Event: Wacken Open Air 2026
Bands: 2Silent, 5th Avenue, 9mm Headshot, Acoustic Guerillas Feat. Ellerbek Pussyboys, Acoustic Steel, Ad Infinitum, Adrian Pauls Rockin‘ Roncalli Show, Airbourne, Alcest, Alestorm, Alfahanne, Alien Ant Farm, Alien Rockin‘ Explosion, Allt, Anaal Nathrakh, Angelus Apatrida, Animals As Leaders, Any Given Day, Arch Enemy, Arroganz, Ashed Winter, Asrock, Battlecreek, Bear Mccreary, Beyond The Beat DJ Team, Blaas Of Glory, Black Label Society, Black Tish, Blanket Hill, Bleed From Within, Blood Command, Blood Fire Death (Bathory Tribute), Blood Red Throne, Born Broken, Broken By The Scream, Brunhilde, Castle Rat, Cevret, Chaosbay, Corrosion Of Conformity, Corrupted Blood, Cowgirls From Hell, Craft, Crematory, Crimson Glory, Cruachan, Crypt Sermon, Cursed Abyss, Danko Jones, Days Of Ruin, Dead By April, Dead Memories, Deafheaven, Death Row, Def Leppard, Deflag, Die From Sorrow, Dieter „Maschine“ Birr, Dirty Shirt, Divlje Jagode, DJ Eric Hutchence, Doc Burner, Dovydas, Dragons & Pois Show, Dritte Wahl, Dry And Shattered, Dubioza Kolektiv, E.N.D., Einherjer, Eläkeläiset, Elchivo, Electric Bassboy, Emperor, Employed To Serve, Europe, Evil Jared & Krogi, Expellow, Faun, Finsterforst, Firespawn, Fit For An Autopsy, Focus, Force, Future Palace, Gágor, Gannondorf, Gidora, Given By The Flames, Goodnight Greatness, Grand Magus, Grell, Guilt Trip, Gutalax, H-Blockx, Hackneyed, Haine, Hämatom, Hardline, Hatebreed, Heartless Human Harvest, Heaven Shall Burn, Heavysaurus, Human Nebula, I See Red, In Flames, Insanity Alert, Invasion, Jäst, Jazz Sabbath, Judas Priest, Kadavar, Kalle 4 World Leader, Kärbholz, Katerfahrt, Kay Ray, Mr. Hurley Und Die Pulveraffen, Municipal Waste, Nevermore, Noiduin, Novelization, Orbit Culture, Our Promise, Out Of The Cage, Ozzyfied, P.O.D., Paleface Swiss, Paradise Lost, Pentastone, Phantom, Pig Destroyer, Poison The Preacher, Powerwolf, Ragetrack, Ricky Warwick, Rise Of Shadows, Rose Tattoo, Running Wild, Sabaton, Sacred Steel, Sagenbringer, Savatage, Saviourself, Saxon, Seers Of Light, Sentient Void, Sepultura, Sinamort, Sintram, Skyline, Skynd, Sót, Speak In Whispers, Spectral Wound, Stonem, Storm Seeker, Subway To Sally, System Of A Down By Anett & Livi Acoustic, T.H. And The Boneshakerz, Tales Of Nebelheym, Temple Of The Absurd, Ten56., The Butcher Sisters, The Crescent’s Call, The Gathering, The Hardkiss, The Haunted, The Hebridean Sheep, The Limit, The Other, The Troops Of Doom, The Trouble Notes, The Ukeboys, Therapy?, Thomas Nicholas Band, Thrown, Thundermother, Thy Art Is Murder, Tribute2Wacken, Triptykon, Trold, Turbonegro, Tuxedoo, Uli Jon Roth, Unzucht, Van Tastik, Vanir, Velvet Rush, Vended, Vika Goes Wild, Visions Of Atlantis, Vogelfrey, Vreid, Wacken Firefighters, Whizbow, Wildcover, Witchlords, Wüstenberg, Wytch Hazel, Xoxo, Year Of The Goat, Yngwie Malmsteen, Zeltinger Band
Datum: 29.07. – 01.08.2026
Genres: Power Metal, Symphonic Metal, Progressive Metal, Heavy Metal, True Metal, Metalcore, Dark Metal, Dark Rock, Black Metal, Death Metal, Thrash Metal, Speed Metal, Fun Metal, Folk Metal, Metal in allen Variationen, Christlicher Metal
Besucher: ca. 85.000
Kosten: Dreitagesticket ab 347 €
Ort: Wacken
Wie schnell doch ein Jahr vergeht. Kaum versieht man sich, steht bereits das nächste Wacken Open Air vor der Tür. Entgegen aller Erwartungen ist das Festival bis zum Start allerdings noch nicht ausverkauft. Woran liegt das? Sind die stetig steigenden Kosten schuld oder macht sich angesichts der schier unüberschaubaren Zahl an Festivals inzwischen eine gewisse Sättigung breit? Eine eindeutige Antwort darauf wird wohl niemand geben können.
Dabei bringt das Line-Up 2026 mit Sabaton, Judas Priest, Europe, Savatage und zahlreichen weiteren hochkarätigen Acts eigentlich alles mit, was ein erfolgreiches Festival braucht. Natürlich gibt es mittlerweile viele Alternativen und manche davon sind deutlich günstiger. Zudem bleibt es längst nicht beim Ticketpreis, denn Anreise, Verpflegung und Camping schlagen zusätzlich zu Buche. Dennoch war das Wacken Open Air über viele Jahre hinweg meist innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Auch ohne das begehrte „Sold Out“-Schild werden allein durch den Ticketverkauf rund 29 Millionen Euro umgesetzt. Das ist selbstverständlich kein Gewinn, denn dem stehen erhebliche Kosten gegenüber. Strom, Security, Helfer, Infrastruktur, behördliche Auflagen und viele weitere Ausgaben verschlingen einen beträchtlichen Teil der Einnahmen. Hinzu kommen Erlöse aus Merchandise, Standgebühren und den zahlreichen weiteren Angeboten auf dem Festivalgelände.
Bereits im Vorfeld sorgte zudem der Wechsel des Bierlieferanten für hitzige Diskussionen. Auch während der ersten Festivaltage bleibt dieses Thema unter den Besuchern immer wieder Gesprächsstoff. Doch nun richten wir den Blick auf das eigentliche Festivalgeschehen. Dieses beginnt schließlich nicht erst am Mittwoch, dem 29. Juli, sondern für viele Fans bereits am Sonntag. Im Wackinger Village finden schon ab diesem Zeitpunkt die ersten Konzerte statt und die Anreise läuft auf Hochtouren. Deshalb setzen wir unseren Bericht bereits dort an, den Schwerpunkt bilden jedoch selbstverständlich die Haupttage von Mittwoch bis Samstag.
Die ersten Festivaltage wurden von Norbert C. begleitet. Ab Mittwoch sind wir gemeinsam auf dem Gelände unterwegs. Sämtliche Fotos in diesem Bericht stammen dabei von Norbert.
Sonntag

