Presented by TFM.rocks: Horns Up Vol. 2 am 27.12.2025 im Juz Live Club, Andernach

Der mächtigste Jahresabschluss im JUZ Live Club Andernach

Bands: Spread Of Disease, Eradicator, Pripjat, Pyracanda, Bonded

Ort: Juz Live Club, Stadionstr. 88, 56626 Andernach

Datum: 27.12.2025

Kosten: VVK 35,00 €

Genre: Thrash Metal, Speed Metal

Veranstalter: Juz Live Club https://www.juzliveclub.de/

Link: https://www.facebook.com/events/581446921176928

Nach einem furiosen Start im vergangenen Jahr geht das Horns-Up-Event in die nächste Runde: Heute lädt der JUZ Live Club Andernach zu Horns Up Vol. 2 und verspricht nichts weniger als einen kompromisslosen Abriss zum Jahresende. Was 2024 frisch etabliert wurde und direkt auf große Resonanz stieß, entwickelt sich 2025 konsequent weiter. Time For Metal ist stolz darauf, euch auch in diesem Jahr wieder dieses tolle Event präsentieren zu dürfen. Hier unser Bericht:

Ankunft im JUZ Andernach – kalte Luft, warme Gespräche

Früh genug angekommen, bleibt noch etwas Zeit bis zum Auftritt des Openers  Spread Of Disease. Also kurz noch mal raus an die Luft und mit einigen Freunden und Bekannten unterhalten. Unter anderem treffe ich bereits einige Freunde von Eradicator und auch die Pripjat-Jungs. Dort draußen schlagen mir eisige Temperaturen, aber warme und herzliche Gespräche entgegen. Temperaturmäßig ein krasser Gegensatz zu dem, was drinnen wartet, denn in der bereits gut gefüllten Halle des JUZ Andernach steigt mit jedem weiteren Besucher und später mit jedem gespielten Riff die Hitze spürbar an. Wirkliche Abkühlung findet sich flüssig, gut temperiert an der Bar im JUZ, wo man gut gerüstet in die zweite Runde des Horns Up geht.

Impressionen, Horns Up Andernach 2025, Pic by Big Simonski

Spread Of Disease – jung, hungrig und kompromisslos

Dann ist es so weit: Spread Of Disease betreten die Bühne. Die junge Thrash-Metal-Formation aus Koblenz ist längst fester Bestandteil der regionalen Szene und hat sich mit einigen Auftritten bereits einen Namen gemacht. Schon mit den ersten Takten wird klar, dass die Band auch an diesem Abend keine Kompromisse eingeht. Ich habe Spread Of Disease bereits sowohl als Quartett als auch als Trio erlebt. Bei meiner letzten Begegnung mit der Band im vergangenen Jahr, als Support für die indischen Thrash-Metaller Against Evil, standen sie nur zu dritt auf der Bühne, nachdem sich ihr langjähriger zweiter Gitarrist zurückgezogen hatte. Inzwischen ist dieser Posten jedoch wieder besetzt: Andy übernimmt nun fest den zweiten Gitarrenpart. Ein Name, der in Koblenz kein unbeschriebenes Blatt ist, denn gemeinsam mit Frontmann Niko ist er auch bei den Newcomern Bastard aktiv. Die Band entfacht von der ersten Minute an eine enorme Energie. Mit schneidenden Riffs, druckvollem Bass und treibendem Schlagzeug zünden Spread Of Disease ein echtes Thrash-Feuerwerk. Mit fortschreitender Spielzeit steigt nicht nur die Temperatur, sondern auch die Intensität. Shirt aus, Druck hoch – Verschnaufpausen sind Mangelware.

Spread Of Disease, Horns Up Andernach 2025, Pic by Big Simonski

Frontmann und Bassist Niko Krug zeigt sich bestens aufgelegt, mit seinem typisch breiten, fast manischen Grinsen, das perfekt zur aggressiven Grundstimmung passt (Jack Nicholson / Shining lässt grüßen). Auf der Setlist stehen unter anderem The Art Of Violence und The Giant, die beim Publikum sofort einschlagen. Vor der Bühne geht die Old-School-Fraktion voll mit. Der Witchhammer fliegt und mit For Those Left To Die ist dann auch schon leider Schluss. Unterm Strich liefern Spread Of Disease beim Horns Up heute eine kompromisslose, schweißtreibende und energiegeladene Show ab und beweisen eindrucksvoll, dass sie in jeder Besetzung bestehen können. 🤘🔥

