De Mortem Et Diabolum am 05.12. und 06.12.2025 im Orwohaus Berlin

Das Line-Up des Jahres

Event: De Mortem Et Diabolum 2025

Bands: Thy Light, Tsjuder, Austere, Ellende, Abduction, Ultima Nectat, Nyrst, Vorga, Omegaeternum, ArsGoatia, Sunken, Dymna Lotva, Nail By Nail, Wode, Merrimack, The Omega Swarm, Necronautical

Ort: Orwohaus Berlin

Datum: 05. – 06.12.2025

Zuschauer: etwa 700

Genre: Black Metal, Extreme Metal, Depressive Black Metal

Veranstalter: De Mortem Et Diabolum

Link: http://www.demortemetdiabolum.de

Es ist das erste Dezemberwochenende, und während der Großteil der Bevölkerung sich auf diversen Weihnachtsmärkten literweise Glühwein und andere Heißgetränke hinter die Binde schüttet, freut sich der geneigte Black-Metal-Freund auf das alljährliche De Mortem Et Diabolum Festival im Berliner Orwohaus. Auch wir gehören zu letzterer Kategorie und fiebern den zwei Tagen schon seit Wochen entgegen. Das Line-Up ist 2025 dermaßen spannend und großartig, dass es jedes Schwarzmetallerherz höherschlagen lässt – mehr noch, es sorgte schon bei dessen Vorankündigungen für den einen oder anderen Herzstolperer. Mit den Big Four Thy Light, Austere, Tsjuder und Ellende haben sich die Veranstalter dieses Jahr schlicht selbst übertroffen.

Nyrst

Pünktlich halb drei geht es am 05.12.2025 los und die Vorfreude auf das bevorstehende Wochenende ist förmlich zu spüren, wovon der Opener Ultima Necat sichtlich profitiert. Die Jungs müssen kurzfristig den Slot mit den nach ihnen auftretenden Nyrst tauschen, was sich im Nachhinein vom musikalischen Ablauf als wunderbar passend erweist. Die Bühne in komplett rotem Licht verhüllt, bieten die Jungs 40 Minuten einwandfreien Black Metal der neuen Schule und schaffen direkt zu Beginn eine tolle Atmosphäre. Hier kann man von einem optimalen Start sprechen.
Weiter geht es dann mit einem etwas selteneren Auftritt, denn jetzt kommen die Isländer Nyrst auf die Bühne. Und wenn Ultima Necat schon für eine tolle Atmosphäre sorgten, wird das nun noch einmal getoppt. Die Bühnenpräsenz, das Auftreten und die Aura, die diese Band ausstrahlt, fesseln vom Fleck weg. Kalter nordischer Black Metal, der mit gelegentlichem Kehlgesang überrascht, überzeugt das bereits zahlreich anwesende Publikum und sorgt für das erste von vielen Highlights an diesen Tagen.
Doch da kann man auch noch einen draufsetzen, denken sich anschließend Vorga und nutzen das mit Abstand meiste Licht und die aufwendigsten Effekte des ganzen Festivals. Dies ist für dieses Genre recht untypisch, passt aber perfekt zu den kosmischen Einflüssen und langen Songs. Es ist fast unmöglich, sich diesem Spektakel zu entziehen, und wenn Vorga dann auch noch Sachen von ihrem bärenstarken aktuellen Album Beyond The Palest Star spielen, scheint man in anderen Sphären zu schweben. Vielleicht ist das alles dem einen oder anderen zu viel, oder mag unpassend wirken, uns begeistert der Auftritt auf ganzer Linie und wir können nur hoffen, diese Band bald wieder live erleben zu dürfen.

