Ritual Mass – Cascading Misery

Düsterer Death/Doom-Soundtrack für Qualen und einen psychotischen Zusammenbruch

Artist: Ritual Mass

Herkunft: USA

Album: Cascading Misery

Spiellänge: 40:52 Minuten

Genre: Death metal

Release: 05.09.2025

Label: 20 Buck Spin

Link: https://ritualmass.bandcamp.com/music

Bandmitglieder:

Gesang und Bassgitarre – ND
Gitarre und Gitarre – PT
Gitarre – RM
Schlagzeug – GA

Tracklist:

1. Obsidian Mirror
2. Immeasurable Hell
3. Looming Shapeless Entity
4. Cascading Misery
5. Frozen Marrow
6. Disquiet

Mit meinen über 50 Jahren habe ich noch die Zeit mitgemacht, in der man blind ins Plattengeschäft gegangen ist und sich neues Zeug anhand des Covers oder des Schriftzugs zugelegt hat. Und dieses war gut überlegt, denn das Geld war knapp. Allerdings kann ich mich eigentlich an keinen Fehlkauf erinnern und auch heute ist es noch so, dass mich überwiegend Schriftzüge anziehen. So auch bei Ritual Mass. Der Schriftzug hat was von Blood Incantation und natürlich auch von vielen anderen. Der Vorteil ist ja heute, dass man vorher reinhören kann. Das habe ich allerdings nicht getan, denn ich wollte ja ein Review schreiben, aber Erkundigungen wurden natürlich trotzdem vorher eingeholt, das ist ja klar wie Kloßbrühe. Die Band stammt aus Pennsylvania, USA, wurde im Jahre 2016 gegründet und hat bis dato alles raus, was geht, bis auf eine Live-Geschichte und eben ein Full Length. Demo, EP, Single und im Jahre 2022 erschien eine Compilation. Nun hat sich das Quartett auf den Weg gemacht, um mithilfe des Labels 20 Buck Spin ein vollständiges Album aufzunehmen und zu veröffentlichen.

Was erwartet uns in den nächsten vierzig Minuten? Anhand des Schriftzugs würde ich auf Death Metal tippen und aufgrund der Informationen vorweg natürlich auch, hehe, aber man weiß ja nie. Obwohl Pferde sich grundsätzlich aufgrund ihrer anatomischen und neurologischen Faktoren nicht übergeben können, soll man sie ja schon kotzen gesehen haben, sogar vor Apotheken.

Da denken der Tod ist und zu nichts führt, lassen wir es und hören einfach zu, und schon nach den ersten Klängen des Openers Obsidian Mirror wird klar, dass es zumindest bedrohlich wird. Ein düsteres Intro, welches auch aus einem Horrorfilm stammen könnte, erklingt und man lässt nach einigen Sekunden die Gitarren sprechen. Langsam und bedrohlich. Im Hintergrund scheppern die Drums. Man bewegt sich am Anfang eher im doomigen Sektor, holt aber dann die Keule heraus und ballert los. Klingt, auch aufgrund der eher dumpfen Produktion, eher nach Cave Death Metal. Man zeigt sich sehr abwechslungsreich. Der hallige Gesang ist natürlich im Hintergrund aktiv. Ein Solo darf nicht fehlen und man wechselt sehr geil den Rhythmus. Die Riffs sind richtig fett, man muss aber schon genau hinhören, da die Produktion meines Erachtens hätte besser sein können. Aber diese schon sirenenhaften Riffs schocken, dann nehmen sie das Tempo heraus und doomen herum. Eine langsame Melodie wird aufgebaut und der bösartige Wechsel ins Midtempo mit Tremolo-Riffing setzt die bösartige Reise fort. Es geht hin und her, denn nun zeigt man sich wieder von der langsamen Art und Weise, während der Gesang schön tief im Hintergrund agiert. Puh, starker Tobak. Hier passiert viel, denn schon wieder erklingt ein neuer Part. Herrlich. Und dann ist Feierabend. Der Song geht über sechs Minuten und ist zu keiner Zeit langweilig, Das muss man erst einmal schaffen.

Diese erdrückende Atmosphäre und diese melancholische Reise in eine Schmerzwelt, in der man durch das langsame Abziehen der Haut einen Wohlfühlfaktor erdrückt, werden mit Immeasurable Hell gnadenlos fortgeführt. Darauf muss man erst einmal klarkommen. Hat man sich in der Welt und in den Unterführungen von Ritual Mass zurechtgefunden, klingt es tatsächlich wie eine kleine Offenbarung. Am Anfang lässt man die Gitarren sprechen. Diese knattern vorweg, wieder absolut überzeugend, und dann nimmt man ordentlich Fahrt auf. Bei der ganzen düsteren Atmosphäre vergisst man nicht den technischen Sektor, doch den untergraben sie geschickt, denn es bleibt nur Schutt und Asche zurück. Feinste Gitarrenquietscher, Wechsel im Rhythmus- und Tempobereich und natürlich abgrundtiefes Growling erwarten euch auch hier, und am Ende zaubert man noch einen sphärischen, hypnotischen Doom-Part, der einen komplett in den Abgrund zieht. Dann noch ein wildes Solo und Feierabend. Puh, heavy,

Die Riffs begeistern mich total, muss ich sagen, wie zum Beispiel beim Song Looming Shapeless Entity.

Auch der Song Cascading Misery erzeugt nicht gerade Hoffnung auf das Überleben der Menschheit, sondern erzeugt eher eine schmerzvolle und blutüberströmte Untergangsstimmung. Man ballert zu Beginn alles kurz und klein, der Sänger gibt irgendwelche Laute von sich, dann kriecht man in die Katakomben dieser Welt, um dann wieder auf der Schlachtbank alles zu vernichten. Der nachfolgende, ansatzweise melodische Part mit Geschwindigkeitswechsel ist absolut faszinierend und technisch anspruchsvoll. Wer jetzt noch an das Gute im Menschen glaubt, hat den Schuss nicht mehr gehört. Danach spielen die Klampfen noch einmal vor und es darf wieder geknattert werden. Hervorragender Song.

Am Ende gibt es einen Song über 14 Minuten und ich frage mich immer, wie kommt man auf so was? Und fängt man nach zehn Minuten im Proberaum, wenn man sich verspielt hat, wieder von vorne an? Egal, natürlich ist der Rausschmeißer Disquiet ein bittersüßes Ding. Dieses langsam getragene Riff zu Beginn ist einfach nur sick und zieht einem die Fußnägel heraus. Krasses Teil, aber im Endeffekt ist mir der Song zu lang, aber das ist ja von mir eh so eine Schwachstelle, hehe.

Ritual Mass – Cascading Misery
Fazit
Ritual Mass setzen auf ihrem Debütalbum ihren Weg gnadenlos fort und vermengen aggressiven Death Metal, Cave-mäßige Vocals und doomige Passagen zu einer Einheit, die eine bösartige Atmosphäre und eine melancholische Grundstimmung erzeugt. Hoffnung wird hier ganz klein geschrieben. Wirklich ein fettes Album, aber meines Erachtens hätte die Produktion ein wenig klarer sein können, das ist jedoch nur Gejammer am Rande, denn die Burschen haben ein geiles Händchen für gelungene Riffs. Die können einen Song aufbauen. Der Wechsel beim Rhythmus und bei der Geschwindigkeit führt zu einem intensiven Songwriting, welches absolut düster ist. Wer sich quälen lassen will und keine Angst vor einem psychotischen Zusammenbruch hat, sollte hier zuschlagen.

Anspieltipps: Obsidian Mirror und Cascading Misery
Michael E.
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