Sonntag Anreisetag. Traditionell stehe ich gegen acht Uhr an der Registrierung. Mit dem Wohnmobil ist ein Aufbau nicht mehr notwendig, und so habe ich genug Zeit, um durch das Dorf in den Landgasthof zu laufen. Der Regen bindet den Staub der Vortage. Die Wacken Firefighters eröffnen wie immer das Festival. Die Wacken-Gründer Thomas Jensen und Holger Hübner sind anwesend und machen sich nützlich. Während Holger eine Begrüßungsrede hält, schleppt Thomas tablettweise Getränke für die Firefighters.
Nach dem Kurzauftritt von nur 25 Minuten läuft der Aufbau für die erste Band. T.H. & The Boneshakerz kommen aus Hagen und spielen einen ausgesprochen harten Bluesrock. T.H. steht für Tim Husung. Den Namen kennen viele als Schlagzeuger von John Diva & The Rockets Of Love. Seit seinem Ausstieg Ende 2021 steht er mit seiner neuen Band auf der Bühne.

Die nächste Band ist Dark Embrace, eine spanische Metal-Band aus A Coruña (Galicien), die ihren eigenen Stil als „Dark Heavy Metal“ bezeichnet. Die Gruppe existiert seit dem Jahr 2000 und verbindet Elemente aus Melodic Death Metal, Heavy Metal und düsteren, okkulten Einflüssen.
Ich verabschiede mich von den Boneshakerz und schaue noch einmal in den Saal. Dort fängt gerade ein deutsches Metal-Urgestein an. Mob Rules ist eine deutsche Power-Metal- und Melodic-Metal-Band aus Schortens in Niedersachsen und steht schon seit 1994 auf den Bühnen der Welt.

