Event: The Big One!
Bands: ZZ Top, The Howlers
Ort: Stadtpark Freilichtbühne, Hamburg
Zuschauer: 4.000 (ausverkauft)
Genre: Blues Rock, 70s Rock, Boogie Rock, Indie Rock
Links: ZZ Top, The Howlers
Das Stadtpark Open Air und das berühmt-berüchtigte Hamburger Schietwetter – auf das immer Verlass ist oder eben nicht – gehen Hand in Hand wie sich liebende und zankende Geschwister. Zwischen Sonnenbrand und Plastik-Poncho ist alles drin. An diesem Donnerstagabend sind es böiger Wind, ein paar Tränen vom Himmel und lässiger Bluesrock aus Texas, die 4.000 jungen und junggebliebenen Rock-Fans in der ausverkauften Freilichtbühne feilgeboten werden. Denn die überbärtigen ZZ Top – seit fünf Jahren nunmehr ohne Tieftöner und Bruder im Verbrechen Dusty Hill – schicken sich an, am frühen Abend ihrer unfassbaren Karriere, noch einmal 70 Minuten lang den gut angezogenen Mann gegen die göttlichen Beine mit ausgesprochener Lässigkeit auszuspielen.
Leicht unpünktlich darf das Londoner 70er-Indie-Rock-Duo The Howlers den Windböen trotzen. Mit Vintage-Gitarre und minimalistischem Drum-Set bewaffnet, trotzen die beiden Jungs dem Wind und der übergroßen Bühne. Ein wenig verloren wirken die beiden schon. Doch mit ihrer Interaktion von arroganter Rebel-Attitüde und leidenschaftlichem Handwerk lassen sie die Unwegsamkeiten links liegen.
Die dumpf verzerrte Gitarre und das scheppernde Schlagzeug treten knapp 45 Minuten lang in einen Wettstreit, den nicht nur die Vocals verlieren, sondern auch sie selber gegen die enorme Anspannung in Erwartung der Hauptband. Auch wird zu viel White Stripes dargeboten. Artig wird nach jedem Song applaudiert und sich schon einmal in Stellung gebracht für den lässigen Hüftschwung der Oldies aus Texas. Für einen Anheizer machen die zwei Hollers einen okayen Job.
Wer möchte für ZZ Top eröffnen? Mutige vor!

Es ist noch hell und doch gehen die Lichter aus, dann wieder an, und Billy Gibbons und Elwood Francis treten in fancy Glitzer-Suits samt Schlagzeuger-Verstärkung ins Rampenlicht. ZZ Top steht groß in Graffiti-Lettern im Hintergrund und Skateboards baumeln an den Bühnenaufbauten links und rechts. Warum? Keine Ahnung. Übermütiger Skate-Punk wird es wohl nicht sein, den die beiden 144-Jährigen vortragen werden.
Sie steigen mit Got Me Under Pressure ein und schon sind alle Anwesenden hin und weg, wiegen sich im unbeschwerten Rhythmus. Mr. Gibbons ist wie immer Mr. Lässig in Person, während Mr. Francis kaum sein 18-saitiges Instrument beherrschen kann. ZZ Top haben auch immer etwas mit Selbstironie zu tun. Genau das ist die Zutat, die das Trio jeher so sympathisch macht. Und die locker-lässigen Swing-Einlagen der beiden Saiten-Groovisten.
Die Rough Boys sind gar nicht mehr so rough
Nach nicht einmal 10 Minuten können ZZ Top den Auftritt auf der Freilichtbühne als Sieg verbuchen. Trotzdem spielen sie weiter zum Tanze auf: Waitin‘ For The Bus, Jesus Just Left Chicago, Gimme All Your Lovin’ oder Pearl Necklace – allesamt nicht nur Klassiker, sondern auch Gute-Laune-Bringer. So dürfen sie auch mal bösesein verbreiten, weltweit, hamburgweit. Wenn das Böse so cool ist, kann es gar nicht so schlecht sein. Viele vor der Bühne sehen das ähnlich und lassen es die Band lautstark wissen.

Mr. Gibbons und Mr. Francis haben sichtlich Spaß an der Arbeit, albern rum, lassen den Blues und den Boogie sprechen, wie ihnen der Sound gewachsen ist. Wer kann dies schon von seinem Job sagen? Was vielleicht kindisch für ihr Alter wirken könnte, ist bei ZZ Top einfach nur nonchalant und mit einem Lächeln präsentiert. Auch wenn die Licks nicht mehr immer sicher aus dem Handgelenk fließen, dafür sind die Drum-Effekte überwältigend, im wahrsten Sinne des Wortes. Bei dem monströsen Bass-Beat, den sie ein paar Mal auffahren, bleibt schon mal der gesamte Sound auf der Strecke.
Locker lässig aus der Hüfte gerockt

Die Saiteninstrumente werden selbstverständlich immer synchron gewechselt, wie bei Brown Paper Bag oder Just Got Paid. Zwischendurch wird noch Mr. Francis, angeleitet von MC Gibbons, mit „Elwood“-Chören abgefeiert. Der Jungpund an den Drums wird nicht vorgestellt. Bei Legs, das auf eine relaxte Version von Sharp Dressed Man folgt, werden sogar die Plüsch-Gitarren aus den 80ern herausgekramt, was mit viel Applaus belohnt wird. Sehen noch ganz ordentlich aus nach 40 Jahren. Die Gitarren, die Jungs aber auch nach 77 Jahren.
Kurz Glitzer gegen noch mehr Glitzer getauscht, dann geht es in den Endspurt. Alle sind heiß auf den Countdown zu La Grande. Erst mal wird aber Brown Sugar gezockt, bevor das klassische Blues-Riff den ZZ-Top-Klassiker schlechthin einleitet. Mehr als 15 Songs in knapp 70 Minuten haben die drei Jungs rausgehauen. Zwischendrin ein wenig geschwoft, soliert, gerockt und ganz offensichtlich Spaß dabei gehabt. Was kann es an einem Donnerstagabend Lässigeres geben als ein ZZ-Top-Konzert auf der Freilichtbühne im Hamburger Stadtpark?












