Das Duo Max Lobier und Jérôme Blandino scheint sich gut zu verstehen, denn neben den Bands Corrupter und Sedated zocken sie auch noch bei der Band Morgue zusammen. Never change a winning team. Dabei ist die Band schon richtig lange im Geschäft. Von 1997 bis 2005 war man aktiv und löste sich auf, um sich dann 2012 erneut zu vereinen. Nach einigen Mitgliederwechseln hat man sich schließlich entschlossen, zu zweit weiterzumachen. Mittlerweile ist man beim sechsten Album, welches auf den Namen Herald The Dawn hört.
Vortex Of Darkness bringt uns dann dem Untergang auch gleich zu Beginn etwas näher und man hört und spürt sofort die Vorstellung, welche die Band im heimischen Proberaum entwickelt hat. Dieses Riffing und der dunkle, screamige Gesang öffnen den Weg für eine Reise in die Finsternis. Schon beinahe black-metallisch bewegt man sich auf den linken Pfad und erzeugt beim Zuhörer ein Gefühl des positiven Unbehagens. Der Song nimmt dann so richtig Fahrt auf und man geht ins Geballer über. Man verwendet zwar noch diese schwarzen Zutaten, bleibt aber die ganze Zeit über aggressiv und angriffslustig. Nach ca. 220 Sekunden verschleppt man dann das Tempo und wird dadurch atmosphärisch, aber eben auch weiterhin zerstörerisch und absolut wuchtig. Obwohl der Song ungefähr fünf Minuten auf diesem Erdball verweilt, kommt er einem recht kurzfristig vor und das Ende ist plötzlich da.
The Abyss I Know ist eine 1A-Death-Metal-Attacke. Hier geht es im alten Sinne immer nur vorwärts. Die Fahnen wehen im Sturm und werden nur für kleine Verschleppungen ruhiggestellt. Sehr geil, da das Riffing ziemlich geil ist. Der Drummer prügelt sich im oldschooligen Sinne die Seele aus dem Leib und die Riffs werden gelungen angepasst und immer wieder mit kleinen Reduzierungen kombiniert. Der Gesang fügt sich diesem erbarmungslosen Rhythmus und wird gezielt und fachgerecht eingesetzt. Diese vier Minuten klingen nach einem Tornado, der dich persönlich zerstören wird. Du stehst mitten im Auge, lachend, und nachdem er über dich hinweggeflogen ist, schnappst du dir deine Beine und rennst hinterher. Vom brachialen Sektor und von der Intensität her klingen sie wie eine etwas langsamere Version von früheren Krisiun. Der Song knallt ohne Ende.
Obedient To No Will folgt und setzt diese Reise gnadenlos fort. Die Franzosen verstehen keinen Spaß und haben wahrscheinlich noch nicht einmal einen Keller, in den sie gehen können, um zu lachen. Absolut intensiv und vernichtend. Diese langgezogenen Riffs und dann das Geholze dazu machen von Anfang an Laune. Besonders das verspielte Riffing kann überzeugen. Trillerhaft marschiert dieses durch den Song und nimmt einen mit, während das Drumming nur nach vorne geht. Nach einer Minute dann aber eine Änderung. Atmosphärisch und langsam baut man den nächsten Part auf und steigert sich dann nach einem kurzen Break wieder. Auch hier steht das Riffing absolut im Vordergrund. Die Burschen beherrschen ihre Instrumente und das Ganze klingt wie eine Mischung aus hartem Death Metal und ein wenig Dissection. Man holt noch einmal den Knüppel heraus und am Ende zeigt man sich noch einmal von der düsteren und emotionalen Seite und lässt den Song so ausklingen.
Hm, ja, diese drei Songs können stellvertretend für das ganze Album stehen, aber ich möchte natürlich noch den intensiven Namensgeber des Albums namens Herald The Dawn und vor allem diesen wilden und chaotischen Anfang des Songs erwähnen. Schockt. Gelungene Gitarrenarbeit und an den Drums herrscht zwischendurch die totale Raserei. Wer bremst, verliert. Aber einen langsamen und bedrohlichen Part gibt es natürlich auch noch.
Die Burschen können immer wieder mit richtig geilen Riffs überzeugen und teilweise auch mit echt starkem Songwriting, insbesondere bei dem Song The Deserted Garden Of Eden. Der Anfang mit dem dazugehörenden Riffing und der Tempoverschärfung ist absolute Klasse. Auch wieder so ein wildes Ding. Break, Gitarren vorweg und weiter geht die Fahrt ins Ungewisse. Schnell und erbarmungslos. Ein geiles Solo noch dazu und immer weiter und weiter. Vernichtung pur. Geiles Brett.
Nicht alles kann mich überzeugen, aber das ist schon alles im Ganzen starker Tobak.
Hier geht es für weitere Informationen zu Morgue – Herald The Dawn in unserem Time For Metal Release-Kalender.



