Mit Verbolgen schlagen Hulder ein neues Kapitel auf, ohne die eigenen Wurzeln zu verleugnen. Das dritte Album der Band ist am 07.08.2026 über das Label Season Of Mist erschienen und ist sowohl auf CD als auch auf schwarzem und farbigem Vinyl erhältlich. Hinter dem Projekt steht weiterhin Marliese „Marz“ Beeuwsaert, die mit ihrem frostigen, vom skandinavischen Black Metal geprägten Klangbild längst eine eigene Handschrift entwickelt hat. Allerdings ist Hulder inzwischen kein reines Soloprojekt mehr: Ihr Mann Sam Osborne alias Necreon ist nun offiziell als kreativer Partner und Bassist Teil der Besetzung. Bereits zuvor war er als Musiker an Hulders Seite aktiv, auf dem dritten Album ist seine Beteiligung jedoch deutlich stärker spürbar.
Zwischen Raserei und Ritual
Musikalisch bleibt Verbolgen (übersetzt aus dem niederländischen so viel wie zornig, erzürnt, wütend oder erbost) tief im traditionellen Black Metal verwurzelt. Kalte Tremolo-Gitarren, rasende Schlagzeugattacken und Marz’ charakteristisches, grollendes Organ bilden das Fundament. Gleichzeitig erweitern Hulder den eigenen Kosmos um eine deutlich ausgeprägtere folkloristische und rituelle Ebene. Akustische Gitarren, Flöten, Keyboards und insbesondere die Drehleier von Gastmusiker Keld verleihen den neun Stücken eine archaische Atmosphäre, ohne dabei in folkloristischen Kitsch abzudriften. Weitere Gastmusiker sind Vapula (der Live-Schlagzeuger der Band), der sich mit Vrolok (Aeternus, Gorgoroth) die Schlagzeugparts teilt. Die Flötenparts wurden von Ianuaria als Session-Musikerin eingespielt.
Schon das zunächst knisternde Drie Raven wirkt wie das Entzünden eines längst erloschen geglaubten Feuers, bevor The Crowning mit mächtigen Riffs und donnernden Drums losbricht. Im weiteren Verlauf zeigt sich, wie geschickt Hulder zwischen Raserei und getragenen Passagen wechseln. Thy Binding Oath nimmt deutlich Tempo heraus und entwickelt eine beinahe beschwörende Wirkung, während der Titeltrack Verbolgen anschließend mit besonders bissigem Oldschool-Black-Metal-Angriff aufwartet.
Frostige Härte trifft auf Melancholie
Besonders stark präsentiert sich das Album dort, wo Härte und Melodie ineinandergreifen. In Blood And Earth verbindet treibende Riffs mit akustischen und folkloristischen Elementen, Den Nacht Zijn Lied überrascht mit verspielten Leadgitarren. View From Nemeton gehört schließlich zu den Höhepunkten: Marschierende Rhythmen, unheilvolle Keyboards, rasende Gitarren und ein atmosphärischer Klargesang verdichten sich zu einem Stück, das gleichzeitig kämpferisch und melancholisch wirkt.
Überhaupt liegt unter der frostigen Oberfläche von Verbolgen eine bemerkenswerte Schwermut. Selbst die aggressivsten Momente wirken nie eindimensional. Das abschließende Instrumental The Glow Of Dawn lässt das Album schließlich beinahe versöhnlich ausklingen und setzt einen ruhigen Kontrapunkt zur zuvor entfesselten Energie.
Hulder entwickeln den eigenen Sound konsequent weiter, ohne dessen Identität aufs Spiel zu setzen. Die Mischung aus klassischem Black Metal, archaischer Folklore, Melancholie und epischer Atmosphäre funktioniert erstaunlich organisch.
Hier! geht es für weitere Informationen zu Hulder – Verbolgen in unserem Time For Metal Release-Kalender.