Genau dieser Umstand ist es auch, was danach aus unserer Sicht Omegaeternum zum Nachteil wird. Nach drei so starken Auftritten ist erst mal Zeit, um etwas durchzuschnaufen. Ich würde mir die anschließenden 50 Minuten der Franzosen wirklich gerne anschauen, allerdings ist eine kleine Pause für den Endspurt definitiv nötig. Aber was man von Omegaeternum und den anwesenden Zuschauern so mitbekommt, punktet die Band mit den Songs aus ihrem 2024er-Debüt 1248 auf ganzer Linie. Danach geht es dann auch für uns wieder weiter und das mit voller Härte, bei den Österreichern ArsGoatia. Hier wird einfach nur kompromissloser Black Metal zelebriert, mit einer Band, die die Bühne wohl in Schutt und Asche legen möchte. Mit den beiden Alben Hiding Amongst Humans und Agitators Of Hysteria im Rücken, legt das Quartett direkt los und ballert sich perfekt durch das 50-Minuten-Set, als gäb’s kein Morgen. Hier stimmt alles und gerade nach den bisher eher atmosphärischen Bands auch eine absolute Wohltat der anderen Sorte.

Danach ist es Zeit für Sunken und ich bin da etwas zwiegespalten. Die Vorfreude auf die Skandinavier ist im Grunde groß gewesen, aber das neue Album Lykke hat mich leider nicht ganz so gepackt, wie der Vorgänger Livslede und das schlägt sich dann auch in den Erwartungen nieder. Möglicherweise liegt es eben daran, vielleicht ist es für Sunken nach den bisherigen Bands einfach auch schwerer, aber so ganz will der Funke nicht überspringen. Nicht falsch verstehen, der Auftritt ist weit davon entfernt, schlecht gewesen zu sein, aber gerade im Vergleich zu dem bereits Gesehenen und dem, was noch kommen soll, reicht er für mich leider nur zur Einordnung: Durchschnitt.

Ellende

Nun betritt eine Band die Bühne, auf die sich augenscheinlich ein Großteil des Publikums gefreut hat. Das neue Album Zerfall ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht erschienen, dennoch hofft man darauf, von Ellende eine Kostprobe zu bekommen, und mit Wahrheit und dem Titeltrack gibt es dann auch tatsächlich zwei Livepremieren zu bestaunen. Bestaunen ist auch das richtige Wort, denn die abgelieferte Stunde ist absolute Spitze und das Zusammenspiel des melancholischen Black Metal und der Bühnenpräsenz zieht einen sofort in seinen Bann. Ellende untermauern nicht nur mit den beiden neuen Songs, sondern auch mit Ballade Auf Den Tod, Freier Fall oder Verachtung hier noch einmal eindringlich ihren Status als exzellente Liveband.

Jetzt ist es Zeit, für den eigentlichen Headliner. Austere sind mit großer Sicherheit eine der Bands, die im Vorfeld für mit die meiste Spannung sorgten, zumindest bei denen, die sie noch nie live erleben konnten. Schlicht, in einfachen Straßenklamotten, ohne Lichteffekte, Corpsepaint etc., zeigen die Australier musikalisch wieder einmal, was auch beim Depressive Black Metal technisch möglich ist. Der Sound geht nicht besser und dass jeder auf der Bühne sein Instrument bestens beherrscht, darüber braucht man definitiv nicht zu streiten. Aaaaber, auch wenn ich die Band auf Platte unfassbar toll finde, ist mir das Auftreten einfach viel zu schlicht und lieblos. Für mich gehört dies zu einem Konzert eben genauso dazu, wie die Songauswahl und das spielerische Können. Aber sei es drum, nach einer Stunde fantastischer Musik ist auch schon Schluss, allerdings nur für Austere.

Vorhin verwendete ich die Bezeichnung „der eigentliche Headliner“, denn technisch gesehen sind das die jetzt aufspielenden Abduction. Und was soll ich sagen, das sind zum Abschluss noch mal 40 Minuten totaler Abriss. Da es bisher ein sehr langer Tag ist, merkt man leider, aber zu der Uhrzeit auch verständlicherweise, dass es einige der Zuschauer schon nach Hause zieht. Dennoch lassen sich Abduction zu keiner Sekunde beeinflussen und legen direkt kompromisslos los. Keine Verschnaufpause, keine Ansagen, keine Zeit zu verlieren. Bei der kurzen Spielzeit und fünf hochklassigen Alben, kann sich die Band aus Derby diese auf keinen Fall erlauben, denn diejenigen, die noch vor der Bühne stehen, feiern umso mehr. Ein grandioser Abschluss des ersten Tages, der nicht besser hätte enden können. Für uns beide eines der unangefochtenen Highlights des De Mortem 2025.

