Black Stone Cherry am 29.09.2026 in der Hamburger Markthalle

Von Tennessee bis Kentucky: Eine Nacht im Zeichen des Südstaatenrocks

Event: The Celebrate Tour 2026

Bands: Black Stone Cherry, 10 YEARS

Datum: 29.09.2026

Genres: Southern Hard Rock, Hard Rock

Besucher: 1.100 – ausverkauft

Ort: Markthalle, Hamburg

Kosten: VVK 47,35 €, ausverkauft

Setlisten:

  1. Novacaine
  2. Fix Me
  3. Gravity
  4. Heart-Shaped Box (Nirvana-Cover)
  5. Shoot It Out
  6. Wasteland
  7. The Optimist

  1. Hells Bells (AC/DC – Intro, Einspielung)
  2. Me And Mary Jane
  3. Burnin‘
  4. Again
  5. I’m Fine
  6. Hell And High Water
  7. Like I Roll
  8. Stay
  9. Deep
  10. Celebrate
  11. Things My Father Said
  12. Cheaper To Drink Alone (inkl. Drumsolo)
  13. Neon Eyes
  14. In My Blood
  15. White Trash Millionaire
  16. Blame It On The Boom Boom
  17. Lonely Train
  18. Peace Is Free

Es gibt Konzerte, die vergisst man nicht. Und es gibt Bands, bei denen man sich auch viele Jahre später noch genau daran erinnert, wie sie einen damals gepackt haben. Black Stone Cherry sind für mich so eine Band.

Black Stone Cherry 2026 Hamburg; Foto: Norbert Czybulka

November 2008, Knust Hamburg: Ich erlebe die vier Musiker aus Kentucky zum ersten Mal live – und bin vom Fleck weg begeistert. Dieser Sound, diese Energie, dieses fast klischeehafte Southern-Rock-Feeling bleiben hängen. Was ich damals nicht ahne: Es wird fast 18 Jahre dauern, bis ich die Band wieder auf einer Hamburger Bühne sehe.

Jetzt ist es endlich so weit. Die Markthalle ist ausverkauft, 1.100 Fans warten auf Black Stone Cherry. Für mich ist dieser Abend mehr als ein weiterer Konzertbesuch. Es ist ein Wiedersehen mit einer Band, die mich schon beim ersten Mal überzeugt hat. Und natürlich bin ich gespannt, ob sie mich heute noch genauso mitreißen kann wie damals im Knust.

Vor den Hauptgang hat der liebe Gott allerdings eine Vorspeise gesetzt. Und die hat was. Aus Tennessee kommen nicht nur Pringles, die legendären Gibson-Gitarren und … klar: Jack Daniel’s. Sondern auch der heutige Opener.

10 Years – ein Support mit eigener Handschrift

10 Years stammen aus Knoxville, Tennessee, und bewegen sich musikalisch zwischen Alternative Rock, Alternative Metal und Post-Grunge. Seit ihrer Gründung 1999 hat sich die Band mit schweren Gitarrenriffs, atmosphärischen Passagen und eingängigen Melodien eine eigene Position in der amerikanischen Rockszene erarbeitet. Der Durchbruch gelingt 2005 mit dem Album The Autumn Effect und dem Song Wasteland.

In Hamburg bleiben ihnen rund 30 Minuten und sieben Songs. Das Publikum zeigt sich zunächst noch etwas zurückhaltend. Musikalisch überzeugt die Band mit ihrem Wechsel aus druckvollen und melodischen Passagen. Besonders gelungen ist Heart-Shaped Box. Die Interpretation des Nirvana-Klassikers fällt schwerer und düsterer aus als das Original und entwickelt dadurch einen eigenen Charakter. Mit Wasteland und The Optimist geht ein solider Support-Auftritt zu Ende, der durchaus Lust auf mehr macht.

Black Stone Cherry – eine Band in Bewegung

Um 21 Uhr wird es ernst. Als Intro erklingt Hells Bells von AC/DC. Als St.-Pauli-Fan freue ich mich über diesen musikalischen Gruß natürlich besonders. Auf jeden Fall die perfekte Einstimmung, bevor Black Stone Cherry mit Me And Mary Jane loslegen.

