Runemagick – After Chaos: Nocturnal Vigil

18.09.2026 - Doom Death Metal - Hamerheart Records - 86:02 Minuten

Ex‑Sacramentum– und Ex‑Deathwitch-Member Nicklas Rudolfsson ist gerade in mehreren Bands und Projekten aktiv, aber seit 1990 frönt er schon seiner Leidenschaft, die eigenen Vorstellungen alleine umzusetzen. 1990 gestartet unter dem Banner Desiderius, nannte er die Band kurze Zeit später in Runemagic um, löste sie 1993 wieder auf, fing dann 1997 wieder an, nun mit dem Namen Runemagick. So ging es bis zum Jahre 2007. Und fleißig war er auch. Zehn Alben wurden in dieser Zeit herausgehauen. Was dann passierte, weiß ich nicht. Auf jeden Fall war dann erst einmal Sense. Zehn Jahre später bekam er aber wieder Lust und seit 2017 ist er wieder mit Runemagick aktiv. Seine Kreativität kennt kaum Grenzen und so erscheint nun im Jahre 2026 das Album Nummer 15. Respekt.

Dem alten Schweden Nicklas kann man keine Eile vorwerfen, denn kurze Songs kann er nicht so. Die kürzeste Version seines Schaffens hier geht knappe acht Minuten. Der Opener After Chaos geht über 13 Minuten. Da darf man auch einmal einen besinnlichen und romantischen Anfang mit ins Spiel bringen. Nordische Lagerfeuerromantik der dunklen Art leitet das Album ein. Eine Clean-Gitarre treibt zu Anfang ihr Unwesen, aber dann baut er das Teil zu einem geilen atmosphärischen und treibenden Moment um. Mit weiblichen Stimmen, die einen mit auf die Reise nehmen. Nach fast zwei Minuten erklingt dann ein dunkler Schrei und mehrere weitere folgen. Nun nimmt er Fahrt auf, natürlich im Rahmen seiner Möglichkeiten. Klingt sehr beklemmend und dunkel. Langsame Doublebass begleiten einen fetten Gitarrenpart. Starkes Ding. Break und Sprechgesang und weiter geht die dunkle Reise. Langsam und schleppend und wieder mit so einer langsamen Melodie versehen. Die Growls setzen ein und man fühlt sich, als wäre man alleine in der Dunkelheit gefangen. Nun wird der Gesang teilweise gedoppelt und so schreitet man weiter und weiter und folgt dem düsteren Pfad der Einsamkeit. Obwohl der Song eine gewisse Länge hat und ich definitiv kein Freund von langen Songs bin, muss ich sagen, dass mich der Song echt packt. Diese langsamen und Rhythmus-orientierten Passagen, die dermaßen düster um die Ecke kommen, packen einen schon. Immer wieder kleine Abwechslungen und dann geht es weiter. Es liegt sicherlich auch mit an der finsteren Produktion. Aber eben auch an diesen Riffs. Gerade die langgezogenen Gitarrenparts haben es in sich. Sofern man Doom und Death Metal etwas abgewinnen kann, ist man hier auf jeden Fall richtig.

Wenn ich es richtig mitbekommen habe, konzentriert sich Nicklas nun mehr oder weniger nur noch auf Runemagick, und das ist eine gute Entscheidung, denn das Material, welches er auf diesem Album verwendet, ist tatsächlich sehr stark. Den Fokus auf eine Sache zu verschieben, ist da sicherlich keine schlechte Idee. Auch bei Rune Magick Unbound geht es anfangs etwas unheimlich zu und dann legt man langsam los und bietet typische doomige Passagen an, die aber vor Schwere nur so triefen und schwarz wie die Nacht herumschleichen. Dann gibt es wieder diese geilen Gitarrenmomente, die die Mischung aus Doom und Death Metal ausmachen. Die Growls dazu und der passende Sound führen dann dazu, dass man einen Schritt näher zum Abgrund gelangt. Nichts für schwache Nerven oder für Leute mit einem Hang zur Depression. Langsam, aber druckvoll geht er zu Werke und verwurzelt wieder diese langgezogenen Gitarrenparts, die teilweise melodisch daherkommen, aber natürlich absolut atmosphärisch klingen. Immer wieder wechselt er ins langsame Midtempo und baut so Headbanger-freundliche Passagen auf. Hinzu kommt ein chorähnlicher Gesang, der aber auch finster klingt. Am Ende nimmt man sogar ein wenig Fahrt auf und erhöht im Midtempo das Tempo. Der Song geht 8:30 Minuten und ist ziemlich fett, nimmt mich aber nicht so mit wie der Opener.

Nicklas hat seine Marschrichtung oder seine Ausrichtung des Schaffens nicht verändert und das ist auch gut so. Alles andere wäre auch komisch. Dieses Erzeugen einer langsamen und bedrohlichen Kulisse liegt ihm anscheinend im Blut und ich finde neben dem Opener besonders den Song Abyssal Continuum sehr geil. Hier geht man auch erst gediegen zu Werke, dann kommt der Gesang alleine und man nimmt mit ein wenig befremdlichen Gitarrenklängen Fahrt auf. Hat absolut was. Der ganze Song hat ein bisschen mehr Drive und klingt im Ganzen etwas brachialer, geht natürlich aber auch fast zehn Minuten. So kennt man ihn. Geiles Stück. Monumental und brachial, kann man so machen. Schnell wird er natürlich nicht, das ist klar.

Auch der Rausschmeißer Into The Endless Continuance hat es in sich. Am Ende sehr königlich, düster, finster und atmosphärisch. Eine beklemmende und drückende Atmosphäre mit abwechselndem Gesang. So kann man Clean-Vocals einsetzen. Nach vier Minuten hat man den Gedanken, es könnte vorbei sein, aber da hat man natürlich nicht mit der Liebe zu längeren Songs von Nicklas gerechnet. Dieser epische Moment, der dann folgt, ist ziemlich fett und könnte locker in einem Film über Elfen oder so verwendet werden. Das Stück geht dann fast 13 Minuten.

Hier geht es für weitere Informationen zu Runemagick – After Chaos: Nocturnal Vigil in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Runemagick – After Chaos: Nocturnal Vigil
Fazit zu After Chaos: Nocturnal Vigil
Mastermind Nicklas Rudolfsson und Runemagick melden sich mit dem fünfzehnten Album zurück und überzeugen wieder einmal auf ganzer Linie. Wer auf doomigen Death Metal oder Doom Death Metal abfährt, ist hier genau richtig. Anscheinend scheint der kreative Output-Kanal des Schweden nie zu enden. Dieses Riffing und diese Art des Songwritings sind schon sehr geil. Düstere und epische Parts werden mit brachialen Death-Metal-Riffs kombiniert und ohne, dass er wirklich mal schnell wird, klingt er brachial. Die dunkle Produktion und der abwechslungsreiche Gesang hinzu und fertig ist ein emotional finsteres Gesamtwerk.

Anspieltipps: After Chaos und Abyssal Continuum
Michael E.
8.7
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