Nail By Nail

Nach diesem rundum fantastischen ersten Festivaltag stellt man sich natürlich am nächsten Morgen die Frage, ob da der zweite Tag mithalten kann. Das kann er auf jeden Fall, wenn er auf dem Papier, nach persönlicher Meinung, vielleicht sogar etwas besser besetzt ist. Wie am ersten Tag, sind wir auch am Samstag pünktlich zur Türöffnung vor Ort, denn etwas verpassen ist in diesem Jahr nicht.
Als dann Nail By Nail beginnen, ist der Andrang vor der Bühne doch noch recht überschaubar, was sich aber mit zunehmender Spielzeit ändert. Die Badener haben erst im vergangenen Jahr ihr Debüt Embraced By Darkness veröffentlicht, welches für mich zu meinen Top 10 Alben des Jahres gehört. Von daher freut es mich umso mehr, dass sich spätestens ab dem dritten Song eine beeindruckende Menge zusammenfindet und in den Genuss der Songs kommt. Nail By Nail können vollkommen zu Recht punkten und haben bestimmt ein paar neue Fans dazugewonnen.
Der darauffolgende Auftritt ist dann schlecht mit Worten zu beschreiben. Für Necronautical ist es, nach eigenen Angaben, der erste Stopp in Berlin, und sie kosten es sichtlich aus. Sänger Naut hat von Anfang an richtig Laune und der hin und wieder theatralische und bombastische Black Metal der Jungs kommt prima an. Hier wird 40 Minuten feinste Musik geboten und als Bassist Anchorite zwischendurch den Liedern, in kurzen Phasen, mit seinem opernhaften Gesang seinen Stempel aufdrückt, überkommt einen wahrhaftig eine Gänsehaut. Das ist großes Kino.

Von der nächsten Band Wode bin ich insgesamt etwas enttäuscht. Mit ihrem selbstbetitelten Debüt haben sie ein klasse Black-Metal-Album aufgenommen, welches ich nur empfehlen kann. Danach hat sich ihr Stil mehr zum Black/Death hin entwickelt, der zwar immer noch gut ist, dem aber etwas die Atmosphäre abgeht. Und genau so würde ich den Auftritt der Jungs aus Manchester auch beschreiben. Insgesamt ein ordentlicher Gig, aber leider zu farblos.
The Omega Swarm wirken an diesem Samstag ein kleines bisschen wie die Exoten, denn ihr Atmospheric Death Metal mit leicht modernem Anstrich, sticht beim Rest des Line-Ups deutlich heraus. Wir schauen sie uns, bei diesem Festival eine totale Ausnahme, von etwas weiter hinten an, müssen aber beide zugeben, das Konzert könnte nicht besser gespielt sein. Fast durchweg rotes Bühnenlicht und ein sehr agiler Sänger sorgen dafür, dass man regelrecht mitgerissen wird. Auch hier handelt es sich wieder um eine Truppe, die nur mit einem Debüt in ihrer Vita anreist, was ich an der Stelle überaus lobend für die Veranstalter erwähnen muss. Diesen Bands wird an dem Wochenende die Möglichkeit geboten, sich zu zeigen, was The Omega Swarm überaus erfolgreich tun, denn die Stimmung ist großartig.

