Tony Iommi – From The Dark

23.10.2026 – Heavy Metal, Classic Metal – BMG Records – 42:02 Minuten

Was soll noch über Tony Iommi gesagt und erzählt werden? Welcher Rocker diesen Namen nicht kennt, lebt hinter dem Mond. Also, sparen wir uns die Historie oder Lobeshymnen oder gar Ehrbekundungen. Tony Iommi ist der Urvater des Heavy Metals und ein außerordentlicher Musiker, sei es an der Gitarre oder im Arrangement von Stimmungen. Am Abend einer beeindruckenden und für viele Fans wegweisenden Karriere, offeriert der Meister noch einmal acht bzw. zehn erlesene Klänge aus dem von ihm maßgeblich mitgeschriebenen Buch des Heavy Metals. From The Dark heißt das Kapitel, das Anthony Frank Iommi Jr. für uns in dunklen Noten niederschreibt.

Für seine Worte aus der Dunkelheit hat sich Iommi tatkräftige Unterstützung aus Norwegen in Form von Jørn Landes profiliertem Rock-Organ und Händchen für klassische Metal-Hymnen geholt. Im Hintergrund, aber genauso wichtig für einen fetten Metal-Sound, sorgen Becky Baldwin an den tiefen Saiten und Schlagzeuger Karl Brazil für den Druck, den wir von den Stücken Iommis seit jeher erwarten.

Der alte Mann und das Riff

Auch dieses Mal weiß der Meister mit seinem typischen, unnachahmlichen Gitarren-Sound und düsteren Melodien die Ohren seiner Fans zu verwöhnen. Bereits bei den ersten wabernden Klängen zu Over The Violent Sun wissen alle: Hier ist Iommi am Werk. Das Riff bestätigt diese Ahnung. Doch der Einstieg Landes gelingt leider nicht, zu sehr klingt er nach Bruce Dickinson. Er braucht recht lang, um sich freizuschwimmen, wobei ihm die simplen, sich wiederholenden Riffs und der stampfende Beat helfen. Der Chorus kommt auch eher cheesy als hymnisch rüber, wie er wohl gemeint sein soll. Der Eintritt in das Tor zur Dunkelheit ist leider weniger verheißungsvoll gelungen.

Mit den düsteren und atmosphärischen Black Times reißt der Routinier das Ruder aber herum. Erlesene Schwermut und ein eleganter Solopart rufen Stimmen aus der glorreichen Vergangenheit hervor. Der Midtempo-Part verdient wahrlich die Einstufung als Heavy. Selbst Lande weiß seine Gesangsleistung zu steigern, mehr Reibeisen als Singsang.

Herrlich tiefe Töne aus der Dunkelheit

Im nachfolgenden World Alone zeigen sich die Fähigkeiten des Master of Arts ungewöhnlich poppig. Einfache Melodien und übergroße Chöre zeigt das Weltbild. Der Song kann als seine skandinavische Phase auf dem Album verbucht werden.

Viele Weggefährten hat Iommi überlebt, zuletzt seinen Gegenpart bei Black Sabbath zu Grabe getragen. Beyond The Dead versprüht genau diese Melancholie und das empfundene Leid. Mitleiden lässt es sich gut bei diesem bombastischen Heavy-Rocker mit dem traurigen Refrain. Lande geht dabei in den Emotionen förmlich auf.

Pures Schwermetall wird bei Stormwatcher geschmiedet. Ein wuchtiger Rhythmus trifft auf ein noch wuchtigeres Riff, die gemeinsam den Gesang nach vorne treiben. Erstmals fallen die Keyboards auf, die dem Song im Hintergrund eine glühende Textur verleihen.

Der Einstieg zu Death Wake – zur Totenwache – ist dramatisch, nur um in einen ruhigen, gedankenschweren Fluss überzugehen. Kein typisches Iommi-Riff, dafür viel bedrückte Stimmung und ein kummervolles Solo. Der Tod scheint unseren Prinzipal sehr zu beschäftigen.

Mit Return Of The Arbalist werden die düsteren Wolken am Firmament vertrieben. Der treibende Track hat eine durchweg positive Grundstimmung, die aber irgendwie nicht so richtig durchdringen vermag.

Der Epitome des Heavy Metals legt ein dunkles Zeugnis ab

Doch zum Ausklang fährt Tony Iommi noch ein kraftvolles Geschütz auf, um seinem Vermächtnis als Herr der dunklen Töne gerecht zu werden. Legacy allein rechtfertigt das gesamte Werk von From The Dark. Die schleppende, drückende Stimmung verträgt sich gut mit den rockigen Vocals. Der hymnische Chorus setzt den sieben Minuten die Krone auf. Das akustische Solo als Kontrapunkt zum dramatischen Gewand ist genial. Ein perfekter Heavy-Metal-Song.

Sicherlich haben sich viele von uns einen wahren Könner an der Seite des Metal-Giganten gewünscht. Jørn Lande ist weder ein Tony Martin, noch ein Match für Ronnie James Dio auf irgendeiner Ebene und schon gar kein Ozzy. Er macht trotzdem aber eine recht gute Figur, auch wenn er nicht an die Klasse der Sänger heranreicht, die Tony Iommi bisher um sich geschart hat. Über seine Tiefe und seinen Umfang lässt sich streiten, in einem anderen Zusammenhang würde er sicherlich nicht so wie unter einem Brennglas begutachtet werden.

Hier geht es lang für weitere Informationen zu Tony Iommi – From The Dark in unserem Time For Metal Release-Kalender. 

Tony Iommi – From The Dark
Fazit zu From The Dark
Mister Iommi hat schon viele Höhen und Tiefen erlebt. Nicht alles, was er in Angriff genommen hat, ist zu Gold geworden. Einiges ist schlichtes Metall geworden. From The Dark ist genau das geworden, was seine Fans erwarten konnten: dichter, üppiger Heavy Metal mit Riffs und Soli aus Meisterhand. Doch From The Dark ist weder auf dem Niveau von The Devil You Know noch von 13 anzusiedeln. Zu einer signifikanten Nähe reicht das Spätwerk ebenfalls nicht. Es gehört aber in jede ernstzunehmende Heavy-Metal-Sammlung. Und nicht nur der Vollständigkeit halber, wie das eine oder andere überflüssige Black-Sabbath-Album, sondern als fester Bestandteil. From The Dark hat seine starken Momente besonders dann, wenn Tony Iommi und seine Mitstreiter die Dunkelheit an die Klippen der Seele branden lassen und die teilweise wunderschönen Soli von einer besseren Welt erzählen. Lass dies nicht der Schwanengesang unseres Vates sein.

Anspieltipp: Legacy
Kristian H.
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