Manche Bands schaffen nach einer Reunion den Sprung aus der eigenen Vergangenheit nicht. Sie verwalten ihr Erbe, spielen ihre Klassiker und veröffentlichen Alben, die klingen, als seien sie in ihrer eigenen Zeitkapsel hängen geblieben. Exumer haben sich dagegen seit ihrer Rückkehr kontinuierlich weiterentwickelt, vor allem gefestigt. Die bisherigen drei Studioalben seit der Wiedervereinigung zeigen eine Band, die den naiv-krawalligen Charme von Possessed By Fire und Rising From The Sea nie völlig abgelegt hat, ihre Musik aber deutlich moderner, druckvoller und professioneller präsentiert. Mit Death Mask Messiah setzt der deutsche Thrash-Metal-Fünfer diesen Weg konsequent und selbstbewusst fort.
Altes in neuen Tassen?
Die elf neuen Songs wirken wie die natürliche Fortsetzung dessen, was sich Exumer auf den drei Vorgängern erarbeitet haben. Die wilde Energie der Achtziger ist nach wie vor vorhanden, wird jedoch durch ein ausgereifteres Songwriting und eine zeitgemäße Produktion aufpoliert. Die Suche nach Überraschungen oder Experimenten ist vergeblich – nicht ganz, denn im Rausschmeißer Unchained Angel wird es teilweise ungemütlich modern mit teilweise käsigem Groove Metal. Insgesamt ist aber handwerklich überzeugender und leidenschaftlicher Thrash Metal auf einem stringent einheitlich überdurchschnittlichen Niveau ohne unnötiges Fett zu finden. Genau das dürfte für viele Fans eher ein wohlwollender Vorteil als ein Nachteil sein. Einzig die gutgemeinten Crew-Shouts wirken mit dem übermäßigen Hall ziemlich aufgesetzt.
Neues in alten Tassen?
Das Material bewegt sich durchgehend im klassischen Thrash-Metal-Fahrwasser. Rasante Riffs treffen auf eingängige Refrains, aggressive Geschwindigkeit wechselt sich mit groovenderen Passagen ab, ohne dass sich die Band zu einem Konstrukt aus ihrer Vergangenheit und ihrer Zukunft verbiegt. Gerade darin liegt eine der größten Stärken von Death Mask Messiah. Die Platte versucht nicht, das Genre neu zu definieren, sondern liefert genau das, was Exumer seit ihrer Rückkehr ausmacht: schnörkellosen, ehrlichen und grund-fucking-soliden Thrash Metal. Die elf Stücke spannen die stählerne Brücke vom Alten in das Neue. Sie erinnern an die ungestümen Anfangstage, mehr aber an die gereifte Variante der Band im neuen Jahrtausend.
Ein bisschen Altes, viel Neues – topaktuell!
Ein entscheidender Faktor bleibt dabei Mem von Stein. Seine energische und unverwechselbare Stimme ist inzwischen das eigentliche Markenzeichen von Exumer. Wo andere Frontveteranen hörbar abbauen, klingt sein Vortrag noch immer bissig, kampflustig und voller Überzeugung. Er verleiht den Songs Charakter und Wiedererkennungswert, selbst dann, wenn sich einige Nummern im Laufe der Spielzeit nicht dauerhaft im Gedächtnis festsetzen wollen. Von druckvollem Gesang über wütende Stakkato-Shouts bis hin zu Hardcore-Gebell reicht der Ausdruck des letzten Original-Mitglieds. Bei Frozen Ground zum Beispiel gibt er dem Song so einen herrlich bösen Unterton.
Hier geht es lang für weitere Informationen zu Exumer – Death Mask Messiah in unserem Time For Metal Release-Kalender.