Ich nutze eine Regenpause, um die zweieinhalb Kilometer zur Welcome To The Jungle Stage zurückzulegen. Hier stehen die Acoustic Guerillas aus Kiel in einer besonderen Zusammensetzung auf der Bühne. Neben Maschine am Cajón und Rick Zombie am Bass steht Bruno T. Ford mit Gitarre am Mikro und ersetzt Napalm Dave.
Ich bleibe nicht lange, denn ich bin verabredet. Auf K2 stehen die Freunde von Metality in einem eigenen Camp und feiern ein Aufbaufest. Meine Freunde von Duett Gelöt spielen einen Secret-Gig, das Bier von Mr. Zapfanlage läuft. Sieben verschiedene Sorten lassen keine Geschmacksrichtung aus. Zurück am Pössl zeigt mir mein Schrittzähler 15 Kilometer an.
Montag

Heute ist Schongang angesagt. Erst gegen Mittag mache ich mich auf den Weg zum Wasteland. Hier spielen gerade Godzilla In The Kitchen aus Leipzig, die ursprünglich als instrumentale Progressive- und Psychedelic-Rock-Formation gegründet wurden und sich zu einem Alternative-Metal-Trio mit Gesang entwickelt haben. Hauptattraktion ist aber natürlich das Lager von MegaBosch. Die Band aus Hannover tritt auf ihrer eigenen Bühne zehn Mal sowie auf der großen Wastland Stage zwei Mal auf. Nächste Station ist die Wacken Plaza. Erst einmal schauen, was alles so angeboten wird. Als Nächstes sind meine Freunde im Wacken Foundation Camp an der Reihe. Der Female Fronted Rock e. V. hat dort zum ersten Mal eine Pagode und darf sich präsentieren. Hier lassen sich auch schon bekannte Gesichter blicken. Neben Chiara Tahnee, Sängerin der Band Pay Pandora aus Heide, wird auch Thomas Jensen begrüßt, der sich einen Eindruck der präsentierten Vereine macht.

Musikalisch bleibe ich an der Welcome To The Jungle Stage. Nach Mambo Kurt, der schon fast traditionell uns Fotografen auf die Bühne holt, steht Alien Rockin’ Explosion auf der Bühne. Die Showband spielt zuerst ihr eigenes Programm, bevor sie zur Begleitband von Maschines Late Night Show wird. Maschine hat heute das Geburtstagskind Holger Hübner, Mutz, Mambo Kurt und Harry Metal als Gäste auf seinem Sofa zu Gast. Zurück im Camp liege ich bei nur achteinhalb Kilometern.
Dienstag

Auch heute lasse ich es ruhig angehen, man sollte allerdings Pläne lesen können. Eigentlich wollte ich zu Mit Ohne Strom. Doch leider war ich genau eine Stunde zu spät und kam pünktlich zu den letzten Tönen an der Bühne an. Also erst mal wieder in die Shoppingmeile. Im viel gescholtenen Casino ist nicht viel los. Ich werde eingeladen, am Roulettetisch ein Spiel zu versuchen. Nach Erklärung der Regeln wage ich einen kostenlosen Einsatz. Gleich im dritten Spiel greife ich eine Powerbank ab. Geht doch … An der Pagode von meinen Freunden des Female Fronted Rock e. V. habe ich immer einen Ruhepol, bevor es zur Welcomeparty der Rendsburger Wackenfreunde geht. Hier gibt es eine Heavysaurus-Sondereinlage und günstiges Bier. Das benachbarte Wasteland startet zu einer Parade, was immer lohnend anzuschauen ist. Nun aber dann doch mal Musik. Auf der Welcome To The Jungle Stage verbreiten die The Ukeboys gute Laune.

Direkt im Anschluss starten Mandowar ihr Programm auf dem Firetruck in unmittelbarer Nachbarschaft. Die Jungs aus Wetzlar sind eine Akustik-Coverband, die bekannte Rock- und Metal-Hymnen in einen humorvollen Mix aus Country, Folk und Polka verwandelt. Nach dem Auftritt treffe ich das DJ Team Beyond The Beat, das von Jennifer Haben begleitet wird. Die beiden sind ja schließlich ihre Bandmitglieder. Gitarrist Chris Hermsdörfer rief dieses Projekt als Ausgleich zur Band ins Leben. Den Rest des Abends verbringe ich vor der Welcome To The Jungle Stage, höre mir den Hämatom-Live-Podcast Beichtstuhl an und bleibe noch bis zu Maschines Late Night Show. Zurück im Camp liege ich bei satten 15 Kilometern.

