Slaughter To Prevail am 02.08. LKA Longhorn Stuttgart

Brutal und kompromisslos bei 40°+

Eventname: Summer 2026 UK & Europe Tour

Headliner: Slaughter To Prevail

Support: Chained Saint, Vended

Ort: LKA Longhorn

Datum: 02.08.2026

Kosten: 57,75 €

Genre: Deathcore

Setlist Slaughter To Prevail:

1. Intro Voron
2. Bonebreaker
3. Banditos
4. Russian Grizzly
5. Viking
6. Bratva
7. Baba Yaga
8. Drumsolo
9. Demolisher
10. Kid Of Darkness
11. Behelit
12. Conflict

Das LKA wirkt heute schon eine gute halbe Stunde vor Einlass auf der Straße bereits deutlich voller als bei vielen anderen Konzerten, die ich hier in den vergangenen Jahren besucht habe. Es gibt bereits eine Schlange vor dem Eingang und egal wohin man schaut, überall fallen Shirts von Slaughter To Prevail ins Auge. Das Konzert ist restlos ausverkauft und die Vorfreude entsprechend riesig. Kein Wunder – die russische Deathcore-Maschine gehört aktuell zu den umstrittensten, aber auch gefragtesten Bands des Genres. Für mich wird es ebenfalls endlich Zeit, Alex Terrible und seine Mitstreiter live zu erleben. Nach den starken Veröffentlichungen der vergangenen Jahre bin ich gespannt, ob die Band ihren brachialen Sound auch heute so kompromisslos auf die Bühne bringt.

Chained Saint – LKA Longhorn – Stuttgart

Den Anfang machen allerdings zunächst Chained Saint. Ehrlich gesagt konnte mich die Band im Vorfeld beim Reinhören auf Spotify nur bedingt überzeugen. Umso überraschter bin ich bereits nach wenigen Minuten ihres Auftritts. Live entwickelt das Quartett eine Energie, die auf den Studioaufnahmen nur schwer einzufangen ist. Musikalisch fühlt sich das fast wie eine Zeitreise an. Klassischer Thrash Metal mit modernen Einflüssen und gleichzeitig gespielt von einer Band, deren Mitglieder gerade einmal Anfang zwanzig sind. Irgendwie trifft hier Vergangenheit auf Zukunft – und genau das funktioniert erstaunlich gut. Auch das Publikum scheint das ähnlich zu sehen. Bereits ab Song Nummer 1 beginnen die ersten Reihen mitzugehen und spätestens gegen Ende des Sets gibt es Crowdsurfer und verdienten Applaus für einen Support, den vermutlich nicht jeder auf dem Schirm hatte.

Vended - LKA Longhorn - Stuttgart
Vended – LKA Longhorn – Stuttgart

Nach einer kurzen Umbaupause betreten Vended die Bühne. Im Longhorn wird es jetzt spürbar voller und auch die Stimmung zieht weiter an. Die Band muss sich seit ihrer Gründung regelmäßig mit Slipknot-Vergleichen auseinandersetzen, besteht aber darauf, ihren eigenen Stil voranzutreiben. Trotzdem fällt es schwer, die offensichtlichen Parallelen komplett auszublenden. Vor allem Sänger Griffin Taylor erinnert mit seiner Stimme unweigerlich an seinen Vater Corey Taylor. Das soll seine Leistung allerdings keineswegs schmälern. Ganz im Gegenteil. Griffin liefert eine intensive Performance ab und bewegt sich mit einer Selbstverständlichkeit über die Bühne, als würde er seit zwanzig Jahren nichts anderes machen. Für mich ein wenig zu sehr von sich selbst überzeugt, aber naja. Zusammen mit den kompromisslosen Riffs entwickelt sich schnell eine Dynamik, die das Publikum auf jeden Fall feiert. Die ersten Circlepits entstehen und spätestens jetzt ist die Halle endgültig auf Betriebstemperatur.

Während die Crew die Bühne für den Headliner vorbereitet, steigt die Spannung im Longhorn merklich an. Es wird immer schwieriger, einen Platz mit guter Sicht vor der Bühne zu bekommen. Die letzten Umbauarbeiten laufen, das Licht geht langsam aus und plötzlich ertönt das Intro. Slaughter To Prevail betreten die Bühne. Alex Terrible und seine Bandkollegen erscheinen – wie gewohnt – mit ihren Masken, die mich immer etwas an The Purge erinnern. Ich gehe aber mal davon aus, dass heute eher die Temperatur in der Halle für Verluste sorgen wird.

Slaughter To Prevail - LKA Longhorn - Stuttgart
Slaughter To Prevail – LKA Longhorn – Stuttgart

Der Opener Bonebreaker startet allerdings nicht ganz so, wie sich das Band und Publikum vorgestellt haben. Schon nach kurzer Zeit wird deutlich, dass es technische Probleme gibt. Die Anlage ist aus und die Band unterbricht den Song schließlich. Für einen kurzen Moment herrscht Unsicherheit, ehe die Musiker die Bühne verlassen und die Techniker vermutlich gerade nicht nur wegen der 45 Grad einen Schweißausbruch bekommen. Glücklicherweise dauert die Unterbrechung nur wenige Minuten. Als die Band zurückkehrt, beginnt Bonebreaker einfach noch einmal von vorne. Die Entscheidung wird vom Publikum mit lautem Jubel quittiert und spätestens jetzt kann der Abend endlich richtig beginnen.
Mit Banditos, Russian Grizzly und Viking zeigt sich schnell, warum Slaughter To Prevail aktuell zu den spektakulärsten Livebands im Deathcore zählen. Was hier aus den Boxen drückt, ist schlicht gewaltig. Trotz aller Brutalität bleibt der Sound überraschend klar. Alex Terrible dominiert die Bühne nahezu über die komplette Spielzeit. Seine Growls gehören auch live zu den beeindruckendsten der gesamten Szene und wirken teilweise, als wären sie direkt aus der Hölle entsprungen.

Slaughter To Prevail – LKA Longhorn – Stuttgart

Bei Bratva und Baba Yaga erreicht die Stimmung ihren nächsten Höhepunkt. Mittlerweile fliegen regelmäßig Crowdsurfer über den Graben, während sich im Innenraum ein Circlepit nach dem anderen öffnet. Es gibt einen kurzen Moment zum Durchatmen und es wird Wasser an die Besucher vor dem Bühnengraben verteilt, um das Ganze überhaupt überstehen zu können. Schlagzeuger Evgeny Novikov ist jetzt mit einem Drumsolo am Start, bevor mit Demolisher der wohl bekannteste Song der Band folgt. Mit Kid Of Darkness, Behelit und dem finalen Conflict bleibt das Tempo bis zur letzten Minute hoch. Die Band verzichtet auf große Ansagen und lässt stattdessen lieber die Musik sprechen. Genau das passt hervorragend zum kompromisslosen Charakter der Show. Knapp 70 Minuten nach dem Neustart von Bonebreaker endet ein Konzert, das trotz des holprigen Beginns kaum Wünsche offenlässt.

Mein Fazit fällt entsprechend eindeutig aus. Slaughter To Prevail beweisen erneut, warum sie momentan zu den spannendsten Bands der modernen Deathcore-Szene gehören. Die technische Panne zu Beginn war schnell vergessen und tat der Stimmung letztlich keinen Abbruch. Wer kompromisslosen Deathcore mit einer beeindruckenden Bühnenpräsenz erleben möchte, kommt an Slaughter To Prevail derzeit kaum vorbei.