Quan Tot S’apagui. Die katalanische Formulierung lässt sich mit „Wenn alles erlischt“ übersetzen. Ein langsames Verkümmern von Licht – und auch von Vertrauen oder Gewissheit. In diesen Zeiten leider kein schlechter Albumtitel, mit dem das spanische Post-Metal-Quartett Syberia zu einer instrumentalen Reise ans Ende der Welt einlädt.
Nach dem Debüt Drawing A Future (2013) und Resiliency (2016) entwickelten sich Syberia vom Geheimtipp zur Szenegröße. Nach dem Wechsel zu Metal Blade Records folgten Seeds Of Change (2019) und Statement On Death (2022). Nun meldet sich die Band aus Barcelona mit Quan Tot S’apagui via Moment Of Collapse Records zurück.
Ein Gedicht von einem Album
Das neue Album ist – obwohl völlig ohne Lyrics – erstmals komplett in katalanischer Sprache konzipiert. Reizvoller Kniff: Die Tracklist liest sich wie ein Gedicht, das als Stimme aus dem Off die Musik unauffällig begleitet.
En la foscor una llum que brilla,
llampecs d’oblit d’uns records en vida,
naixença d’una mort tranquil·la.
Dins la meva ànima la sang em bull…
quan me’n vagi no em tanqueu els ulls.
[maschinell übersetzt]
In der Dunkelheit ein Licht, das glänzt,
Blitze des Vergessens aus Erinnerungen des Lebens,
Geburt eines stillen Todes.
In meiner Seele kocht mein Blut…
Wenn ich fortgehe, schließt mir nicht die Augen.
Quan Tot S’apagui entfaltet eine düstere, mitunter epische Klangsprache. Der Opener En La Foscor Una Llum Que Brilla, setzt die beklemmende Grundstimmung mit bedrohlichen Synths und fragilen Keys, bevor Drums und Saiten über das Publikum hereinbrechen. Ein starker Start in den Untergang.
Katalanischer Klangkosmos
Syberia bleiben ihrem vielschichtigen Sound treu und balancieren Spannung und Intensität. Doomige Atmosphäre trifft auf verträumte Passagen und heftige Ausbrüche. Das Prinzip ist im Post-Metal nicht neu, Genrefans erkennen vertraute Muster – große Überraschungen bleiben trotz spannender Details aus. Doch die Band agiert souverän und formt aus ihren Songs mitreißende Geschichten, die sich vor dem geistigen Auge entfalten. Weiterhin setzen Syberia auf Black-Metal-Einflüsse, die den Kompositionen eine frostige Intensität verleihen, etwa in Llampecs D’oblit D’uns Records En Vida,.
Die Produktion wirkt bewusst roh und organisch, es darf scheppern und krachen. Das passt zur melancholischen Atmosphäre, die dennoch nie zum Runterzieher gerät. Das Gesamtkonzept macht zu viel Laune dafür.
Quan Tot S’apagui verlangt aktives Zuhören und ist kein Album für zwischendurch. Es kann im Hintergrund laufen, doch irgendwann wird euch ein Detail die Ohren spitzen lassen. Das kürzeste Stück liegt bei knapp sieben Minuten. Zehnminüter wie Dins La Meva Ànima La Sang Em Bull… und Quan Me’n Vagi No Em Tanqueu Els Ulls. fordern Aufmerksamkeit – und vielleicht Hingabe. Der Lohn: Gedankenstimulation. Für weniger genreaffine Hörer, die zudem Gesang vermissen, kann das zum Problem werden.
HIER! geht es für weitere Informationen zu Syberia – Quan Tot S’apagui in unserem Time For Metal Release-Kalender.