Dymna Lotva

Dann ist es Zeit für Dymna Lotva. Den mitgehörten Gesprächen und dem Gedränge zufolge, spielt hier gleich die Band, auf die die meisten Festivalbesucher gespannt sind. Ich muss vorwegnehmen, dass mich die Musik der Weißrussen nie wirklich überzeugt hat, allerdings sind uns Dymna Lotva im Laufe des Jahres 2025 so häufig bei Festivals begegnet, dass wir beschließen, sie zumindest diesmal auch anzuschauen. Aber sehr lange ist das nicht, und ich muss im Anschluss auch weiterhin sagen, dass ich den Hype um die Band, zumindest aktuell, immer noch nicht ganz verstehe. Hier ist mir eigentlich alles ein wenig zu viel. Die Musik hat zwar diese DSBM-Schlagseite, aber ohne mich in irgendeiner Art und Weise zu berühren, und dazu kommt noch eine oft zu übertriebene Theatralik bei der Bühnenshow. Doch ich muss auch sagen, dass dies nur meine, bzw. unsere Meinung nach dem Konzert ist, denn man muss Dymna Lotva eindeutig als einen DER Gewinner des De Mortem bezeichnen. Aber auch dies gehört dazu, denn Geschmäcker sind zum Glück unterschiedlich.
Die anschließenden 50 Minuten von Merrimack kann man im Grunde kurz und knapp als eine grundsolide Black-Metal-Performance beschreiben. Ist super gut anzuschauen, ohne wirklich einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Einzig, dass sich Sänger Vestal die komplette Spielzeit über immer wieder den nackten Oberkörper aufkratzt, um ein wenig Blut zu zeigen, ist dann hinterher am ehesten in Erinnerung.
Die letzten beiden Bands des Tages und des Festivals haben es aber noch mal ordentlich in sich. Den Anfang macht das Black-Metal-Urgestein Tsjuder – und wie. Was kann ich hier noch anderes sagen, als: Das ist True Norwegian Black Metal ohne Kompromisse. Schon beim Opener Malignant Coronation vom grandiosen Desert Nothern Hell wird klar, wo es hier langgeht. Bassist und Sänger Nag sowie Gitarrist Draugluin sind schon so lange im Geschäft, die wissen von Beginn an, wie sie das Publikum mitreißen. Die ganze Performance ist wahnsinnig energiegeladen und Songs wie Mouth Of Madness, Gods Of Black Blood oder Kill For Satan tun ihr Übriges. Die Menge vor der Bühne geht vollständig mit und feiert die Band, die ganze Stunde über, lautstark ab. Vollkommen zu Recht, denn das, was Tsjuder hier auf die Bühne bringen, ist Sonderklasse.

Thy Light

Nach diesem Abriss, zwei Festivaltagen in den Knochen und der bereits fortgeschrittenen Stunde, könnte man davon ausgehen, dass sich das Orwohaus nun etwas leeren wird. Doch dies ist überhaupt nicht der Fall, denn nun ist die Vorfreude auf Thy Light sehr groß. 2024 an selber Stelle, dennoch beim Walpurigsnacht Festival, die großen Gewinner und Überraschung schlechthin, darf Paolo Bruno mit seinem Projekt diesmal als Headliner das De Mortem abschließen. Wer Thy Light schon mal live erleben durfte, weiß, was für eine Atmosphäre hier herrscht. Nicht nur auf Platte sind Songs wie A Crawling Worm, In A World Of Lies oder I Am The Bitter Taste Of Gall überragend schön und traurig zugleich, auch live kann die Band diese Gefühlswelt unfassbar gut rüberbringen. Bei Thy Light ist es angebracht, von einer einzigartigen Band zu sprechen, welche die Härte des Black Metal wie keine andere mit einer bedrückenden Stimmung vermischt und so Unglaubliches erschafft. Man ist förmlich in den Bann gezogen und genießt die 60 Minuten einfach nur, die leider schon viel zu schnell vorbei sind. Aber bei Songlängen von nicht selten weit über zehn Minuten, ist das eben so. Thy Light sind ein würdiger Abschluss, eines fantastischen Festivals, bei dem es zwei Tage Musik und Auftritte der absoluten Spitzenklasse gibt. Wie immer, die Stimmung, der Umgang miteinander, der zu jedem Zeitpunkt und überall freundliche Staff, ein Besuch im Orwohaus zu den beiden Festivals De Mortem Et Diabolum und der Walpurgisnacht sind schon absolute Pflichttermine und immer wieder Jahreshighlights.