Artist: Cyrcus

Herkunft: Heinsberg, Deutschland

Genre: Metal, Rock

Label: Deafground Records

Link: https://www.facebook.com/CyrcusOfficial

Bandmitglieder:

Gesang – Jan C. Müller
Gitarre – Andy Gaube
Bass – Simon „Sigh“vom Eyser
Schlagzeug – Kersten Noczinski

Time For Metal / Kai R.:
Hallo Jan,
ich hoffe dir und eurer Truppe geht es gut und ihr habt den Videodreh am Samstag (den 08.02.2014) erfolgreich hinter euch gebracht. Nach eurem Aufruf auf Facebook habt ihr ja für euer neues Album an einer Singleauskopplung / Videoauskopplung gearbeitet. Erzähle doch mal, wie war es?

Cyrcus / Jan:
Danke der Nachfrage, ich denke, ich spreche für alle, wenn ich sage, ja, es geht uns gut. Und wenn ich hinzufüge, dass wir alle immer noch völlig geplättet von den Dreharbeiten sind, wird das wohl auch jeder bejahen. Wir hatten ja im Vorfeld des Videodrehs einen Aufruf gestartet, weil wir nach zwei sehr storylastigen Videos einfach mal ein mehr oder minder klassisches Party-Video mit Freunden und Fans drehen wollten. Die Resonanz darauf hat uns wirklich umgehauen, wir hatten das Luxusproblem, letztlich sogar nicht jeden Bewerber einladen zu können, und unser Proberaumkomplex war im Endeffekt zum Bersten gefüllt. Das Ergebnis kann man sich in Bälde unter Anderem auf unserem Youtube-Kanal anschauen.

Time For Metal / Kai R.:
„Leck mich fett! – Andere Bands haben Eier. Cyrcus haben ein ganzes Huhn“, das ist ja quasi euer Leitspruch, der irgendwie zu Cyrcus gehört wie der Topf zum Deckel, das Handtuch zur Sauna oder das Bier zum Metal. Wie kommt ihr dazu zu behaupten ein ganzes Huhn zu haben und was hat es mit den „Chickensounds“ in eurem Song „I mean like… WOW… and stuff“ auf sich? Und ist das Huhn gegrillt oder noch mit Federn?

Cyrcus / Jan:
Zunächst sei gesagt „no chickens were harmed during the making of this record“. Es ist mir fast peinlich zuzugeben, dass wir in dem Song kein analoges Huhn, sondern ein digitales benutzt haben. Das ist schon extrem untrue. Dennoch soll jede Band im Bereich Alternative Metal, die ein songdienliches Hühnergegacker in einem ihrer Songs vorweisen kann, jetzt vortreten und Einspruch gegen unseren Slogan erheben. Wir werden diesen dann galant ignorieren. Um ehrlich zu sein, kam die Idee zu dem Gastauftritt des Huhns auf, als wir uns das Riff zum Song gegenseitig vorgegackert haben. Das passte einfach. Ob das jetzt ein Qualitätsmerkmal darstellt, soll unser Gitarrist entscheiden.

Time For Metal / Kai R.:
Neben der stark limitierten Auflage eurer EP The Echoes EP (Release 2013) erscheint in Kürze (genau gesagt am 28.03.2014) euer neuestes Album Coulrophobia. Wie kommt man als Band, die einen Clown als „Maskottchen“ hat, darauf, ein Album so kontrovers nach der Angst vor diesem zu benennen?

Cyrcus / Jan:
Das ist, und das sage ich mit vollem Ernst, eine hervorragende, geradezu investigativ-journalistische Frage! Wir bewerten die Angst vor Clowns ja gar nicht, sondern nennen sie nur beim Namen. Die „Coulrophobie“, wie diese Phobie überraschenderweise auf Deutsch heißt, ist ja meist völlig unbegründet. Meist. Wir kommen auf dem Album aber auch auf den Serienkiller John Wayne Gacy zu sprechen, der seine Opfer im Clownskostüm in sein Haus – und damit in ihr sicheres Verderben – gelockt hat. In so einem speziellen Fall ist eine gewisse Furcht oder Skepsis dieser bislang nur unzureichend erforschten rotnasigen Lebensform gegenüber natürlich nicht unbegründet.

Time For Metal / Kai R.:
Wäre es möglich, dass du das Album mal in einem Track-By-Track auseinandernimmst?

1. I Mean Like…Wow…And Stuff

 Cyrcus / Jan: Weint nicht um die Toten. Feiert die Lebenden. Jammern hat keinen Zweck. Tanzen und Trinken hingegen schon. Hier, Hedonismus und so.

2. Toy Gun In A Knife Fight

Cyrcus / Jan: Ein Schmählied auf den einen, der aus Bequemlichkeit zurückbleibt, während die anderen versuchen, die Karre aus dem Dreck zu ziehen.

