Monument Of Misanthropy – Washington State Charm

26.06.2026 - Death Metal - Listenable Records - 32:16 Minuten

Ursprünglich 2010 in Österreich als Soloprojekt von Sänger Georg Wilfinger (ex-Miasma) gegründet, haben Monument Of Misanthropy bisher drei Studioalben, eine EP und ein Demo veröffentlicht. Das vorherige Album Vile Postmortem Irrumatio erschien im Jahre 2024. Nun ist man zu Listenable Records gewechselt und Album Nummer vier namens Washingron State Charm erblickte das Licht der Welt. Textlich würdigt man wieder einen ganz großen Humanisten, den Massenmörder Ted Bundy.

Nach einem kurzen Intro geht die Reise mit Neath Tacoma Asphalt los. Alleine abzuhängen schockt ja auch nicht wirklich, also holen sie sich Gastmusiker dazu. Mendel Bij De Leij (Ex-Aborted) und Johnny Ciardullo (AngelMaker, Carcosa) in diesem Falle, später folgen noch andere. Die Reise in die Abgründe der menschlichen Existenz benötigt unbedingt brutalen Death Metal, und den bekommt man natürlich geboten. Technisches Riffing wird mit Geballer kombiniert und hinzu kommt eine fette Produktion. Da bleibt kein Auge trocken. Es wird gegrowlt und gescreamt. Ja, kennt man natürlich alles, aber es wird eben gekonnt wiedergegeben und nach knapp einer Minute folgt ein melodischer Part, der es in sich hat. Geiles Ding und kam für mich erst einmal unerwartet, aber deswegen umso intensiver. Sehr geil, vor allem das klassisch angelehnte Gitarrenspiel und der doppelte Gesang. Kommt sehr geil. Man bleibt dabei immer auf Angriff. Ein langer Scream leitet dann die Rückkehr zum vorherigen Part ein, um dann einen ganz wilden und abgehackten Groove oder Slam-Part einzuläuten. Abgehackt mit Stakkato-Momenten und Breaks. Krass und gewöhnungsbedürftig. Man wird noch einmal melodiös und holt dann zum finalen Schlag aus. Starker und vor allem ein interessanter Einstieg.

A Hunger Unstilled ist dann ein wildes und verspieltes instrumentales Intro und The 1974 PNW Spree folgt, wieder mit einer fremden Person an Bord. Das Ruder wurde teilweise an Gabe Mangold (Enterprise Earth) übergeben. Das progressive und technische Riffing erinnert durch die klassische Spielweise an die Italiener von Sadist, allerdings sind die Österreicher natürlich einen Zacken brutaler und härter, aber diese Verbindung steht ihnen gut zu Gesicht. Hier und da werden mir die Fähigkeiten der Musiker aber zu sehr in den Vordergrund gestellt, auch hier. Das geht dann zulasten des Songwritings. Ja, und das ist Jammern auf hohem Niveau, aber ich finde den Song zu überladen. Dieses absolut verspielte Solo und der Deathcore-Moment mit keifendem Gesang kommen fett, aber irgendwie klingt das aneinandergereiht. Man wollte es eben unbedingt drin haben. Aber das ist natürlich eine kompositorische Frage, ist klar.

Nach einem Intro folgt der Namensgeber Washington State Charm. Der Song wurde vom Gitarristen Joe und dem Schlagzeuger Simon geschrieben. Die beiden haben Jazz studiert, und dieses hört man auch beim Aufbau und der Spielweise des Songs. Ein wenig abgedreht, ein wenig frickelig, aber man vergisst eben auch nicht, dass der brutale Death Metal im Vordergrund steht. Tempo- und Rhythmuswechsel geben sich die Klinke in die Hand. Gleich der groovige und frickelige Anfang setzt sich fest. Langer Scream und Geballer bringen einen zum Durchdrehen. Feines Ding, auch der groovige Moment danach mit den tiefen Growls verbreitet Laune. Textlich geht es darum, dass im Jahre 1974 im Lake Sammamish State Park zwei Frauen von Bundy entführt wurden, obwohl bei bestem Sonnenwetter tausende Menschen unterwegs waren. Überraschend eben, wie der Song eben selbst. Schockt!

Wie gesagt, der progressive Ansatz und die ganzen Frickeleien sind mir teilweise zu viel, aber in der Kombination mit brutalen Blastbeat-Attacken und den kongenialen Vocals, so wie bei Colorado Murder oder Suwannee Hog Shed, klingt es dann richtig geil.

Nachdem man mit Could You Hear That? am Ende noch ein Intro am Start hat, folgt noch Strapped To The Throne (Burn, Bundy, Burn). Bei diesem Song darf Hal Microutsicos von Engulf mitzocken und zum Abschluss ehrt man wohl eine Band, welche das musikalische Schaffen der Österreicher bestimmt beeinflusst hat. Die Rede ist von den amerikanischen Freaks von Nile.The Eye Of Ra ist ein absoluter Brecher und ihre Version davon klingt ebenfalls richtig fett und natürlich dürfen auch hier noch einmal andere Genossen mit rumspielen. Die Rede ist von Shoi Sen (De Profundis) und Jean-Jacques Moréac von Misanthrope.

Gutes Ding, allerdings ist mir persönlich die Produktion zu modern, zu sauber, zu steril. Geschmackssache natürlich.

Hier geht es für weitere Informationen zu Monument Of Misanthropy – Washington State Charm in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Monument Of Misanthropy – Washington State Charm
Fazit zu Washington State Charm
Das vierte Album der Österreicher ist zugleich das erste Album für Listenable Records und wahrscheinlich das Beste bisher, denn diese Art des Brutal Death Metal zeigt sich sehr detailverliebt. Es geht um die Kindheit, das Wirken und den Tod des Massenmörders Ted Bundy, und dazu bedient man sich des technischen Death Metals, der progressiv und verspielt um die Ecke kommt, es aber immer auf den Punkt bringt. Die Gitarrenarbeit ist teilweise klassisch und jazzig angelehnt, und man ist weit davon entfernt, stumpf zu klingen. Kein Album, welches man nebenbei hören kann, aber eben auch kein Album, welches wegen der Komplexität und der Verspieltheit komplett abschreckt. Man hört, dass man sich hier sehr viele Gedanken gemacht und man wohl Stunde um Stunde an jedem einzelnen Part gefeilt hat. Hier und da übertreibt man es mit den frickeligen Einheiten, und auch die Produktion ist mir persönlich zu modern, zu steril. Mit vielen Gastmusikern bestücktes (welche man eigentlich nicht nötig hat, aber macht ja auch Spaß) brutales Death-Metal-Album, welches sehr eigenständig klingt. Gutes Teil!

Anspieltipps: Colorado Murder und Suwannee Hog Shed
Michael E.
7.8
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