Violet am 15.08.2026 im Kulturzentrum Merlin in Stuttgart

Eventname: Klinke Festival Merlin

Band: Violet

Ort: Kulturzentrum Merlin, Stuttgart

Datum: 15.08.2026

Kosten: freier Eintritt auf Spendenbasis

Genre: 80s Softrock, Hardrock, AOR, Pop Rock, Glam

Besucher: ca. 100 Besucher

Veranstalter: Merlin Kulturzentrum

Link: https://merlinstuttgart.de/programm/klinke-violet/

An diesem Abend findet im Kulturzentrum Merlin in Stuttgart ein Konzert einer der vielversprechendsten Bands aus der Region statt. Violet aus Stuttgart haben sich ganz dem Sound der 80er verschrieben – irgendwo zwischen Soft Rock, Glam Rock, großen Melodien und diesem ganz speziellen Gefühl, das man mit dieser Ära verbindet. Und das Ganze machen sie so authentisch, dass man zeitweise wirklich das Gefühl bekommt, ein paar Jahrzehnte zurückversetzt worden zu sein.

Das Konzert findet im Rahmen des Klinke Festvals statt. Wie alle Veranstaltungen während dieses traditionellen Sommerfestivals ist auch dieser Abend kostenlos – beziehungsweise: Der Eintritt ist frei und der Hut geht rum. Woher der Begriff Klinke eigentlich stammt, lässt sich heute offenbar nicht mehr ganz eindeutig nachvollziehen. Das Festival existiert schließlich schon seit vielen Jahren, genau wie das Merlin selbst. Die Theorien gehen in unterschiedliche Richtungen: Vielleicht hat es etwas mit einem Klinkenstecker zu tun. Oder vielleicht einfach damit, dass sich die Bands bei diesem Festival gewissermaßen die Klinke in die Hand geben. Beides klingt plausibel. Und irgendwie passt auch beides.

Violet – Merlin – 2026

Ich komme relativ früh im Merlin an und zu Beginn ist der Saal noch recht leer. Mit fortschreitender Stunde und näherrückendem Konzertbeginn füllt sich das Kulturzentrum aber zunehmend. Als Violet schließlich auf die Bühne gehen, ist der kleine Saal gut gefüllt. Das Merlin ist natürlich keine riesige Konzerthalle – gerade das macht aber auch einen Teil des Abends aus. Ich würde auf etwa rund 100 Menschen schätzen, die sich an diesem warmen Sommerabend eingefunden haben. Dann kommen Violet. Schon optisch wird schnell klar, wohin die Reise geht. Die Band sieht nicht nur musikalisch nach Achtzigern aus, sondern lebt dieses Konzept auch auf der Bühne. Bei hochsommerlichen Temperaturen erscheinen die Musiker unter anderem in klassischen Adidas-Sporthosen mit den berühmten Streifen. Ein Look, der irgendwo zwischen Trainingsanzug, Glamour und MTV der späten Achtziger liegt. Das wiederum funktioniert sehr gut.

Violet – Merlin – 2026

Musikalisch erinnern Violet teilweise an Bands wie Heart, aber auch an die spätere Phase von Def Leppard – allerdings mit einer gehörigen Portion Radiotauglichkeit und eingängigen Popmelodien. Rasende Geschwindigkeit oder musikalische Härte sucht man hier vergeblich. Aber darum geht es Violet auch überhaupt nicht. Die Band möchte nach eigener Aussage etwas von diesem unbefangenen Lebensgefühl der Achtzigerjahre in die heutige Zeit zurückbringen. Und wenn man ehrlich ist: Genau das ist vielleicht heute notwendiger denn je. Violet schaffen es, dieses Gefühl einzufangen, ohne dabei wie eine reine Retro- oder Coverband zu wirken. Natürlich ist der Einfluss der Achtziger jederzeit hörbar. Die großen Refrains, die Gitarren, die Keyboards, die Melodien – all das könnte problemlos aus einer Zeit stammen, in der Musikvideos noch im Fernsehen liefen und jedes zweite Rockalbum ein möglichst dramatisches Cover brauchte. Trotzdem drücken Violet dem Ganzen ihren eigenen Stempel auf. Die Musik bewegt sich irgendwo zwischen softem Rockappeal, Glam Rock, AOR und 80s-Charts. Und genau diese Mischung macht die Band für mich so interessant. Ich kann mir momentan kaum etwas Authentischeres vorstellen, das gleichzeitig trotzdem nicht wie eine reine Kopie der Vergangenheit wirkt.