3. After The Rain

Cyrcus / Jan: Das Gegenstück zum obigen Song. Wenn alle zusammenarbeiten, kann man das Ruder noch rumreißen. Teamwork und Elan sind mächtige Waffen.

4. Echoes

Cyrcus / Jan: Schuld sind immer die anderen. Wobei es auch helfen kann, genauer hinzusehen. Manchmal ist man selbst sein böser Zwilling.

5. Abandon Ship

Cyrcus / Jan: Wenn das Schiff auf Grund gelaufen ist, geht’s zu Fuß weiter. Im Bewusstsein, dass man alles in den Sand gesetzt hat.

6. Ctrl

Cyrcus / Jan: Man lebt sein Leben oft nur für die anderen. Wenn die Ctrl-Taste klemmt, hilft oft nur ein Reset.

7. Anywhere But Here

Cyrcus / Jan: Sich einzugestehen, dass man überall glücklicher sein kann, als da. wo man ist, ist ein ziemlicher Schluck aus der Pulle.

8. Twentytwo And Eleven

Cyrcus / JanGacy. Serienkiller. Psychopath. Arschloch. Schwein. Kranker Mann. Sausack. Clown. Es gibt immer auch ein Gesicht hinter der Schminke. Manchmal ist es böse.

9. We Run This Planet

Cyrcus / Jan: Menschen. Super Spezies. Haben das Mikrowellenpopcorn erfunden. Und das Internet. Und können sich jetzt weltweit gegenseitig beleidigen. Toll! Hut ab.

10. Healing

Cyrcus / Jan: Ein sehr persönlicher Song unseres Gitarristen Andy, der eine ziemlich schmerzliche Zeit behandelt. Aber auch, wie es besser wurde.

11. Dig A Ditch

Cyrcus / Jan: Es gibt Freunde,die braucht keine Sau. Sich dieser zu entledigen, ist unangenehm. Aber nötig. Da wird jeder mitsingen können.

12. From The Heart Of My Bottom

Cyrcus / Jan:
Der erste Metal-Song, in dem die Worte „Hundwelpen“, „Kätzchen“, „Schwarzbrot“ und „Hüttenkäse“ geshoutet werden. Klingt nicht plausibel? Ist es aber!

Time For Metal / Kai R.:
Wer schrieb die Songs und was hat sich aus eurer Sicht in den letzten Jahren bei euch geändert (thematisch, musikalisch und auch persönlich)?

Cyrcus / Jan:
Als ich in die Band ka, stand ein Großteil der Songs schon, was die Musik anging. Von den Jungs kommen manchmal Ideen, die ich dann in die Texte mit einfließen lasse. Hinterher behauptet ich natürlich immer, dass das alles von mir stammt, ich bin ja nicht bescheuert. Spaß beiseite, die meisten Texte stammen von mir, aber Andy schreibt echt gutes Material. Wobei… eigentlich etwas zu gut. Ich muss mal mit dem reden, das geht so nicht weiter. Ich spiele auch nicht einfach plötzlich Gitarre. Eine Unverschämtheit. Was denkt der sich eigentlich? Wofür habe ich denn mein Germanistikstudium abgebrochen? Damit dann einfach so ein Gitarrist meint, die Texte schreiben zu müssen? Thematisch tut sich immer viel, es ist keinem daran gelegen, zwei Mal das gleiche Feld zu beackern. Sowohl musikalisch als auch textlich. Was eine persönliche Entwicklung angeht, kann ich sagen, seit ich elf geworden bin, wachsen mir Haare an den merkwürdigsten Stellen.

Time For Metal / Kai R.:
Auf Coulrophobia kam es ja zur Zusammenarbeit mi der österreichischen Band The Sorrow bzw. mit deren Sänger Mathias „Maetze“ Schlegel. Wie kam es zu der Zusammenarbeit und was können zwei Bands solchen Kalibers voneinander lernen?

Cyrcus / Jan:
Maetze hat mit The Sorrow im gleichen Sudio und mit dem gleichen Produzenten aufgenommen, kurz nachdem wir Coulrophobia fertiggestellt hatten. Ihm gefiel der Song und wir haben ihn einfach gefragt, ob er nicht Lust hätte, ein paar Vocals beizusteuern.
Was wir voneinander lernen können, möchte ich jetzt nicht einfach so spekulieren. Aber ich kann sagen, dass wir auf persönlicher Ebene doch die ein oder andere Gemeinsamkeit entdeckt haben.

Time For Metal / Kai R.:
Das Coverartwork wurde ja von Archetype Design produziert, der bereits auch für uns das Poster für unser Event (http://www.devastating-events.de) machen durfte. Wie kommt ihr an den italienischen Designer und wie oder was war eure Vorgabe für das Coverartwork?

