Viele Bands covern hier und da ihre Helden, um sich ihrer Einflüsse und Wurzeln zu vergewissern. Einige wagen sogar den Schritt, ein ganzes Album mit Cover-Songs von ihren Faves zu veröffentlichen. Dies zählt zur absoluten Kür, dem Charakter des Originals gerecht zu werden und zudem auch die eigene Identität zu bewahren. The Damned sind in diesem Spiel alte Hasen, nicht nur gibt es sie seit 1976, sie haben auch schon Songs nachgespielt, die zu Standards ihres Live-Sets geworden sind und sogar zu Hits: Help von The Beatles, I Feel Alright von The Stooges und nicht zu vergessen Eloise von Barry Ryan. Auf Not Like Everybody Else präsentieren die Punk-Ur-Väter zehn Neuinterpretationen von Beat-Klassikern aus den 60er-Jahren, einige bekannt, andere weniger und nicht immer die offensichtliche Wahl.
Ein Raubzug durch die Frühzeit des Rocks
Den Reigen der schwelgerischen Erinnerungen leiten The Damed mit There’s A Ghost In My House aus dem Jahr 1966 von R. Dean Taylor ein. Die drei Minuten setzen die Messlatte nicht nur kaum erreichbar hoch, sondern Captain Sensible und Co. schaffen die perfekte Balance zwischen dem frühzeitlichen Beat-Charme des Originals und der punkigen Theatralik, für die sie bekannt sind und geliebt werden.
Beim 66er-Evergreen Summer In The City – im Original von The Lovin‘ Spoonful – orientiert sich der Vierer aus London stark am Original, lässt ihn aber punkig mit viel guter Laune swingen. Joe Cocker hatte sich in den 80ern hingegen für modernen Soul mit Reggae-Vibe entschieden. Dieselbe Vorgehensweise, nah an der Kreation von The Creation zu bleiben, ist bei Making Time zu finden. Natürlich lassen es The Damned etwas mehr knallen. Doch die Ur-Version steht im Vordergrund. Iggy Pop & The Stooges dürfen auch dieses Mal auf keinen Fall unbeachtet gelassen werden. Die Version vom eher ruhigen bis dann doch krachigen Gimme Danger ist mit Orgelklängen und Dave Vanians ausdrucksstarkem Gesang aufgemotzt, aber wieder nah an der Urfassung. Verspielt, typisch britisch und etwas abseitig und weniger psychedelisch, kirmesmäßig, ist die Fassung von Pink Floyds Frühwerk See Emily Play geworden.
Nicht nur, dass I’m Not Like Everybody Else von The Kinks schon an und für sich ein überragender Song mit einem genialen Text ganz im Anti-Establishment-Ton gehalten ist, jetzt hat das Stück mehr Punch und Expressivität entgegen der eher bedeutungsschwangeren Stimmung von 1967. Der überbordende Schlagzeug-Höhepunkt von Rat Scabies im Mittelteil lässt das Lied zum zweiten Highlight des Reigens werden. Hier sei noch kurz auf die hammermäßige Version der frühen Hardcore-Kapelle Capitol Punishment hingewiesen. Heart Full Of Soul aus der Jeff-Beck-Phase der Yardbirds ist ebenfalls knackiger, weniger verspielt gelungen und besitzt trotzdem noch den hippieesken Drive des Originals.
Beat vs. Punkrock – knapper Sieg für die 60er
Zu großer Form laufen The Damed bei ihrer Interpretation von The Lollipop Shoppes You Must Be A Witch auf. Sie schaffen es, das dunkle Aufbrausen von 1968 mit ihren ureigenen Punk-Genen zu versehen. I Was So Much Older When I Was Young – diese Zeilen des Eric Burdons-Originals kennt nahezu jeder, der sich auch nur ein kleines bisschen mit der Beat-Musik-Historie auskennt. Auch die Zwischenmelodien nach jeder Zeile sind Musikgeschichte. Die Punk-Ur-Väter vertreiben die Melancholie von damals durch ein knarriges Bassspiel von Paul Gray. Zum Ausklang wird sich das locker-flockige The Last Time von The Rolling Stones vorgenommen und auf die Spitze getrieben. Von allem gibt es etwas mehr: Gesang, Gitarre, Schlagzeug, Bass und natürlich Lautstärke.
Hier geht es lang für weitere Informationen zu The Damned – Not Like Everybody Else in unserem Time For Metal Release-Kalender.



