Fear Connection – Where Suffering Remains

21.11.2025 - Death Metal, Thrash Metal, Crust - Neckbreaker Records - 38:42 Minuten

Die Hansestadt Bremen hat in den letzten Jahren ordentlich Zunder gegeben, denn immer mehr Kapellen von dort bringen richtig gutes Zeug heraus. Die erfolgreichste ist wohl im Moment Soul Grinder, die ja fleißig die Clubs der Republik beackern. Mörser als Dienstälteste ist natürlich zu erwähnen, Phantom Corporation und auch die Band Fear Connection sind in den letzten Jahren sehr aktiv. Seit 2016 sind sie nun dabei, in dieser Konstellation mit Rolf am Gesang, Doc Tim am Schlagzeug, Naushad an der Gitarre und Sipo seit 2019 am Bass, und so etwas macht sich eben bezahlt. 2021 erschien das gute Debüt Progeny Of A Social Disease und letztes Jahr schob man eine EP hinterher. Der gute Martin von Neckbreaker Records hat die Qualität der Band erkannt und sie unter Vertrag genommen, und nun ist das zweite Album namens Where Suffering Remains auf dem Markt.

Mit einem Intro namens Invocation startet man ins Rennen. Ein langsames Gitarrenriff wird aufgebaut und mit Drumming kombiniert. Alles sehr melodisch und anmutig. Klingt als Einstieg sehr interessant und macht Lust auf mehr.

Mit Purgatory steigt man dann so richtig ein und hier werden erst einmal Grenzen gezogen bzw. eben nicht, denn der Song verdeutlicht eindeutig, in welche Richtung die Burschen gehen wollen. Von Anfang an hat man sich nicht festgelegt, aber klar ist, dass man sowohl den Crust mag, dem Thrash Metal nicht abgeneigt ist und auch ein großes Herz für Death Metal vorhanden ist. Da kann man jetzt drei Bands draus machen oder wie im Falle von Fear Connection eben eine und im Falle des Songs Purgatory auch alle diese Zutaten in einem Song verbacken. Das ergibt in der Weihnachtsbäckerei eine große Kleckerei, aber man räumt ja gerne auf. Gleich zu Beginn steigt man mit einem crustigen Part ein, der sehr geil herüberkommt, da man ja aus dem melodischen Intro nahtlos übergeht. Ich hoffe, das war so gewollt, ansonsten ist es eben ein schöner Nebeneffekt. Wie gesagt, die Mischung wird hier sehr deutlich, denn das Riffing ist teilweise sehr thrashig und an einigen Stellen sehr Death Metal. Man baut ein melodisches Break mit ein und liefert einen gelungenen Refrainpart ab. Das hat alles Hand und Fuß, denn ansonsten ist das Teil absolut kopfschüttlerfreundlich, kann man nicht anders sagen. Rolf trägt seine Seele wieder einmal in der Mundhöhle und haut mit jedem Atemzug gefühlt einen veränderten Growler heraus. Der Mann ist ja nicht erst seit gestern dabei, und das spürt und hört man. Das gilt natürlich für alle Beteiligten, gar keine Frage, aber bei diesem Song fällt es mir besonders auf, zumal ich das Schaffen der Band ja quasi von Anfang an verfolge. Hauchige Screams inklusive. Es ist, wie es ist, ein sehr guter Einstieg in das Album.

Final Impact ist der Name des folgenden Songs, welchen sie ausgesucht haben, um das Album zu bewerben, denn daraus machte man eine Singleauskopplung. Auffallend ist, wie beim ganzen Album, dass Rolf nicht mehr so tief growlt, aber natürlich noch genügend Power innehat. Und so legt man gewohnt fachmännisch und durchdacht eine heiße Sohle aufs Parkett. Der Song beginnt eher langsam und schleppend, aber absolut drückend, und bietet sehr interessantes und fettes Riffing. Meister Naushad lässt sich wieder nicht lumpen und jagt ein geiles Teil nach dem anderen heraus. Die Finger verhaken sich dabei nicht, man baut wieder einen Refrainpart mit ein und zwischenzeitlich spielt man die Melo-Death-Karte. Doc Tim wäre aber nicht Doc Tim, wenn er nicht auch den D‑Beat in Form eines Crust‑Parts verehren würde. Diesen lassen sie dann nach ca. 150 Sekunden von der Leine, um dann erneut in den Refrainpart zu wechseln, und alle können mitschreiben. Final Impact klingt durch die Hallen der Republik. Wiederholung und dann, am Ende, zaubert man ein melodisches Riff, bringt dieses an den Mann, verschleppt das Tempo und baut einen Part auf, der absolut gut ist, und am Ende wird im druckvollen Midtempo noch einmal Final Impact zu Besten gegeben. Ich bin mir sicher, das Teil wird live ziemlich geil funktionieren.

