Heute ist wieder mal Zeit für ein Wunsch-Review und ich kann euch sagen: Dies war ein sehr langwieriger Wunsch. Um genau zu sein, wünsche ich hier seit 13 Jahren vor mich hin, dass genau dieses endlich passiert. Damals war Album Nummer zwei Set The Flag gerade auf dem Markt und ich konnte von den Jungs aus Hannover einfach nicht genug hören. Mit dem Erstlingswerk Turn The Amplifiers On im Doppelpack gekauft, liefen beide in Endlosschleife, und auch heute kann ich noch jeden Song mitsingen, und wenn sie mal wieder in meiner Playlist auftauchen, bringe ich es nicht übers Herz, abzuschalten. Und nun ist es so weit! 13 Jahre – 13 neue Songs. Also, wer so lange ausbrütet, der muss schon abliefern, und ich bin wirklich gespannt, was mich jetzt erwartet.
Wir starten mit Just One More Year und schon die ersten paar Minuten machen mich so unfassbar glücklich: Das ist genau DAS! Melodischer Punkrock ohne Kompromisse und ohne Verschnaufpause. Geil. Innerhalb der Band hat es in den vergangenen Jahren einigen Nachwuchs gegeben, und allein die Zeile „We made kids along the way“ gesungen mit zusätzlichen Kinderstimmen, ist so rund und passend, ich höre den Song direkt dreimal hintereinander und weiß jetzt schon, dass es mir mit diesem Album gehen wird wie mit den Vorgängern: Ich werde sie nicht müde. Es folgt Little Boy und auch hier zeigt sich, dass die Band sich zwar weiterentwickelt hat, aber ihrer Linie trotzdem wunderbar treu bleibt. Schon jetzt wippe ich fröhlich im Takt und ich hatte echt einen richtigen Scheißtag, also doppelte Punktzahl!
John And Paul ballert los und legt noch mal eine Schippe drauf. Fat Belly preschen immer ziemlich durch ihre Songs, live noch mal mehr als auf Presswerk. Ich mag, wie sie direkt zur Sache kommen, das ist es, was für mich Punkrock ausmacht. Auf den Punkt, zackig durchballern, am besten kein Song länger als drei Minuten und vor allem keine ewigen, künstlerisch wertvollen Sologedüdel. Herrlich!
Kings Of The Midnight beginnt und ich überlege kurz, ob das ein Gastsänger ist, weil die Stimme so „brav“ klingt, doch dann kehrt der Rotz in der Stimme zurück. Diesen Track würde ich jetzt mal als nicht-Fat-Belly-typisch einordnen. Dem Thema „Vermissen und auf Menschen, die einem fehlen, das Glas erheben“ angepasst, ist er melodischer und fast besinnlich. Er gefällt mir aber trotzdem gut, wobei er mich im hinteren Teil mehr abholt und mir tatsächlich mit seinen 3,5 Minuten fast zu lang wird.
Weiter geht es mit Lost And Forgotten und wieder mit Vollgas voran. Vor meinem inneren Auge sehe ich Drummer Julian Bünger an seinem Schlagzeug eskalieren und erinnere mich mit einem Grinsen daran, wie Sänger Benny Feustell einmal sagte: „Wenn wir noch einen Schlag schneller spielen, kippt er vom Hocker“. Das Tempo, das hier aus den Boxen ballert, ist mal wieder sensationell. Vielleicht sind die Songs auch deshalb alle recht kurz, die hauen einem ihr Thema um die Ohren, ziehen nix unnötig in die Länge und sind dann halt einfach schneller fertig mit so einem Song. Hätten sie sich mal fürs Album ein Beispiel dran nehmen sollen, dann hätte ich nicht 13 Jahre warten müssen … 😉
Richtig schön abwechslungsreich ist Done For The Day als Song Nummer sechs an der Reihe. Ich lehne mich gerade zurück, da dröhnt ein herzhaftes „Ach, scheiße“ aus der Box. Verwirrt spule ich ungefähr 37x zurück. Doch es ist, wie es ist … Man achte also auf Minute 1,39, und ich finde es lustig und mega sympathisch, dass das nicht rausgeschnitten wurde. Zufrieden grinse ich vor mich hin. Das Chaotische haben sie also in all den Jahren nicht eingebüßt. Und ja … ich hab’s auch noch ein 38. und 39. Mal zurückgespult, weil das genau meinen seltsamen Humor trifft.
Deutlich ruhiger kommt Lost Places, Fading Faces daher. Dabei ist es nicht einen Deut langweilig, vielmehr zeigt es die Bandbreite, die diese Band zu bieten hat. Besonders positiv fällt mir immer wieder auf, dass man die Texte ganz hervorragend verstehen kann. Ein Song kann noch so viel aussagen wollen, wenn man nichts versteht, fehlt das Stück der Message, das man nicht erfühlen kann.
Anscheinend sind wir jetzt im etwas melancholischeren Teil des Albums angekommen. Better Of Deaf schwelgt in der Vergangenheit und schwappt durch Erinnerungen, und ich hätte jetzt gern mal grad die Lyrics, um es komplett zu übersetzen, damit ich nichts verpasse.
Potholes And Hairpin Curves reiht sich bei den ruhigeren Vorgängern ein und für mich könnte jetzt mal wieder mehr Wumms kommen. Und als hätten sie mein Jammern auf hohem Niveau gehört, geht mit Adjust Your Sails der Geschwindigkeitsregler wieder ein gutes Stück nach oben. Hier kommen auch die Gitarren noch mal gut zur Geltung und einmal mehr hört man heraus, dass die Jungs an den Instrumenten ihr Handwerk beherrschen.
Stories That You Told ist dann wieder genau mein Geschmack. Der Song läuft einfach rund und macht gute Laune, die Füße wippen automatisch mit und es ist so schön fluffig punkpoppig – das macht sich live bestimmt auch richtig gut. Schön!
Nur noch zwei Songs und Nothing Gold Can Stay ist definitiv kein Rausschmeißer-Song. Zwischen Gitarrensoli, hervorgehobenen Gesangsparts und vorantreibendem Sound findet sich ein Dialog aus … einem Film? Auf jeden Fall noch mal interessant gemacht. Ein bisschen, als hätte man noch schnell alle Ideen, die noch nicht bedacht wurden, zusammengeschmissen und umgerührt. Wobei ich noch mal den Finger in die 13-Jahre-Wunde lege und behaupte, dass hier vermutlich gar nichts „schnell“ passiert ist … *hust*
Pandemic schließt dieses Album und bearbeitet ein Thema, das uns alle in den letzten Jahren betroffen hat. Eigentlich hab ich vom bösen C echt die Schnauze voll, aber der Song ist so schmissig und zieht mich mit, dass ich auch ihn für gut befinden muss.
So. Das war’s. 13 Songs aus 13 Jahren und ich bin wirklich sehr besänftigt. Und kann nur jedem ans Herz legen, nicht 13 Jahre zu warten, bis ihr das Album hört. Und manchmal möchte ich am liebsten in die Welt schreien: HÖRT EUCH DAS AN! Gebt den kleinen Bands eine Chance, geht auf ihre Konzerte und helft ihnen, ihren Weg weitergehen zu können.
Ich gebe ab ans Fazit!
Hier geht es zu weiteren Informationen zu Fat Belly – Stories In Stereo in unserem Time For Metal Release-Kalender.



