Khemmis – Khemmis

12.06.2026 – Doom Metal – Nuclear Blast Records – 42:00 Minuten

Am 12. Juni 2026 erscheint mit Khemmis das mittlerweile fünfte Studioalbum der gleichnamigen US-Doom-Metal-Band über Nuclear Blast Records. Verfügbar sein wird die Platte sowohl als CD als auch in den Vinyl-Editionen Pearl Flip/Waterfall und Transparent Orange.

Eine selbstbewusste Standortbestimmung

Dass sich die Band für einen selbstbetitelten Albumtitel entschieden hat, wirkt keineswegs zufällig. Vielmehr erscheint Khemmis wie eine bewusste Standortbestimmung einer Formation, die sich in den vergangenen Jahren zu einer der wichtigsten Größen zwischen Doom Metal, klassischem Heavy Metal und atmosphärischem Metal entwickelt hat.

Nach den Erfolgen der Vorgängeralben und insbesondere dem starken Deceiver stand die Band vor der Herausforderung, ihren eingeschlagenen Weg fortzusetzen, ohne sich zu wiederholen. Genau das gelingt bemerkenswert souverän. Statt auf große stilistische Veränderungen zu setzen, konzentrieren sich Khemmis auf ihre Kernkompetenzen und schärfen ihr Profil weiter. Dabei wird schnell deutlich, wie unverwechselbar die Band mittlerweile klingt. Einen wesentlichen Anteil daran haben die beiden Gitarristen Phil Pendergast und Ben Hutcherson, die nicht nur das Songwriting prägen, sondern auch gesanglich für die charakteristische Dynamik sorgen. Während Phil Pendergast mit seinen klaren, emotionalen Gesangslinien für die epischen und melancholischen Momente verantwortlich zeichnet, setzt Ben Hutcherson immer wieder harsche Growls und tief grollende Ausbrüche dagegen. Gerade dieser Wechsel zwischen Verletzlichkeit und Aggression verleiht den Songs eine besondere Intensität. Komplettiert wird das Quartett von Zach Coleman am Schlagzeug und Bassist David Small, der bereits seit 2022 Bestandteil der Band ist (ich durfte die Band bereits in dieser Besetzung live erleben), wobei er auf dem aktuellen Album zum ersten Mal zu hören ist.

Khemmis, Schlachthof Wiesbaden 2024,
Pic by Big Simonski

Zwischen Doom, Heavy Metal und Melancholie

Bereits der Opener Invocation Of The Dreamer macht deutlich, weshalb Khemmis seit Jahren zu den spannendsten Vertretern des modernen Doom Metal zählen. Gewaltige Gitarrenriffs treffen auf weitläufige Melodiebögen, während sich über allem eine Atmosphäre aus Melancholie, Sehnsucht und unterschwelliger Hoffnung ausbreitet. Die Band versteht es meisterhaft, monumentale Schwere mit emotionaler Tiefe zu verbinden, ohne dabei jemals in bloße Schwermut abzurutschen. Besonders die Gitarrenarbeit überzeugt dabei auf ganzer Linie. Khemmis kombinieren tonnenschwere Doom-Riffs mit filigranen, zweistimmigen Leadgitarren, die nicht selten an die großen Heavy-Metal-Bands der Achtziger erinnern. Diese harmonischen Gitarrenläufe verleihen den Songs eine epische Note und sorgen dafür, dass selbst die schwersten Passagen stets melodisch bleiben.

Starke Songs statt großer Experimente

Die Band setzt weniger auf stilistische Überraschungen als auf die konsequente Verfeinerung ihrer Stärken. Das Album wirkt fokussiert und selbstbewusst, ohne dabei vorhersehbar zu werden. Jeder Song trägt dazu bei, die dichte Atmosphäre des Albums aufrechtzuerhalten.

Zu den stärksten Momenten zählt dabei Corpsebloom Garden. Der Track baut langsam Spannung auf und entfaltet eine bedrückende Intensität, die sich erst nach und nach offenbart. Zwischen schweren Gitarrenwänden und fein gesetzten melodischen Akzenten entsteht eine emotionale Tiefe, die lange nachhallt. Einen anderen Akzent setzt Grief’s Reverie, das stärker auf Melodie und Atmosphäre setzt. Hier kommen insbesondere die klaren Gesangslinien hervorragend zur Geltung und verleihen dem Stück eine beinahe erhabene Wirkung. Der bereits als Single veröffentlichte Song Beneath The Scythe verdeutlicht die Stärke von Khemmis eindrucksvoll. Der Song verbindet massive Doom-Riffs mit hymnischen Leads und entwickelt eine Dynamik, die sich über die gesamte Spielzeit hinweg stetig steigert. Hier zeigt sich, wie souverän Khemmis traditionelle Heavy-Metal-Einflüsse mit ihrer charakteristischen Schwere verschmelzen lassen.

Khemmis, Schlachthof Wiesbaden 2024,
Pic by Big Simonski

Im späteren Verlauf entwickelt sich Carrion King zu einem der Höhepunkte des Albums. Der Song vereint viele der Qualitäten, die Khemmis in den vergangenen Jahren ausgezeichnet haben: monumentale Riffs, eingängige Gesangsmelodien, markante Growls und eine epische Dramaturgie, die den Hörer förmlich in den Bann zieht.

Die Essenz einer Band

Gerade die Mischung aus Schwere, Melodie und emotionaler Wucht macht Khemmis zu einem bemerkenswert geschlossenen Album. Die Band verzichtet weitgehend auf Experimente und konzentriert sich stattdessen auf das, was sie am besten kann: große Songs schreiben, die gleichermaßen kraftvoll wie berührend wirken. Die Verbindung aus klassischen Heavy-Metal-Harmonien, doomiger Wucht und den gegensätzlichen Gesangsansätzen von Phil Pendergast und Phil Hutcherson sorgt dafür, dass das Album trotz seiner stilistischen Vertrautheit jederzeit spannend bleibt.

Hier! geht es für weitere Informationen zu Khemmis – Khemmis in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Khemmis – Khemmis
Fazit zu Khemmis
Mit Khemmis liefern die US-Amerikaner eine überzeugende Zusammenfassung ihrer bisherigen Karriere ab. Das Album verbindet die besten Elemente aus Doom Metal, klassischem Heavy Metal und epischer Melancholie zu einem stimmigen Gesamtwerk. Keine Revolution, aber ein starkes Statement einer Band, die ihren eigenen Stil noch einmal perfektioniert hat.

Anspieltipps: Corpsebloom Garden, Beneath The Scythe und Carrion King
Juergen S.
9.7
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