Event: 19. Hörnerfest
Bands: Knorkator, Die Apokalyptischen Reiter, Schandmaul, Vogelfrey, Rauhbein, Storm Seeker, Haggefugg, The Toshers, Ritual Duir, Eden Weint Im Grab, Wolfarian, Blackbeers, Nachtgeschrei, Muirsheen Durkin, Itinera, The Keltics, Entoria, Crash Nomada, Hasenscheiße, Keltania, Alvader, XIV Dark Centuries, Mythemia, Nordic Raid
Datum: 25.06.2026 – 27.06.2026
Genres: Pagan Metal, Folk Metal, Black Metal, Power Metal, Melodic Death Metal, Mittelalter Rock, Folk, Viking Metal, Irish Folk, Freibeuter Folk, Pirate Folk
Besucher: ca. 3500
Ort: Brande-Hörnerkirchen
Veranstalter: Thomas Tegelhütter
Kosten: VVK 85 €, Tagesticket 47 €, Sold Out
Link: Hörnerfest
Nun ist das Hörnerfest also 20 Jahre alt geworden. Das Festival ist mit gut 3.500 verkauften Karten ausverkauft und läuft dem in vier Wochen hier stattfindenden Headbangers Open Air zumindest kartentechnisch den Rang ab. Zu diesem runden Jubiläum hat sich Thomas Tegelhütter einiges einfallen lassen, und neben Knorkator sind Schandmaul und Die Apokalyptischen Reiter als Headliner gesetzt. Aber auch die anderen Slots können sich sehen lassen, sodass für unterschiedliche Genres Platz ist. Natürlich ist der Heavy Metal nicht so stark vertreten, dafür ist eben das Headbangers zuständig. Der Vorplatz gleicht somit auch eher einem mittelalterlichen Markt, mit Gauklern, Heerlagern und Handwerkern nachempfunden. Thomas begrüßt vor der ersten Band seine Gäste und lässt es sich nicht nehmen, allen seit Jahren Mitwirkenden zu danken. Catering, Technik, Organisation, Ablauf, Security – allen wird gedankt. Auch seine Tochter, die maßgeblich am Gelingen des Hörnerfestes mitverantwortlich ist, wird einbezogen. Als Geschenk gibt es mindestens eine Lage Freibier am Getränkestand im Infield, die unter Beifall schnell genutzt wird. Viele Wegbegleiter hinter und vor der Bühne beglückwünschen den Herrn des Gartens zu diesem Erfolg. Natürlich hat sich auch die Fotografengemeinde zusammengefunden, und es ist immer wieder schön, die Kollegen hier zu treffen. Hauke Jans, Michael Meister, Ariane Blumenau, Patrick Burkhardt und Helmut Gätje – alles bekannte und gern gesehene Gesichter im Fotograben.
Das Infield ist schon jetzt recht gut gefüllt, und am beliebtesten sind natürlich die Plätze im Schatten. Es ist schon irre warm, und mit knapp 37 Grad macht es nicht viel Spaß, in der Sonne zu sitzen. Vor der Bühne sind einige bekannte Gesichter und viele Bekannte zu sehen. Eine davon ist Mandy mit ihrer 11-jährigen Tochter Miri, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, von allen Bands Autogramme auf ein T-Shirt zu bekommen. Ob das klappt, werden wir am Samstag sehen.
Nun aber zu den Auftritten des Donnerstags.
Für Tränen ist kein Platz

Die Dark-Metal-Band vereint Black-Metal-Elemente mit Gothic Metal, und das kommt als Opener gut an. Die Band betritt geschminkt die Bühne, und immerhin sechs Musiker tummeln sich auf den Brettern. Schnell wird klar, dass die Temperatur auf der Bühne noch um einige Grad höher ist als vor ihr. Trotzdem können EWIG punkten und mit deutschsprachigen Texten überzeugen. Sänger und Bassist Alexander Paul Blake führt durchs Programm und bedankt sich bereits für das große Interesse an der Band. So vergehen die ersten 50 Minuten wie im Flug, und der abschließende Beifall krönt den gelungenen Auftritt. Anschließend wird der Merchstand heftig umlagert, und auch die Autogrammstunde wird gut angenommen.
Spirituelle und metallische Klänge zum frühen Nachmittag