Cyrcus / Jan:
Wir stehen mit Dani schon eine Weile in Kontakt, wir mögen seine T-Shirt-Designs und er mochte das Album. Da kamen wir schnell vom Hölzchen aufs Stöckchen. Und er wusste direkt, was wir wollten und hat es auch perfekt umgesetzt, wie wir finden.

Time For Metal / Kai R.:
Aber mal ehrlich, unter dem Namen Cyrcus ist ja bereits Blood, Sweat & Bubbles (2008) und Nu Entertainment im Jahr 2006 erschienen. Doch warum sieht man davon nichts auf eurerFacebook-Seite? Wollt ihr mit dem alten Kram abschließen oder was steckt dahinter?

Cyrcus / Jan:
Ich denke, die Idee dahinter ist einfach, ein neues Kapitel aufzuschlagen. Es hat sich musikalisch viel getan. Wir spielen die alten Songs immer noch und wir mögen sie auch nach wie vor sehr, aber wir wollen den Focus einfach auf Coulrophobia lenken.

Time For Metal / Kai R.:
Ich kann es nicht lassen zu fragen. Früher stand ja Marcel „Chubby“ Römer am Mikrofon der Clowns. Gerade erst letzte Woche Samstag sagte ein Kumpel von mir, dass Chubby viel mehr Volumen hinterm Mikrofon hatte als es heute der Jan hat. Was war noch gleich der Grund für den Wechsel am Mikrofon? Was haltet ihr von dem Vergleich? Berechtigte Kritik oder doch eher totaler Quatsch?

Cyrcus / Jan:
Ach, sowas ist doch Geschmackssache. Ich hab keinen Gefallen an solchen Vergleichen. Ich kenneChubby schon seit Ewigkeiten und weiß, dass er ein wirklich guter Sänger ist. Und wenn ich mich selbst nicht auch für einen guten Sänger halten würde, würde ich mich natürlich nicht auf eine Bühne stellen. Wir wissen beide schon seit Jahren ganz genau, was wir tun und wir brauchen auch niemandem mehr was zu beweisen. Leute, die da „der alte Sänger hat aber… blabla, der neue Sänger hat aber… blubb blubb“ skandieren, gibt es immer. Den Vergleich wird es immer geben. Der eine sagt so, der anderr so. Ich würde mir wünschen, dass jeder mit seinem „Œuvre“ für sich stehen kann und gut ist. Daher will ich mich an solchen Diskussionen auch nicht beteiligen. WasChubbys Weggang angeht, manchmal gibt es einfach Schwierigkeiten zwischen Kollegen. Auch in Bands. Und ich bin der Meinung, dass die nicht immer öffentlich breitgetreten werden müssen. Sowas wollen wir doch weiterhin Soap-Sternchen, Königshäusern, Spielerfrauen und Boygroups überlassen. Wir sind hier doch nicht im Nachmittagsfernsehen.

Time For Metal / Kai R.:
Jan, du bist ja bekanntlich auch Moderator für den Metal/Rock Mailorder EMP und damit bleibt ihr auch nicht hinter dem Busch. Ist es so, dass es euch etwas bringt, dass du und EMP gemeinsam hinter der Sache stehen? Bzw. wie steht der Mailorder überhaupt hinter eurem Projekt?

Cyrcus / Jan:
Ich kann dazu nur sagen, ich bestreite sowohl meinen Job als Musikjournalist als auch meinen Posten als Sänger mit der gebotenen Ernsthaftigkeit und Motivation. Und es ist nun einmal eine Musiksendung für EMP, die ich da moderiere. Warum sollte man damit hinter dem Berg halten? „Hinter“ dem Projekt versteckt sich jedenfalls nicht EMP, wenn Du das implizieren wolltest. Wir werden von denen nicht anders behandelt als jede andere Band. Aber natürlich ist es ihnen durchaus recht, wenn ein aktiver Musiker für sie vor der Kamera steht, der weiß, wovon er redet, wenn er andere Musiker interviewt.

Time For Metal / Kai R.:
So dann wollen wir mal persönlich werden. Reitet Cyrcus auf der aktuellen Welle der Fleischhasser mit oder liebt ihr es auch mal in ein saftiges Steak zu beißen?

