Archaische Rituale, pulsierende Kriegstrommeln und eine Reise durch eine verborgene Welt nordischer Mythologie
Wer sich in den letzten Jahren intensiver mit moderner Pagan- und Nordic-Folk-Musik beschäftigt hat, ist vermutlich irgendwann über Eihwar gestolpert. Das französische Duo um Asrunn und Mark hat sich innerhalb kurzer Zeit einen Namen gemacht, vor allem durch einen Sound, der sich nur schwer in irgendeine Schublade stecken lässt. Die Band selbst beschreibt ihn gern als Viking War Trance, und genau das trifft es ziemlich gut: Archaische Trommeln, rituelle Gesänge, elektronische Beats und nordische Atmosphäre verschmelzen zu einer Mischung, die gleichermaßen hypnotisch wie kraftvoll wirkt.
Gegründet wurden Eihwar Anfang der 2020er-Jahre, und schon die ersten Veröffentlichungen sorgten für Aufmerksamkeit in der Szene. Mit ihrem Debüt Ragnarök (2023) legte das Duo den Grundstein für seinen Stil. Es ist eine Mischung aus nordischer Ritualmusik, Folk-Elementen und moderner elektronischer Energie. Die EP Viking War Trance aus dem Jahr 2024 vertiefte diesen Ansatz und machte deutlich, dass hier eine Band unterwegs ist, die ihre eigene Klangwelt erschaffen möchte.
Mit Hugrheim erscheint nun das zweite Studioalbum der Band und man merkt schnell, dass Eihwar musikalisch und konzeptionell noch einmal einen Schritt weitergegangen sind.
Ein Konzeptalbum über eine verborgene Welt im Kosmos von Yggdrasil
Der Titel Hugrheim verweist auf eine imaginäre, zehnte Welt innerhalb der nordischen Weltenstruktur rund um Yggdrasil. Hugr steht im Altnordischen sinngemäß für Geist, Bewusstsein oder inneres Denken. So bewegt sich das Album thematisch stark im Bereich von Spiritualität, Erinnerung und innerer Reise.
Das Album umfasst zehn Songs und bringt es auf eine Spielzeit von knapp 40 Minuten. Die einzelnen Stücke bleiben dabei bewusst relativ kompakt gehalten, was dem Gesamtfluss der Platte zugutekommt. Statt ausufernder Songstrukturen setzen Eihwar stärker auf Rhythmus, Atmosphäre und hypnotische Wiederholungen, also Elemente, die perfekt zu ihrem rituellen Sound passen.
Produziert wurde das Album komplett in Eigenregie. Mark und Asrunn übernahmen Produktion, Recording, Mixing und Mastering im eigenen Studio. Das hört man der Platte auch an, der Sound wirkt sehr direkt, warm und gleichzeitig erstaunlich druckvoll. Vor allem die Percussion steht stark im Mittelpunkt. Große War-Drums, schamanische Trommeln und tribalartige Rhythmen bilden das Fundament, während elektronische Elemente und traditionelle Instrumente wie nordische Saiteninstrumente zusätzliche Klangfarben liefern. Auch das Artwork stammt aus den eigenen Reihen der Band. Das Cover fügt sich perfekt in die mystische Welt ein, die Eihwar mit ihrer Musik erschaffen: dunkel, nordisch und voller Symbolik.
Schon der Einstieg ins Album macht klar, wohin die Reise geht. Der Opener Nauðiz fühlt sich fast wie ein ritueller Auftakt an: schwere Trommeln, beschwörende Stimmen und ein Rhythmus, der sofort unter die Haut geht. Der Song zieht einen regelrecht in diese Welt hinein und legt die Atmosphäre für alles, was danach kommt.
Im weiteren Verlauf zeigt sich, wie gut Eihwar mit Dynamik arbeiten können. Einige Songs wirken fast wie spirituelle Tänze, getragen von pulsierenden Beats und tranceartigen Gesängen. Andere Stücke bauen ihre Wirkung eher über Atmosphäre auf und entfalten langsam eine hypnotische Kraft. Besonders gut funktioniert dabei die Mischung aus alten und neuen Elementen. Die archaischen Trommeln und nordischen Klänge wirken nie museal oder folkloristisch, sondern werden durch elektronische Beats und moderne Produktion in einen zeitgemäßen Kontext gesetzt. Genau diese Kombination macht den Reiz des Albums aus. Ein gutes Beispiel dafür ist Heill Óðinn. Der Song hat eine fast hymnische Wucht und wirkt wie eine Beschwörung des nordischen Göttervaters. Die Rhythmik treibt konstant nach vorne, während die Chöre eine beinahe kultische Atmosphäre erzeugen. Ein für mich weiteres Highlight ist der Song Omenotharena (Warrior’s Training). Der Track gehört zu den längeren Momenten des Albums und entfaltet eine fast martialische Energie. Stampfende Trommeln, eine kämpferische Grundstimmung und eine stetig steigende Intensität machen das Stück zu einem der eindrucksvollsten Momente der Platte.
Was mir beim Hören besonders aufgefallen ist: Das Album Hugrheim funktioniert weniger als eine Sammlung einzelner Songs, sondern eher wie eine zusammenhängende Reise. Jedes Werk öffnet gewissermaßen ein weiteres Kapitel innerhalb dieser mystischen Welt.
Hier geht es für weitere Informationen zu Eihwar – Hugrheim in unserem Time For Metal Release-Kalender.