Der Mittwoch hat sich im Laufe der Jahre zu einem echten Festivaltag entwickelt, sodass bereits zahlreiche hochkarätige Acts auf dem Programm stehen. Traditionell öffnet das Infield um 15:00 Uhr, was bei dem traditionellen „Infield-Run“ vor allem den Fotografen wieder schöne Motive beschert. Die übrigen Bühnen werden bereits seit dem Vormittag bespielt, lediglich die beiden Main-Stages Faster und Harder starten erst am Nachmittag. Auf der Harder Stage finden am ersten Tag allerdings noch keine Konzerte statt. Zu den Höhepunkten des Mittwochs zählen The Gathering, Lacuna Coil und Hämatom. Den Auftakt machen traditionell The Firefighters auf der Wackinger Stage, während zur Mittagszeit Visions Of Atlantis auf der Louder Stage auftreten. Die Band wird später am Tag zudem noch ein Akustikset in der Metal Church spielen.

Nach Thundermother betreten auf der Louder Stage Lovebites die Bühne. Die fünf Musikerinnen aus Japan liefern klassischen Heavy Metal, der stilistisch irgendwo zwischen Helloween und Iron Maiden angesiedelt ist. Das geht ordentlich nach vorne, auch wenn die komplett weißen Bühnenoutfits zunächst etwas ungewohnt wirken. Ebenfalls interessant ist der Auftritt von Ricky Warwick auf der Wackinger Stage. Seine Songs erinnern stellenweise an die guten alten Thin Lizzy, was kaum überrascht, schließlich war er auch bei Black Star Riders sowie New Model Army aktiv. Entsprechend groß ist der Andrang vor der Bühne.

Auf dem Weg zurück zur Louder Stage höre ich noch kurz bei The Butcher Sisters hinein und frage mich ehrlich gesagt, was dort gerade passiert. Metal ist es nicht, Rap allein auch nicht und Klamauk ebenfalls nicht. Irgendwie ist es von allem etwas, ein wildes Crossover, das allerdings mehrere tausend Besucher vor die Bühne lockt. Nun ja, offenbar trifft die Band den Nerv ihres Publikums.
Ein paar Worte noch zum Wetter und den Bedingungen auf dem Gelände. Ausreichend Wasserstationen sind vorhanden, der Staub hält sich trotz der Trockenheit überraschend in Grenzen und zahlreiche schattige Sitzmöglichkeiten machen den Aufenthalt bei Temperaturen von gut 30 Grad deutlich angenehmer. Wasser scheint heute jedenfalls gefühlt häufiger über die Theken zu gehen als Bier.

Ich nutze die Zeit für einen Rundgang über das Festivalgelände. Das Areal ist weitläufig und bietet unzähligen Händlern Platz, ihre Waren anzubieten. Auch an Essensständen mangelt es nicht, wobei die festivaleigenen Angebote deutlich dominieren. Die Preise habe ich mir diesmal allerdings nicht genauer angesehen, da ich dort ohnehin nichts kaufen wollte. Bezahlt wird, wie in den vergangenen Jahren, bequem über den Chip im Festivalbändchen. Ein System, das sich inzwischen bewährt hat und für alle Beteiligten unkompliziert funktioniert, sofern man ihm vertraut. Schnell geht es auch noch mal zu EMP, um dort zumindest mal die geschenkte Wasserflasche aufzufüllen.
Vorbei geht es auch an der Wacken Foundation, die von Jahr zu Jahr größer wird. Erstmals ist in diesem Jahr auch der Female Fronted e. V. vertreten und erhält während des Festivals regelmäßig Aufmerksamkeit. Am folgenden Tag werden Brunhilde am Stand vorbeischauen, um den Verein zu unterstützen und dessen Anliegen zu fördern, mehr Frauen für Instrumente und das Mikrofon zu begeistern. Nun aber schnell zu The Gathering, einer Band, die ich spätestens seit ihrem Meilenstein Mandylion sehr schätze. Im Mittelpunkt steht natürlich Anneke van Giersbergen, deren außergewöhnliche Stimme bis heute nichts von ihrer Faszination verloren hat. Gespielt wird das komplette Album, ergänzt um einige weitere Perlen aus der Bandgeschichte. Weitere Bands stehen an diesem Tag für mich nicht mehr auf dem Programm. Für mich geht es anschließend noch einmal durch das Dorf, in dem ich mir eine günstige Mahlzeit gönne. Außerdem schaue ich bei Lautstark gegen Krebs vorbei, kaufe dort ein Bier inklusive Spende und unterstütze damit die Aktion. Danach ab nach Hause.

