Tzompantli – Temilotzin (EP)

12.10.2026 – Death Doom – 20 Buck Spin – 13:28 Minuten

Bereits am 12.10.2026 ist über 20 Buck Spin die neue EP Temilotzin der US-amerikanischen Death Doomer Tzompantli erschienen, die die Zeit bis zum neuen Album Anfang 2027 überbrücken soll. Die EP ist ausschließlich digital verfügbar.

Eine Reise zu den Wurzeln

2022 bin ich erstmals mit Tzompantli und ihrem Album Tlazcaltiliztli in Berührung gekommen. Das Projekt um Brian Itztlakamayeh Ortiz, der auch bei Xibalba aktiv ist, hat mich damals mit seiner Verbindung aus brachialem Death Doom und den kulturellen Einflüssen der Azteken gepackt. Mit Temilotzin zeigt die Formation nun eine ganz andere Seite. Statt tonnenschwerer Riffs und zermalmender Gitarrenwände stehen traditionelle Klänge im Mittelpunkt. Drei Stücke mit einer Spielzeit von gut 13 Minuten laden zu einer musikalischen Reise ein, die gleichermaßen faszinierend wie melancholisch ausfällt.

Zwischen Ritual und Trauer

Schon nach den ersten Klängen von Temilotzin wird klar, dass hier andere Maßstäbe gelten als beim gewohnten Death Doom. Trommeln, Flöten, Rasseln und weitere traditionelle Instrumente bestimmen das Geschehen. Dazu kommen eindringliche Gesänge, die dem Ganzen einen beinahe zeremoniellen Charakter verleihen. Ich finde es bemerkenswert, wie Tzompantli auch ohne die gewohnte Gitarrenwalze eine derart intensive Stimmung erzeugen. Die Musik wirkt ursprünglich, nachdenklich und stellenweise geradezu hypnotisch. Hier geht es nicht um Härte um ihrer selbst willen, sondern um Atmosphäre und Ausdruck.

Besonders Xolotl bleibt bei mir hängen. Das Stück entwickelt eine eigenartige Mischung aus Schwermut und spiritueller Intensität. Eingestreute Geräusche und die eindringliche Instrumentierung verstärken den Eindruck, einer persönlichen Erinnerung beizuwohnen. Tatsächlich verarbeitet Ortiz auf der EP den Verlust nahestehender Weggefährten. Diese emotionale Grundlage ist spürbar, ohne dass die Musik dafür große Gesten bemühen müsste.

Die Band schafft es auf dieser kurzen EP, ihre kulturellen Wurzeln musikalisch in den Vordergrund zu rücken und dabei eine ganz eigene Atmosphäre aufzubauen.

Hier! geht es für weitere Informationen zu Tzompantli – Temilotzin in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Tzompantli – Temilotzin (EP)
Fazit zu Temilotzin
Temilotzin ist mehr als eine kurze Verschnaufpause vor dem für 2027 angekündigten dritten Album. Die drei eigenständigen Stücke zeigen eine ungewohnt verletzliche Seite von Tzompantli, ohne dass die Intensität verloren geht. Wer ausschließlich auf brutale Death-Doom-Breitseiten wartet, muss hier umdenken. Ich empfinde diese akustische Reise als eindringlich, bewegend und ausgesprochen stimmungsvoll. Ein ungewöhnliches Zwischenspiel, das neugierig darauf macht, wie die Band ihre traditionellen indigenen Einflüsse künftig wieder mit ihrer metallischen Urgewalt verbinden wird.

Anspieltipps: Temilotzin, Xolotl und Nitlayocoya
Juergen S.
7.7
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