Vertiginous stammen aus Indonesien und damit ist für mich die Frage der musikalischen Ausrichtung eigentlich schon geklärt. Das Duo, bestehend aus Hendika Dwi Prasetyo (alle Instrumente, u. a. auch bei Devouring Carnage und Death Artery tätig) und Sänger Jossi Bima (auch bei Pervaration und Departed), brachte nach der Gründung im Jahre 2023 ein Demo heraus und 2024 erschien dann das Debüt namens Reek Of Putrefaction On Excruciating Lust. Comatose Music erkannte die Qualität des Duos und nun kommt das Album Nummer zwei, welches auf den Namen Incessant Affliction hört.
Suffering, Misery And Slaughtering bestätigt dann auch meinen Verdacht bezüglich der musikalischen Entfaltung. Von der ersten Sekunde an scheppert es und es wird drauflosgeknattert. Brutaler Death Metal der amerikanischen Art, beziehungsweise mittlerweile wohl der indonesischen Art, denn dort wird diese Musikrichtung noch so richtig gelebt und abgefeiert. Die Vocals sind natürlich absolut guttural und nicht verständlich, so wie es sein soll. Von der ersten Sekunde an ist man auf Angriff fokussiert und bedient sich der typischen Stilmittel. Das kann gut klingen und tut es auch, sofern man natürlich der Richtung wohlgesonnen gegenübersteht. Kleines Break, dann Tokker-Snare mit Blastbeat-Attacke, grooviger Einschub mit technischem Anschlag, ein Slam-Part und wieder Geholze, um dann einen fetten Groover an den Tag zu legen. Mit technischem Gitarrenspiel baut man den Song wieder auf und blastet sich danach die Seele aus dem Leib. Immer nur kurz, damit der nachfolgende Slam eben die totale Vernichtung zelebriert. Und der Song hört irgendwie gar nicht auf. Es hat viele Wendungen und Wechsel inne, macht aber absoluten Spaß. Eine wilde Fahrt durch die Untiefen der Brutalität. Geiles Brett.
Ich liebe ja diese Tokker-Snare oder blecherne Snare oder wie man sie bezeichnen möchte. Meines Erachtens ist diese von Brodequin perfektioniert worden. Die Indonesier begeben sich in ähnliches Fahrwasser, auch natürlich beim nachfolgenden Song Tortured With Endless Despair. Kurzer Breakdown, ein gutturales Screaming und dann ab auf die Glocke. Ja, so muss das. Kurzes Break und weiter auf die Fresse. Dabei ist man rifftechnisch weit davon entfernt, stumpf zu klären. Der nächste harte Part ist sogar ein wenig progressiv, bevor man dann wieder den Vorschlaghammer herausholt und den Knüppel kreisen lässt. So geht es immer weiter und weiter. Das Tempo ist hoch, aber es werden immer wieder Breaks mit eingebaut und auch Obertöne. Ein kleines Bollwerk der fiesen Laune.
Und, oha, bei Mutilated With Anguishes ballert man ja auch drauflos ohne Ende. So geht brutaler Death Metal der alten Schule. Während viele Bands den Slam in den Vordergrund stellen, geht dieses Duo einen anderen Weg und lässt den Knüppel für sich sprechen, nimmt aber auch zur rechten Zeit immer wieder mal das Tempo rein und liefert astreine, technische Riffs ein, die das Songwriting bereichern und positiv ergänzen. Nach einem kleinen Basssolo dachte man, man verringert das Tempo, aber weit gefehlt. Kurze Zeit später scheppert man mal im Midtempo herum, aber auch nur kurz. Der Hammer muss ja kreisen und vor allem siegen.
Ziemlich krass geht es zum Beispiel beim Song Chaotic In The Weakend Reason zu. Hier klingen sie mal recht abwechslungsreich und liefern richtig fette Riffs ab und arbeiten auch mit einem groovigen Slampart. Man denkt, dann ist Schluss, aber dann wartet man wieder mit einem wilden und technisch anspruchsvollen Knüppelsong auf.
So geht es weiter und weiter, bis man dann die Fangemeinden von Disgorge, Devourment, Brodequin und Konsorten mit den 160 Sekunden Unclear Misery in den Feierabend sendet. Ein richtiger Doom-Song, nur andersrum. Knüppel raus und Attacke und am Ende ein Groove und ein langsames Geslamme. Darf und kann man so machen. Hellulujah!
Hier geht es für weitere Informationen zu Vertiginous – Incessant Affliction in unserem Time For Metal Release-Kalender.



