathe With Me vom aktuellen Album Firesign ist ein hochmelodischer Krachersong, ein perfektes Zusammenspiel aus Pop und Metal, mit einem Refrain, der auf Anhieb zündet. Mittlerweile haben sich vielleicht so etwa 450 Leute vor der Bühne eingefunden und die steigen auf den aufpolierten Melodic Rock voll ein. Ein guter Einstieg in das Set, den man jedoch mit dem folgenden The Northern End voll vor die Wand fährt. Der Stilbruch vom Melodic Rock zum Modern Metal bringt mich von jetzt auf gleich voll aus dem Konzept und auch vor der Bühne geht die Stimmungskurve stark in den Keller. Mit den Industrial und Nu Metal Elementen, Deathstars und Five Finger Death Punch lassen grüßen, konnte ich schon zu Renatus-Zeiten nichts anfangen. Trotz guter gesanglicher Leistung von Molin möchte ich schon jetzt behaupten, das Dynazty den Kollegen von Manimal nicht das Wasser reichen können. Auch den nächsten Stilwechsel zurück zum melodischen Rock in Follow me kann ich nicht nachvollziehen. Jetzt ist die Band wieder voll in ihrem Element, harte Rockriffs treffen auf leichte Doublebass-Attitüden, und kann auch wieder überzeugen. Ähnlich wie bei Manimal herrscht wieder ordentlich Bewegung auf der Bühne und die doppelte Gitarrenbesetzung in Form von Rob Love Magnusson und Mikael Lavèr sorgt für einen ordentlichen, satten Sound. Der Titeltrack des aktuellen Albums Firesign klingt mit seiner Elektronik ungewöhnlich, ist aber durchaus geeignet, seine Matte zu schütteln. Bisher ist der Auftritt ein waghalsiger Ritt, mit einem hohen Maß an Melodie, Härte, aber auch Vielfalt und ich bin gespannt, wie weit das Publikum bereit ist, diesen mitzugehen. Das ebenfalls aktuelle The Grey kann dann wieder mit einem sensationellen Refrain aufwarten, in den die ersten Reihen voll einsteigen. Sehr episch und opulent kommt dann Ascension daher. Dem Auftritt tut es definitiv gut, dass die Schweden sich nun auf das neue Material konzentrieren, auch wenn Ascension nicht ganz so leicht bekömmlich daherkommt. Der Song, der ein wenig klingt, als hätten Nightwish ihre Finger im Spiel gehabt, braucht einfach Zeit, damit sich die Klänge richtig entfalten können. Danach verschwinden die Musiker im Hintergrund der Bühne und die Spots sind auf George Egg und seine Schießbude gerichtet, der ein fulminantes Drumsolo abliefert und all seine Qualitäten präsentiert. Das moderne In The Arms Of A Devil wird ebenso begeistert aufgenommen und sorgt für Stimmung unter den Fans. Hier kommt die Stimme von Molin so richtig zur Geltung und fast möchte man ihm raten, seinen Job bei Amaranthe hinzuwerfen und sich mehr auf Dynazty zu konzentrieren. Bei diesen kraftvollen Rocksongs hat die Band alles zu bieten, was man sich als Konzertbesucher wünscht. Auch die modern gehaltene Powerballade mit Hymnencharakter The Smoking Gun hält nun die Stimmung hoch und unterstreicht einmal mehr die gute Stimme Molins. Danach gibt es wieder auf die Zwölf, doch trotz der Heavyness von The Human Paradox ist der Song extrem eingänglich und bietet eine super Melodie und geilen Refrain. Genau für solche Songs liebt man die Stockholmer. Bei Titanic Mass ist gemeinsames Ausrasten angesagt, bevor es dann beim abschließenden Starlight mit einem hitverdächtigen Melodiebogen wieder wesentlich moderner zur Sache geht. Nach dem Aussetzer The Northern End hat man glücklicherweise die Kurve gekriegt und konnte mit einem skandinavischen Hitfeuerwerk überzeugen. Gerne hätte ich noch älteres Hardrock / Sleaze Rock Material der Jungs gehört, doch man hat sich heute nur auf die letzten drei Alben konzentriert.