Frontrau Jamie scheint für die Bühne geboren zu sein. Sie behandelt selbst den kleinen Merlin-Saal, als würde sie vor einem großen Festivalpublikum stehen. Und genau das meine ich positiv. Da wird nicht einfach ein Konzert heruntergespielt. Jeder Song bekommt seine eigene Energie, jede Bewegung sitzt und man merkt deutlich, dass hier viel Herz und Leidenschaft in der Sache stecken. Es ist allerdings nicht so, dass das Publikum komplett ausrastet und wild durch den Saal springt. Violet erzeugen eher ein anderes Gefühl. Ein Gefühl von Nostalgie, von großen Emotionen und von dieser leicht übertriebenen, aber genau deshalb so schönen Achtzigerjahre-Romantik. Musik, bei der man vielleicht nicht unbedingt einen Circlepit eröffnet – aber bei der man sich durchaus dabei ertappt, wie man plötzlich an eine Zeit denkt, die man entweder selbst erlebt hat oder von der man sich zumindest wünscht, sie erlebt zu haben. Gitarrist Manuel, gleichzeitig einer der Hauptsongwriter der Band, macht ebenfalls eine hervorragende Figur auf der Bühne. Auch er übernimmt im Laufe des Abends Gesang und zeigt damit, dass Violet nicht nur von einer einzelnen Person getragen werden. Die gesamte Band wirkt erstaunlich geschlossen und jeder einzelne Musiker trägt sichtbar zum Gesamtbild bei.

Violet – Merlin – 2026

Da Bandgründer und Bassist Eric vor Kurzem seinen letzten Auftritt mit Violet hatte, um sich neuen Ufern zu widmen, ist für die kommenden Konzerte Ben von Axetasy, einer lokalen Thrash-Metal-Band, am Bass eingesprungen. Ein Wechsel, der auf den ersten Blick vielleicht etwas ungewöhnlich klingt – vom Thrash Metal zum 80s Soft- und Glamrock –, der an diesem Abend aber problemlos funktioniert. Keyboarder Filip gehört außerdem zu den wenigen Keyboardern, die ich kenne, die tatsächlich eine richtige Bühnenpräsenz entwickeln. Da wird nicht einfach irgendwo im Hintergrund hinter einem Keyboard gestanden und auf die nächste Taste gewartet. Er kommt immer wieder nach vorne, geht bei der Musik mit und trägt mit seiner Art mindestens genauso zur Bühnenenergie bei wie die Musiker vorne an der Bühne. Auch Drummer Maurice singt ebenfalls die ganze Zeit mit, auch wenn er dafür nicht einmal ein eigenes Mikro braucht. Er ist einfach voll dabei, lebt die Songs mit und man merkt, dass ihm die Musik genauso viel Spaß macht wie dem Rest der Band. Anna bringt mit Backgroundgesang und Saxofon noch einmal eine ganz eigene Farbe in die Musik von Violet. Denn seien wir ehrlich: Was wäre eine richtige 80er-Band ohne Saxofon? Aber auch auf der Bühne trägt sie mit ihrer Ausstrahlung und Präsenz enorm zum Gesamtbild bei. Es sind genau diese kleinen Dinge, durch die Violet nicht einfach wie sechs Musiker wirken, die zufällig zusammen auf einer Bühne stehen, sondern tatsächlich wie eine Band.

Kurz gesagt: Alles ist an diesem Abend einfach ziemlich stimmig. Als hätten Violet zum Ende hin noch einmal einen kleinen Trumpf aus dem Ärmel ziehen wollen, wird das ohnehin schon intensive Set schließlich von zwei Coverversionen gekrönt: Kiss Me Deadly von Lita Ford und Do Ya Do Ya (Wanna Please Me) von Samantha Fox. Im Gegensatz zu vielen eigenen Songs geht es hier dann deutlich schneller und energiegeladener zur Sache. Gerade dadurch funktionieren die beiden Stücke hervorragend als Abschluss eines zwar relativ kurzen, aber intensiven Sets. Musikalisch bleiben danach eigentlich kaum Wünsche offen. Außer vielleicht einem. Mehr von Violet zu hören. Mehr Konzerte zu sehen und noch einmal in dieses sorglose, nostalgische Gefühl einzutauchen, das irgendwo zwischen Herzschmerz, großen Melodien, coolen Jungs, toupierten Haaren, Neonlicht, Sporthosen und der festen Überzeugung liegt, dass der Refrain unbedingt noch einmal größer werden muss als beim letzten Mal. Wenn es für Violet so weitergeht, bin ich mir ziemlich sicher, dass man von dieser Band noch deutlich mehr hören wird – und hoffentlich schon bald auch über die Landesgrenzen hinaus. Ich würde es ihnen wünschen und allen zukünftigen Fans sowieso.