Event: Rising High Tour 2026
Bands: Beyond The Black, Setyoursails
Datum: 22.09.2026
Genres: Symphonic Metal, Modern Metal, Metalcore
Besucher: ca. 1.200
Location: Docks, Spielbudenplatz 19, 20359 Hamburg
Kosten: VVK 55,90 € (zzgl. Gebühren)
Setlisten:
Ein Dienstag im September. Hamburger Kiez. Eine Stunde vor dem Einlass stehen bereits mindestens 25 Menschen vor dem Docks, 30 Minuten später ist die Schlange locker hundert Meter lang. Die Vorfreude auf den Nachholtermin von Beyond The Black ist offensichtlich groß. Ursprünglich sollte das Konzert bereits im Februar stattfinden, musste damals aber aus gesundheitlichen Gründen verschoben werden. Dass die Fans ihre Tickets behalten haben und sich das Docks nun so gut füllt, spricht für die Verbundenheit mit der Band. Hamburg hat offenbar einiges nachzuholen.
Setyoursails – „Nein, ich bin nicht aggressiv!“
Den Abend eröffnen um 19:30 Uhr Setyoursails. Schon das Intro ist ungewöhnlich: Auf die Titelmelodie der Sendung Mit Der Maus folgen Hardstyle-Beats und schließlich die Ansage, dass es sich um Trancecore handelt. Dann stürmt die Kölner Metalcore-Formation um Sängerin Jules Mitch auf die Bühne.

Der musikalische Kontrast zum späteren Headliner könnte kaum größer sein. Harte Gitarren, Breakdowns, aggressive Shouts und eine Sängerin, die auf der Bühne herumwandert wie ein Tiger im Käfig. Und den Anschein erweckt, gleich zu explodieren. Die Reaktionen im Publikum fallen zunächst auch eher zurückhaltend aus. Einige Zuschauer wirken angesichts des deutlich härteren Sounds etwas irritiert. Doch Jules lässt sich davon nicht beeindrucken. Sie sucht den direkten Kontakt, feuert die Menge an und fordert immer wieder Bewegung vor der Bühne.
Auch optisch bezieht die Band eindeutig Stellung. Während Jules zunächst eine schwarze Flagge mit der Aufschrift „No Place for Homophobia, Fascism, Racism!“ schwenkt, folgt später eine Regenbogenflagge aus dem Publikum. Die Botschaft ist unmissverständlich. Setyoursails verbinden ihre Musik mit einer klaren Haltung für Vielfalt und gegen Diskriminierung. Das passt auf St. Pauli.
Bemerkenswert ist auch die Bewegungsfreude der Band. Neben Jules sorgt vor allem Bassist Stanni für Aufmerksamkeit. Er verschwindet mitten im Set im Publikum, bildet das Zentrum eines Circlepits und landet später sogar auf dem Tresen der gegenüberliegenden Bar. Dass er erst seit kurzer Zeit zur Band gehört, ist seiner Bühnenpräsenz jedenfalls nicht anzumerken.
Jules spricht das Publikum auch direkt auf die besondere Konstellation des Abends an. Ihr ist durchaus bewusst, dass viele Besucher hauptsächlich wegen Beyond The Black gekommen sind. Umso mehr freut sie sich über die Unterstützung für ihre Band. Diese Offenheit kommt an. Was zunächst etwas verhalten beginnt, entwickelt sich zunehmend zu einer lebhaften Interaktion. Die Aufforderungen zum Mitmachen funktionieren immer besser und gegen Ende hat sich die Band das Hamburger Publikum ordentlich erspielt.
Für einen humorvollen Moment sorgt die Ankündigung eines besonders ruhigen Songs. Schließlich seien die Musiker inzwischen über 30 und müssten auch an Rücken und Knie denken. Es folgt Break Stuff von Limp Bizkit. So viel zum Thema Schonung. Die hat sich die Band nach 45 Minuten Vollgas redlich verdient.
Beyond The Black – Elfenstimme und harte Gitarren
Nach dem Umbau verdeckt ein schwarzer Vorhang mit dem Schriftzug Beyond The Black die Bühne. Während die letzten Vorbereitungen laufen, steigt die Spannung im Docks. Dann erklingt Paint It Black von den Rolling Stones. Das Licht geht aus, der Vorhang fällt und die Band steht im mintgrünen Licht auf der Bühne. Mit dem Titeltrack Break The Silence beginnt der Headliner sein Set.