      Nun zieht sich die Umbaupause etwas länger hin, doch dafür füllt sich der Raum vor der Bühne noch einmal zusehends. Es ist schon eine Weile her, dass ich Bloodbound vor zwei Jahren auf dem Metalacker Festival gesehen habe. Zwischenzeitlich haben die Jungs aus dem nordschwedischen Bollnäs mit War Of Dragons (2017) und Rise Of The Dragon Empire vor wenigen Tagen zwei weitere starke Power Metal Alben veröffentlicht. Und dennoch, bei Bloodbound denkt der geneigte Metaller zunächst an den Nackenbrechersong der Genrekollegen von Hammerfall, obwohl der erst 2005 veröffentlicht wurde, ein Jahr nachdem Gitarrist Tomas Olsson und Keyboarder Fredrik Bergh die gleichnamige Band gründeten. Als Opener hätte ich auf einen Song vom aktuellen Album gewettet, aber überraschenderweise steigt man mit Battle In The Sky aus 2017 stark ein und Schlagwerker Daniel Sjögren darf gleich zu Beginn ordentlich seine Fußmaschine bedienen. Angesagt sind nun natürlich melodische Power Metal Songs mit starkem Hang zu Fantasythemen. Der charismatische Frontmann Patrik Johansson sucht zu Beginn direkt den Kontakt zum Publikum und grinst frech, während seine kleinen angeklebten Hörnchen blutrot schimmern. Der Mann ist die gute Laune in Person und der klare Sympathieträger der Band. Gute Laune gibt es auch mit dem nächsten Song, Satanic Panic, einer Zeitreise ins Jahr 2014. Der Song ist immer wieder ein Stimmungsgarant bei den Konzerten, er setzt sich sofort zwischen den Ohren fest und sorgt auch heute für geballte Fäuste und wippende Schädel. Auch wenn die stimmlichen Vergleiche mit Oberpriester Rob Halford langsam ausgelutscht sind, sie sind nicht von der Hand zu weisen. Die Band war nie wirklich innovativ und wahnsinnig eigenständig, hat aber ein Händchen für Hymnen, die alle irgendwo zwischen Sabaton, Powerwolf, Hammerfall, Stratovarius und Edguy angesiedelt sind und auch immer mal mehr oder weniger an diese erinnern. Mit Stand And Fight gleitet man dann auch in Sabaton Gefilde, deren Panzer man förmlich über die Bühne rollen hört. Die Songs sind keinesfalls schlecht, fallen in die Kategorie leicht gestrickte Mitmach-Metal-Partyhymnen, aber müssen halt ohne eigene Bloodbound Trademarks auskommen. Patrik Johansson ist sichtlich bemüht, die Maschinerie in Gang zu halten, bewegt sich viel und hampelt mit beiden Armen herum, jedoch steht er damit alleine da. Die Saitenfraktion in Form von Gitarrist und Gründungsmitglied Olsson, Gitarrist Henrik Olsson und Bassist Anders Broman, steht rechts und links von ihm und hat, abgesehen vom Sound, nicht viel beizutragen. In The Name Of Metal lässt dann wieder deutliche Hammerfall / Accept-Parallelen erkennen, aber die Nummer macht live dennoch mächtig Spaß und wird auch in der Konzertfabrik lautstark mitgegröhlt. Mit dem epischen Slayer Of Kings folgt der erste Song des nagelneuen Albums Rise Of The Dragon Empire, welches ich bisher noch nicht gehört habe. Der Song passt sich gut ein und macht auch wieder Spaß, aber auch hier erfindet man das Rad gewiss nicht neu. Die Keyboardmelodie ist geil, aber der typische Bloodbound-Touch, der die Band zu etwas einzigartigem macht, ist auch hier nicht zu finden. Dynazty zuvor hätten