Den Donnerstag beginne ich ähnlich wie bereits den Mittwoch. Ich gehe erneut durch das Dorf, um mich an dem bunten Treiben zu erfreuen. Dabei gibt es immer wieder Neues zu entdecken, aber auch Altbewährtes ist natürlich zu finden. Mein Lieblingsburgerstand wird selbstverständlich besucht und der Cheeseburger für 4,50 € ist seinen Preis absolut wert. Dazu gibt es nebenan ein Bier für 2,50 € pro 0,3 Liter. Auf den halben Liter umgerechnet sind das knapp 4 € und damit rund 2,90 € weniger als auf dem Festivalgelände. Außerdem schmeckt es auch noch besser.
Ich treffe auf Roberto Tuchetto und Bärbel Jürgens, die ich beide schon lange nicht mehr gesehen hatte. Beide warten am Stand von Lautstark Gegen Krebs gemeinsam mit einigen anderen Pressevertretern auf Ministerpräsident Daniel Günther, der Wacken seine Aufwartung macht. Ebenfalls vor Ort ist Pamela Braun, Bürgermeisterin von Wacken, mit der ich vielleicht noch ein paar Worte wechseln kann. Kennengelernt habe ich sie bereits im vergangenen Jahr, als sie gemeinsam mit Frank Rosin für ein neues TV-Format durch die Dorfstraße ging. Damals flüchtete ich wie sie und Rosin vor einem einsetzenden Regenschauer in einen Hauseingang und kam dabei mit ihr ins Gespräch.

Nach dem kleinen Plausch gehe ich weiter zum Festivalgelände. Das sind immer gut zwei Kilometer durchs Dorf und aus nahezu jedem zweiten Haus schallt andere Musik. Dazwischen turnen überall Kinder herum und sammeln Pfanddosen, um den Erlös später zu spenden.
Zu etwas muss das Pressebändchen ja gut sein, und so komme ich über einen etwas kürzeren Weg auf das Gelände. Ansonsten ist der Vorteil, zur Presse zu gehören, verschwindend gering. Andere ebenfalls nutzbare Wege darf man wiederum nicht benutzen, was sich nicht immer nachvollziehen lässt. Glaubt man den Kollegen im ehemaligen Pressebereich, der heutigen Wacken United, in der sich mittlerweile alles Mögliche tummelt, ist auch die Vergabe der Fotopässe eingeschränkt worden. Zudem sollen so viele Fotografen vor Ort sein, dass bei fast allen Bands auf den Hauptbühnen in zwei Gruppen fotografiert werden muss. Da ich ohnehin nicht fotografiere, ist mir das letztlich egal. Im Pressebereich treffe ich dann auch noch Andrea und Bastian. Kurz vor knapp kommt auch Alexander Stocks vorbei, um den Auftritt von Yngwie Malmsteen zu verfolgen. Anschließend stehen für ihn noch ein oder zwei Interviewtermine an, während ich noch etwas über das Gelände streife.

Bei meiner Ankunft haben Therapy? bereits gespielt und die gut besuchte Show zeigt einmal mehr, wie gut hier die unterschiedlichsten Musikgeschmäcker bedient werden. Es geht weiter zur Harder Stage, auf der gleich der ehemalige Scorpions-Gitarrist Uli Jon Roth, der seit vielen Jahren erfolgreich solo unterwegs ist, spielen wird. Es soll eine 50th Anniversary Virgin Killer Show werden und ich bin gespannt. Im Laufe des Sets kommen noch einige Gastsänger dazu. Roland Grapow, Nathan James und Johanna Sadonis wechseln sich bei den Songs am Mikrofon ab.

