Manchmal kommen sie alle wieder. Dieses ist keine Einleitung zu einer weiteren, unnötigen Zombieserie auf Netflix oder Amazon Prime, sondern eine Aussage zu einer Band, deren Schaffen ich eigentlich immer positiv gesehen habe, auch wenn man es eigentlich nie so richtig aus dem Underground geschafft hat. Die Rede ist von den Amerikanern von Lust Of Decay, die von 2000 bis 2007 ziemlich aktiv waren und drei leckere Alben veröffentlicht haben. Und immer mit Covern, die sehr Index-lastig waren. Dann wurde es ruhig um die Band. In den Jahren 2014 bis 2016 versuchte man ein Comeback, das aber wohl nicht funktionierte. Im Jahre 2020 versuchte man es erneut. Dreiviertel der Originalbesetzung, bzw. aus der Besetzung des Jahres 2002, sind mit an Bord und man machte sich dran, neue Songs zu schreiben. Und voilà, da ist das Ding. Album Nummer vier namens Entombed In Sewage erblickte Ende 2025 das Licht der Welt via Comatose Music. Dass das Album bei dem genannten Label erschienen ist, verwundert natürlich keinen, denn Gitarrist Steve Green ist auch zugleich Eigentümer des Labels.
Von der ersten Sekunde an machen Lust Of Decay klar, dass musikalische Schöngeister und experimentierfreudige Metalheads mal lieber gleich auf Stopp drücken und eine neue CD einlegen sollten, denn der Opener Parasitic Exsanguination knallt gleich so was von brutal aus den Boxen, dass die Schwarte nur so kracht. Geil. Dabei verwendet man so ziemlich geile Riffs und baut immer wieder Breaks und Gimmicks mit ein, wie z. B. die kleinen Bassvorspieler. Sehr geil. Die growligen oder gutturalen Vocals sind einfach nur geil. Die Burschen sind Ende der Neunziger bzw. Anfang der 2000er aktiv gewesen, und das hört man. Man ist weit davon entfernt, in eine slammige Version des brutalen Death Metals zu verfallen, sondern besinnt sich auf die alten Trademarks, die ich auch so sehr liebe. Die groovigen Aktionen, die sein müssen, sind trotzdem aggressiv und heavy ohne Ende. Man geht rechtzeitig vom Tempo runter, drückt dann ordentlich und nimmt wieder Fahrt auf. So will ich es hören und nicht anders – vor allem von Lust Of Decay: Und es ist kein stumpfes Geballer, denn es sind genügend technische Spielereien vorhanden, diese stehen aber eben nicht im Vordergrund.
Auch der nachfolgende Song Hallucinations Of The Decrepit schlägt diese Marschrichtung ein. Hallo, hier kommt das Gaspedal und dieses möchte durchgedrückt werden, aber man baut gleich einen groovigen und aggressiven Doublebasspart mit ein, der einmal feucht durchwischt, um dann eine abgehackte und technisch anspruchsvolle Passage mit einzubauen, die mein Rhythmusgefühl zwar ein wenig durcheinanderbringt, aber absolut passend ist, denn die anschließenden Vocals und die Blastbeatattacke passen absolut dazu und fügen das Ganze brutal zusammen. Das geht gut ab, gar keine Frage. Aber auch hier wird klar, dass es eben Musik von Liebhabern des brutalen Death Metals für Fans des brutalen Death Metals ist. Außerhalb der Bubble wird es wohl kaum jemanden jucken, aber das ist mir egal. Das Ding ballert und nimmt mich komplett mit. Der Snaresound scheppert zwar nicht so wie bei den alten Brodequin, klingt aber auch nicht so steril. Sehr lecker. Nach der Ballereinheit geht man wieder in einen groovigen Part, der es in sich hat, und nimmt dann wieder, mit geilem Riffing, ordentlich Tempo auf. Ja, das macht Spaß. Absolut! Der Groove darf noch einmal ran und dieses aggressive Growling dazu ist einfach nur awesome.
Schweinisch, im wahrsten Sinne, ist die kurze Einleitung des Songs Nourishing The Swine. Grüße aus dem Schweinestall, warum auch immer. Der Rest ist natürlich geile und brutale Kost. Die Breaks erzeugen eine ordentliche Portion Drive. Gitarrenquietscher dürfen auch nicht fehlen, und auch so ballert man sich achtsam durch das Gebälk. Der Dying-Fetus-Groove sitzt, ansonsten fliegt der Song aber irgendwie an mir vorbei.
Ein Titel, der so richtig schockt, obwohl man damit heutzutage ja auch keinen Blumentopf mehr gewinnt, ist Rusty Razor Rimjob. Eine liebreizende Frauenstimme eröffnet den Song, der sich dann natürlich in eine ordentliche Gemetzelorgie verwandelt. Feinste Grooves und ordentlich Dampf im Kessel. Macht Laune.
Und dann wäre da ja noch der Song Order 66. Was soll ich da zu sagen? Brett. Irgendwie klingt der trotz der Brutalität und des brachialen Gesamtkonzepts ein wenig fröhlicher und freundlicher als der Rest des Albums. Kann man schlecht beschreiben, muss man selber hören und auf sich wirken lassen. Liegt sicherlich an dem schon beinahe melodiösen Gitarrenspiel an der einen oder anderen Stelle. Es bleibt natürlich beim schnellen und aggressiven Brutal Death, aber der Song geht dermaßen geil ins Ohr. Fett!
Mit Entombed In Sewage enden dann die knappen dreiunddreißig Minuten und natürlich haut man noch einmal alle Trademarks raus. Ein gutes Album für Brutal-Death-Metal-Fans, auch wenn mich nicht alle Songs komplett gequatscht haben.
Hier geht es für weitere Informationen zu Lust Of Decay – Entombed In Sewage in unserem Time For Metal Release-Kalender.



