Knivad – Lilla Vackra Människa

10.09.2026 - Crust - Suicide Records - 33:05 Minuten

Die Schweden von Knivad verdunkeln auch schon seit Längerem den Erdball mit ihrer aggressiven Art der Musikerstellung. Seit ca. 2012 sind sie dabei, so genau weiß man es nicht, ist ja auch nicht so wichtig. Sie stammen zwar ursprünglich aus Göteborg, aber das hört man definitiv nicht. Wenn ich es richtig verstanden habe, lebt auch nur noch einer der Band dort. Egal. Nach drei EPs in den Jahren 2012, 2013 und 2015 erschien im Jahre 2021 das Debütalbum namens Insidans Ärrvävnad.

Man hat etwas gebraucht, aber man hat es doch geschafft und nun liegt uns Lilla Vackra Människa, das zweite Album der Band, auf dem Tisch.

Bei den ganzen Death- und Thrash-Metal-Veröffentlichungen, die zwar geil waren und auch Spaß machen ohne Ende, braucht man aber auch hin und wieder etwas richtig Derbes, so geht es mir zumindest. Da kommen Knivad gerade genau recht und der Opener En Utväg bestätigt meine These, denn der Song geht mit seinen knappen neunzig Sekunden direkt ins Mark. Oder heißt das jetzt Euro? Ich glaube nicht! Egal. Dreckig startet man ins Rennen. Sänger Manne kotzt ins Mikro und die Burschen knattern eine wilde Mischung aus D-Beat, Crust und Punk aufs Parkett. Hier darf man ruhig tanzen gehen und alles kurz und klein kloppen, aber man muss sich beeilen, denn so viel Zeit hat man nicht. Ein beinahe melodisches Riff unterstützt die pure Gewalt, die hier herrscht.

Auch Lilla Vackra Människa hat so eine getragene Melodie am Start, überzeugt ansonsten eben mit D‑Beat-getriebener Drumarbeit und den rotzigen Vocals. Man geht immer ein Stück vorwärts und erst nach neunzig Sekunden nimmt man das Tempo heraus, klingt dann atmosphärisch und psychedelisch und nimmt am Ende wieder Fahrt auf. Das geht gut rein. Schöner, sicker Kram. Macht absolut Laune auf Zerstörung.

Det De Vet kommt langsam und drückend zu Beginn und dabei bleibt es natürlich nicht. Der drückende D-Beat ist auch hier wieder besonders geeignet, um seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Der Kopf des Zuhörers geht automatisch rauf und runter. Der längere Schrei offenbart die Gefühlswelt des Protagonisten und auch hier wieder dieses manisch-depressive und melodisch anmutende Gitarrenspiel. Lecker. Das Ding treibt ohne Ende und ist ein geiles Stück Gewalt. Nun ist man zwar gut aus der Puste, aber es muss ja weitergehen. Zum Glück.

Ett Liv bietet nach der gerade gehörten Action zu Beginn erst einmal eine depressive Pause. Langsam und gefühlsecht kämpft man sich durch die Gehörgänge und liefert dann im langsamen Midtempo eine geile Melodie ab, die aber auch bösartig rüberkommt. Schnell wird man nicht, braucht man auch nicht. Ein langsames Gitarrenspiel, sehr manisch, wird mit dem schreienden Gesang kombiniert und erzeugt eine gewisse Hass-Situation bei mir. Kann man nicht beschreiben, muss man absolut hören. Der Song wird wieder aufgebaut, ohne wirklich schnell zu werden. Das ist einfach nur kranker Scheiß und auf den stehen wir doch alle. Kaputtes Werkzeug zum Genießen, was willst du mehr? Der Song zieht sich ganz schön und kommt einem deswegen noch extrem mürber vor. Puh, starker Tobak.

Statistiskt Sett und Bältad sind dann wieder richtig schnelle Attacken, so wie man es braucht. Neben dem D‑Beat, den crustigen Momenten und punkigen Ausflügen sind immer wieder dunkle und schwarze Momente vorhanden, die einen dann an Auszüge aus dem Black Metal erinnern. Dieses Motto zieht sich durch das ganze Album und steht ihnen gut zu Gesicht. Der kreischende und angepisste Gesang und immer diese melancholischen und depressiven Melodien und der kranke Gesamtsound des Albums haben absolut was und kommen mir gerade irgendwie genau gelegen.

Djuret Inom Mig klingt vom Riffing her zu Beginn schon etwas freundlich und positiv, aber schon der folgende, langsame Part lässt die Stimmung kippen und die aggressiven Vocals geben einem dann den Rest und holen dich zurück in die Realität. Ein Ritt auf Messers Schneide ins absolute Niemandsland.

Die Songs Slukad, Dagen Det Dödade Dig, Jag Har Rätt Att Förstöra Mig Själv und Vad Är Det För Fel På Mig? reihen sich gnadenlos ein und der Untergang hat begonnen.

Hier geht es für weitere Informationen zu Knivad – Lilla Vackra Människa in unserem Time For Metal Release-Kalender.

Knivad – Lilla Vackra Människa
Fazit zu Lilla Vackra Människa
Die ursprünglich aus Göteborg stammende Band Knivad klingt so gar nicht nach der Musik, die ansonsten von dort stammt, und das ist auch verdammt gut so. Elf Songs in 33 Minuten sprechen ihre eigene Sprache. Diese bedient sich mehrerer Akzente. D-Beat, Crust, Punk und Hardcore. Aus diesen Akzenten wird die Knivad-Sprache. Der Gesamtsound ist komplett sick und eine dunkle Atmosphäre durchläuft das Songwriting, welches auch Ausflüge ins Blackige zulässt. Der Gesang ist rotzig und der gute Mann scheint nicht so zufrieden zu sein mit der Welt. Nach diesen dreißig Minuten hat man Bock, irgendetwas zu zerstören, was man natürlich nicht machen sollte.

Anspieltipps: Lilla Vackra Människa und Det De Vet
Michael E.
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