Weiter geht es zu den Bühnen W:E:T und Headbangers, auf denen unter anderem das Metal Battle stattfindet. Ich verweile dort allerdings nicht lange und gehe weiter zur Faster Stage, um Yngwie Malmsteen zu hören und zu sehen. Es ist bereits gut gefüllt, als der Saitenhexer beginnt. Er übernimmt den Gesang selbst, doch im Mittelpunkt steht natürlich sein beeindruckendes Gitarrenspiel. Nach fast jedem Song wird die Gitarre gewechselt, bevor es direkt weitergeht. Viele klassische Einflüsse und unzählige Soli begleiten den Auftritt. Irgendwann suche ich dann doch wieder den Weg zurück. Da ich auch heute nicht bis zu den Headlinern bleiben werde und sich der Himmel zunehmend bedrohlich verdunkelt, möchte ich zumindest noch Europe abwarten. Während ich auf den Auftritt der The-Final Countdown-Erfinder warte, gehe ich über die Wasteland Area, auf der zurzeit allerdings kaum etwas los ist. Nur auf der Wasteland Stage spielen Wytch Hazel, eine komplett in Weiß auftretende, christlich geprägte Band, die jedoch erstaunlich viele Anhänger hat. Musikalisch gibt es eine gelungene Mischung aus Hard Rock und Heavy Metal, die sich wirklich hören lassen kann.

Zum ersten Mal ist es vor den beiden Hauptbühnen richtig voll. Europe ziehen die Massen an und das merkt man an den Zehntausenden, die ins Infield strömen. Mit On Broken Wings und Carrie beginnen die Schweden ihr Set. Überall wird mitgesungen und der inzwischen seit 1979 existierenden Band gehuldigt. Auch wenn sie sich zwischenzeitlich für neun Jahre zurückgezogen hatten, sind sie heute nach wie vor eine ernstzunehmende Band, die weit mehr zu bieten hat als nur The Final Countdown. Eigentlich wollte ich auch Savatage noch sehen, doch angesichts der Wetterlage trete ich bereits nach den ersten Songs von Europe den Heimweg an. Im Dorf höre ich dann noch The Final Countdown, während die ersten Regentropfen niedergehen. Es bleibt allerdings nur ein kurzer Schauer und die Straße wird nicht einmal richtig nass. Dennoch sorgt der Regen für angenehmere Temperaturen und vertreibt die schwülen 33 Grad des Nachmittags. Kollege Norbert steht derweil teilweise bei anderen Bands im Fotograben. Sein Tag beginnt schon bei den H-Blockx und Skyline. Nach Therapy? und Uli Jon Roth geht es noch zu Brunhilde und Godzilla In The Kitchen in die Wasteland Area. Zum Feierabend geht es dann für ihn zum Female Fronted Rock e. V., bei dem Brunhilde einen halbstündigen Akustik-Gig in voller Besetzung spielt.

Nachdem gestern bereits die ersten 14 Bands für 2027 angekündigt wurden, darf man gespannt sein, wie sich der Vorverkauf ab Sonntag darstellt.
Der heutige Freitag bringt einige Highlights mit sich. Da sind zunächst das selbstlose Budweiser-Testtrinken und dann natürlich noch musikalische Höhepunkte wie Saxon, In Flames oder Black Label Society. Zunächst geht es wie gewohnt nicht zu spät nach Wacken, trotzdem ist die Parkplatzsuche schwierig. Der Weg ist etwas weiter, aber noch immer machbar. So komme ich gegen 16:00 Uhr aufs Infield und sehe noch etwas von Danko Jones. Auch Mantar nehme ich auf der Louder Stage noch mit. Heute spare ich mir die Wege über die Verkaufslandschaften, denn die habe ich mir ja bereits angesehen. Es geht noch einmal in den Pressebereich, wo ich Ariane Blumenau treffe, die dieses Jahr wohl einen Fotopass hat, aber wie einige andere, auf den Pit-Pass verzichten muss. Das bedeutet, dass für die Hauptbühnen schon morgens an einem der wenigen Zugänge angestanden werden muss. Bin ich froh, dass ich das nicht mehr mitmachen muss. Sollen alle fotografieren, wie sie wollen. Ich tue mir diesen Stress nicht an, vor allem wegen der immensen Wege, wenn man einigermaßen vernünftige Fotos machen möchte. Aber das scheint ja so gewollt zu sein. So kann ich entspannt vor die Bühnen gehen, hier und da mal etwas anschauen und dann weiterziehen. Für Eindrücke reicht es allemal.

