Kreator – Krushers Of The World

16.01.2026 – Thrash Metal, Melodic Death Metal, Heavy Metal – Nuclear Blast - 44:23 Minuten

Eine Band, die bereits seit 1982 (zunächst als Tyrant) aktiv ist, veröffentlicht im Januar 2026 mit Krushers Of The World eine neue Platte. Der Klassiker Pleasure To Kill feiert im April seinen 40. Geburtstag. Miland “Mille” Petrozza und Kreator sind seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil der deutschen Thrash-Metal-Landschaft. Wobei Petrozza immer wieder stilistische Schlenker in seinem Schaffen hat und hatte. Er fasst zusammen, dass ihn das Genre nicht interessiert. Es geht ihm um gute Songs. Wenn dabei ein Bela B. (Die Ärzte) hilfreich ist, dann kommt es zu einer eventuell etwas unerwarteten Kollaboration. Was packen Petrozza und seine Mitstreiter auf Krushers Of The World?

Krushers Of The World oder Kreator 40 Jahre nach Pleasure To Kill

Der Vorgänger von Krushers Of The World, Hate Über Alles, hatte stilistisch diverse Schlenker, zum Beispiel zum Death Metal und klassischem Metal, aber auch zum düsteren Metall oder Gothic, wie bereits zu Endorama-Zeiten. Stillstand ist nicht das Business von Kreator. Neben Bela B. sind noch weitere Gastmusiker auf Krushers Of The World aktiv. Scott Ian (Anthrax), Chuck Billy (Testament) oder Phil Demmel (Kerry King, ex-Machine Head) sind durchaus erwartbare und kompatible Größen. Der Name Britta Görtz (Hiraes, Heaven Shall Burn live), die bei Tränenpalast ein Teil der Vocals übernimmt, überrascht, sorgt aber auch für einen besonderen Moment und unterstreicht den Satz „Kreator – erwarte das Unerwartete“.

Der Auftakt Seven Serpents klingt melodisch und könnte instrumental auch aus dem Spektrum Melodic Death Metal stammen. Der keifende Petrozza sorgt für die Kreator-Trademarks, die sich nicht um Genregrenzen kümmern. Satanic Anarchy schlägt in eine ähnliche Kerbe, in der vor allem der Refrain tief in melodischen Gewässern schwimmt. Der Titeltrack Krushers Of The World stampft irgendwo zwischen klassischem Metall, melodischem Extreme Metal und Thrash Metal, klingt erstaunlich frisch und dürfte weit mehr Metalheads begeistern als nur eingeschworene 80er-Jahre-Thrash-Metaller. Gerade bei den Gatekeepern dürfte die Nummer für Stirnrunzeln sorgen.

Der erwähnte Tränenpalast mit Britta Görtz und Keyboard zum Anfang könnte auch aus der Feder von Hiraes oder Heaven Shall Burn stammen. Das Gesangsduo Görtz & Petrozza ist hörenswert und liefert interessanten Stoff, der zum Beispiel auch die Anhängerschaft von Arch Enemy oder ähnlichen Vertretern interessieren könnte.

Vielfalt ist das Motto von Kreator anno 2026. Dass Petrozza noch ordentlich austeilen kann, zeigt Barbarian, der die Brücke zum Thrash der 80er-Jahre bildet. Trotzdem schaffen es Kreator, nicht angestaubt oder altbacken zu klingen. Das Gaspedal richtig durch tritt Blood Of Our Blood, bleibt aber im Refrain melodisch und dürfte live sehr gut funktionieren.

Kreator 2026 sind nicht angestaubt oder altbacken

Schon der Auftakt zu Combatants lässt erahnen, dass Kreator melodisch daherkommen, aber trotzdem aggressiv. Grundsätzlich schwimmt die Nummer irgendwo bei den aktuellen Platzhirschen im melodischen Extreme Metal. Hart, aggressiv, intensive Saitenarbeit, aber trotzdem eingängig und sogar zum Headbangen geeignet. Ein Spagat, den von den bekannten Big Four des deutschen Thrash nur eine Band hinlegen kann. Dagegen fällt das recht einfach gestrickte Deathscream ab, wobei das Stück nicht schlecht ist und die notwendige Kreator-Aggressivität jederzeit transportiert. Vielmehr haben die Protagonisten die Messlatte mit dem Vorgänger selbst nach oben geschraubt.

Der Psychotic Imperator haut ordentlich auf die Zwölf, aber melodische Elemente mit Chorgesängen verweben Kreator auch hier, sodass eine Art melodischer Thrash Metal aus den Boxen dröhnt. Einen haben die Herren aber noch auf Lager mit Loyal To The Grave. Das Intro ist ähnlich wie bei Combatants. Es folgt eine Nummer, die auch von melodischen Metalcore-Bands stammen könnte, und sollte vor allem die junge Generation der Marke Heaven Shall Burn oder Parkway Drive ansprechen. Ein mehr als gelungener Abschluss, der das offene Ohr von Kreator einmal mehr unterstreicht.

Hier geht es für weitere Informationen zu KreatorKrushers Of The World in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Kreator – Krushers Of The World
Fazit zu Krushers Of The World
Warum spielen die anderen drei deutschen Big Four des Thrash Metal nur in kleinen Clubs, während Kreator die mittelgroßen Hallen füllen? Die Antwort geben Kreator mit Krushers Of The World. Petrozza und seine Mitstreiter zeigen sich offen für die Musik des Jahres 2025 und liefern einen passenden Soundtrack dazu. Aggressiv, auch thrashig, aber vor allem melodisch und eingängig. Gerade Nummern wie Tränenpalast mit Britta Görtz oder auch das abschließende Loyal To The Grave zeigen hochklassige Musiker, die sich vor allem daran machen, gute Stücke zu schreiben, egal ob die Gatekeeper laut aufschreien oder nicht.

Die Basis ist und bleibt Thrash Metal, der jederzeit mit eingeflochten wird und in viele verschiedene Richtungen ausbricht. Kreator legen mit Krushers Of The World einen spannenden Spagat zwischen Thrash, Melodic Death Metal, Heavy Metal, Extreme Metal und in Nuancen auch Dark Metal hin, aber immer mit dem Augenmerk auf Melodie und Eingängigkeit. Wer seinen Thrash nicht nur im 80er-Jahre-Gewand serviert bekommen möchte, melodischen Spielarten im extremen Metal aufgeschlossen gegenübersteht, überreichen Petrozza und Co. bereits früh im Jahr ein echtes Highlight.

Anspieltipps: Blood Of Our Blood, Combatants und Loyal To The Grave
Jürgen F.
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