Funeral Doom in tiefster Schwärze
Nach sieben Jahren Stille melden sich die US-amerikanischen Funeral-Doom-Veteranen Evoken mit ihrem neuen Album Mendacium zurück. Es erschien bereits am 17.10.2025 über Profound Lore Records, der Heimstätte vieler ausgezeichneter Doom-Bands, und ist dort auf CD und Vinyl erhältlich.
Die New Jersey-Doomer beherrschen die Kunst der Zeitlupe wie kaum eine andere Band. So auch auf ihrem neuesten Werk Mendacium, auf dem eine dichte, massive Klangwand dominiert. Evoken entstanden 1994 aus den Resten von Funereus und Asmodeus und zählen seither zu den prägenden Bands des Funeral Doom. Die Band besteht aktuell aus den Gründungsmitgliedern John Paradiso (Gesang, Gitarre) und Vince Verkay (Schlagzeug), ergänzt durch Don Zaros (Keyboards), David Wagner (Bass) und Chris Molinari (Gitarre), die allerdings auch schon lange Bestandteil der Band sind. Über Jahrzehnte hinweg haben Evoken sich einen unverwechselbaren, unnachgiebigen Sound erarbeitet: monumental, (ultra)langsam und tiefschwarz.
Eine Klangwelt aus Schwere und Isolation
Mendacium zelebriert alles, was das Genre ausmacht: zähfließende Rhythmen, massive Gitarrenwände, wabernde Synth-Flächen und eine Atmosphäre, die zwischen kosmischem Leid und erdenschwerem Verfall pendelt. Schwere Riffs, bedrohliche Dichte und verzweifelter Gesang dominieren die Songs. Fronter John Paradiso formt Worte, die wie schwere Brocken durch die Zeitlupe fallen.
Das Album umfasst über eine Stunde düsteren Materials, das eine Geschichte erzählt: Ein Benediktinermönch im 14. Jahrhundert, isoliert in seiner Kammer, kämpft ums Überleben, ringt mit Krankheit, Einsamkeit und seiner Beziehung zu Gott. Am Ende glaubt er, eine (dunkle) Gestalt zu erkennen, die neue Fragen aufwirft – die Musik spiegelt diese existentielle Spannung eindrucksvoll wider. Die Musik begleitet seine Isolation, seine Schmerzen, seine Zweifel und erzeugt eine beklemmende, oft erschütternd schöne Atmosphäre.
Struktur und Stil und Atmosphäre
Die Tracks fließen oft ineinander, es gibt wenige emotionale Fixpunkte, und gelegentliche melodische oder rhythmische Akzente wirken punktuell. Songs wie Matins oder Lauds streifen problemlos die Zehn-Minuten-Marke in einer unnachgiebigen Langsamkeit, während Terce kurz das Tempo anzieht. Besonders die zweite Singleauskopplung None zeigt, wie kompakt und ausdrucksstark Evoken ihr Spektrum auch innerhalb von acht Minuten entfalten können: Intro, gesprochene Passagen und prägnante Melodiebögen verbinden sich zu einem Miniaturbild des gesamten Albums. Keyboardflächen spielen diesmal eine größere Rolle als auf früheren Alben, wirken stellenweise fast sakral, ohne die düstere Grundstimmung zu untergraben. Die Musik bleibt monumental und konzentriert,
Wer den Funeral Doom als extrem verlangsamtes Sterben der Zeit liebt, wird hier reichlich Material finden. Wer hingegen nach Dynamik sucht, wird erstarren. Als Doom-Maniac bin ich natürlich begeistert.
Hier! geht es für weitere Informationen zu Evoken – Mendacium in unserem Time For Metal Release-Kalender.