Mit Ritual Duir folgt eine Pagan-Folk-Metal-Band, die sich jedoch stärker auf die keltische Spiritualität und das Druidentum besinnt. So kommen neben Gitarren und Drums auch Flöten, Dudelsack und keltische Trommeln zum Einsatz. Der Vierer, 2018 in Spanien gegründet, kann die Anwesenden mit Songs vom aktuellen Longplayer Turelric sowie älteren Stücken begeistern. Thematisch passt das hervorragend zu diesem Festival. Rose Avalon, Sängerin und Dudelsackspielerin, sowie Belene Alba an der Flöte bilden die keltische Fraktion, während Gitarrist Mici Lovac und Drummer Borja Marco eher die metallische Seite repräsentieren. Die Mischung macht es aus und dürfte der Band sicherlich einige neue Fans bescheren.
Den Erfolg sieht man meist direkt im Anschluss, wenn die Besucher zum Merch-Stand strömen und Platten sowie Shirts kaufen. Dabei sind manche Merchandiser immer wieder überrascht, was dort alles über den Tresen geht. Auch am Autogrammstand lässt sich beobachten, welchen Zuspruch einige Bands erhalten.
Trotz Labelverlust grandiose Stimmung

Es folgt mit The Toshers eine Band, die vom Schicksal zuletzt etwas gebeutelt wurde. Ihre Plattenfirma ist insolvent gegangen, weshalb ihre Tonträger derzeit nicht mehr erhältlich sind. Das hält den Sechser aus Aachen jedoch nicht auf. Ihr mit reichlich Punk-Rock angereicherter Irish Folk geht sofort nach vorne und sorgt für beste Stimmung. Die Band verbreitet gute Laune und liefert eine überzeugende Performance ab. Der Bassist am Mikro überzeugt mit starkem Gesang und versteht es, das Publikum schnell auf seine Seite zu ziehen. Der Violinistin Esther ist die Freude am Spielen deutlich anzusehen, obwohl Backstage bereits der noch sehr junge Nachwuchs auf sie wartet. Auch die übrigen Musiker erweisen sich als Gewinn für die Band, sodass die Songs der beiden bislang erschienenen Tonträger bestens ankommen.
Entsprechend gut besucht ist anschließend auch der Autogrammstand. Wären dort mehr CDs verfügbar gewesen, wäre sicherlich noch einiges über den Tisch gegangen.
Der erste Abräumer des Tages

Das Hörnerfest 2026 ist ausverkauft, und was dieser Sachverhalt bedeutet, zeigt sich erstmals bei Haggefugg, bei denen es Infield bereits am Nachmittag richtig eng wird. Die Band hat eine erstaunliche Entwicklung genommen. Vor circa zehn Jahren noch als Opener und Spaßkapelle in Brande-Hörnerkirchen, sind die Kölner Mittelalterrocker zu einer professionellen Größe gewachsen, die selbst als Headliner – wenn auch in kleinen Clubs – agiert. Entsprechend voll ist das Infield, als Sänger Yannick Delseit, der unter dem Künstlernamen Gregor Krähenkehle agiert, und seine sechs Mitstreiter die Bühne entern.
Der Auftakt nennt sich Tanz Und Gloria und kann als Motto für das circa 50-minütige Set angesehen werden. Es wird getanzt, gefeiert und getrunken, und der Spaß an der Musik steht im Vordergrund. Der Partyfaktor ist ähnlich wie bei Saltatio Mortis, nur nicht ganz so übertrieben aufgesetzt. Kölner kennen Karneval und wissen anscheinend, wie die norddeutsche Meute in Wallung zu bringen ist. Wie kurbelt eine Band den Getränkeumsatz an? Dafür haben Haggefugg neben dem Schlachtruf „Wir sind Haggefugg, und ihr seid hackevoll“ noch ein Stück Musik, das mit drei Wörtern alles aussagt: Met, Wirt, Bestellt! Wer jetzt noch nicht volltrunken unterm Tisch liegt, hat nicht richtig mitgezogen. Prost!
Die Sturmsucher werden reichlich belohnt