Nun mache ich mich auf den Weg zu Black Label Society, die auf der Faster Stage spielen. Der gute Zakk Wylde liefert wieder ein Klanggewitter erster Güte ab, wenn man sich denn auf so gitarrenlastige Songs einlässt. Das tun viele, denn der ehemalige Ozzy-Osbourne-Gitarrist weiß genau, wie es geht. Ich verlasse trotzdem zeitig meinen Platz vor der Bühne, um zur Harder Stage zu wandern und dort einen Platz weiter vorn zu ergattern. Saxon werden gleich auftreten und das ist eher meine Welt. Biff Byford hat dann auch alles im Griff, und wenn der Frontmann Unterstützung vom Publikum fordert, bekommt er sie. Das Infield vor der Harder Stage ist entsprechend voll und zu Songs wie Wheels Of Steel, Crusader und Denim And Leather lässt es sich hervorragend bangen. Da haben es andere Bands schwer, gegenzuhalten. Ich bleibe, bis Princess Of The Night das Set beendet. Danach werden die von Biff Byford eingesammelten Kutten wieder ihren Besitzern übergeben.

Und nun wird es noch einmal so richtig voll. In Flames ziehen jede Menge Publikum an und so ist es nicht verwunderlich, dass das Infield brechend voll ist. In Flames mögen auf Platte nicht mehr ganz an die vergangenen Jahre anknüpfen, live sind sie aber noch immer eine Macht. Es gibt Songs von immerhin elf Alben, was einer echten Rundum-Bedienung entspricht. Ein gelungener Auftritt der Schweden.
Nun kommt mein Selbstversuch mit dem Anheuser-Bush Bud Bier. Ich hab noch gute 9 Euro auf meinem Bändchen und das investiere ich in das Bier. 6,90 € plus 2 € Pfand und mit zehn Cent auf dem Chip versuche ich den ersten Schluck. Naja, eigentlich ganz ok, aber bereits ab dem nächsten Schluck merke ich, dass es nicht lecker ist. Kalt genug, aber irgendwie nicht wirklich Bier. Es fehlt etwas. Das schmeckt mir nicht, und so landet der Rest im Grün. Dann eben nachher im Dorf noch ein richtiges Bier. Leider darf man die Becher nicht als Trinkgeld zurückgeben, sodass ich nun wieder ein Guthaben von 2,10 € habe.

Ich mache mich langsam auf den Rückweg, denn bis Judas Priest anfangen, dauert es mir zu lange, und außerdem sind einfach zu viele Menschen um mich herum. Somit komme ich noch in den Genuss, das Dorffest zu erleben. Seit drei Tagen feiert Wacken in der Dorfstraße, und das kommt einem Volksfest schon sehr nahe. So viele Menschen, die einfach nur flanieren, Kinder, Hunde und sehr viele Einheimische, die das einmal im Jahr stattfindende Spektakel genießen. Nach Wurst und Pils fahre ich für heute nach Hause und sehe mir das eine oder andere ganz entspannt via MagentaTV an.

Der heutige Samstag erweist sich erneut als nicht ganz so warm, was dem Festival und den Menschen natürlich zugutekommt. Im Dorf ist es rappelvoll und der kommerzielle Erfolg dürfte gesichert sein. Andernfalls würde sich der ganze Aufwand wohl kaum lohnen. Musikalisch gibt es heute mit Sabaton einen tollen Headliner, aber auch Arch Enemy sowie die bereits vor dem Mittag auftretenden Heavysaurus laden zum Verweilen ein. Natürlich braucht es dafür das entsprechende Durchhaltevermögen, wobei Camper, sofern sie nicht allzu weit entfernt wohnen, zwischendurch auch einmal eine Pause auf ihrem Campingplatz einlegen können. Richtig klasse ist zur Frühschoppenzeit zudem der Auftritt von Torsten Sträter, der dem Metal bekanntlich alles andere als abgeneigt ist. Weitere Highlights sind Kittie, Nevermore sowie Kärbholz.

Bilder vom Kollegen Norbert gibt es noch von den australischen Airbourne, Lamb Of God sowie dem Beitrag Witches Of Wacken, der wieder den Bezug von Frauen im Showbiz, insbesondere Rock und Metal beleuchtet. Hier sitzt neben Sabrina Classen (Ex-Holy Moses) auch Alissa Whithe-Gluz auf der Bühne. Somit ist auch am Samstag wieder für jeden Geschmack etwas dabei.










































