Black Stone Cherry 2026 Hamburg; Foto: Norbert Czybulka

Von diesem Moment an gehört die Bühne den vier Musikern aus Kentucky. Und schnell wird deutlich, dass die Band nicht nur musikalisch, sondern auch optisch einiges zu bieten hat. Vor allem Gitarrist Ben Wells ist kaum zu bremsen. Mit blonder Mähne und einem breiten Grinsen hüpft und wirbelt er über die Bühne, als hätte er Hummeln im Hintern. Manchmal erinnert das Ganze an Rumpelstilzchen – nur eben mit Gitarre und ordentlich Verstärkerleistung. Dabei wirkt nichts davon aufgesetzt. Wells hat offensichtlich Spaß an dem, was er tut.

Sein Gegenüber Chris Robertson bildet als Frontmann und Lead-Sänger das Zentrum der Band. Seine markante Stimme prägt den Sound von Black Stone Cherry, während er gleichzeitig selbst zur Gitarre greift. Besonders auffällig ist das Zusammenspiel zwischen Gitarrist Ben Wells und Bassist Jon Lawhon: Bei nahezu jedem Song wechseln sie mehrfach die Bühnenseiten. Diese ständige Bewegung wirkt trotzdem nicht wie eine einstudierte Choreografie, bleibt herrlich ungekünstelt. Die beiden suchen den Kontakt zueinander und zum Publikum – und halten die Bühne permanent in Bewegung.

Musikalisch schöpfen Black Stone Cherry aus ihrem umfangreichen Repertoire. Burnin‘, Again, I’m Fine und Hell And High Water sorgen früh für ordentlich Druck. Die Band verbindet Southern-Rock-Wurzeln mit modernem Hard Rock, eingängigen Refrains und einer gehörigen Portion Blues. Dabei klingt nichts glattpoliert. Die Gitarren haben Biss, der Rhythmus sitzt und Robertsons Stimme trägt auch die kraftvollen Passagen mühelos.

Black Stone Cherry 2026 Hamburg; Foto: Norbert Czybulka

Mit Like I Roll und Stay geht es weiter, bevor Deep einen deutlichen Kontrast setzt. Hier wird es ruhiger, persönlicher und emotionaler. Gerade diese Momente zeigen, dass Black Stone Cherry mehr können als nur laut und schnell. Sie nehmen sich Zeit für die leisen Töne, ohne dabei den roten Faden des Konzerts zu verlieren.

Mit Celebrate und Things My Father Said nimmt der Abend wieder Fahrt auf. Bei Cheaper To Drink Alone bekommt Drummer John Fred Young seinen großen Moment. Das Drumsolo ist nicht einfach nur eine Pflichtübung im Set, sondern fügt sich perfekt in die Dynamik der Show ein.  

Anschließend geht es mit Neon Eyes, In My Blood, White Trash Millionaire und Blame It On The Boom Boom Schlag auf Schlag weiter. Spätestens jetzt ist die Markthalle endgültig auf Betriebstemperatur. Die Fans singen mit, feiern und lassen sich von der Band mitreißen. Es ist diese Mischung aus musikalischer Routine, sichtbarer Spielfreude und direkter Publikumsnähe, die den Auftritt besonders macht.

Mit Lonely Train erreicht das reguläre Set einen weiteren Höhepunkt. Doch der Abend ist noch nicht vorbei. Für die Zugabe kehren Black Stone Cherry mit Peace Is Free zurück. Chris Robertson nutzt den Moment für persönliche Worte über die verbindende Kraft der Musik und darüber, wie wichtig Zusammenhalt gerade in schwierigen Zeiten ist. Das ist keine große Inszenierung, sondern eine Botschaft, die zum Song und zur Band passt. Ein schöner, nachdenklicher Abschluss nach einem ansonsten sehr energiegeladenen Konzert.

Black Stone Cherry 2026 Hamburg; Foto: Norbert Czybulka

Fazit

Black Stone Cherry liefern in der ausverkauften Markthalle einen überzeugenden Auftritt, der vor allem von der Spielfreude der Musiker lebt. Ben Wells, das Rumpelstilzchen, ist mit seiner unbändigen Energie ein Erlebnis für sich, während Chris Robertson mit seiner Stimme und seiner Präsenz das Fundament der Band bildet.  Auch 10 Years erweisen sich als passende Ergänzung und setzen einen eigenen Akzent. Ein famoser Dienstagabend, der in Erinnerung bleibt.