Unweit der Nordseeküste wird es Zeit für maritimes Flair. Aus dem bekannten Seefahrerort Düsseldorf – Rudern auf’m Rhein wird als Seefahrt mitgerechnet – stammen Storm Seeker und beehren mal wieder das Hörnerfest. Es gibt aber seit 2024 eine entscheidende Veränderung bei den Rheinpiraten. Der langjährige Sänger Timothy „Timo“ Bornfleth hat die Band verlassen. An seine Stelle rückt Sean Graham, der aus der Folk- und Mittelalterszene kommt und auf dem MPS zu den bekannten Gesichtern zählt. Der Gesang ist rauer und passt gut zur rauen Seemannsthematik.
Der Titeltrack des aktuellen Albums Set The Sails eröffnet das Set und liefert optimalen Stoff für feiernde Folk- und Mittelalter-Fans. Gouverneur Of The Coco Island, Old Maui und vor allem der Ruderwettbewerb Row Row Row sorgen für Partystimmung vor der Bühne. Speziell ist Keyboarder Tim „Ughar der schrecklich Durstige“ Braatz, der sich munter ein Bier nach dem anderen aus seinem Minifass zapft und eigentlich nach der Show von der Bühne schaukeln müsste. Piraten, selbst Rheinpiraten, erweisen sich als trinkfest, auch bei Temperaturen von über 30 Grad.
Gegen Ende des Sets gibt es das bekannte Cover 500 Miles, was sich tatsächlich I’m Gonna Be (500 Miles) nennt und von dem schottischen Duo Proclaimers stammt. Homeward Bound macht nach circa einer Stunde den Deckel auf den unterhaltsamen Auftritt von Storm Seeker, die auch mit dem neuen Sänger auf angestammten Piratenpfaden liefern.
Rockig gehen Rauhbein neue Wege

Alles neu zur neuen Platte. Bei der Band Rauhbein hat Fronter Henry zur neuen Platte Rebellen & Helden die Mannschaft runderneuert. Geblieben ist Bassist Olli Schmidt. Aktuell gibt es kein offizielles Line-Up der Band. Henry Rauhbein plus Gäste stehen auf der Bühne und der Fokus liegt komplett auf dem Bandchef.
Die musikalische Ausrichtung hat sich geändert. Waren bisher Chanty und Schunkelmusik, irgendwo zwischen Santiano und den Onkelz, die grobe Richtung, so legen Rauhbein mit dem neuen Album den Fokus mehr auf Rock. Die neuen Stücke wie Rausch, wozu sich der Fronter munter ein Bier nach dem anderen reinkippt, das Loblied auf die kleinen Dörfer mit Namen Mein Kaff oder Rebellen & Helden gehen in Richtung Deutschrock mit Geige. Einfach ausgedrückt würde auch folkig angehauchter Schweinerock passen. Wer den Begriff Schweinerock nicht kennt: Der Begriff wird für einfachen, melodischen und massentauglichen Rock genutzt, der künstlerisch einen eher geringen Anspruch hat. Die Wandlung von Rauhbein wäre also vom Querschnitt aus Onkelz und Santiano zu einem Querschnitt von Onkelz und neueren AC/DC mit Geige. Massenkompatibel und eine Vorlage für die schreibende Zunft, die einfach gestaltete Musik gerne kritisiert. Am Ende hat die Band recht, die erfolgreich ist. Die Bühne ist gut besucht, anscheinend möchten Menschen 2026 eher einfach unterhalten werden.
Im Galopp geht’s zum Abschluss des Tages

Die heutigen Headliner sind Die Apokalyptischen Reiter. Als einzige Band des Festivals kommen sie leider nicht zum Autogrammstand, was sicherlich für den einen oder anderen Fan sehr schade ist. Ihr umfangreiches Merch haben sie separat aufgebaut, und ggf. lässt sich der eine oder andere nach dem Auftritt da noch sehen. Zumindest das T-Shirt von Miri signieren die vier Backstage (danke an Michael Meister und Thomas für den Einsatz), sodass sichergestellt ist, dass alle Bands auf dem Shirt verewigt sind. Der Auftritt ist allerdings über jegliche Zweifel erhaben. Professionell gehen die vier Reiter an die Sache ran. Fuchs, Volk-Man, Titus Maximus und Rohgarr lassen es krachen und liefern einen Vorgeschmack auf ihre anstehende 30th Anniversary Tour. Nach dem dritten Song verlassen wir allerdings das Geschehen und sehen uns die Band in der kommenden Woche beim Rockharz an. Hier ist es voll vor der Bühne, und trotz der noch vorherrschenden Temperaturen hält es keinen vom Feiern ab.
So endet der erste Tag mit einer noch sehr warmen Nacht und den Reitern, die den vielen Ausharrenden einen guten Tagesabschluss bieten. Morgen geht’s dann ausgeruht weiter. Auch die Bands ziehen ein positives Fazit.
Yannick von Haggefugg meint:
Das Statement von Henry (Rauhbein):



















