Eradicator – zwei Jahrzehnte Thrash mit voller Wucht

Direkt nach der Umbaupause übernehmen Eradicator das Kommando und machen unmissverständlich klar, dass jetzt keine Zeit mehr zum Durchatmen bleibt. Die Thrash-Metaller aus dem Sauerland sind seit über zwei Jahrzehnten aktiv und gelten dennoch vielerorts noch immer als Geheimtipp – ein Umstand, der angesichts ihrer Konstanz, ihrer Diskografie und vor allem ihrer Live-Qualitäten kaum erklärbar ist. Spätestens mit The Paradox aus dem Jahr 2024, dem inzwischen sechsten Studioalbum, hat die Band ihren Status eindrucksvoll untermauert.

Angeführt wird das Quartett von den Brüdern Sebastian „Seba“ Stöber (Gesang, Gitarre) und Jan-Peter „Pitti“ Stöber (Drums), flankiert von Robert Wied an der Leadgitarre und Sebastian Zoppe am Bass. Eradicator stehen für kompromisslosen, ehrlichen Thrash Metal – direkt, bodenständig und frei von überflüssigem Schnickschnack. Dass sie dabei auch für ihre legendären, Kettenfett-getränkten Aftershow-Geschichten bekannt sind, gehört fast schon zur Band-DNA, auch wenn an diesem Abend eher das reichlich vorhandene Bier für die nötige Schmierung sorgt.

Eradicator, Horns Up Andernach 2025, Pic by Big Simonski

Nach dem mittlerweile obligatorischen Star-Wars-Intro geht es ohne Umschweife in die Vollen. Mit Of Ashes And Sand als Opener zünden Eradicator sofort den Turbo. Kaum ist der Song verklungen, folgt mit Doomsday der nächste Nackenschlag – spätestens jetzt liegt das JUZ Andernach sinnbildlich in Schutt und Asche. Die Band wirkt wie entfesselt, jede Bewegung sitzt, jeder Break trifft. Die Region Koblenz und Umgebung ist für Eradicator längst vertrautes Terrain, entsprechend lautstark fällt die Reaktion des Publikums aus. Heimspielcharakter kommt nicht zuletzt dadurch auf, dass Drummer Pitti inzwischen in Koblenz lebt – ein Detail, das man der Spielfreude der gesamten Band deutlich anmerkt.

Hinter dem Drumkit agiert Pitti wie ein Berserker, präzise und gnadenlos zugleich. Frontmann Seba ist voll in seinem Element, überzeugt als Sänger wie auch als Antreiber und trägt die Show mühelos. Die beiden Saitenmänner Robert Wied und Sebastian Zoppe liefern ebenso ab und halten das Fundament zusammen. Natürlich darf auch das aktuelle Material nicht fehlen: Mit dem Titeltrack The Paradox vom gleichnamigen Studioalbum beweist die Band einmal mehr, wie nahtlos sich neue Songs in das bestehende Set einfügen. Der Mix aus frischem Material und erprobten Abrissbirnen sorgt für eine Setlist ohne Durchhänger – schweißtreibend, direkt und kompromisslos. Mit Alive In The Dead Eye Of The Vortex ist vor kurzem ein vollständiges Livealbum der Band auf CD und Vinyl erschienen. Ein überfälliges Dokument, das genau das einfängt, was auch am heutigen Abend spürbar ist: rohe Energie, Authentizität und absolute Hingabe. Mit Two Thousand Thirteen findet dieser intensive Auftritt schließlich ein würdiges Ende. Viel zu schnell ist alles vorbei, doch der Eindruck bleibt: Eradicator liefern auch an diesem Abend genau das ab, wofür sie seit Jahren stehen: kompromisslosen Thrash Metal mit Herz, Verstand und maximaler Leidenschaft. 🤘🔥

Pripjat – politische Schärfe und atomare Härte

Nach dem intensiven Abriss von Eradicator bleibt im JUZ Andernach kaum Zeit zum Durchatmen. Die Umbauphase ist kurz, die Erwartungshaltung hoch, denn mit Pripjat folgt eine Band, die nicht nur musikalisch, sondern auch inhaltlich klare Kante zeigt. Schon der Name ist Programm: Pripjat ist die Stadt, die nach dem Super-GAU im Kernkraftwerk Tschernobyl vom sozialistischen Vorzeigeprojekt zur verlassenen Atomruine wurde – ein Sinnbild für menschliches Versagen, Kontrollverlust und nachhaltige Zerstörung. Genau diese Schwere und Wucht transportiert die Band auch auf die Bühne.