ihn auch spielen können. Keyboarder Bergh sticht hier mehr hervor wie die beiden Gitarristen, die für mich hier heute austauschbar sind. Die Band kommt gut an und sorgt für ordentlich Feierlaune im Publikum, doch wenn ich an meinen letzten Gig auf dem Metalacker zurückdenke, so bin ich heute etwas enttäuscht. Daran ändert auch das unauffällige War Of Dragons oder das einfach gehaltene neue Miptempo-Stück Skyriders And Stormbringers nichts. Mit On The Battlefield geht es dann weit in die Vergangenheit zurück, zum Debüt Nosferatu, das noch von Urban Breed (ex-Tad Morose) eingesungen wurde. Der Song mit heftiger Iron Maiden-Schlagseite gefällt und ist ein Highlight des bisherigen Auftritts. Gerade hier zeigt sich nun auch, das Sänger Patrik Johansson ein echter Hauptgewinn für die Schweden ist, der mächtig frischen Wind in den Klassiker bringt. Stormborn dürfte dann wieder allen Hammerfall Fanatikern gefallen, während die folkigen Elemente aus Silver Wings heute etwas hervorstechen. Eins haben heute aber fast alle Songs gemeinsam, es geht fast durchgängig mit durchgetretenem Gaspedal voran, was vor allem die Headbanger freut. Nicht wenige dürften morgen früh mit Nackenschmerzen aufwachen und sich fragen, welches Pferd sie denn da getreten hat. Mit Fallen Heroes nimmt man dann aber doch mal etwas Tempo raus und gibt etwas Zeit zum Durchatmen, was im Publikum dringend nötig ist. Auf der Bühne ist das eher nicht nötig, denn mal abgesehen von Frontmann Johansson und Drummer Sjögren macht die Band immer noch den Eindruck, als hätte man sich im Laufe der Tour verausgabt und müsse sich heute etwas ausruhen. Der Gesang des Hörnchenträgers entschädigt aber für vieles, er singt mit viel Ausdruckskraft und reizt die Refrains bis zum letzten aus und auf mit den Höhen kommt der Mann einwandfrei klar, wie das hymnische Moria dann zeigt. Dann wird es jedoch wieder Zeit, die Luftgitarren auszupacken, denn mit dem simpel stampfenden Metalheads Unite kommt die nächste Abrissbirne daher. Zum Ende hin werden im Publikum noch einmal die letzten Kräfte mobilisiert und der Song wird aus unendlichen Kehlen mitgegröhlt. Mit Dragons Are Forever wird sofort hymnenmäßig nachgelegt, doch damit ist das offizielle Set dann beendet. Im Zugabenblock gibt es dann den Titeltrack des aktuellen Album Rise Of The Dragon Empire auf die Ohren und zum Rausschmeißer wird Nosferatu erkoren, welches zum Schluss noch einmal richtig gefeiert wird.

      Fazit: Mit allen drei Bands haben die Schweizer Power Metal Fans heute die volle Rundumbedienung bekommen und letztlich dürfte jeder glücklich nach Hause gehen. Die Band des Abends war definitiv Manimal, wobei keine der drei Combos wirklich schlecht war. Selbst Bloodbound haben eine überzeugende Fantasyparty abgeliefert, mit der jeder Fan zufrieden sein kann. Einzig fürs Auge wurde hier zu wenig geboten, ich habe die Jungs schon in wesentlich besserer Verfassung gesehen. Etwas verwunderlich war auch, dass der Schwerpunkt auf dem 2017er Meisterwerk War of Dragons lag. Ich hätte gerne etwas mehr neues Material gehört. Ansonsten alles gut, für 40 Schweizer Franken eine fette Party!

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