Venom – Into Oblivion

01.05.2026 - Heavy Metal, Speed Metal, Black Metal - Noise Records - 43:47 Minuten

Ganze wenige Bands haben den Metal so nachhaltig geprägt wie Venom. 1979 im englischen Newcastle gegründet, legte das Trio um Cronos mit den ersten drei Alben Welcome To Hell, Black Metal und At War With Satan das Fundament für das, was später als Extreme Metal bezeichnet werden sollte. Vor allem Black Metal von 1982 war weit mehr als nur ein Albumtitel. Der Name wurde zum Genrebegriff, der Einfluss auf Generationen von Bands ist bis heute unüberhörbar. Ob Bathory, Metallica, Slayer, Kreator, Darkthrone oder Mayhem, sie alle verdanken Venom auf die eine oder andere Weise etwas.

Mittlerweile steht mit Into Oblivion bereits Studioalbum Nummer 16 in der Diskografie. Nach acht Jahren seit Storm The Gates meldet sich die Band in ihrer inzwischen langjährig eingespielten Besetzung mit Cronos, Rage und Dante zurück. Veröffentlicht über Noise Records, das Label, das bereits in den Achtzigern zahlreiche legendäre Metal-Veröffentlichungen betreute, knüpft das Album bewusst an die eigene Vergangenheit an, ohne dabei vollständig in Nostalgie zu versinken.

Zwischen Tradition und Alterswerk

Wer bei Into Oblivion auf große Experimente hofft, wird schnell merken, dass Venom daran überhaupt kein Interesse haben. Stattdessen liefern Cronos und seine Mitstreiter genau das, was man von ihnen erwartet: dreckigen Heavy Metal, Speed Metal und Proto Black Metal mit jeder Menge Energie, rauen Riffs und diesem unverwechselbaren Venom-Flair.

Gleich der eröffnende Titeltrack Into Oblivion kommt mit ordentlich Druck und macht direkt klar, wohin die Reise geht. Besonders auffällig ist dabei die Produktion. Sie klingt deutlich transparenter als auf vielen früheren Veröffentlichungen, ohne die notwendige Portion Schmutz und Kanten zu verlieren. Cronos’ Bass arbeitet sich angenehm durch den Mix, während Dante mit seinen Double-Bass-Attacken dem Material ordentlich Vortrieb verleiht.

Mit Lay Down Your Soul folgt die erste große Verbeugung vor der eigenen Geschichte. Der Song erinnert nicht zufällig an die frühen Achtziger und dürfte live hervorragend funktionieren. Überhaupt lebt das Album häufig von genau diesen Momenten. Venom zitieren ihr eigenes Erbe, ohne sich komplett darin zu verlieren. Das funktioniert nicht immer perfekt, sorgt aber regelmäßig für ein breites Grinsen.

Die Stärken liegen im Songwriting

Je weiter das Album voranschreitet, desto deutlicher wird, dass Into Oblivion seine besten Momente dann hat, wenn Venom etwas mehr Abwechslung zulassen. Nevermore bringt zusätzliche Dynamik ins Spiel, während Man & Beast mit seinem schweren Groove fast schon an die düstereren Momente der frühen Bandgeschichte erinnert.

Besonders gelungen finde ich Death The Leveller, das die klassische Venom-DNA aus Speed Metal, NWOBHM und rotziger Attitüde nahezu perfekt einfängt. Auch As Above So Below hinterlässt Eindruck. Der Song nimmt sich etwas mehr Zeit, entwickelt Atmosphäre und gehört für mich zu den stärkeren Stücken der Platte.

Überraschend stark ist zudem Kicked Outta Hell, das trotz seiner Einfachheit enorm viel Charme besitzt. Hier zeigt sich, warum Venom bis heute für sich und bei so vielen Fans funktionieren. Die Band klingt nie geschniegelt oder kalkuliert, sondern immer ein wenig wie drei Typen, die einfach machen, worauf sie Lust haben.

Allerdings offenbart dieses Album auch seine Schwächen. Nicht jeder Song bleibt dauerhaft hängen und einige Ideen wirken doch auch allzu vertraut. Man merkt stellenweise, dass Venom heute eher ihr eigenes Vermächtnis verwalten als neue Kapitel schreiben. Das muss nicht zwingend schlecht sein, verhindert aber eine höhere Wertung.

Eine Band, die niemandem mehr etwas beweisen muss

Was mir an Into Oblivion gefällt, ist die Ehrlichkeit. Venom versuchen nicht, moderner zu klingen, als sie sind. Sie jagen keinen Trends hinterher und orientieren sich nicht daran, was aktuelle Extreme-Metal-Bands gerade machen. Stattdessen spielen sie genau den Stil, den sie vor Jahrzehnten selbst mitgeprägt haben.

Cronos klingt dabei erstaunlich fit. Natürlich hat seine Stimme nicht mehr die jugendliche Aggressivität der frühen Achtziger, doch der charakteristische raue Ton ist weiterhin sofort erkennbar. Zusammen mit Rage und Dante entsteht eine Spielfreude, die man dem Album jederzeit anhört.

Am Ende wirkt Into Oblivion wie ein selbstbewusstes Alterswerk einer Band, die ihren Platz in der Metalgeschichte längst sicher hat. Es erreicht nicht die historische Bedeutung der frühen Klassiker und wird auch keine zweite Black Metal oder Welcome To Hell, muss es aber auch gar nicht.

Hier geht es lang für weitere Informationen zu Venom – Into Oblivion in unserem News-Artikel zum Album.

Venom – Into Oblivion
Fazit zu Into Oblivion
Into Oblivion ist kein revolutionäres Album geworden, aber ein überzeugendes Lebenszeichen einer der wichtigsten Bands der Metalgeschichte. Venom setzen auf ihre bewährten Stärken, liefern einige starke Songs ab und zeigen, dass sie auch nach fast fünf Jahrzehnten noch genügend Feuer besitzen. Wer Innovation sucht, wird hier nicht fündig werden. Wer jedoch klassischen Venom-Sound mit zeitgemäßer Produktion hören möchte, bekommt genau das, was er erwartet.

Anspieltipps: Into Oblivion, Death The Leveller und Kicked Outta Hell
Dave S.
7.1
Leserbewertung0 Bewertungen
0
7.1
Punkte