Mit Nuclear Chainsaw eröffnen Pripjat ihr Set, eine unmissverständliche Ansage. Vom ersten Riff an schneidet sich der Song wie eine rotierende Abrissbirne durch die Halle und setzt den Ton für den restlichen Auftritt. Ohne Umschweife geht es weiter mit Protect And Secure, das den Druck noch einmal erhöht und das Publikum endgültig auf Betriebstemperatur bringt. Die Band – bestehend aus Kirill Gromada (Gesang & Gitarre), Eugen Lyubavskyy (Gitarre), Hendrik Klahold (Bass) und Yannik Bremerich (Drums) – agiert dabei extrem geschlossen. Jeder Handgriff sitzt, die Songs wirken kompakt und dennoch roh genug, um ihre Wirkung voll zu entfalten. Pripjat verbinden klassisch-aggressiven Thrash mit moderner Härte und einer spürbaren Ernsthaftigkeit.

Pripjat, Horns Up Andernach 2025, Pic by Big Simonski

Mit Sons Of Tschernobyl wird auch thematisch klar, wofür die Band steht. Der Songtitel ist dabei mehr als nur ein Name, er ist Statement und Selbstverständnis zugleich. Immer wieder nutzt Frontmann Kirill die Pausen zwischen den Songs für klare politische und religionskritische Ansagen. Keine Parolen um der Provokation willen, sondern deutliche, reflektierte Statements. Pripjat beziehen Haltung – und das konsequent. Genau das macht diesen Auftritt so authentisch und glaubwürdig. Musikalisch steigert sich das Set kontinuierlich, bis mit Chain Reaction der Schlusspunkt gesetzt wird. Der Song entfaltet sich wie eine echte Kettenreaktion: ein letztes Mal maximale Geschwindigkeit, maximale Intensität, maximale Eskalation. Vor der Bühne wird noch einmal im Moshpit alles mobilisiert, was an Energie übrig ist. Am Ende bleibt ein Eindruck, der nachhallt. Pripjat liefern einen eigenständigen, kompromisslosen und inhaltlich starken Auftritt ab. Ein Set, das nicht nur laut und hart ist, sondern auch zum Nachdenken anregt – genau so, wie es Thrash Metal sein sollte. 🤘☢️🔥

Pyracanda – Kultstatus trifft neue Energie

Kurz noch mal raus zum „Lufttanken.“ Nun stehen Pyracanda als nächster Act bereit – ein Name, der in der deutschen Speed/Thrash-Szene irgendwie Kultstatus besitzt. Die Band wurde bereits 1987 gegründet und legte mit ihrem 1990er-Debüt Two Sides Of A Coin den Grundstein für einen Klassiker, der heute wie auch ihr 1992 erschienener Nachfolger Thorns als Meilenstein des heimischen Metals gilt.

Nach Jahren der Stille und nur einem einmaligen Konzert im Jahr 2010 nach der ursprünglichen Auflösung, sind Pyracanda seit Sommer 2019 wieder aktiv. Doch das Personalkarussell macht auch vor dieser Band keinen Halt: Frank Pellkowski hat mittlerweile die Gitarre von Denis Schmidt übernommen, der sich wie Drummer Patrick Grün verstärkt um Caliban kümmern muss. Nach einem kurzen Intermezzo mit Niklas Huhle am Schlagzeug sitzt nun David Schleif (Ex-Alpha Tiger) am Kit. Ein Musiker, den ich mit seiner früheren Band schon mehrfach live erleben durfte und der zweifellos ein Gewinn für Pyracanda ist.