Cyrcus / Jan:
Ha! Da kann ich mal was Substanzielles zu beitragen. Ich bin vor einigen Jahren vom Fleischfan in einem experimentellen Rahmen zum Vegetarier mutiert. Und das für ne ziemlich lange Zeit. Mittlerweile esse ich wieder hin und wieder Fleisch, weil ich mich während des Verzichts am Ende körperlich tatsächlich nicht mehr ganz so wohl gefühlt habe. Ich bewundere jeden, der das durchzieht. Ich kann aber mit den militanten Vertretern beider Lager nichts anfangen. Was meiner Meinung nach heute fehlt, ist ein bewusster Umgang mit Fleisch und der Industrie, die dahinter steht. Es ist für viele einfach selbstverständlich und extrem anonym geworden. Eine wirklich Diskussion findet aber nicht statt, weil es auf beiden Seiten zu viele Idioten gibt. Das ist ja mit allen Gesinnungsfragen so. Wegen mir kann jeder essen und trinken, was er will, küssen und heiraten, wen er will, er muss es mir nur nicht nonstop in die Ohren grölen.

Time For Metal / Kai R.:
Lieber Bier oder doch lieber Wasser beim Auftritt?

Cyrcus / Jan:
Bier – in Maßen – ist absolut okay. Daher für mich je nach Tagesform lieber Bier. Wasser ist aber auch okay. Ach, solange keiner neben die Saiten greift, am Mikro vorbei singt, von der Bühne fällt oder auf die Snare Drum kotzt, geht alles in Ordnung.

Time For Metal / Kai R.:
Was war bisher der lustigste/traurigste Moment in eurer Bandgeschichte?

Cyrcus / Jan:
Der Moment, als mir diese Frage zum 50. Mal gestellt wurde. Nein, ich denke, so richtig traurige Momente haben wir zum Glück nie. Lustige eigentlich immer. Vielleicht kann ich was zum traurigsten Moment sagen, wenn ich mal vor Lachen einen Zwerchfellbruch erleide. Das könnte für die anderen aber wieder der lustigste Moment sein. Gott, was für eine schwierige und vielschichtige Frage!

Time For Metal / Kai R.:
Was denkt ihr über die Dienste Spotify und Co.? Ist es eine Bereicherung für euch oder haltet ihr diese Art von Musikverbreitung für Urheberrechtsverletzung, da vor allem kleinere Bands so gut wie keinen Cent damit verdienen?

Cyrcus / Jan:
Kleine Bands verdienen so oder so keinen Cent mit der eigentlichen Musik. Ob mit Spotify oder ohne. Wenn aber Dienste wie Spotify helfen, die Musik einer breiteren Masse zugänglich zu machen, ist es eindeutig ein Gewinn. Eine Band mit mittlerem Bekanntheitsgrad bestreitet ihre Einkünfte heutzutage größtenteils mit Merchandising und Live-Shows. CDs sind Promo. Songs sind die Flyer von heute. Und wer Spotify „Urheberrechtsverletzung“ anlasten will, hat sich im Vorfeld nicht mit seinem Rechteverwerter abgesprochen. Spotify ist ein Geschäft. Wenn das Urheberrechtsverletzung ist, dann ist Amazon genauso schuldig. Wenn man seine eigene Musik dort nicht vermarkten will, kann man das so vereinbaren. Aber diesen Service mit Piraterie gleichzusetzen, ist einfach nur dämlich.

Time For Metal / Kai R.:
So zum Abschluss will ich euch die Chance lasse, uns etwas zu fragen, was ihr schon immer von einem Metal-Magazin wissen wolltet – wir versuchen ehrlich zu antworten! 😀

Cyrcus / Jan:
Was war der bisher lustigste/ traurigste Moment in der Geschichte eures Magazins? 😀

Time For Metal / Kai R.:
Also einen einzelnen lustigen Moment zu fassen ist da schwer. Der Time For Metal e.V. arbeitet sehr dezentral und so kann es dazu kommen, dass man manche Kollegen nur ein Mal im Jahr zu sehen bekommt. Sehr lustig sind bisher immer die Treffen auf dem Wacken Open Air gewesen. Traurige Momente gibt es natürlich auch, bei einem Interview mit einem Sänger einer Black Metal-Band stellte er sich selbst die Frage, ob er bereits einen Menschen getötet hätte, welche Frage er bejahte. Es ist echt traurig, dass man sich als Musikmagazin mit solch einen Bullshit beschäftigen muss. Glücklicherweise konnten wir mit kurzer Rücksprache mit dem Label die Frage aus dem Weg räumen.

Ich bedanke mich bei dir dafür, dass du dir die Zeit genommen hast um dich meinen Fragen zu stellen und ich hoffe, dass es dann mit dem nächsten Video klappt! Ich bin gespannt, was unsere Kollegin Petra D. von eurem Album hält – denn sie hat es für ein Review auf ihrem Tisch liegen!

Cyrcus / Jan:
Das muss aber in den CD-Player. Das ist doch kein Untersetzer!

Time For Metal / Kai R.:
Da lag sie auch. Der Nachweis dazu ist hier zu finden.

Gruß KaiTime For Metal

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