Crustig geht es zu Beginn von The Cost weiter und man hält die Aggressionsfahne fachgerecht in den Wind. Thrashiges Riffing und der wechselhafte Gesang machen den Spaß aus. Wenn ich recht informiert bin, kommen die Screams von Sipo. Das klingt wieder einmal sehr geil. Die Burschen legen immer sehr viel Wert drauf, dass man einen Teil des Songs mitgrölen kann, und hier ist es eben dann The Cost. Man wechselt in einen ziemlich langen melodischen Part, der es absolut in sich hat und Hauptbestandteil des Songs ist. Hier hört man aber auch, dass sie dem Punk auch ein wenig zugewandt sind. Es verläuft eben alles, und das ist auch gut so.

The Devil’s Dance kommt dann mit Heavy-Metal-Riffing um die Ecke, aber so bleibt es natürlich nicht. Doc Tim holt wieder seine groovigen Uftata-Attacken heraus und im Ganzen klingt man hier sogar richtig rockig, besonders im Refrainpart. Natürlich gibt man auch Zunder und wechselt die Geschwindigkeit. Kleines Basssolo und ab dafür. Da darf der Teufel ruhig mal sein Tanzbein schwingen.

Genug der netten Gesten, denn Human Greed Tragedy steht auf der Tagesordnung und nun wird es schnell und straight. Ja, genau mein Ding und vor allem eine absolute Abwechslung. Natürlich bleibt man sich und seiner Einstellung zur musikalischen Umsetzung treu, klingt aber wesentlich härter und konsequenter als beim Song zuvor, zum Beispiel. Geiles Geknatter mit absolut fettem Riffing. Dieses melodische Gespiele. Herrlich. Da freue ich mich schon drauf, diesen Song live um die Ohren geballert zu bekommen. Inklusive Sprechgesang. Top.

The Flesh Of The Earth lässt zu Beginn die Gitarre alleine sprechen. Der Naushad wieder, hehe, ich mag so etwas, denn auf einmal kommen Doc Tim und Sipo dazu und dann geht es typisch ab. Das Riffing vom Beginn wird natürlich weiterverwendet. Haut mich aber nicht ganz so um.

Suicide geht auch gut ins Ohr und ist angenehm brutal. Da fliegen die Haare, aber auch die Beine dürfen sich bewegen.

Where The Suffering Remains ist dann ein absolutes Brett, gar keine Frage, und da gibt es auch keine zwei Meinungen, auch wenn bei mir, wie bei so vielen von euch da draußen, natürlich mehrere Persönlichkeiten im Spiel sind. Es ist zwar nur ein Instrumentalstück, aber diese Gitarrenarbeit ist so etwas von geil. Hammer!

Bei Isolation, am Ende des Albums, ist man natürlich traurig, dass die Band einen jetzt alleine lässt, aber man kann ja die Repeattaste drücken bzw. die Platte umdrehen und von vorne abgehen. Der Rausschmeißer lässt keinen zurück und man fühlt sich würdevoll verabschiedet, denn hier liefern sie eben alle ihre Trademarks noch einmal ab, inklusive fetter Soli. Geile Harmonien, man kann mitsingen und es gibt feines Geballer auf die Ohren. In knappen drei Minuten ist die Geschichte zu Ende erzählt und Feierabend.

Der Sound stammt übrigens von Jörg Uken aus dem Soundlodge Studio. Mehr muss ich wohl nicht schreiben … Wenn ich mir das Teil nicht schon als Vinyl geholt hätte, würde ich es jetzt machen.

Hier geht es für weitere Informationen zu Fear ConnectionWhere Suffering Remains in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Fear Connection – Where Suffering Remains
Fazit zu Where Suffering Remains
Die vier Bremer Stadtmusikanten sind keine Unbekannten. Ein Fazit mit Reim – hervorragend. Nur besser als dieser Anfang ist die Qualität des Albums. Wieder einmal verarbeiten die Jungs das, was sie mögen. Death Metal, Thrash Metal, Crust, ein wenig Punk und auch ein wenig Heavy Metal. Alles wird geboten. Das fette Riffing, welches teilweise sehr melodisch in Szene gesetzt wird, passt hervorragend zur Drumtechnik von Doc Tim. Doublebass und D-Beat erzeugen ordentlich Druck, der Bass erhöht diesen ohne Ende und der abwechslungsreiche Gesang gesellt sich dann frohen Mutes dazu. Das passt alles zusammen. Dafür braucht es aber ein gutes Konzept und eben ein fettes Songwriting. Und dieses haben Fear Connection eben, und deshalb klingt das Album absolut abwechslungsreich. Kombiniert mit den sozialkritischen Lyrics und dem klaren, transparenten und druckvollen Sound aus dem Soundlodge Studio bleibt nur zu sagen, dass ihr euch das Teil zulegen solltet. Over and out!

Anspieltipps: Final Impact und Human Greed Tragedy
Michael E.
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