Pyracanda, Horns Up Andernach 2025, Pic by Big Simonski

Eine kleine, aber feine Anekdote am Rande: Im Publikum entdecke ich Elmar Gehenzig, den allerersten Schlagzeuger von Pyracanda. Ich komme kurz mit ihm ins Gespräch und frage, ob er nicht mal wieder Lust hätte, zurückzukehren. Er winkt jedoch freundlich ab – Nostalgie hin oder her, alles hat seine Zeit. Die Band lebt heute allerdings mit Energie in der Gegenwart. Schon der Opener Don’t Wait For … lässt keine Zweifel daran, dass hier keine Genesung von den bisherigen Headbanger-Eskapaden zu erwarten ist. Bereits im Anschluss folgt der Titeltrack Two Sides Of A Coin, der die Brücke zu den Klassikern des Debüts schlägt. Auf der heutigen Setlist finden sich zahlreiche Songs des neuen, dritten, Albums Losing Faith aus dem letzten Jahr, aber auch eine feine Auswahl an Klassikern der beiden ersten Alben. Mit hoher Geschwindigkeit, präzisem Spiel und einer spürbaren Spiellaune servieren Pyracanda ihr Set. Diese Band hat nicht nur ihre Leidenschaft wiedergefunden, sondern teilt sie heute Abend mit jedem einzelnen im Publikum. Die Show entwickelt sich zu einer spannenden Mischung aus alt und neu, die quasi wie die beiden Seiten der bekannten Platte funktioniert: die Frische und Energie des neuen Materials gepaart mit der Power der Klassiker. Songs wie Challenge Cup und Top Gun setzen weitere Highlights, bevor das Set seinen Abschluss findet. 🤘🔥

Bonded – trotz Szene-Veteranen eine junge Band

Als Abschluss des heutigen Horns Up Vol. 2‑Abends stehen Bonded als Headliner auf der Bühne. Die Formation um den ehemaligen Sodom‑Gitarristen Bernd „Bernemann“ Kost hat inzwischen ihre Position im Thrash‑Metal‑Kosmos gefunden und liefert heute eine Show ab, die energiegeladen, tight und absolut mitreißend ist. Auch bei Bonded hat sich in den letzten Jahren das Personalkarussell gedreht: Gründungsmitglied und ebenfalls Ex-Sodom-Musiker Markus „Makka“ Freiwald (Drums) sowie der erste Sänger Ingo Bajonczak sind nicht mehr Teil der Band. Die aktuelle Besetzung besteht nun aus Manuel Bigus (Ex-Blodtåke) am Gesang, Bernd „Bernemann“ Kost an der Gitarre, Chris Tsitsis (Ex-Suicidal Angels) als zweitem Gitarristen und Christian „Speesy“ Giesler (Ex-Kreator) am Bass – ein Line‑Up, das reichlich Erfahrung und Thrash‑Attitüde vereint. Am Schlagzeug heute ist Nils Kreul (u.a. Atrocity und  Leaves’ Eyes), von dem ich überhaupt nicht wusste, dass er auch bei Bonded an den Kesseln ist. Ob er dort als Aushilfe fungiert, oder den etatmäßigen Cornelius Rambadt abgelöst hat – keine Ahnung!

Bonded, Horns Up Andernach 2025, Pic by Big Simonski

Die Jungs aus Dortmund zeigen von Beginn an, dass sie keine bloßen Gäste sind, sondern echte Akteure mit Format. Die Setlist umfasst heute insgesamt 16 Songs und ist eine gelungene Mischung aus Klassikern und neuen Nummern. Vom Opener The Arsonist über Godgiven, Je Suis Charlie bis zu den Titelsongs der bisherigen Alben Rest In Violence und Into Blackness wird hier ein konsequentes Thrash‑Feuerwerk gezündet. Jede Nummer sitzt, jede Hook packt, und die Band beweist, dass sie ihr Handwerk versteht.

Frontmann Manuel Bigus gibt mit kraftvoller Stimme den Ton an, während Bernemann und Chris Tsitsis die Gitarren scharf wie Messer durch die Luft schneiden und Speesy am Bass für das nötige Fundament sorgt. Die Schlagzeug‑Arbeit von Nils Kreul bringt zusätzlich Druck und Präzision in den Sound, sodass jede Nummer wie ein Statement wirkt. Vom ersten Riff an springt der Funke auf die Menge über. Die Fans bangen, die Fäuste sind oben, die Energie ist greifbar – Bonded verstehen es, die Bühne zu dominieren und das Publikum mitzureißen. Man merkt deutlich: Hier stehen Veteranen, die wissen, wie man Thrash Metal zelebriert.

Fazit:

Dieser Thrash-Metal-Abend beim Horns Up Vol. 2 im JUZ Andernach erwies sich als ein echtes Fest für Genre-Fans. Mit Spread Of Disease, Eradicator, Pripjat, Pyracanda und Bonded stand ein starkes, abwechslungsreiches Line-Up auf der Bühne, bei dem junge, wilde Bands die Messer mit alten Recken wetzten und eindrucksvoll zeigten, wie lebendig die Szene ist.

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