Ich begleite Beyond The Black seit dem 2015er-Debütalbum Songs Of Love And Death und habe Jennifer Haben und ihre Band seither bei zahlreichen Konzerten erlebt. Während der Kieler Woche, bei Full Metal Cruise und W:O:A, beim Corona-Strandkorbkonzert im Hamburger Hafen oder dem Magenta-Event in der Wackener Kirche. Und ich bin immer wieder beeindruckt, wie stringent die Sängerin ihren Weg geht. Mit neun Jahren gründet sie ihre erste Band, mit 14 gewinnt sie den KiKa-Wettbewerb „Beste Stimme 2007“, 2014 startet sie BTB durch, 2019 erreicht sie durch die Teilnahme am VOX-Format Sing Meinen Song – Das Tauschkonzert ein Millionenpublikum. Ihre stimmliche Variabilität ist herausragend. Jenny wechselt sicher zwischen kraftvollen Rock- und Metalpassagen und den ruhigeren, emotionalen Momenten. Sie hat ihre Stimme über die Jahre zu einem echten Markenzeichen entwickelt.
Am Schlagzeug sitzt diesmal Sebastian Lanser, der kurzfristig für Kai Tschierschky einspringt. Kai hat sich aus persönlichen gesundheitlichen Gründen vorerst von den Live-Auftritten zurückgezogen. Lanser, der unter anderem durch Obscura und Obsidious bekannt ist, fügt sich überzeugend in das Bandgefüge ein. Dass ein solcher Wechsel so kurzfristig funktioniert, spricht auch für die Professionalität der gesamten Formation.
Musikalisch verbindet die Setlist verschiedene Phasen der Bandgeschichte. Neben dem aktuellen Album Break The Silence stehen ältere Favoriten auf dem Programm. Besonders erfreulich ist, dass auch das Debütalbum mit mehreren Songs vertreten ist. Die Band vergisst ihre musikalischen Wurzeln nicht, was von den Fans ordentlich gefeiert wird. Eine Besonderheit ist das Synth-Medley, bei dem Jennifer und Gitarrist Chris Hermsdörfer an eigens aufgebauten Keyboard-Konstruktionen spielen. Anschließend folgt Wounded Healer ebenfalls in einer Synthesizer-Version. Ein ungewöhnlicher Moment innerhalb der ansonsten gitarrenorientierten Show.

Dann folgt mit Ravens einer der eindrucksvollsten Momente des Abends. Jenny erscheint mit goldenen Flügeln auf der Bühne, während Chris Hermsdörfer sie an der Akustikgitarre begleitet. Wenn sie passend zu den Zeilen des Songs ihre Flügel ausbreitet, entsteht ein wirklich magisches Bild. Hier fügen sich Musik, Licht und visuelle Gestaltung einfach perfekt zusammen. Überhaupt sind die Videoinstallationen auf der LED-Wand ein wesentlicher Bestandteil der Show. Für jeden Song entsteht eine eigene visuelle Atmosphäre. Die Bilder unterstützen die Musik, ohne sie zu überlagern. Mal düster und dramatisch, mal emotional und beinahe mystisch. Beyond The Black brauchen keine permanente Pyrotechnik, um eine große Wirkung zu erzielen. Musik, Licht und die sorgfältig abgestimmten Videosequenzen reichen völlig aus, um jedem Song die passende Atmosphäre zu verschaffen.
Bei Songs Of Love And Death zeigt Jennifer eine weitere Seite ihrer Live-Qualitäten. Sie beginnt den Refrain gemeinsam mit dem Publikum, zunächst nur vom Piano begleitet. Ein weiterer emotionaler Moment, bevor es in den energiegeladenen Teil des Songs übergeht. Mit Lost In Forever folgt ein weiterer bemerkenswerter Moment – allerdings aus einem ganz anderen Grund. Mitten im Song bemerkt Jenny, dass es im Publikum einen medizinischen Zwischenfall gibt. Ein Fan ist zusammengebrochen – kein Wunder angesichts der schwitzigen, sauerstoffarmen Umgebung. Sie unterbricht den Auftritt sofort, erkundigt sich nach der Situation und die Band beginnt den Song anschließend noch einmal von vorn. Eine richtige und selbstverständliche Reaktion, die zeigt, dass trotz aller Showeffekte die Menschen vor der Bühne im Mittelpunkt stehen. Nach Written In Blood kündigt Jennifer Let There Be Rain mit einer gesellschaftlichen Botschaft an. Sie spricht die zunehmende Spaltung in vermeintlich schwarze und weiße Lager an und stellt die Frage, warum wir nicht stärker nach den Grautönen dazwischen suchen – nach dem, was uns verbindet. Lauter Applaus honoriert das Statement.

Mit When Angels Fall, Shine And Shade und In The Shadows holt die Band zum Ende des regulären Sets noch einmal echte Hymnen aus dem Koffer. Das Publikum hat immer noch nicht genug und fordert lautstark mehr…
Für die Zugaben gibt es noch eine besondere Überraschung. Bei The Art Of Being Alone kommt Chris Harms von Lord Of The Lost auf die Bühne. Dass er bei diesem Song als Gast dabei ist, liegt nahe, schließlich ist er auch auf der Studioversion zu hören. Trotzdem ist es ein schöner Moment und das Publikum begrüßt ihn entsprechend enthusiastisch. Gemeinsam mit Jennifer macht er den Song zu einem der Höhepunkte des Abends.
Mit Running To The Edge und dem obligatorischen, aber erneut fantastisch performten Hallelujah vom Debütalbum verabschiedet sich die Band schließlich von einem restlos begeisterten Publikum.
Fazit
Auch nach elf Jahren begeistert mich die besondere Energie von Beyond The Black. Es macht Freude zu sehen, wie sich die Band gefunden und musikalisch wie persönlich weiterentwickelt hat. Aus der jungen Formation von damals ist eine souveräne Liveband geworden, die sich ihren Platz in der deutschen Metal-Szene erkämpft hat. Setyoursails sorgen zuvor für einen ganz anderen musikalischen Akzent, gewinnen das Publikum mit ihrer Energie und ihrer klaren Haltung aber zunehmend für sich.





















